Beiträge mit dem Schlagwort ‘Valérie Lemercier’

Unzertrennlich

Fabian Kern am Mittwoch den 22. Mai 2013

Filmplakat

«Main dans la main» läuft ab 23. Mai im kult.kino camera in Basel.

Wer schon einmal verliebt war, kennt das Gefühl. Man fühlt sich zu einem anderen Menschen beinahe körperlich hingezogen. Die französische Filmemacherin Valérie Donzelli hat dieses Phänomen wörtlich genommen und karikiert es in «Main dans la main» bis an die Grenze des Grotesken. Die Begegnung von Joachim Fox (Jérémie Elkaïm) mit Hélène Marchal (Valérie Lemercier) stellt das Leben der beiden auf den Kopf. Sie küssen sich, bevor sie ihre Namen kennen und können fortan nicht mehr ohne den anderen leben. Die beiden gibt es nur noch zusammen, sie kleben buchstäblich zusammen wie Plus- und Minuspol eines Magneten. Das klingt romantisch, ist es aber nicht. Denn die beiden können sich zu Beginn nicht leiden.

Hélène und Joachim

Hautnah: Hélène und Joachim. (Bilder: Frenetic)

Joachim und Hélène bewegen sich in Welten, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Er ist ein Handwerker in einem Spiegelunternehmen, der mit Grossmutter und der Familie der Schwester unter einem Dach in der Provinz lebt und am liebsten auf seinem Longboard durch die Gegend cruist. Sie ist Direktorin der Pariser Ballettschule bewegt sich in der High Society der französischen Hauptstadt. Deshalb müssen sich die beiden Unzertrennlichen arrangieren. Nach einem unseligen Gastspiel in Joachims Heimat begleitet er Hélène nach Paris. Dort versuchen sie, einander loszuwerden. Doch wollen sie das auch wirklich?

Véro und Jean-Pierre

Regisseurin und Darstellerin: Valérie Donzelli.

Regisseurin Donzelli, die gleichzeitig die Rolle von Joachims Schwester besetzt, dreht das Prinzip des Sich-Verliebens um. Anstatt dass sich das Paar zuerst ineinander verliebt und dann voneinander angezogen ist, herrscht in «Main dans la main» die umgekehrte Reihenfolge. Doch leider weist der Film einige Mängel auf. Einerseits wird das Aneinanderkleben nicht konsequent durchgezogen. Andererseits verleiht der körperliche Magnetismus dem Streifen slapstickartige Züge, die nicht ganz passen. Das Werk will Komödie und Liebesgeschichte gleichzeitig sein, doch für eine richtig gute Liebeskomödie fehlt etwas der rote Faden. Liebhaber des französischen Kinos kommen aber dennoch auf ihre Kosten. Komödiantin Valérie Lemercier beweist eindrucksoll, dass sie nicht nur lustig, sondern auch gefühlvoll sein kann, und mit Jérémie Elkaïm überzeugt ein frisches Gesicht.

«Main dans la main» läuft ab 23. Mai 2013 im kult.kino camera.

Weitere Filmstarts in Basel am 23. Mai: Fast and Furious 6, The Broken Circle, Le sommeil d’or.

Und hier noch ein Video-Interview mit Valérie Donzelli und Jérémie Elkaïm:

Todesfall mit Folgen

Fabian Kern am Mittwoch den 6. Februar 2013

Filmplakat

«Adieu Berthe» läuft ab 7.2. im kult.kino Camera.

Armand (Denis Podalydès) führt ein anstrengendes Leben. Nicht nur, dass er zwischen seinem Beruf des Apothekers und seinem Traum von der Zauberei hin- und hergerissen ist. Nein, er kann sich auch nicht zwischen zwei Frauen entscheiden. Er wohnt mit seiner Frau Hélène (Isabelle Candelier) und seinen beiden Söhnen über seiner Apotheke, führt aber gleichzeitig eine Beziehung mit seiner Geliebten Alix (Valérie Lemercier), die wiederum eine Tochter hat. Armand ist in Liebesdingen ein Feigling, ein Fähnchen im Wind. Liegt er mit Hélène im Bett, führt er eine SMS-Konversation mit Alix. Ist er mit Alix zusammen, meldet sich dauernd Hélène. Von keiner will er sich trennen, es allen recht machen kann er aber auch nicht – obwohl die beiden Frauen voneinander wissen. Klingt kompliziert? Ist es. Und genauso konfus wie Armand sein Leben gestaltet, erzählt Regisseur und Nebendarsteller Bruno Podalydès, der Bruder des Hauptdarstellers, die Geschichte im Film «Adieu Berthe – Enterrement de Mémé».

Armand und Hélène

Armand ist im Clinch zwischen Ehefrau Hélène...

Alix und Armand

... und seiner Geliebten Alix. (Bilder: Xenix)

Aber als wäre dieses Chaos nicht schon genug, stirbt auch noch Armands Grossmutter Berthe, von ihm liebevoll «Mémé» genannt. Dieses Ereignis wirft sein Leben komplett über den Haufen. Einerseits wollen ihm beide Frauen in der Trauerzeit zur Seite stehen, und seine ungeliebte Schwiegermutter versucht, die Organisation der Beerdigung an sich zu reissen. Andererseits aber bringt ihn der Todesfall dazu, seine Lebenssituation grundlegend zu überdenken. Grossmutter Berthe hat nämlich Zeit ihres Lebens auf ihr Herz gehört und hat sich mit Hingabe der Zauberei gewidmet. Doch schafft das der lasche Armand auch tatsächlich?

Armand und Rovier-Boubet

Urkomisch: Armand beim Bestatter.

Auch wenn der rückgratlose Armand bisweilen nervt – den Podalydès-Brüdern ist eine aberwitzige Komödie gelungen, eine typisch französische Karikatur zwischenmenschlichen Verhaltens, die ihre grössten Stärken im schwarzen Humor und den absurden Dialogen hat.

«Adieu Berthe – Enterrement de Mémé» läuft ab 7. Februar 2013 im kult.kino Camera in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 7. Februar: Parker, Kokowääh 2, Amore carne, Post Tenebras Lux.