Beiträge mit dem Schlagwort ‘The Fault in Our Stars’

Das Model und der Streber

Fabian Kern am Mittwoch den 29. Juli 2015

«Paper Towns» läuft ab 30.7. im Küchlin und im Rex.

«Paper Towns» läuft ab 30. Juli im Pathé Küchlin und im Rex.

Sich zum ersten Mal zu verlieben ist einfach, erwachsen zu werden schwierig. Auf diese Aussage lässt sich «Paper Towns» wohl ungefähr herunterbrechen. Die Coming-of-Age-Geschichte von Jake Schreier («Robot & Frank») ist die zweite Verfilmung eines Romans von John Green. Wer die Bücher nicht kennt, sondern nur den ersten Film «The Fault in Our Stars», muss jetzt nicht gleich wegklicken. Denn im Gegensatz zu jenem arg auf die Tränendrüsen drückenden Krebsdrama ist «Margos Spuren», so der deutsche Titel, eine leichtfüssige Schnitzeljagd, ein Roadmovie auf der Strasse ins Erwachsensein. Wer diese Phase einigermassen untraumatisiert überstanden hat, wird sich in einigen Szenen selbst wieder erkennen und sich entsprechend amüsieren, auch wenn die uramerikanische Fixierung auf den Abschlussball der High School für uns Europäern wohl nie ganz nachzuvollziehen sein wird. Wer selbst in diesem Alter ist, für den ist das schon fast Reality-TV.

Partners in Crime: Margo macht Quentin zum Komplizen.

Partners in Crime: Benutzt Margo Quentin nur?

Der 17-jährige Quentin Jacobson (Nat Wolff) ist seit neun Jahren unsterblich in das Nachbarsmädchen Margo Roth Spiegelman (Cara Delevingne) verliebt. Es war Liebe auf den ersten Blick – unerwiderte Liebe. Denn die beiden erlebten eine völlig unterschiedliche Jugend. Während Streber Quentin gute Noten nach Hause bringt und abends brav ins Bett geht, lebt Margo nur für den Moment. Die Liebe verwandelt sich Schritt für Schritt in eine Sehnsucht nach dem Abenteuer deren Erfüllung jeweils an der Vernunft scheitert. Bis eines Abends kurz vor dem Abschlussball, dem Ende einer Ära, dem ersten Schritt ins Erwachsensein, Margo in Quentins Zimmer steigt und ihn zu einem Rachefeldzug gegen ihren untreuen Ex-Freund überredet. Das Präfix «Ex» reicht dabei schon, um Quentins Vernunft ausser Gefecht zu setzen, und tatsächlich fühlt sich der Musterschüler bei all den Streichen und Gesetzesübertretungen zum ersten Mal richtig lebendig. Und hofft natürlich auf Erwiderung seiner neu entflammten Leidenschaft für die schöne Margo.

Hinterlässt Spuren auf der Flucht: Margo.

Hinterlässt Spuren auf der Flucht: Margo.

Doch daraus wird nichts. Vorerst zumindest, wie Quentin sich sagt. Denn Margo lässt sich nach dieser Nacht weder in der Schule noch zu Hause blicken, verschwindet – aber nicht spurlos. Quentin findet Hinweise, die ihm Margo hinterlassen hat, und macht sich zusammen mit seinen Streberfreunden Ben (Austin Abrams) und Radar (Justice Smith) sowie Margos bester Freundin Lacey (Halston Sage) auf eine Schnitzeljagd nach Margo, die zusehends zu einer Suche nach sich selbst wird. Die Story ist geschickt aufgebaut und entspricht genau dem Verhalten von angehenden Erwachsenen. Die Unbeschwertheit, die kompromisslose Hingabe eines Gefühls führt erst nach einer gewissen Zeit zur Selbstreflexion, die einen reifen lässt. Exemplarisch auch die Darsteller. Dem momentanen britische Über-Model Cara Delevingne mit ihren ausdrucksstarken Augen unter den buschigen Brauen würde jeder pubertierenden Teenager hoffnungslos verfallen, während Nat Wolff mit seiner Körpersprache perfekt ausdrückt, dass er weiss, dass ein Mädchen wie Margo für einen Normalo wie ihn ausser Reichweite ist. Aber Träumen ist in diesem Lebensabschnitt nicht nur erlaubt, sondern unabdingbar.

«Paper Towns» läuft ab 30. Juli 2015 in den Kinos Pathé Küchlin und Rex in Basel.

Weitere Kinostarts in Basel am 30. Juli: Pixels, Der kleine Rabe Socke 2, Ich seh, ich seh.

Liebe mit Sauerstoffschlauch

Fabian Kern am Mittwoch den 11. Juni 2014

«The Fault in Our Stars» läuft ab 12. Juni im Küchlin.

«The Fault in Our Stars» läuft ab 12. Juni im Küchlin.

«Not Just Another Teen Movie», hiess eine Filmsünde aus dem Jahr 2000. Nicht, dass die Qualität auch nur im mindesten mit jener von «The Fault in Our Stars» vergleichbar wäre, aber die Aussage würde genau passen. Ebenso ist die Verfilmung des Bestsellers von John Green nicht nur ein weiterer Krebs-Film, die schon fast wieder aus der Mode gekommen sind, weil es schon so viele davon gibt. Es geht um mehr als nur um den Umgang mit dem Unausweichlichen. Es geht darum, die Zeit, die uns auf Erden zugestanden wird, mit Inbrunst und Herz zu leben.

Ein Happy End wird es nicht geben. Und bevor eifrige Kommentarschreiber schon wieder einen «Spoiler»-Alarm bei diesem Beitrag fordern: Hazel (Shailene Woodley) stellt das schon ganz am Anfang des Films klar. Für sie, deren Lungen eine Zeitbombe darstellen, ist es aber dennoch eine Frage des Happy Ends – des Happy Ends ihres Lebens, das viel zu kurz dauern wird. Die aufgeweckte 16-Jährige ist durch papilären Schilddrüsenkrebs schon seit Jahren zum Tod verurteilt, trägt ihren Sauerstoffschlauch rund um die Uhr und ihr Herz auf der Zunge. Ihre Eltern (Laura Dern und Sam Trammell) kümmern sich rührend um Hazel, und nur ihnen zuliebe besucht sie die verhasste Krebs-Selbsthilfegruppe. Freunde finden soll sie, na super. Aber siehe da, in der peinlichen Veranstaltung taucht der fesche Gus (Ansel Elgort) auf, der seit seiner Unterschenkel-Amputation vor 14 Monaten krebsfrei ist. Hazel will es nicht zugeben, aber sie verliebt sich sofort in den charmanten Teenager.

Zaghafte Annäherung in der Heimat... (Bilder: Fox)

Zaghafte Annäherung in der Heimat… (Bilder: Fox)

Und ab diesem Punkt unterscheidet sich «The Fault in Our Stars» so von anderen Filmen in diesem Genre. Auch Hazel will sich zu sehr verlieben, um mit ihrem Ableben nicht Gus’ Herz zu brechen. Aber anstatt sich in ärgerlichen Missverständnissen zu verrennen, sprechen die Protagonisten darüber. Das nimmt dem Plot die Konstruiertheit und lässt ihn so authentisch wirken. In so einer Situation hat man schlicht nicht die Zeit, um sich mit Spielchen um falschen Stolz abzugeben. Vielmehr leben Gus und Hazel mit ihrer Krankheit und jeden Moment sehrbewusst. Sie wollen zwar aus genannten Gründen «nur Freunde» sein, doch beiden ist klar, dass sie ihre Herzen schon lange aneinander verloren haben. Der Höhepunkt in Hazels Leben soll eine Reise nach Amsterdam zu Peter Van Houton (Willem Dafoe), dem Autor ihres Lieblingsbuchs werden. Doch der Trip nimmt eine unvorhergesehene Wendung.

... zärtliches Tête-à-Tête in Amsterdam.

… zärtliches Tête-à-Tête in Amsterdam.

Wie der deutsche Buchtitel schon sagt: Das Schicksal ist ein mieser Verräter. Gewisse Dinge sind unvermeidlich und Krebs eine schreckliche Geissel der Menschheit. Das bekommen auch Hazel und Gus zu spüren. Was sie aber auch erfahren ist, dass das Leben schön ist. Gut, dass keine gestandenen Jungstars gecastet wurden, denn die beiden noch ziemlich unverbrauchten «Divergent»-Darsteller bringen John Greenes Botschaft – seine Charaktere beruhen übrigens auf realen Menschen – so rührend auf die Leinwand, dass in jedem Kinosaal Taschentücher Pflicht sind. Eine wunderschön lebensbejahende, witzige und poetische, aber auch traurige Liebesgeschichte. Happy End ist relativ.

«The Fault in Our Stars» läuft ab 12. Juni 2014 im Kino Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 12. Juni: Hotell, Make Your Move, The Fault in Our Stars, Tinker Bell: The Pirate Fairy, Henri, Feuer & Flamme,
NT Theatre: A Small Family Business, The Letter Writer .