Beiträge mit dem Schlagwort ‘Volkshaus’

Schlaglicht auf Woche 48

schlaglicht am Montag den 28. November 2011

Hirscheneck, Grenzwert, 1. Stock und Kaserne. Fast jeden Tag ein Konzert an einem anderen Ort… Und auch sonst hat die Kulturwoche 48 wieder einiges zu bieten. Unsere wöchentlichen Kulturtipps… Diesen Beitrag weiterlesen »

Schlaglicht auf Woche 45

schlaglicht am Montag den 7. November 2011

Die Woche 45, die Woche der grossen Konzerte. Wilco und Archive sind in der Stadt und ab Donnerstag geht das Terrains-Festival im Gare du Nord über die Bühne. Schlaglicht hilft Dir wie immer bei der Planung Deiner Kulturwoche mit Hinweisen auf ausgewählte Kultur-Leckerbissen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Schlaglicht auf Woche 32

karen gerig am Montag den 8. August 2011

Noch keine Ahnung, was kulturell läuft diese Woche? Wir helfen Dir bei der Planung Deiner Kulturwoche mit Hinweisen auf ausgewählte Kultur-Leckerbissen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Volkshaus Basel: Der Umbau schreitet voran!

schlaglicht am Freitag den 10. Juni 2011

Vergangenen Dezember wurden Leopold Weinberg und Adrian Hagenbach alias «Jugendstil AG» als neue Betreiber des Volkshauses ernannt. Da die Übergabe an die neuen Betreiber allerdings erst auf Juli 2011 angesetzt wurde, ist es seither (mit einigen wenigen Ausnahmen) ziemlich ruhig um das ehemalige Streitobjekt geworden.

Da das Haus an der Rebgasse 12 in der Vergangenheit auch immer wieder für hitzige Diskussionen auf Schlaglicht gesorgt hat, sehen wir es als unsere Pflicht an, regelmässig zu überprüfen, ob es dem Volkshaus auch wirklich gut geht. So haben wir uns zum Beispiel erst kürzlich gefragt, wann eigentlich die im Konzept der Jugendstil AG angesprochenen Renovationen beginnen?

Screenshot http://www.volkshaus-basel.ch/

Angenehmes Ambiente vor dem Eingang! (Screenshot http://www.volkshaus-basel.ch/)

Ein kurzer Besuch auf www.volkshaus-basel.ch verrät überraschendes: Der Umbau hat bereits begonnen – und das obwohl die neuen Betreiber das Ruder noch gar nicht offiziell übernommen haben! Es ist definitiv beeindruckend, wie die Fassade des Hauses innert kürzester Zeit generalüberholt wurde und wie modern sie nun daherkommt. Vorbei ist es mit den tristen Holztischen auf dem Trottoir, neu zieren Buchsbäume den Eingang des Lokals. Die Eurovisions-Party kann kommen!

Spass beiseite. Ab Oktober ist wieder mit regelmässigen Konzerten im Volkshaus zu rechnen. Wir freuen uns.

Die BScene im Zeichen der Gitarren

Luca Bruno am Montag den 4. April 2011

15 Jahre hat die BScene mittlerweile auf dem Buckel und scheut sich trotzdem nicht davor, Jahr für Jahr weiterzuwachsen. Und damit sind nicht nur die 500 zusätzlichen Zuschauer gemeint, welche der diesjährigen Ausgabe zu einem erneuten Besucherrekord von gesamthaft 8500 Eintritten verholfen haben, oder die indessen 15 Bühnen, welche die über 50 Künstler und Bands dieses Jahr beherbergten, sondern viel eher die blosse Präsenz, welche die BScene mittlerweile in den Köpfen Basler Musikinteressierten und Bands einnimmt. Die BScene ist längst mehr als ein blosses Schaulaufen der gerade angesagtesten Basler Bands und Projekte wie die diesjährige Schlagzeug-Extravaganza «We Are Drums» werden hoffentlich dafür sorgen, dass das Clubfestival in den folgenden Jahren noch mehr Austauschforum für lokale Bands werden wird.

Sei es Hip Hop, Reggae oder Folk-Rock: Seit Jahren kommt an der BScene kaum ein Musikstil zu kurz. Blickt man auf das Lineup und das Logo der diesjährigen Ausgabe, so ist es allerdings noch immer der Gitarrenrock, der an der BScene am meisten vertreten ist. In der ersten Hälfte unserer Reviews beschränken wir uns daher auf ausgewählte Auftritte von Gitarrenbands, bevor wir dann morgen noch auf die elektronische und perkussive Seite der BScene eingehen werden.

My Heart Belongs To Cecilia Winter (Freitag 21:30, Kaserne – Reithalle)

Thom Luz (oder etwa doch ein Patrick Wolf-Double?) Foto: Dirk Wetzel

Festivalbesucher verfügen gerne über eine kürzere Aufmerksamkeitsspanne als normale Konzertgänger. Thom Luz, Sänger und Songwriter von My Heart Belongs To Cecilia Winter, scheint darüber Bescheid zu wissen und trifft daher die weise Entscheidung, die wunderbare Ballade «I Made You A Tape», welche er normalerweise alleine und gegen Ende der Sets der Band darbietet, für einmal zu Beginn eines Konzertes zu spielen. Ein äusserst stimmungsvoller und gelungener Beginn eines Auftritts, der – zumindest am Anfang – allerdings noch vor zu wenig Publikum stattfinden muss. Es ist anzunehmen, dass einige Besucher die Wartezeit an den Bändchenaustausch-Stellen unterschätzt haben.

In Reviews zu ihrem 2010 erschienenen Debütalbum «Our Love Will Cut Through Everything» musste das Trio des Öfteren den Vergleich mit der Band Arcade Fire über sich ergehen lassen. Eine Referenz, die nicht nur unfair, sondern auch einfach falsch ist. Zwar schreiben auch My Heart Belongs To Cecilia Winter gerne euphorische Hymnen, ihr Noise Pop Musik erinnert aber mehr an Bands wie die Raveonettes. Und beim Trio aus Zürich ist es auch heute wieder einmal das stimmliche Zusammenspiel der Vocals von Luz und Bassistin Betty Fischer, welches die meisten Höhepunkte setzt.

Noch verfügen My Heart Belongs To Cecilia Winter aber nicht über genügend Material, um ein Publikum über die volle Distanz bei Laune zu halten. Nach den ziemlich grossartigen «Eighteen» und «Guide Me To The Starts», die in der ersten Hälfte gespielt werden, funktioniert die Gratwanderung zwischen geradlinigen Popsongs und experimentelleren Tracks mit Autoharp nicht mehr. Oder vielleicht war die Aufmerksamkeitsspanne doch einfach zu kurz.

Sheila She Loves You (Freitag 22:50, Kaserne – Reithalle)

Sheila She Loves You (Foto: Dirk Wetzel)

Sheila She Loves You (Foto: Dirk Wetzel)

Während des Überhits «Don’t Give Us Poets, Give Us Bread» kann sich in der Reithalle zwar kein Fuss länger als eine Sekunde auf dem Boden halten, Sheila She Loves You zeigen sich davon allerdings unbeeindruckt. Popsongs? Been there, done that! Anstatt die mittlerweile bis auf den letzten Quadratzentimeter vollgestopfte Reithalle mit den bereits bekannten Hits zu beliefern, zeigt uns die Band an diesem Abend in erster Linie, wie fest der bandeigene Kosmos seit dem Release ihres Debütalbums «Esztergom» gewachsen ist. So ist bereits der Opener des Konzerts, eine Hommage an den Soundtrack zu «The Lord Of The Rings», die ziemlich schnell in eine brachiale Rockoper ausartet, ein guter Indikator dafür, wie sehr man sich in den letzten zwölf Monaten musikalisch weiterentwickelt hat.

Doch nur weil die an diesem Abend dargebotenen neuen Songs eine vielschichtigere und komplexere Seite der Band zeigen, heisst das noch lange nicht, dass man das Ohr für gute Melodien verloren hat. Nimmt man die neuen Songs als Gradmesser, dann wird das hoffentlich bald erscheinende Nachfolgewerk das Publikum vielleicht nicht mehr so fest zum Tanzen bringen wie die Ohrwürmer der ersten Platte, dafür aber ein umso stärkeres Songwriting repräsentieren. Wir halten die Ohren offen und sind gespannt.

4th Time Around (Freitag 23:59, Kaserne – Rossstall)

«Ladies & Gangsters» heisst das soeben erschienene neue Album von 4th Time Around. Ausser einer Lady, welche die Band an diesem Abend mit einem Cello unterstützt, fehlt von den Gangstern allerdings jede Spur. Viel mehr sind es waschechte Gentlemen, welche da den souveränsten Auftritt der Freitagsbands hinlegen. 4th Time Around schlagen zwar ruhigere Töne als die an gleicher Stelle vor ihnen aufgetretenen 77 Bombay Street und Kapoolas an, halten das Publikum aber dennoch mit Leichtigkeit bei Laune.

4th Time Around (Foto: Dirk Wetzel)

4 Gentlemen Around (Foto: Dirk Wetzel)

Besonders Tobias Hügin, der sich auch heute wieder die Leadvocals mit Marc Givel teilt, hat sich seit dem Release von «A Morning Prayer» (2007) zu einem äussert souveränen Sänger entwickelt, dessen hervorragende stimmliche Präsenz angenehm an John Darnielle erinnert. Es ist jedoch die ganze Band, die an diesem Band einen sehr positiven und vor allem spielfreudigen Eindruck hinterlässt. Die Songs des neuen Albums sind eine willkommene Ergänzung zum bereits bekannten Material, zeigen eine um einiges abwechslungsreichere Seite der Band und bei «Lost», welches die Band in der Mitte des Sets spielt, sind für einmal sogar Tom Waits-Vergleiche völlig gerechtfertigt.

Reding Street (Samstag 21:30, Volkshaus – Grosser Saal)

Machen unzählige Gitarrensoli, unerwartete Breaks und überraschende Tempowechsel einen Song wirklich besser? Das ellenlange Lied über die Frage, ob die technische Versiertheit ihrer Mitglieder einer Band dabei hilft, bessere Songs zu schreiben, erhält mit dem Auftritt von Reding Street jedenfalls eine weitere Strophe.

Selbstverständlich ist es auf eine Art beeindruckend, wie sich Reding Street technisch einwandfrei und mit nötiger Durchschlagskraft durch ihr Programm wälzen, ihre Version von New Prog bleibt aber dennoch viel zu durchschaubar. Zum einen ist es bereits nach dem zweiten Song eindeutig, dass sich die Band zu fest an ihren Vorbildern Muse orientiert, zum anderen verkommt der rund 45-minütige Auftritt viel zu oft zu einem Showcase für die Fingerfertigkeiten der einzelnen Mitglieder.

Das Quartett wird in Zukunft weiterhin Bandcontests gewinnen und bedenkt man, dass Muse mit Regelmässigkeit auf Platz 1 der Schweizer Hitparade landen, so sieht die Zukunft von Reding Street eigentlich ziemlich rosig aus.

Fotos vom BScene-Freitag im Volkshaus

Joel Gernet am Samstag den 2. April 2011

Kurz nach Mitternacht ist das Trottoir vor dem Volkshaus dicht bevölkert – offensichtlich hat das Traumwetter die Massen nicht davon abgehalten, an die BScene-Konzerte in der Rebgasse zu pilgern. Zumindest hier. Oder liegts am Programm? Mit Schwellheim und Famara stehen nämlich mindestens zwei Acts mit hervorragendem Live-Ruf auf. Letztgenannter hat im Grossen Saal soeben die Bühne betreten, im Rücken seine vierköpfige Band. In der folgenden Bildstrecke gibts ein paar Eindrücke von der zweiten Hälfte des Konzertabends.

Bühnenboykott gegen böse Buben?

Joel Gernet am Dienstag den 18. Januar 2011

Dass es am Wochenende beim Basler Konzert der deutschen Rapper Fard und Haftbefehl zu mehreren Schlägereien kam, verwundert kaum jemanden. Nicht einmal die Veranstalter: «Wir wussten, dass auch Schlägertypen ins Volkshaus kommen und waren vorbereitet», sagt Organisator Cem gegenüber Schlaglicht. Rund 700 Rapfans, die meisten davon knapp volljährige junge Männer, feierten am Samstag die aufstrebenden deutschen Rapper mit iranischen (Fard), beziehungsweise kurdischen (Haftbefehl) Wurzeln. Ihre Texte spiegeln das Leben in Deutschlands Problembezirken, wo Kriminalität und Perspektivlosigkeit zum Alltag gehören. Dementsprechend handeln die Songs der beiden nicht selten von Problemen mir der Polizei, Gewalt und den «Gesetzen der Strasse». Aber auch von Hoffnung und der Möglichkeit, «es» zu schaffen. Das ist Strassenrap, von einigen auch Gangsterrap genannt. Provokation und Überhöhung sind hier ein zentrales Stilmittel – und eine der Hauptursachen für Missverständnisse.

Gut gelaunt: Das Publikum beim Basler Konzert-Von Haftbefehl. (Foto: 4 Zero Ent.)

Dass es unter Leuten, die auf diese Ausprägung der Rapmusik stehen, zu Scharmützeln kommt, scheint bei einigen (wenigen) in diesem Kreis zum guten Ton zu gehören: Rap ist das Ventil für den angesammelten Frust. Und wenn man selbst kein Rapper ist, muss die Energie halt anders raus. Authentizität, Ehre und Loyalität sind die Werte, die Zählen. Es gilt das Recht des Stärkeren. Kein Wunder also, dass Konzerte wie jenes von Fard und Haftbefehl, zu einem Macho-Treffen mit Testosteron-geschwängertem Ambiente werden. Aber warum hat es ausgerechnet dieses Wochenende geknallt? Die Volkshaus-Konzerte des deutschen Strassenrap-Pioniers Azad und der Haudegen von Automatikk verliefen 2010 ohne nennenswerte Zwischenfälle.

«Über die Hälfte der Besucher kam von Auswärts, das war bisher nicht so», versucht Organisator Cem zu erklären. Er ist aber selber etwas ratlos. Beim nächsten Mal, überlege man sich zweimal, wen man buche. «Zwei Gangsterrapper von diesem Kaliber werden wir bestimmt nicht mehr holen – das schadet dem Image von HipHop», findet Cem, der in Basel auch als Rapper Zehir bekannt ist. Das fünfte Konzert hat seiner Organisation «4 Zero Entertainment» zwar den bisher mit Abstand grössten Zuschaueraufmarsch beschert, und einen Gewinn, glücklich ist der Basler dennoch nicht. Er wisse nicht, ob sich bei diesem Stress der Aufwand gelohnt habe. «Wir machen das für die Jugendlichen, wenn diese das nicht schätzen, hören wir auf.»

Cem wäre nicht der erste Konzertorganisator, der keine Strassenrapper mehr auftreten lässt. In der französischen Schweiz verzichten viele Veranstalter seit längerem auf Konzerte mit einschlägigen Rappern aus Frankreich (das Deutschland in Sachen Strassenrap ein paar Jahre voraus ist), weil diese ein gewaltbereites Publikum anziehen – oft aus dem Ausland. Und auch im Basler Konzertlokal Sommercasino ist man seit einer Schlägerei am Konzert des deutschen Strassenrappers Farid Bang im April 2010 vorsichtig geworden, wie die Zuständigen gegenüber Schlaglicht erklären.

So inszeniert sich Haftbefehl für sein aktuelles Album.

Doch ist ein Strassenrap-Boykott die richtige Lösung? Ich finde nicht. Man darf nicht vergessen, dass am Fard und Haftbefehl-Konzert im Volkshaus rund 700 Konzertbesucher den Auftritt ihrer Helden friedlich feierten, während sich eine Hand voll Trottel die Köpfe einschlug (und vor die Tür gestellt wurde – wo die Auseinandersetzung weiterging). Über die Inhalte des Strassenrap kann – und soll – man sich streiten, aber auch diese Ausdrucksform hat ihre Daseinsberechtigung als Sprachrohr und Ventil tausender junger, unterprivilegierter Menschen, deren Stimmen sonst ungehört bleiben. Schon mancher Bad-Boy hat sich dichtend zu einem vernünftigen, seriösen Mann entwickelt. Der Bann von der Bühne wäre wohl eher kontaproduktiv, viele würden so in ihrer Anti-Haltung bestärkt.

Natürlich müssen sich aber auch diejenigen Rapper, welche durch Gewalt und Kriminalität verherrlichende Texte auffallen, überlegen, ob es auf Dauer erfüllend ist, eine meist unbefriedigende, destruktive Lebensweise zu predigen. Wenn man frisch «von der Strasse kommt» und nichts anderes kennt, ok. Aber wer nach langjähriger Rapkarriere inklusive Lebenswandel noch immer die gleichen Themen beackert (wie z.B. Bushido), gehört auf das Abstellgleis. Man kann gespannt sein, wohin sich Fard und Haftbefehl, die am Anfang ihrer Karriere stehen, entwickeln.

«Das Volkshaus ist eine riesige Kiste»

Luca Bruno am Mittwoch den 15. Dezember 2010

Seit letztem Donnerstag ist die Katze aus dem Sack: Die neuen Betreiber des Volkshauses heissen Leopold Weinberg und Adrian Hagenbach. Die beiden Zürcher, die sich unter dem Namen «Jugendstil AG» mit ihrem Konzept gegen zahlreiche Bewerber aus Basel durchsetzen konnten, kündigten unmittelbar nach Bekanntgabe des Juryentscheids in einer Medienmitteilung an, auch weiterhin auf die Schwerpunkte «Musik und Konzerte» setzen zu wollen.

Seite 14: Musterbespielungsplan

Wir haben die Bewerbungsmappe der «Jugendstil AG» mittlerweile genauer unter die Lupe genommen und als wir den fiktiven «Musterbespielungsplan Mai 2011» (siehe Bild links) entdeckt haben, sind wir stutzig geworden: Rainhard Fendrich? Maria Mena? «Flames of the Dance»? Entspricht dieses Musterprogramm wirklich den Vorstellungen der neuen Betreibern, dann erwartet uns zukünftig ein Musikprogramm, welches meilenweit vom vielschichtigen und abwechslungsreichen Programm, welches uns Booker Heinz Darr in den letzten 3 Jahren geboten hat, entfernt sein wird. Künstler wie Grizzly Bear, Ghostface Killah oder The Whitest Boy Alive werden den Weg ins Volkshaus wohl nicht mehr finden.

Anfang Jahr haben über 5‘000 Basler eine Petition des Komitees «Popstadt Basel» mit einer Unterschrift unterstützt. Diese Petition forderte nicht nur einen Erhalt des Volkshauses, sondern auch eine attraktive Musikprogrammierung, die sich an Clubs wie dem Fribourger «fri-son» oder der «Laiterie» in Strasbourg orientieren soll – Clubs also, die sich seit Jahren für ihr abwechslungsreiches und vor allem alternatives Musikprogramm auszeichnen. Wir haben bei Lukas Heydrich, Initiator und Vorsteher des Komitees, nachgefragt, was er von den aktuellen Entwicklungen rund ums Volkshaus hält.

Werden sie mit den neuen Betreibern Kontakt aufnehmen und sie an die Petition erinnern?
Lukas Heydrich:
Ganz klar Ja. Wir haben die «Jugendstil AG» bereits kontaktiert und werden mit ihnen diesbezüglich das Gespräch suchen.

Wie lautet ihr Ersteindruck zum Konzept der «Jugendstil AG»?
Wenn ich mir das Konzept anschaue, sehe ich ein sehr überzeugendes Gastro- und Hotellerie-Konzept. Die Bespielung der Säle kommt jedoch noch sehr profillos daher und entspricht überhaupt nicht dem, was wir mit unserer Petition damals erreichen wollten. Da müssen wir auf alle Fälle nachhaken. Grundsätzlich hat das Jahr 365 Tage und die neuen Betreiber sind zweifelsohne an einem erfolgreichen Betrieb interessiert und daher für Drittanbieter offen. Die verschiedenen Räumlichkeiten können also vielseitig genutzt werden. Jetzt geht es darum, dass die regionalen Anbieter dieses Angebot auch annehmen. Die Infrastruktur, die ganz am Anfang der Petition stand, sollte ja nun kein Problem mehr sein.

Der fiktive «Musterbespielungsplan» lässt nicht gerade auf ein kreatives Musikprogramm hoffen. Wären sie mit den anderen eingereichten Konzepten glücklicher gewesen?
Auch «act entertainment» und die «AVO Session» sind nicht gerade für ihr Independent-Programm berühmt. Und ob das Volkshaus von Baslern oder Zürchern geführt wird, ist mir schlussendlich egal. Da wehre ich mich klar gegen dieses zum Teil vorherrschende kleinräumliche Denken gewisser Personen. Man muss den Betreibern einfach darlegen, dass in Basel ein grosses Bedürfnis nach mittelgrossen Acts aus dem Independent-/Alternativbereich besteht und sich ein solches Programm auch erfolgreich durchführen lässt. Die Devise war so oder so, dass wir wachsam bleiben müssen – egal wer am Ende das Rennen machen würde.

Wie sieht für Sie eine realistische zukünftige Nutzung des Volkshauses aus?
Die verschiedenen Konzepte wollten alle auf das Gleiche hinaus: Ein neues Gastro-Konzept muss her, die Verwaltung muss raus und die Säle müssen intensiver genutzt werden. Wenn im Konzept der «Jugendstil AG» beispielsweise Platz für wöchentlich zwei Konzerte im Bereich «Independent» Platz ist und dies auch konsequent als eigenständige Veranstaltungsreihe vermarktet und wahrgenommen wird, dann wäre dies bereits grossartig. Wenn an den restlichen Abenden Emil und Diashow angesagt ist und dies das Stammpublikum so akzeptiert – man darf nicht vergessen, dass eine Location auch über eine gewisse Glaubwürdigkeit verfügen muss – dann kann ich damit gut leben. Auch darf nicht vergessen werden, dass das Volkshaus eine riesige Kiste ist, womit auch ein grosses unternehmerisches Risiko verbunden ist. Es braucht also auch die rein kommerzielle Schiene, wie es übrigens auch bereits unter Heinz Darr der Fall war.

Und falls nun doch alle Stricke reissen sollten und sich die Programmierung der «Jugendstil AG» nicht mit den Forderungen eurer Petition vereinbaren lässt, haben sie Alternativen in der Hinterhand?
Zuerst einmal abwarten und Tee trinken. Wie gesagt: Wir müssen nun auf die Leute zugehen und abklären, was möglich ist – erst dann können wir weiterplanen. Eine Petition ist ja unverbindlich. Notfalls müsste man halt bei der Kaserne nochmals ansetzen. Die Regierung hat ja bewusst ein Projekt gewählt, welches nicht mit der Kaserne konkurrieren soll – das ist für mich der heikelste Punkt. Eigentlich heisst das ja, dass die Kaserne nun das Programm des Volkshauses weiterführen muss – und da sehe ich schwarz.

«Eine Stadt in der Grösse von Basel sollte auf jeden Fall einen grösseren Club haben.»

Luca Bruno am Samstag den 27. November 2010

Kaum jemand anderes hatte in den vergangenen Jahren einen so guten Blick hinter die Konzertkulissen der Stadt Basel wie Heinz Darr. Bis vor kurzem war er Bookingverantwortlicher des Volkshauses und hatte vor ein paar Jahren die gleiche Position in der Kaserne inne.

Gestern haben wir uns gefragt, ob Basler eigentlich einfach nicht gerne an Konzerte gehen. Heinz Darr präsentiert uns seine Sicht der Dinge:

Ist Basel ein gutes Pflaster für Konzerte?
Heinz Darr:
Basel hat eine gute Tradition im Britpop, die bis heute wirkt. Natürlich werden die Konzertgänger älter und neue Generationen wachsen nach. Doch wenn man ein Programm nicht nur für die «Szene» macht und auch Publikum von Deutschland, Frankreich und der Restschweiz generiert, hat man auch in Basel tolle Möglichkeiten.

Was heisst das konkret für die Programmierung einer Location wie das Volkshaus?
Ein grösserer Club, der nur auf eine Richtung spezialisiert ist, sei es Indie, Hip Hop oder Techno, wird auf Dauer Probleme haben. Das was für einen kleinen Club unverzichtbar ist – Ausrichtung auf ein Stammpublikum und Verlässlichkeit in der Programmausrichtung – kann für einen grossen Club zur Falle werden, weil es so unheimlich schwierig wäre, regelmässig 1000 Besucher zu generieren. Deshalb muss man aber noch lange nicht «alles» machen, das hängt dann von der eigenen Kompromissfähigkeit ab.

In Basel beschweren sich Konzertgänger oftmals darüber, dass ein zu kleines Angebot besteht. Trotzdem sind die Konzerte in dieser Stadt chronisch unterbesucht. Woran liegt das?
Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass es Bands gibt, die in einer vergleichbaren Stadt das Gegenteil bewirken. Das heisst im Klartext: Konzerte, die in Basel kein Publikum anziehen, sind in einer vergleichbaren Stadt auch nicht plötzlich ausverkauft. Es bleibt ein Problem für unbekannte Bands, ein Publikum zu erreichen. Das ist nicht nur in Basel so. Allerdings hatte ich auch schon den Eindruck, dass man hier nicht sonderlich experimentierfreudig ist. Anderseits ist ein grosses Konzertangebot immer vom Publikumszuspruch abhängig: Langfristig wird es nicht 10 Konzerte pro Woche geben, wenn nur eines oder zwei gut besucht werden. Wenn alle die gleiche Rosine picken, wird die Möglichkeit des Rosinenpickens wegfallen.

Ist es in Basel, das nur knapp 50 Zugminuten von Zürich, einer Stadt mit einem viel besseren Konzertangebot, entfernt liegt, überhaupt möglich, ein vernünftiges Konzertprogramm auf die Beine zu stellen?
Natürlich ist Zürich eine Liga für sich, welche die Konzerte bündelt. Die Konkurrenz um eine bekannte Band ist vielfältig, da in der Regel nur ein Termin für die Schweiz zur Verfügung steht. Zürich ist die erste Präferenz, alle anderen Schweizer Städte bewerben sich auch und die Clubs in Basel konkurrieren sich ebenfalls. Aber natürlich gibt es immer wieder Chancen, Bands auch nach Basel zu holen, das zeigt die Vergangenheit.

Das Komitee «Popstadt Basel» fordert eine zusätzliche Konzerthalle für Basel die 1000-1500 Zuschauer fasst. Ist das überhaupt der richtige Ansatz, wenn Konzerte hier so oft nur spärlich besucht sind?
Eine Stadt in der Grösse von Basel sollte auf jeden Fall einen grösseren Club haben. Es gibt ja Schweizer Künstler wie Stress, die Lovebugs oder Sophie Hunger, die nicht mehr unbedingt in einem kleinen Club spielen. Dann sind da deutsche Acts wie Clueso, Sido, BossHoss u.a., die national erfolgreich sind und gerne und oft in der Deutschschweiz spielen. Und internationale Acts von grösserer Bekanntheit würden ohne grössere Konzerthalle so einen Bogen um Basel machen. Und dass grosse Clubs in mittelgrossen Städten funktionieren, sieht man ja in anderen Städten wie Bern, Fribourg oder Solothurn.

Die Kaserne reicht also nicht aus?
Die Reithalle in der Kaserne ist eine tolle Konzertlocation. Durch die zusätzlichen Sparten Theater und Tanz gibt es allerdings zum Einen recht wenig Freitermine für Konzerte und zum Anderen steht die Halle nicht «konzertbereit» mit Bühne, Sound und Lichtanlage zur Verfügung und muss immer erst auf- und nach der Veranstaltung wieder zurückgebaut werden, was jeweils mehrere Tage dauert und sehr kostenintensiv ist.

Nehmen wir mal an, es stünde ein unlimitiertes Budget für die Errichtung einer neuen Konzertlocation in Basel zur Verfügung. Wie sollte diese Location aussehen?
Ich finde das Volkshaus architektonisch und klanglich wesentlich gelungener als viele neue Spielorte, an denen ich war. Einem Neubau fehlt einfach das Flair, wie es ein älteres Gebäude hat. Ich würde also viel Geld in das Volkshaus investieren, bevor etwas Neues gebaut wird. Umgebaute Fabrikhallen haben meist eine gute Atmosphäre, leiden aber oft unter Soundproblemen. Ich war allerdings einmal im Kraftwerk in Rottweil, einem Industriedenkmal, jetzt Veranstaltungslocation. Da dachte ich, das dies in etwa die perfekte Location sei – ausser der Tatsache, dass sie in Rottweil steht (die Rottweiler mögen mir verzeihen).

Auch wenn Ihre Zeit im Volkshaus von eher kurzer Dauer war: Was waren Ihre Highlights?
Das erste Konzert von Sophie Hunger hatte etwas magisches, das sie niemals mehr in dieser Form erreichte. Grizzly Bear waren als Band der Stunde unheimlich schwer zu bekommen und ich war doch ziemlich stolz darauf, dass sie schlussendlich in Basel spielten. Milow war das am schnellsten ausverkaufte Konzert – das hätte man sicherlich auch an drei Tagen vollbekommen. Und die Aftershow-Party von Erobique und The Whitest Boy Alive war unglaublich cool und der wohl schönste Sommerabend, den ich in Basel erlebt habe.

Popstadt Basel – Alles nur Lippenbekenntnisse?

Luca Bruno am Freitag den 26. November 2010

Als vergangenen April Roxy Records, der einzige szene-relevante CD-Laden in der Basler Innenstadt, ankündigte, sein Tore für immer zu schliessen, platzte das Roxy an seinem letzten Tag urplötzlich aus allen Nähten. Wahrscheinlich hatten die meisten, die damals noch kurz vor Schluss eine CD ergattern wollten, das Innere des Roxy seit über 10 Jahren nicht mehr gesehen. Trotzdem beklagten sich alle darüber, dass Basel nun keinen einzigen unabhängigen CD-Laden in der Innenstadt mehr besässe, und im Nu sprossen zahlreiche Facebook-Gruppen aus dem Boden, in denen alle um das Roxy trauerten oder sogar die Verantwortlichen des Untergangs zu Rechenschaft ziehen wollten.

Foto: Dominik Plüss (BaZ)

Knappe 18 Monate später bietet sich das gleiche Bild: Im Februar 2010 wird bekannt, dass das Volkshaus vor dem Ende steht. 5761 Personen unterstützen das Komitee «Popstadt Basel», welches für Basel u.a. eine Konzerthalle mit einem Fassungsvermögen für 1500 Besucher fordert, mit einer Unterschrift. Als knapp einen Monat später dann die kanadische Band The Hidden Cameras zu Gast ist, sind wieder einmal nur 45 Besucher anwesend. Und das ist nicht etwa ein Einzelfall: CasioKids? 40 Besucher. Hercules And Love Affair (im grossen Saal)? knapp über 100 Besucher. Und diese Liste lässt sich leider beliebig fortsetzen…

Doch als letzten Donnerstag dann der Schwede Kristian Matson alias The Tallest Man On Earth zum vorerst letzten Konzertabend im Volkshaus aufspielt, sind im Unionssaal plötzlich über 400 Leute zugegen. Und wie so oft in Basel hört man dann in den Gängen, wie schade es doch sei, dass es mit den Konzerten im Volkshaus nun schon wieder vorbei sei. Und so weiter…

Offensichtlich werden in Basel also lieber Komitees gegründet und Facebook «Like»-Buttons angeklickt, als an Konzerte gegangen. Es stellt sich also die Frage: Wieso braucht Basel eine Konzerthalle für über 1500 Personen, wenn ein Konzertpublikum dafür gar nicht existiert? Oder existiert es doch und wird in Basel schlicht und einfach das falsche Programm angeboten? Diese und andere Fragen haben wir Heinz Darr gestellt – schliesslich kennt sich wohl kaum jemand anderes mit dem Konzertbetrieb dieser Stadt so gut aus, wie der ehemalige Booker des Volkshauses und der Kaserne. Seine Antworten zu diesem Thema werden wir morgen publizieren – alle Leser sind jedoch herzlich dazu eingeladen mittels Kommentarfunktion schon jetzt ihre persönlichen Meinungen dazu abzugeben.