Beiträge mit dem Schlagwort ‘Tom Hanks’

Spielberg und Hanks – noch Fragen?

Fabian Kern am Mittwoch den 25. November 2015

«Bridge of Spies» läuft ab 26.11. im Küchlin.

«Bridge of Spies» läuft ab 26.11. im Küchlin.

Es gibt Filme, da überlege ich mir mehrmals, ob sie mir die 18 oder 20 Franken Kinoeintritt wert sind. Komödien zum Beispiel, da warte ich oft, bis sie im Fernsehen kommen. Und dann gibt es Filme, für die ich das Geld ausgebe, ohne überhaupt den Inhalt zu kennen. In diese Kategorie fallen die Werke von Christopher Nolan oder Quentin Tarantino – oder eben Steven Spielberg. Und zwar dann, wenn der Meister mal wieder selbst Regie führt, nicht nur als Produzent Pate stand. Wenn dann der Cast auch noch von Tom Hanks angeführt wird, dann gibt es kein Halten mehr. Dann steht schon von vorne herein fest, dass der Film gut ist. Da braucht es nicht einmal mehr den Hinweis, dass die Coen-Brothers am Drehbuch beteiligt waren – das ist schon fast zuviel.

Erfolgsgespann: Tom Hanks und Steven Spielberg.

Erfolgsduo: Tom Hanks und Steven Spielberg.

Zugegeben, das ist eine gefährliche Haltung. Nicht nur als Journalist, der eigentlich unvoreingenommen an ein Werk heran gehen sollte. Auch als Kinofan ist das gefährlich, denn der Anspruch an den Film ist dadurch fast ebenso hoch wie die Gefahr, enttäuscht zu werden. Aber so ein Risiko gehe ich unweigerlich ein, wenn ich die Arbeit eines solch Erfolg garantierenden Duos geniessen darf. Da werde ich nicht einmal abgeschreckt von der Tatsache, dass es sich um eine Geschichte aus dem Kalten Krieg handelt. Denn eigentlich habe ich schon genug gehört von den bösen Kommunisten, vom guten Westen gegen den kaltherzigen Osten. Doch «Bridge of Spies» fesselt mit dem Plot, der auf wahren Begebenheiten beruht, derart, dass ich sogar noch länger als die rund 140 Minuten zugesehen hätte.

Vor Gericht: Rudolf Abel und James Donovan.

Vor Gericht: Rudolf Abel und James Donovan.

Und dabei ist es nicht einmal so, dass Spielberg die spannenden Ereignisse rund um einen Agentenaustausch in Berlin mit einer rasanten Inszenierung in die Gegenwart holt. Vielmehr passt er seinen Stil der Zeit an, in der sich die Geschehnisse zugetragen haben – 1959. Langsame Schnitte und ein gemächliches Erzähltempo geben den Figuren und der Story Raum, sich zu entwickeln. So beobachten wir minutenlang einen Maler in Brooklyn, der von Agenten beschattet wird. Nichts deutet darauf hin, dass dieser unscheinbare ältere Mann ein sowjetischer Spion ist. Rudolf Abel (Mark Rylance) ist aber schon bald der meistgehasste Mensch der Vereinigten Staaten – gefolgt von James Donovan (Tom Hanks). Der Versicherungsanwalt wird dazu verdonnert, Abels Pflichtverteidigung zu übernehmen. Mit Betonung auf dem Wort «Pflicht», denn sogar der Richter geht mit der öffentlichen Meinung einher, dass der infiltrierte Feind nichts anderes als die Todesstrafe verdient hat.

Sowjet-Gefangener: Francis Gary Powers.

Sowjet-Gefangener: Francis Gary Powers.

Da haben die Amerikaner die Rechnung ohne ihren eigenen Mann gemacht. Donovan vertritt die Rechte seines Klienten mit Akribie. Der Familienvater lässt sich auch nicht von öffentlichen Anfeindungen, ja nicht einmal von einem Attentat auf sein Haus von seiner aufrichtigen Linie abbringen. Er setzt sich persönlich dafür ein, dass Abel dem elektrischen Stuhl entgeht und weist darauf hin, dass man den Sowjet vielleicht noch gebrauchen könnte, falls einmal ein Amerikaner in russische Gefangenschaft gerät. Und tatsächlich, bereits kurz darauf wird der junge amerikanische Aufklärungspilot Francis Gary Powell (Austin Stowell) bei seinem ersten Einsatz über Russland abgeschossen und gefasst. Nun sollen Abel den Sowjets im Tausch für Powell angeboten werden. Als Unterhändler im brodelnde Ostberlin, in dem gerade die berüchtigte Mauer gebaut wird, soll ausgerechnet Donovan fungieren. Dieser gerät mitten in den Machtkampf zwischen USA, UdSSR und DDR.

Einsatz in Ostberlin: James Donovan.

Einsatz in Ostberlin: James Donovan.

Einmal mehr hat sich bestätigt: Ich kann diesen Namen vertrauen. Spielberg und Hanks, das kann fast nicht schiefgehen. «Bridge of Spies» fesselt. Ohne Pathos und ohne die in Nachkriegsfilmen obligate Verherrlichung der USA wird die Geschichte eines Mannes erzählt, der für seine Werte einsteht und damit den Lauf der Weltgeschichte beeinflusst. Und das erst noch in einer eindrücklichen Inszenierung, die einen von Anfang bis Ende nicht loslässt. Kein Wunder, wird der Film jetzt schon als ganz heisser Oscar-Anwärter gehandelt.

«Bridge of Spies» läuft ab 26. November 2015 im Kino Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Kinostarts in Basel am 26. November: Highway to Hellas, That Sugar Film, The Good Dinosaur, Rams, La glace et le ciel, Arabian Nights: Volume 2.

Grösser als ein Leben

Fabian Kern am Dienstag den 27. November 2012

Filmplakat

«Cloud Atlas» läuft ab 29. November in den Kinos Pathé Küchlin und Rex.

Manche Geschichten sind zu gross, um sie zu beschreiben. Wie «Cloud Atlas». Ein Versuch sei trotzdem gewagt. Die Erwartungen an den mit 80 Millionen teuersten unabhängig finanzieren Film aller Zeiten waren riesig. Und sie wurden erfüllt, ja sogar übertroffen. Die Wachowski-Geschwister haben es nach der Matrix-Trilogie einmal mehr geschafft, einen als unverfilmbar geltenden Stoff auf die Leinwand zu bringen – zusammen mit dem deutschen Regisseur Tom Tykwer. Und das Wunder ist nicht, dass sie das in einer Art und Weise getan haben, die einen über drei Stunden nicht loslässt und David Mitchell, den Autor der Romanvorlage, zu einer Aussage verleitete, die einem Ritterschlag gleichkommt: «Das könnte einer jener Filme sein, die besser sind als das Buch.»

Sonmi-451

2144: Der Klon Sonmi-451 kämpft in Seoul um die Freiheit. (Bilder: ASCOTE-ELITE)

Nein, das eigentliche Wunder ist es, dass im gigantischen Werk die einzelnen Geschichten nicht verloren gehen und die bodenständigen Werte sich als Leitfaden durchziehen. Es geht um Mut und Zivilcourage, um Freiheit, Vertrauen und das Hoffen auf bessere Zeiten. Und darum, dass der Einzelne den Unterschied ausmachen kann. Bezeichnend dafür der Vergleich in der Episode aus dem Jahr 1846. Auf den Vorwurf seines skrupellosen Schwiegervaters (Hugo Weaving), sein humanitärer Einsatz sei nur ein Tropfen im Ozean, antwortet Adam Ewing (Jim Sturgess): «Der Ozean ist nichts anderes als die Summer einzelner Tropfen.» Philosophie pur.

Hugh Grant und Jim Broadbent

2012: Hugh Grant (links) mit Jim Broadbent.

Jim Sturgess und Tom Hanks

1846: Tom Hanks (rechts) mit Jim Sturgess.

«Cloud Atlas» ist aber auch ein Paradies für Maskenbildner: Hugo Weaving als Krankenpflegerin, Jim Sturgess als Koreaner, Tom Hanks als vernarbter Londoner Gangster der übelsten Sorte, Halle Berry als Jüdin oder Hugh Grant als blutrünstiger Kannibale – die Schminkkünstler geben alles. Wichtiger als die Masken selbst sind aber die verschiedenen Charakteren, in welche die Schauspieler schlüpfen. Mehrere Rollen haben alle. Hanks, Berry, Weaving, Grant und die Koreanerin Doona Bae bringen es auf sechs Figuren, Sturgess sogar auf sieben. Und das ist der geniale Kunstgriff, mit dem das Regie-Trio Mitchells Buch filmisch umgesetzt hat: Ob 1846, 1936, 1973, 2012, 2144 oder 2346 – alles ist miteinander verbunden. Die Seelen werden in neue Körper hineingeboren und laufen einander im Lauf der Jahrhunderte immer wieder über den Weg. Reinkarnation und Karma sind ein Leitthema, das die Episoden miteinander verknüpft. Die Figuren erleben laufend Déjà-Vus aus ihren früheren Leben.

Hugo Weaving

2346: Hugo Weaving als böser Einflüsterer.

Bezeichnend dafür stehen drei Figuren. Durchwegs böse ist Hugo Weaving, der in der letzten Episode gar als Teufel auftritt. Dann wäre da Tom Hanks, der den fehlbaren Durchschnittsmenschen darstellt. Mal ist er böse, mal ist er gut, mal steht er für seine Werte ein, mal fehlt ihm der Mut dazu. Und schliesslich sind die von Jim Sturgess dargestellten Figuren am idealistischsten: Als amerikanischer Anwalt kämpft er im 19. Jahrhundert gegen die Sklaverei, im futuristischen Seoul des 22. Jahrhunderts führt er eine Rebellion gegen das totalitäre Regime an und bringt den Klon Sonmi-451 (Doona Bae) dazu, wie ein menschliches Individuum zu fühlen und zu denken. Jeder kann den Unterschied ausmachen.

Halle Berry und David Gyasi

1973: Krimi mit Halle Berry und Keith David.

Ben Whishaw

1936: Romanze mit Ben Whishaw.

Reinkarnation, Klone, Kannibalen, Teufel – kann das überhaupt ein breites Publikum ansprechen? Ja! «Cloud Atlas» hat für jede der sechs Geschichten ein eigenes Genre gewählt: Vom Drama über die Romanze, den Krimi, Thriller und Abenteuerfilm bis zu Science Fiction wird die ganze Bandbreite abgedeckt. Und auch der Humor kommt glücklicherweise nicht zu kurz, sonst würde einen die Wucht des Films erschlagen. Dass die schnellen Wechsel zwischen den einzelnen Handlungssträngen nicht als störend empfunden werden, ist faszinierend und spricht für die Stimmigkeit des Werks. Ex-FCB-Mäzenin Gigi Oeri hat ihr zweites Produktionsengagement (nach Tykwers «Das Parfum») wahrlich gut gewählt. Egal, wieviel sie investiert hat, auf diese mutige Produktion kann sie stolz sein. Denn in diesem Epos stehen nicht Special Effects oder die vorzüglichen Masken im Vordergund, sondern die Geschichte selbst. «Es ist eigentlich ein altmodischer Film», sagt Lana Wachowski.

Manche Geschichten sind zu gross, um sie zu beschreiben. Man muss sie einfach selbst sehen, erleben, bestaunen – am besten auf der grossen Leinwand. Wie «Cloud Atlas».