Beiträge mit dem Schlagwort ‘TV-Serie’

Fremdschämen für Fortgeschrittene

Fabian Kern am Mittwoch den 19. Februar 2014

«Stromberg – der Film» läuft ab 20.2. im Capitol und im Küchlin.

«Stromberg – der Film» läuft ab 20.2. im Capitol und im Pathé Küchlin.

Der Humor von Stromberg ist nicht jedermanns Sache. Der Mann tritt gegen unten und schleimt gegen oben und sorgt mit seinen diskriminierenden Witzen immer wieder für hochnotpeinliche Pausen. Und auch wer das lustig findet – in höheren Dosen scheint der Humor nicht mehr allzu bekömmlich zu sein. Deshalb die bange Frage vor dem Gang in die Vorstellung der Kinoversion «Stromberg – der Film»: Ist Christoph Maria Herbst in seiner Paraderolle als arschkriechender Opportunist über 100 Minuten zu ertragen oder entwickelt man bei dieser epischen Länge des Fremdschämens eine bleibende Abneigung gegen Bürojobs jeglicher Art? Ich setzte meine berufliche Zukunft aufs Spiel und wagte den Selbstversuch.

Sorgenfalten bei Stromberg. (Bilder: Praesens)

Wie gehts weiter? Sorgenfalten bei Stromberg. (Bilder: Praesens)

Eingefleischten Stromberg-Fans wird angesichts der Ereignisse der Atem stocken, denn nach dem Film wird nichts mehr so sein, wie es in der Serie gewesen ist. Das ist letztlich das Geniale an «Stromberg – der Film»: Er ist inhaltlich an die TV-Serie gekoppelt, führt sie sogar fort, funktioniert aber auch als eigenständiger Film. Aber wir wollen nicht vorgreifen. Bernd Stromberg (Christoph Maria Herbst) sitzt als Leiter der Schadensregulierung der Capitol Versicherung bombemfest im Sattel. Zumindest nach Eigenansicht des selbstgefälligen Bürolisten. Doch dann erfährt er – ausgerechnet über den Hausmeister –, dass seine Filiale dicht gemacht werden soll. Sein Kommentar dazu: «Eine Firma ist wie die Ehefrau: Die fickt dich, wenn du nicht damit rechnest.»

Wo gehts zur Firmenfeier? Stromberg und «Ernie».

Wo gehts zur Feier? Stromberg und «Ernie».

Deshalb hilft Stromberg nur die Flucht nach vorn. Er beschliesst, mit der gesamten Abteilung an der 50-Jahr-Feier der Capitol in der Provinz teilzunehmen – obwohl er genau das noch tags zuvor seinen motivierten Mitarbeitern verboten hatte. Aber so ist halt Stromberg: Er versucht, alles zu seinem Vorteil auszunutzen. Dass er dabei in seiner Arroganz allerdings sehr kurzsichtig agiert, ignoriert er komplett, muss er aber an der Firmenfeier am eigenen Leib erfahren. Denn eigentlich will er sich mit einer Schleimattacke für einen Wechsel in die Firmenzentrale seine berufliche Zukunft in der Capitol sichern, begegnet dabei aber lauter früheren Kollegen, welche er früher lächerlich gemacht hat. Ausgerechnet Berthold «Ernie» Heisterkamp (Bjarne I. Mädel) hingegen, Strombergs Mobbing-Opfer Nummer eins, kommt beim Capitol-Boss richtig gut an. Stromberg muss sich zur Abwechslung richtig ins Zeug legen, um nicht zwischen Stuhl und Bank zu fallen. Bloss – wie macht man das?

Wie behalte ich den Job? Stromberg zieht alle Register.

Wer mag mich? Stromberg zieht alle Register.

Triste Grundstimmung, haarsträubender Kleidergeschmack und minutenlanges Fremdschämen – Stromberg bleibt sich auch auf der Leinwand treu. Die Story ist gut und vermag über die volle Spielfilmlänge zu unterhalten. Nicht zuletzt durch den Ausbruch aus dem Grossraumbüro und die Wandlung zum Roadmovie. Trotzdem wurde der dokumentarische Stil beibehalten. Die Kommentare der Angestellten direkt in die Kamera sorgen für die besten Lacher und sind die Essenz von Stromberg. Deshalb kann der Selbstversuch als Erfolg verbucht werden, und ich muss mein berufliches Dasein künftig nicht völlig desillusioniert in meinem Grossraumbüro fristen. Oder mit den Worten von Stromberg: «Lass das mal den Papa machen… Papa macht das gut.»

«Stromberg – der Film» läuft ab 20. Februar 2014 in den Kinos Capitol und Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 20. Februar: Monuments Men, Dallas Buyers Club, Tarzan 3D, Traumland, Alphabet, Viva la libertà.

Dr. Laurie und Mister House

Fabian Kern am Donnerstag den 1. März 2012
Titelbild von «Hugh Laurie – Die inoffizielle Biografie des Dr. House»

Anthony Bunkos Buch ist ab sofort erhältlich. (Bilder: Schwarzkopf & Schwarzkopf)

Wann kommt Dr. House? Gut die Hälfte des Buchs «Hugh Laurie – Die inoffizielle Biografie des ‹Dr. House›» habe ich durch und immer noch hält mich das Vorwort bei der Stange. Die Beschreibung, wie Hugh Laurie in schmutzigen Kleidern mit Dreitagebart in Afrika ein Castingvideo von sich aufzeichnet, das ihm die Rolle seines Lebens verschaffen sollte, ist stark. So stark, dass ich mich durch die bewegte Laufbahn des britischen Schauspielers vor seiner Amerika-Karriere kämpfe. Doch die Ausdauer lohnt sich, denn in den ersten zwei Dritteln erfahre ich sehr viel über die englische TV-Geschichte der Neuzeit, insbesondere auf dem Comedy-Sektor. Als Erklärung für jene, die Lauries Mitwirken in der englischen Kultserie «Blackadder» mit Rowan Atkinson nicht kennen: Er ist eigentlich ein Komiker.

Hugh Laurie ist Dr. House

Weltweite Popularität: Hugh Laurie alias Dr. House.

Macht Sinn, denn ohne Humor wäre die Figur des Dr. Gregory House wohl auch nicht zu ertragen. Sein Zynismus würde zu Bösartigkeit und das eigensinnige medizinische Genie seine letzten Sympathien verspielen. Das Faszinierende an diesem TV-Arzt, das wohl auch für die überwältigenden Einschaltquoten in den USA verantwortlich ist, ist schliesslich die Ambivalenz seines Charakters. Normalerweise liebt oder hasst man eine Figur. Dr. House schafft es, beide Extreme der Gefühlsskala gleichzeitig zu bedienen. «Hughs komisches Timing gibt der Serie die nötige Kraft», sagt Produzent David Shore über seinen wichtigsten Angestellten. Und auch Laurie selbst liebt die Mischung «von Hell und Dunkel» an seiner Rolle. Und stellt Gemeinsamkeiten zwischen sich und Dr. House fest: «Wir betrachten beide die Welt kritisch.»

Dr. House bei der Arbeit

Als Dr. House ist Hugh Laurie ein Segen für seine Patienten und eine Pein für seine Untergebenen.

So ist Hugh Laurie auch im gereiften Alter von 53 Jahren und trotz herausragender Kritiken über sein Schauspiel in britischen Comedies wie «Blackadder» oder «A bit of Fry and Laurie» an der Seite seines besten Freunds Stephen Fry, in Kinofilmen wie «Peter’s Friends» (1992), «Sense and Sensibility» (1995) «101 Dalmatiner (1996) oder «Stuart Little» (1999) oder in mittlerweile 150 Folgen als Dr. House immer noch überrascht über seinen Erfolg. «Habe ich das verdient?», fragt sich Laurie immer wieder und weigert sich, die Beliebtheit der Serie auf sein Mitwirken zu reduzieren. «House, M.D.», wie der Originaltitel lautet, war 2008 immerhin die meistgesehene TV-Serie der Welt.

Auftritt mit Gitarre in einer TV-Show

Hugh Laurie ist nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Musiker talentiert.

Er habe zu keiner Zeit seines Lebens einen Plan gehabt, meint Laurie bescheiden. Vielleicht ist der schlaksige Brite mit den markanten blauen Augen auch einfach mit zu vielen Talenten gesegnet. Vor seiner Karriere war Laurie wie sein Vater erfolgreicher Ruderer, neben der Schauspielerei spielt der dreifache Familienvater als Musiker – er spielt Gitarre und Klavier – in einer Band.
Autor Anthony Bunko stellt mit Hugh Laurie einen vielschichtigen Menschen vor, der sich vor allem durch eines auszeichnet: Bescheidenheit. Ganz anders also als Dr. House – oder doch nicht? Denn auch Gregory House spielt eigentlich nur eine Rolle, um die eigene Verletzlichkeit zu überspielen. Das Verhältnis zwischen Laurie und House ist fast ein wenig wie jenes von Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Nur, dass in diesem Fall der Doktor der «Böse» ist.

Anthony Bunko: «Hugh Laurie – Die inoffizielle Biografie des ‹Dr. House›». Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2012. 264 Seiten, ca. Fr. 28.90. Ab 1. März in den Schweizer Buchhandlungen erhältlich.