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Der grimmige Arm des Gesetzes

Fabian Kern am Mittwoch den 14. November 2012

Dredd 3D

«Dredd 3D» läuft ab 15. November im Pathé Küchlin.

Um ein B-Movie neu zu verfilmen, braucht man schon einen guten Grund. Oder einen soliden Plan. Die Macher von «Dredd 3D» hatten wohl weder noch. Dabei gäbe das unfreiwillig komische Original «Judge Dredd» aus dem Jahr 1995 mit Sylvester Stallone in der Titelrolle genügend her, um entweder einen richtigen Blockbuster daraus zu machen oder zumindest eine humorvolle Parodie. Doch Drehbuchautor Alex Garland («The Beach», «28 Days Later») hatte den Ehrgeiz, den Film näher an die düstere Comic-Vorlage heranzuführen, wie das die Dark-Knight-Trilogie vorbildlich umsetzte. Leider hat er zusammen mit Regisseur Pete Travis («8 Blickwinkel») aber nur eine humorlose Gewaltorgie inszeniert.

Dredd in Action

Ballerei in 3D: Dredd flüchtet vor einer Explosion. (Bilder: Rialto)

In der Zukunft ist alles mega. Mega-Gebäude stehen in grauen Mega-Cities. Und auch «Dredd 3D» ist mega. Nämlich mega brutal. «Mega City One» ist die Hauptstadt der Zukunft. Der gigantische Moloch erstreckt sich von Boston bis Washington D.C. und wird von nicht weniger als 800 Millionen Menschen bewohnt. Wobei «wohnen» ein viel zu positiver Ausdruck für das trostlose Dasein an der amerikanischen Ostküste ist. Drogen, Prostitution und Gewalt dominieren das Leben in den Häuserschluchten. Zur Verbrechensbekämpfung stehen sogenannte «Judges» im Einsatz: Cop, Richter und Vollstrecker in Personalunion. Allerdings sind sie nur ein Tropfen auf den heissen Stein, denn von den zwölf schweren Verbrechen, die pro Minute (!) gemeldet werden, können nur sechs Prozent behandelt werden.

Anderson und Dredd

Bitte lächeln! Anderson und Judge Dredd.

Der beste dieser Judges ist Dredd (Karl Urban), eine Legende im Justizpalast der «Mega City One». Er bekommt mit Anderson (Olivia Thirlby) eine Rekrutin an die Seite gestellt, die er bewerten soll. Ihr erster gemeinsamer Einsatz führt das ungleiche Duo ausgerechnet in das übelste Mega-Wohnhaus der Metropole. «Peach Trees» beherbergt 75’000 Leute und steht unter der eisernen Herrschaft der grausamen Drogen-Baronin Ma-Ma (Lena Heady), die den Markt der neuen Droge «Slo-Mo» kontrolliert. Dredd und Anderson werden prompt eingeschlossen und von den Gesetzlosen gejagt. Was dann folgt, ist eine uninspirierte Aneinanderreihung von Gewaltszenen, in denen die 3D-Technologie nur dazu dient, das Gemetzel möglichst drastisch darzustellen. Der Bodycount von Verbrechern und Unschuldigen steigt dabei in schwindelerregende Höhen. Der einzig interessante Aspekt der Geschichte, nämlich die Aufrechterhaltung von moralischen Werten in einer Anarchie, geht im Kugelhagel komplett unter.

Ma-Ma

Grausam: Drogenbaronin Ma-Ma.

War Sylvester Stallones grimmige Interpretation des Richters und Henkers in Personalunion vor 17 Jahren noch belustigend, so wirken Karl Urbans ständig nach unten verkrampfte Mundwinkel nur lächerlich und ermüdend. Überhaupt gibt die Karriereplanung des Neuseeländers Rätsel auf. Mit seinen Rollen in «Herr der Ringe», «Die Bourne-Verschwörung», «Star Trek» und «R.E.D.» schien Urban auf dem Weg nach oben zu sein, doch seine Rollenwahl in den letzen zwei Jahren waren mehr als unglücklich. Um aber seinem jüngsten Projekt doch noch etwas Positives abzugewinnen: Lena Heady («The Cave», «300») beweist als Ma-Ma Mut zur Hässlichkeit und schafft eine würdige Bösewichtin. Leider vermag das den Film aber auch nicht herauszureissen.

Zur Erinnerung und für Nostalgiker hier der Trailer von «Judge Dredd» (1995):