Beiträge mit dem Schlagwort ‘Theater Basel’

Basler Stimmen spiegeln die Welt

Joel Gernet am Freitag den 17. Februar 2012

Von Basel aus die Welt erobern: The Glue mit Oliver Rudin (rechts aussen).

Zum 15-jährigen Jubiläum steht dem Basler A-cappella-Quintett The Glue ein Jahr der Wahrheit bevor. Über 40 Konzerte auf vier Kontinenten haben die fünf Sänger vor sich – und nebenbei soll ein neues Album entstehen. «Gluebâlisation» nennt sich das Ganze und umfasst unter anderem Konzerte in Südafrika, Amerika, Taiwan und Marokko – morgen Samstag ist Kickoff im Basler Schauspielhaus. «Dieses Jahr wird uns viele Antworten geben», sagt Glue-Mitbegründer Oliver Rudin. Ob es das aufregendste Jahr der Bandgeschichte wird? «Das befürchten wir auch», lacht Rudin, angesprochen auf die Welttournee. «Aber eigentlich nennen wir nennen das Ganze ja nicht Welttournee – schliesslich kommen wir ja zwischendurch zurück nach Basel», gibt sich der 30-Jährige bescheiden.

Die regelmässige Rückkehr ans Rheinknie nutzt The Glue, um dem Heimpublikum mit insgesamt fünf Konzerten die jüngsten Ergebnisse ihrer Reisen zu zeigen. «Unser Ziel ist nämlich nicht nur, Konzerte zu geben, sondern auch Kulturaustausch zu betreiben.» Der Auftakt zum Austausch erfolgt in Südafrika Anfang März, wo die Band unter anderem mit Kindern musizieren möchte. «Von ihnen können wir vermutlich am direktesten lernen, was authentisch ist», meint Rudin und vermutet, dass The Glue wohl eher von den Kleinen lernen wird, als umgekehrt. Ziemlich zeitnah zur Entstehung sollen die Früchte der Zusammenarbeit dann auf den südafrikanischen Bühnen präsentiert und aufgenommen werden. Damit die Basler nicht mir leeren Händen in Südafrika landen, hat das Quintett eigene Interpretationen südafrikanischer Volkslieder einstudiert – diese wird es morgen auch im Schauspielhaus zu hören geben. Ende April werden dann an gleicher Stelle die ersten akustischen Mitbringsel der Welttournee präsentiert – die besten davon landen dann auf der CD, welche die vermutlich aufregendste Zeit der Bandgeschichte dokumentieren soll.

Oliver Rudin: Dirigent, Band- oder Chorsänger.

Aufgenommen wird nicht nur im Studio, sondern auch live auf der Bühne. «Wir wollen, dass man die Atmosphäre dieser Konzerte auch auf CD mitbekommt», erklärt Rudin. Dass er eines Tages mit seinen Bandkollegen, die er bei der Basler Knabenkantorei kennengelernt hat, singend um die Welt reist, hätte sich Rudin vor fünfzehn Jahren beim besten Willen nicht vorstellen können. «Es ist schon ein Traum, andere Länder, Kulturen und Musiker kennen zu lernen und sich auf diese Art weiterzuentwickeln.» Das Schönste an der Sache sei, dass dies alles dank eigener Musik möglich wurde. Diese steht nun auf dem Prüfstand: «Ende Jahr werden wir noch besser als bisher wissen, ob unsere Lieder auf der ganzen Welt funktionieren», sagt Rudin. Bisher jedenfalls klappte das ganz gut – das beweist unter anderem der Glue-Erfolg an der Harmony Sweepstakes Competition am New Yorker Broadway, wo die Basler den Preis für den besten eigenen Song einsackten – mit einer deutschsprachigen Komposition (die Band berichtet damals auf diesem Blog darüber).

The Glue @Prague (Nov 2011) from The Glue on Vimeo.

Dass The Glue auch weiterhin in aller Welt Aufsehen erregen, dafür sorgen nicht nur ihr verspielte Bühnenshow, sondern auch die Wassertanks auf den Rücken der Sänger. «Viele meinen, diese Pet-Flaschen sind ein Gag – aber das ist nicht so», erklärt Rudin. «Das ist eine typische, pragmatische Glue-Lösung, um die Trinkpausen zwischen den Songs zu verkürzen.» Inzwischen hätten sich die Pet-Raketen als Wiedererkennungs-Symbol der Basler etabliert. Dass dies nicht das Einzige ist, was den Glue- Zuschauern von der «Gluebâlisation»-Tournee in Erinnerung beleibt, dafür dürfte die Performance der fünf Basler Stimmakrobaten sorgen. Und die CD Ende Jahr.

The Glue @Vienna (Nov 2011) from The Glue on Vimeo.

Schlaglicht auf Woche 50

schlaglicht am Mittwoch den 14. Dezember 2011

Das Jahr 2011 neigt sich dem Ende zu und die Nächte werden zwar länger, das Kultuprogramm allerdings von Woche zu Woche etwas dürftiger. Zeit also, mal wieder ein Buch aus dem Regal zu nehmen, endlich The Wire in voller Länge zu schauen oder die IMDb Top 250-Liste abzuarbeiten.  Wer trotzdem raus will: Ein paar Tipps für die Kulturwoche 50 haben wir dennoch gefunden. Man siehe nach dem Sprung… Diesen Beitrag weiterlesen »

Schlaglicht auf Woche 47

schlaglicht am Montag den 21. November 2011

Tatütata, its da Sound of da Police und da Sound vom Krankenwagen, aus welchem gerade Krankenschwestern ausgestiegen sind. Referenzen nicht verstanden? Einfach am Donnerstag in die Kaserne und am Freitag in den 1. Stock gehen. Und auch sonst ist die Kulturwoche 47 wieder voll mit Lesungen, Theater oder dem Grenzgänger-Slam im Kulturpavillon. Das alles… und noch viel meeeehr… zeigt dir Schlaglicht jetzt mit unseren wöchentlichen Kulturtipps. Diesen Beitrag weiterlesen »

Die Schlaglicht-Tipps zum Jugendkulturfestival

Luca Bruno am Donnerstag den 1. September 2011

Dieses Wochenende steht Basel wieder Kopf und zehntausende Jugendliche und Junggebliebene strömen ans Jugendkulturfestival. Das Programm ist auch dieses Jahr von schwindelerregender Vielfalt. Deshalb haben die Schlaglicht-Autoren Luca Bruno, Chris Faber und Joël Gernet für Euch ein paar Konzert- und Theaterperlen herausgepickt.

Dass wir Euch nur Tipps zum JKF-Samstag liefern, ist purer Zufall (wirklich!). Natürlich ist auch der Vortag äusserst reichhaltig, wie Ihr dem JKF-Freitagsprogramm entnehmen könnt.

Vielversprechend soll gemäss Festivalmacher zudem auch die erstmals statt findende JKF-Party in der Elisabethenkirche werden (Fr. und Sa. ab 22h): «Das wird die Art-Party 2.0 der Jugendkultur: Die ganze Elisabethenkirche eine Party mit den wahnsinnigsten Visuals, die Basel je gesehen hat. Die Kirche wird – visuel und fiktiv – zum Einstürzen gebracht und überflutet.» Ja dann – allen ein schönes JKF.

Die Stühle des Grauens

karen gerig am Montag den 9. Mai 2011

Medienmitteilungen sind meist eine trockene Angelegenheit und lösen bei uns Redaktoren kaum Reaktionen aus. Anders war es am Montagmorgen mit der Mitteilung der Girsberger Seating. Diese teilte uns erfreut mit, dass sie die Bestuhlung der Kleinen Bühne im Theater Basel saniert hätten. Spontane Reaktion darauf: «Oh Nein!» Denn wohl jeder, der diese über dreissig Jahre alten, lederbespannten Sitzgelegenheiten kennt, wünschte sich wohl statt Sanierung einen kompletten Austausch der Bestuhlung. Diesen Beitrag weiterlesen »

Viel Gelächter zwischen den Zeilen

chris faber am Sonntag den 17. April 2011

Das Duo «Ohne Rolf» war gestern Abend im Theater Basel mit Ihrem genialen Stück «Schreibhals» zu sehen.

Jonas Anderhub und Christof Wolfisberg haben nach diversen Schauspielausbildungen und Engagements die Blattcomedy entwickelt und werden Euch aktiv in Ihr Stück einbinden. Zu viert stehen sie diesmal auf der Bühne, mit ihrem Nachwuchs und dem Hund Tippex. Gemeinsam wird das Publikum Zeugen einer Taufe, der Entwicklung ihres Nachwuchses, und es lernt Götti und Gotte kennen. Den Schweizer Innovationspreis SurPrix sowie den Deutschen Prix Pantheon haben sie bereits gewonnen. Mit dem zweiten Programm «Schreibhals» brachte das junge Schweizer Duo das Basler Publikum gestern Abend zum vielen Lachen zwischen den Zeilen  – mit ihren 1000 gedruckten Sätzen auf Plakaten. Musikalisch war es auch, und zum Mitsingen. Die Texte sind

KNAPP

TREFFEND

WITZIG

und ihre Gesichter erzählen Euch genau das, was nicht zu lesen ist. Wollen wir nicht auch manchmal ein Gespräch anhalten und eine Frage oder Aussage genau wirken lassen?

Ihr könnt «Ohne Rolf» nur noch heute um 19.15 Uhr in der Kleinen Bühne im Theater Basel sehen!

«Ein Kulturleitbild soll Vertrauen schaffen»

karen gerig am Montag den 7. März 2011

Rund 80 Stellungnahmen zum Entwurf des basel-städtischen Kulturleitbildes gingen beim Ressort Kultur ein. Aktuell sei man noch dabei, diese auszuwerten und zu diskutieren, sagt Philippe Bischof, Leiter der Abteilung Kultur im Präsidialdepartement. Im Juni dann wird das Kulturleitbild der Regierung präsentiert. Einfach hat Bischof es nicht, seit zwei Monaten ist er im neuen Amt, der Kulturleitbildentwurf stammt noch vom Vorgänger. Ein, zwei Dinge würde er anders anpacken, lässt er im Gespräch denn auch durchblicken. «Das Kulturleitbild ist für mich vor allem die Grundlage für einen zukunftsgerichteten Diskurs, der offen und regelmässig geführt werden muss», sagt er. «Und es soll Vertrauen schaffen und Bewegung zeigen.»

Philippe Bischof, Leiter Abteilung Kultur. Foto Roland Schmid

Diskussionsstoff hat das 82 Seiten starke Werk schon geliefert. Sprengstoff bot vor allem die darin formulierte Idee, das Historische Museum mit dem Antikenmuseum zu einem Haus der Geschichte zusammenzuschliessen. Eine Idee, die sich inzwischen weiter entwickelt hat, wie Bischof vorletzte Woche an einem Podium durchblicken liess und nun bestätigt. «Kern der Idee und grosses Anliegen von Guy Morin und mir ist die verstärkte Vermittlung von Geschichte in Basel. Es gibt ja wichtige Themenbereiche, die in der Ausstellung von Geschichte nicht genügend vorkommen. Wir diskutieren daher inzwischen in neue Richtungen», sagt er, «doch grundsätzlich werden mögliche Synergien zwischen Museen durchaus geprüft.»

Jeweils für eine Legislaturperiode soll das Kulturleitbild gelten, so steht es im Kulturfördergesetz. Eine Spanne von vier Jahren also, die das Leitbild sinnvoll füllen soll. Eine kurze Dauer, wenn man bedenkt, dass das letzte Kulturleitbild aus dem Jahr 1996 stammt. Gibt diese kurze Gültigkeitsdauer nicht die Möglichkeit für Experimente? Man könnte meinen, sagt Bischof, Ideen gibt es ja genug, doch für deren Umsetzung ist der finanzielle Handlungsspielraum klein. Zunächst gebe es ein paar längerfristige wichtige Baustellen abzuschliessen. Während der kommenden vier Jahre sehe man, wo man stehe, und könne die Gesamtlage neu beurteilen. An einigen Baustellen mag man bis dann fertig gebaut haben, dafür tun sich sicherlich neue auf. Die Entwicklung auf dem Dreispitzareal etwa werde bis dahin mit wachem Blick beobachtet und interessiert begleitet. Schliesslich engagiert sich der Kanton Basel-Stadt bereits beim Haus für elektronische Künste, weitere Engagements wären durchaus denkbar.

Gelder sind fest gebunden

Nur – woher das Geld dafür nehmen? Schliesslich kämpft die Basler Kulturförderung vor allem mit einem Problem: Fast alle Gelder ihres Fördertopfes sind fest gebunden. Vor allem die grossen Institutionen wie das Theater Basel oder das Kunstmuseum profitieren vom Topf. Gleichzeitig kämpfen diese Institutionen mit den alternativeren und neuen Orten um Besucher. «Doch soll man ihnen allein deswegen Gelder wegnehmen?», fragt Bischof. «Oder andersherum gefragt: Welche aktuellen Kriterien legitimieren die hohen Subventionen an diese Institutionen? Das ist die entscheidende Frage.»

Das Kunstmuseum, einer der «Leuchttürme» der Basler Kultur. Foto Margrit Müller

Die Antwort darauf ist keine einfache. Man darf nicht nur in ökonomischen Kriterien denken, doch gibt es wirklich objektive, ideologiefreie? Das Kulturleitbild hat sich mit dem Verlangen nach «messbaren Auswirkungen» der Kultur nicht gerade viele Freunde gemacht. In manch einer Stellungnahme wurde kritisiert, Kultur werde wie eine Ware behandelt, die Kulturpolitik merkantil ausgerichtet. Doch innerhalb des Standortmarketings nehmen Institutionen wie das Theater Basel und das Kunstmuseum unbestritten mit die wichtigsten Positionen ein.

Solange die öffentlichen Kulturgelder nicht zunehmen, müssten auch diese Institutionen sparen, um Kantonsgelder freizubekommen. Denn auch Bischof ist sich bewusst: «Es gibt viele potenzielle Engagementbereiche, neue Sparten, die in die Förderung drängen. Und für diese gibt es leider zur zeit wenig Spielraum. Zudem gibt es manche Kultur, die ganz ohne staatliche Förderung stattfindet.» Gottseidank, ist man versucht zu sagen. Denn dass in naher Zukunft der städtischen Kulturpolitik plötzlich aus dem Nichts mehr Gelder erwachsen, ist wohl auszuschliessen. PPP könnte da ein Stichwort sein, die vielgerühmten Private Public Partnerships. Beim Erweiterungsbau des Kunstmuseums soll eine solche erstmals erprobt werden – über die Zusagen von Sponsoren, die sich an den höheren Betriebskosten des Museums beteiligen sollen, hat man allerdings noch keine verbindlichen Aussagen.

Mehr Land für die Stadt?

Wie stünde es denn mit einer tiefergehenden Zusammenarbeit mit dem Nachbarkanton? Mancherorts wird seit dem Baselbieter Nein zum Theater danach verlangt. Angesichts der Tatsache, dass der Kanton Baselland diesen Frühling ebenfalls ein Kulturleitbild erarbeiten wird, wäre der Zeitpunkt vielleicht günstig. Oder etwa nicht? «Sicher. Aber man stellte sich das zuletzt vielleicht einfacher vor als es in Wirklichkeit ist», vermutet Philippe Bischof. Das Baselbiet habe teilweise, wie jetzt sichtbar wurde, ganz unterschiedliche Ansprüche an die Kultur. «Kultur funktioniert auf dem Land offensichtlich anders.» Das sehe man auch in jenen Kantonen, in denen Stadt und Land zwingend zusammenarbeiten müssten, in Luzern etwa oder in Bern. Es mache für die beiden Basel absolut Sinn, weiter so zusammenzuarbeiten zu versuchen, wie man es gewohnt ist: Bei vielen Projekten und beispielsweise in den Fachausschüssen funktionieren das ja sehr gut. Für das Theater müsse neben der städtischen Lösung aber auch eine landschaftliche gefunden werden, das sei dringend notwendig. Das sieht auch das Kulturleitbild vor, das Theater Basel fungiert dort als Baustelle Nummer 15. Als es formuliert wurde, war die Baselbieter Abstimmung noch nicht geführt. Mindestens hier also wird die nächste Version des Kulturleitbildes einen neuen Vorschlag liefern müssen.

Agieren statt lavieren

karen gerig am Sonntag den 13. Februar 2011

Die Mehrheit der Baselbieter möchte nicht mehr fürs Basler Theater zahlen, so das Resultat des Abstimmungssonntags. Schade. Man kann als Theatergänger oder als Basler nun lavieren und sich über die «Kulturbanausen» enervieren. Luft ablassen tut bekanntlich gut. Zentral jedoch ist jetzt die Frage: wie geht es nun weiter mit dem Theater? Laut Direktor Georges Delnon habe das Theater keinen Plan B, liess er vor der Abstimmung verlauten.

Doch man kann das Theater schlecht einfach schliessen. Das wird der Kanton Basel-Stadt nun verhindern müssen. Philippe Bischof, Leiter des Ressorts Kultur Basel-Stadt, sagte nach Bekanntwerden des Abstimmungsresultats zu Schlaglicht, die Politik kenne immer einen Plan B. Bezüglich des Basler Theaters muss sie das auch haben. Wie der Plan konkret aussieht, darauf müssen wir noch warten. Ob eine weitere Subventionserhöhung des Kantons Basel-Stadt, der jetzt schon als Geldgeber mehr als die Hauptlast trägt, die Lösung ist, ist fraglich.

Trotzdem steht fest: Das Abstimmungsresultat setzt ein sehr schlechtes Zeichen für die Partnerschaft der beiden Halbkantone. Die schwierige Aufgabe der Politik ist es nun, dieses zu neutralisieren. Schliesslich steht in verschiedenen Bereichen wichtige Zusammenarbeit an. Die mit dem neuen Finanzausgleich verknüpften Verhandlungen könnten den Kanton Baselland allerdings bald zu mehr Solidarität zwingen – auch im Bereich der Kultur.

Das Theater mit dem Theater

karen gerig am Montag den 24. Januar 2011

Kaum einer, der sich im Vorfeld der Baselbieter Abstimmung zum Theaterreferendum nicht zu Wort meldet. Auch von uns wurde von mehreren Seiten eine Stellungnahme gefordert. Wir vom Schlaglicht sind uns einig, dass ein Ja zum Theater unabdingbar ist. Unsere persönlichen Gründe und Argumente dafür sind hingegen vielgestaltiger und erinnern an die Argumente der unzähligen Gastbeiträge und Wortmeldungen in verschiedenen Medien der letzten paar Wochen.

Nur etwas für die Basler und Baselbieter Elite? Das Theater Basel. (Foto Lucian Hunziker)

Die Gegner der Subventionserhöhung fürs Theater Basel nutzen vordergründig finanzielle Argumente: Baselland müsse sparen, da sei die Verpflichtung auf höhere Ausgaben hirnrissig. Basel könne vom «Goldesel Baselland» nicht mehr und mehr verlangen. Solle man doch die Eintrittspreise erhöhen. Die Befürworter halten mit anderen Zahlen dagegen: 44,5 Prozent der Abonnenten des Theaters kommen aus dem Baselbiet, mehr als aus Basel-Stadt (41,3 Prozent). Trotzdem bezahle Basel mit 37,1 Millionen Franken den Löwenanteil der Subventionen, Baselland würde nach der Erhöhung der Subventionen 8 Millionen bezahlen – ein deutliches Ungleichgewicht.

Diese auf Zahlen beruhenden Gedankengänge könnte man auf beiden Seiten weiterführen. Man könnte anmerken, dass viele Baselbieter ihren Lohn in Basel-Stadt abholen, ihre Steuern aber auf dem Land bezahlen. Dass nur ein kleiner Teil der Baselbieter tatsächlich ins Theater Basel pilgert. Dass, wenn die Eintrittspreise erhöht werden müssten, nur noch Gutverdiener die Vorstellungen besuchen könnten, das Theater dadurch Zuschauer verlieren würde und wiederum weniger Geld zur Verfügung hätte.

Doch sind Zahlen und Budgetfragen die richtigen Argumente? Oder soll man stattdessen das Ansehen des Theaters ins Felde führen, die Auszeichnungen, die es erhalten hat? Den Leistungsauftrag, den es erfüllen muss? Die Spitzenleistungen, die das Theater erbringt? Soll man ans Verantwortungsbewusstsein des Stimmvolkes appellieren? Ans Partnerschaftsverhältnis, das bekanntlich auch in anderen Belangen leidet? Darf das Hauptargument sein, dass das Theater Basel am Ende wäre, wenn die Subventionen nicht erhöht würden?

Hoffen gemeinsam: Theaterdirektor Georges Delnon (l.) und der Baselbieter Kulturdirektor Urs Wüthrich-Pelloli. (Foto Margrit Müller)

Es hat wohl jedes Argument, ob pro oder kontra, in dieser Diskussion seine Berechtigung. Grundsätzlich geht es bei der Abstimmung aber um Solidarität – ein Grundwert, der in unserer Gesellschaft stetig schwindet. Egal, ob es ums Gesundheitswesen, um die Altersvorsorge oder eben um Kulturfragen geht. Eine der zentralen Fragen heutzutage scheint zu sein: Warum soll ich für etwas bezahlen, wovon ich nicht profitiere? Mein Nachbar will ins Basler Theater? Soll er, doch dann soll ER dafür zahlen. Doch auch diese Argumentationslinie führt uns nicht viel weiter. Denn irgendwann gelangt man damit ad absurdum. Keiner kann nur für das bezahlen, was er selber nutzen will.

Urs Wüthrich, Baselbieter Kulturdirektor, sagt heute Montag in der BaZ: «Kultur ist nicht einfach nice to have. Kultur ist lebenswichtig. Ohne Kultur ist man heimatlos.» Das widerspiegelt nicht nur seine Meinung. Kultur ist daneben auch ein anerkannter Wirtschafts- und Standortfaktor. Kultur ist vielfältig, dazu gehört der Dorfverein genauso wie das Theater Basel. Doch ist auch dies wiederum eine subjektiv gefärbte Meinung.

Mit dem Kind ins Theater: Freude oder Qual?

karen gerig am Montag den 27. Dezember 2010

Der berufliche Besuch einer Theatervorstellung für Kinder stürzt die Kulturjournalistin immer wieder mal in ein kleineres Dilemma. Grund dafür ist die Frage, nach welchen Kriterien man derlei Theaterstücke beurteilen soll – denn, sind wir ehrlich, mit den Vorstellungen, wie sie uns auf den grossen Bühnen der Welt geboten werden, haben Theaterstücke für Kinder meist wenig gemeinsam. Was also tun? Die Vorstellungen ganz ignorieren, wie es diverse Feuilletons und Kulturteile von Zeitungen inzwischen tun? Sie an grossen Vorbildern messen? Oder gar Kinder die Rezensionen verfassen lassen?

Kindertheater locken unbestreitbar die Massen. Tickets für Vorstellungen im Theater Arlecchino etwa oder im Fauteuil sind in Basel ein begehrtes Gut. Und der Applaus ist den Schauspielern immer sicher. Aber ist das ein Gütesiegel?

Heidi am Basler Schauspielhaus. (Foto Judith Schlosser, Theater Basel)

Im Moment wird der Unterschied zwischen grossen und kleinen Bühnen für den regelmässigen Kindertheaterbesucher besonders augenfällig. Das Schauspielhaus inszeniert diesen Winter Johanna Spyris «Heidi» als Familienstück – perfektes Bühnenbild, professionelle Schauspieler und echte Geisslein inklusive. Da können kleinere Häuser nicht mithalten. Oder?

Der bald sechsjährigen Tochter ist das ausgeklügelte Heidi-Bühnenbild egal. Soll sich der Holzberg doch zum Hüttendach wandeln. Sie will gleich am Anfang wissen, wann denn die Geisslein endlich kommen. Und warum die Tante Dete mitten im Publikum steht und nicht aufhört zu reden. Wann es denn endlich richtig losgehe. Und später vielleicht noch, ob der Schnee echt ist, der von der Decke fällt. Gefallen tuts ihr aber trotzdem.

Das Arlecchino zeigt über die Festtage den «Froschkönig». Mit klitzekleinem Budget. In einer einfachen, aber einfallsreichen Inszenierung, die manchmal mehr Klamauk ist als Theater, mag der Erwachsene vielleicht denken. Doch mit viel Liebe und Freude am Spiel aufgeführt, das wirkt ansteckend. Die Kinder auf ihren Holzbänken jauchzen und singen mit.

Der «Froschkönig», inszeniert vom Ensemble des Tamalan-Theaters, im Theater Arlecchino.

Ist das «Heidi» denn nun wertvoller als der Froschkönig? Oder als das «Tapfere Schneiderlein», das im Fauteil aktuell sein Unwesen treibt? Wichtig ist doch, dass unsere Kinder ins Theater gehen. Das Arlecchino wurde für sein Engagement für die Kleinen deshalb auch schon mit dem Schappo-Preis ausgezeichnet. Zurecht. Denn vergessen wir nicht: Wer dort auf, hinter und neben der Bühne steht, tut das, ohne eine Gage zu erhalten. Nur die leuchtenden Kinderaugen vor der Bühne winken als Lohn.

Im Praxistest zeigt sich zudem, dass das Theater Basel von den kleinen Theatern noch lernen kann. Das «Heidi» nämlich dauert stolze 110 Minuten. Am Stück, ohne Pause, von 3 Uhr nachmittags bis 10 vor 5. Um vier fängt der Bauch des Jungen links an zu knurren. Und alle drei Minuten frägt er danach seinen Vater, wann denn nun endlich Pause sei und er sein Zvieri essen könne. Auch das Mädchen rechts ist plötzlich überfordert und muss draussen beruhigt werden.

Es scheint, als müssten die theatererprobten Erwachsenen im Kindertheater ihre Ansprüche etwas zurückschrauben. Das sollte man gerne tun. Spass haben kann man überall. Und die Kulturjournalistin sollte weiter ein Auge zudrücken, wenns etwa um die Qualität der schauspielerischen Leistungen geht. Und auf die Tochter hören, die regelmässig sagt: «Super wars!». Und sich beim Rausgehen schon aufs nächste Mal freut.

Der «Froschkönig» im Arlecchino läuft noch bis 31.12. täglich um 14.30 Uhr, zusätzlich vom 29. bis 31.12. um 11 Uhr.
«Heidi» läuft im Schauspielhaus noch am 30.12. um 17.45 Uhr, am 2.1. um 15 Uhr, am 16.1. um 16 Uhr und am 17.1. um 11 Uhr.