Beiträge mit dem Schlagwort ‘Vincent D’Onofrio’

Duell der Dickköpfe

Fabian Kern am Mittwoch den 15. Oktober 2014

«The Judge» läuft ab 16.10. in Küchlin.

«The Judge» läuft ab 16.10. im Küchlin und im Rex.

Eigentlich sollte dies ein Artikel über Robert Downey Jr. werden. Über das so talentierte Enfant Terrible Hollywoods. Den Suchtmenschen, der den Absprung vom Koks in den letzten Jahren zumindest so gut gemeistert hat, um zu einem der begehrtesten Schauspieler der Traumfabrik aufzusteigen. Der Sherlock Holmes und Tony Stark alias Iron Man mit derselben unwiderstehlichen Mischung aus Arroganz, Zynismus und augenzwinkerndem Humor darstellte, dass man keinen anderen in diesen Rollen mehr sehen will. Sollte. Wird es aber nicht. Denn «The Judge» ist der falsche Anlass für eine Hommage an einen einzelnen Schauspieler. Es ist einer der besten Filme des Jahres.

Entzweite Familie: Hank, Glen, Dale und Richter Joseph Palmer.

Entzweite Familie: Hank, Glen, Dale und Richter Joseph Palmer.

Das beschauliche Carlinville, Indiana scheint ein schönes Fleckchen Erde zu sein. An einem Fluss gelegen, der seine Wassermassen durch ein bewaldetes, wildromantisches Tal wälzt, scheint sind die Palmers seit Jahren ansässig. Nur der mittlere der drei Söhne des Richters konnte es nicht erwarten, der Dorfidylle den Rücken zu kehren und seine provinzielle Herkunft möglichst zu verwischen. Doch seine Vergangenheit holt einen irgendwann ein. Auch Hank Palmer (Robert Downey Jr.), den aalglatten, arroganten Chicagoer Staranwalt. Als seine Mutter plötzlich stirbt, kehrt er erstmals nach rund zwanzig Jahren wieder in seine Heimat zurück. Der Empfang seiner Brüder Glen (Vincent D’Onofrio) und Dale (Jeremy Strong) fällt kühl aus, jener des Vaters (Robert Duvall), der von allen nur seiner Position gemäss «Richter» genannt wird, noch etwas kühler. Und auch wenn Hank, dem eine Scheidung bevorsteht, seine immer noch sehr attraktive Jugendliebe Sam (Vera Farmiga) wieder über den Weg läuft, die er damals stillos sitzen liess, will er nichts als nach der Beerdigung so schnell wie möglich wieder in die Grossstadt entfliehen.

Lichtblick in der Männerwelt: Hanks Jugendliebe Sam.

Lichtblick in der Männergesellschaft: Hanks schöne Verflossene Samantha.

Will den Richter verknacken: Staatsanwalt Dwight Dickham.

Will den Richter verknacken: der beinharte Staatsanwalt Dwight Dickham.

Doch so einfach kommt Hank nicht wieder von Indiana fort. Als er ins Mietauto steigen will, macht der Sheriff den Palmers seine Aufwartung. Die Schrammen am richterlichen Auto passen zu einem nächtlichen Verkehrsunfall, der einen Velofahrer das Leben kostete. Erschwerend kommt hinzu, dass es sich beim Todesopfer ausgerechnet um Mark Blackwell handelt. Jenen Taugenichts, den der Richter einst laufen liess, und der dann ein Mädchen umbrachte. Hat der alte Palmer tatsächlich Selbstjustiz walten lassen? Hank anerbietet sich als Verteidiger, insbesondere weil mit Dwight Dickham (Billy Bob Thornton) ein hochkarätiger Staatsanwalt die Anklage führt. Doch sein sturer Vater verweigert zunächst jegliche Einmischung des schwarzen Schafs der Familie. Erst, als sich Hank aufrichtig seiner Vergangenheit stellt, kommt er näher an den Richter heran und erkennt, dass es hier um mehr als «nur» Recht geht.

Sohn und Vater: Hank wird vom Richter beschimpft.

Dickkopf gegen Dickkopf: Hank erhält vom Richter die Leviten gelesen.

Jack Nicholson und Tommy Lee Jones waren ursprünglich für die Titelrolle als ehrenwerter Joseph Palmer vorgesehen. Gut wurden sie es nicht. Wir wollen den beiden hochbegabten Herren nicht zu nahe treten, aber es darf ernsthaft bezweifelt werden, dass den herrischen, dickköpfigen und dennoch mit Witz und Mitgefühl ausgestatteten Richter irgend jemand besser hätte darstellen können als Robert Duvall. Der oft unterschätzte Altmeister ist einer der grossen Charakterdarsteller unserer Zeit und bildet mit Robert Downey Jr. ein faszinierendes Duo. Die Geschichte steht dem Cast in nichts nach. «The Judge» ist ein vielschichtiges Geflecht aus Justizfilm und Familiendrama, brillant inszeniert von David Dobkin, der mit seichten Komödien wie «Wedding Crashers» oder «Shanghai Knights» in seiner Filmografie nicht eben als ernsthafter Regisseur bekannt war. Das wird sich jetzt schlagartig ändern. «The Judge» ist packendes, emotionales Kino, das höchsten Ansprüchen genügt. Über Robert Downey Jr. kann man noch genug oft schreiben.

«The Judge» läuft ab 16. Oktober 2014 in den Basler Kinos Pathé Küchlin und Rex.

Weitere Filmstarts in Basel am 16. Oktober: The Maze Runner, The Cut, Teenage Mutant Ninja Turtles, Sleepless in New York, The Love Punch, We Are the Best!, Die Vampirschwestern 2.

MacGyver auf Anabolika

Fabian Kern am Mittwoch den 13. November 2013

«Escape Plan» läuft ab 14.11. in den Kinos Pathé Küchlin (Basel) und Oris (Liestal).

«Escape Plan» läuft ab 14.11. in den Kinos Pathé Küchlin (Basel) und Oris (Liestal).

Die lieben Erwartungen. Da sieht man zwei gealterte Actionstars auf dem Plakat eines Ausbruchsthrillers und denkt sich: Das wird sicher lustig – wenn auch vor allem unfreiwillig. Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger schossen und prügelten sich letztes Jahr in «Expendables 2» erstmals Seite an Seite durch die Kinosäle. Der frühere Gouverneur von Kalifornien doppelte im zweiten Frühling seiner Schauspielkarriere mit der altmodischen, aber amüsanten Actionkiste «The Last Stand» gleich nach. Also weiter in diesem Stil? Nein! Mikael Hafströms «Escape Plan» bietet keine Haudrauf-Action, sondern vielmehr solide Spannung, die über die gesamte Filmdauer anhält.

In der Falle: Ray Breslin. (Bilder: Ascot Elite)

In der Falle: Ray Breslin. (Bilder: Ascot Elite)

Ray Breslin (Stallone) ist der Spezialist schlechthin, wenn es um die Sicherheit von Gefängnissen geht. Die Haftanstalt, aus welcher der frühere Staatsanwalt (!) nicht ausbrechen kann, muss erst noch gebaut werden. Oder wurde sie das schon? Die CIA beauftragt den Experten, ein neuartiges Hochsicherheitsgefängnis für die Bösesten der Bösen auf ihre Schwächen zu testen. Weil das Honorar exorbitant hoch ist, zögert Breslins Geschäftspartner Lester Clark (Vincent D’Onofrio) keine Sekunde, seinen besten Mann ins Ungewisse zu schicken. Denn der Haken an der Geschichte: Keiner aus dem Team darf wissen, wo der Knast liegt. Eine klare Verletzung von Breslins Regeln, was ihn aber nicht daran hindert, das Risiko einzugehen.

Skrupellos: Direktor Hobbes.

Skrupellos: Direktor Hobbes.

Dabei weiss man doch, dass die Verletzung von Regeln in Filmen immer zu Problemen führt! Das merkt auch Breslin in seinem neuen ungemütlichen Zuhause. Das Hightech-Verlies ist anders als alles, was er bisher gesehen hat. Kein Wunder, hat es Direktor Hobbes (Jim Caviezel) doch aufgrund Breslins Buch über Sicherheit bauen lassen. Und nun will er ihn mithilfe seiner Wärtertruppe um den Sadisten Drake (Vinnie Jones) schmoren lassen. Aber warum? Und wo ist dieses Gefängnis überhaupt? Fragen, die Breslin nur mit Unterstützung beantworten kann: Vorhang auf für Emil Rottmayer (Schwarzenegger). Der im Knast höchst respektierte Häftling macht mit Breslin gemeinsame Sache – unter der Bedingung, dass er ihn mit auf die Flucht nimmt. Doch Hobbes bekämpft alle verdächtigen Aktivitäten mit brutalen Massnahmen.

Knastbrüder: Emil und Ray.

Knastbrüder: Emil und Ray.

Natürlich, gewisse Szenen sind etwas übertrieben. Stallone als MacGyver auf Anabolika weiss aus jeglichen Materialien irgendetwas Nützliches anzufangen und übertreibt es bisweilen mit seinen Fertigkeiten. Zudem geniesst er trotz aller Repressionen erstaunliche Freiheiten in einem Knast, wo jeder Winkel dauerüberwacht ist. Seis drum, die Mischung zwischen Spannung und Humor, zwischen Action und Dialogen stimmt. Auch deshalb, weil man das Alter von Stallone (67) und Schwarzenegger (66) berücksichtigt, und die beiden Actionikonen nicht mit übertriebener Kraftmeierei der Lächerlichkeit preisgibt. Allerdings muss man sagen, dass Schwarzeneggers Deutsch, das er im Film ziemlich lange präsentiert, fast noch schlimmer ist als sein Englisch. Dennoch ist «Escape Plan» ein guter Actionthriller. Wem das zu wenig Muskeln, Maschinen und Kanonen sind, der kann sich auf «Expendables 3» freuen, mit dem uns Stallone 2014 beglücken wird.

Die lieben Erwartungen. Manchmal ist es auch schön, wenn sie nicht erfüllt werden.

«Escape Plan» läuft ab 14. November 2013 in den Kinos Pathé Küchlin (Basel) und Oris (Liestal).

Weitere Filmstarts in Basel am 14. November: Captain Phillips, Last Vegas, Eltern, Io e te, Venus im Pelz, The Lunchbox, Watermarks – Three Letters from China.