Beiträge mit dem Schlagwort ‘Stellan Skarsgard’

Leichenzählen auf norwegisch

Fabian Kern am Mittwoch den 26. November 2014

«Einer nach dem anderen» läuft ab 27.11. im Atelier.

«Einer nach dem anderen» läuft ab 27.11. im Atelier.

Die Beziehung zwischen Norwegern und Schweden ist nicht ganz einfach. Vergleichbar ist sie mit jener zwischen Schweizern und Österreichern, einfach noch viel intensiver. Die beiden skandinavischen Nachbarn können einander nicht ausstehen. Umso mehr Bedeutung bekommt deshalb die Auszeichnung des schwedischen Einwanderers Nils Dickman (Stellan Skarsgård) zum Bürger des Jahres in einem kleinen Nest in der Nähe des Osloer Flughafens. Das ist dann aber auch schon der letzte Lichtblick in einem weiteren strengen norwegischen Winter für den Schneeräumer, denn kurz darauf wird sein einziger Sohn mit einer Überdosis Drogen im Blut tot aufgefunden. Für Nils und seine Frau bricht eine Welt zusammen.

Ungewöhnliche Häufung an Leichen in Norwegen.

In Norwegen häufen sich die Leichen.

Mit einem Gewehrlauf im Mund und dem Finger am Abzug wird der trauernde Vater aber von einem Freund seines Sohnes am Selbstmord gehindert, der unter Tränen gesteht, als Kokainkurier eine Lieferung abgezweigt und Nils’ Sprössling mit hineingezogen zu haben. Der resolute Schneepflugfahrer macht sich umgehend auf nach Oslo, um die Mörder seines Sohnes zur Rechenschaft zu ziehen – und entdeckt, dass der Verlust eines Kindes einem jegliche Skrupel rauben kann. Nils mordet sich in der Hierarchie des Drogenrings des legendären «Grafs» nach oben. Weil dieser aber meint, die Serben, mit denen er sich den Osloer Drogenmarkt teilt, wollten ihm an den Kragen, artet die Angelegenheit zu einem blutigen Bandenkrieg in der friedlichen Winterlandschaft aus.

Schneeräumer als Racheengel: Nils Dickman.

Schneeräumer als Racheengel: Nils Dickman.

Schweizer als serbischer Gangster: Bruno Ganz.

Schweizer als serbischer Gangster: Bruno Ganz.

Fans der Serie «Lilyhammer» können sich freuen. Der köstliche schwarze Humor der Norweger kommt in «Einer nach dem anderen» auf der Kinoleinwand zur vollen Entfaltung. Hans Petter Moland inszeniert die morbide Geschichte als irrwitzigen Bodycount in einer faszinierenden Winterlandschaft, gespickt mit schrägen Dialogen und grandiosen Figuren. Trottelige Polizisten erhalten ebenso ihren Auftritt wie ein schwules Killerpaar, ein dänischer Japaner mit dem Übernamen «der Chinese», eine cholerische Thailänderin und ein veganer Drogenbaron, der sich ständig mit seiner Ex-Frau um das Sorgerecht für seinen Sohn streitet. Zwei bekannte Gesichter verleihen der nordischen Thrillerkomödie gar ein wenig internationales Flair: die Hollywood-Grössen Stellan Skarsgård («Pirates of the Caribbean», «Thor», «The Avengers») und der Schweizer Bruno Ganz («Der Untergang»).

Doch die grossen Namen hat der Film nicht einmal nötig. Der Plot ist absolut durchdacht und der Humor so trocken wie der norwegische Schnee. Kurze melancholische Momente sorgen dafür, dass «Einer nach dem anderen» nie in den Klamauk ins Groteske abdriftet. Deshalb ist die Befürchtung berechtigt, dass bald ein amerikanisches Remake davon gedreht wird. Das kann aber nur schlechter sein. Freunde des schwarzen skandinavischen Humors: Ergreift die Möglichkeit jetzt – auch wenn ihr Schweden seid.

«Einer nach dem anderen» läuft ab 27. November 2014 im kult.kino Atelier in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 27. November: Nightcrawler, Horrible Bosses 2, Die Pinguine von Madagaskar, Electroboy.

Mister Pegg sucht das Glück

Fabian Kern am Mittwoch den 27. August 2014

«Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück» läuft ab 28. August 2014 im kult.kino.atelier und im Pathé Küchlin in Basel.

«Hectors Reise» läuft ab 28.8. in Atelier und Küchlin.

Engländer sind hellhäutige Typen mit roten Haaren und einem trockenen Humor. Zugegeben, ein ziemlich plattes Klische. Aber genau dieses Klischee wird auf der Leinwand von einem Mann perfekt verkörpert: Simon Pegg. Wem der Name nichts sagt, der hat wohl auch die schwarzen Komödien «Shaun of the Dead» und «Hot Fuzz» nicht gesehen. Pegg ist auch derjenige, der die inzwischen zu lange geratene «Mission Impossible»-Serie noch auf Kurs hält – als witziges Pendant zu «Q», dem technischen Ausrüster von James Bond. Langer Rede kurzer Sinn: Simon Pegg ist lustig. Und er ist, wie gesagt, der Vorzeige-Brite.

Genau deswegen ist Pegg die ideale Besetzung für die Rolle als Hector. Ein verklemmter, pedantischer Psychiater, zwar durchaus mit Humor und Charme ausgestattet, aber völlig in seiner Alltagsroutine gefangen. So sehr, dass es erst eine Hellseherin (Veronica Ferres) auf seiner Couch braucht, die ihm erzählt, dass er seine Patienten nicht glücklich machen kann, weil er selbst unglücklich ist. Also informiert er seine wenig begeisterte Partnerin Clara (Rosamund Pike), packt sein Rucksack und macht sich auf die Reise. Auf die Suche nach dem Glück.

Hector entflieht seinem biederen Alltag...

Hector entflieht seinem biederen Alltag…

... und entdeckt die weite Welt.

… und entdeckt die weite Welt. (Bilder: Filmcoopi)

Die Reise wird zu Hectors persönlicher Odyssee, die ihn von Shanghai über den Himalaya und Afrika bis nach Los Angeles führt. Jede Erfahrung, die er da macht, bringt ihn näher ans Ziel und wird akribisch in seinem Reisetagebuch festgehalten. Es sind wilde Abenteuer in schönen Bildern, die bestens unterhalten. Hector versucht mit sympathischer Naivität, eine Prostituierte zu befreien, behebt die Depressionen der Frau eines Drogenlords und muss schliesslich bei seiner grosse Jugendliebe eine Entscheidung treffen. «Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück», die Verfilmung von François Lelords gleichnamigem Bestseller soll glücklich machen. Das tut sie auch, zumindest kurzzeitig. Sie ist aber nicht so spektakulär wie der ähnlich angelegte «Das geheime Leben des Walter Mitty».

Macht sie ihn glücklich? Hector mit seiner Jugendliebe Agnes (Toni Collette).

Macht sie ihn glücklich? Hector mit seiner Jugendliebe Agnes (Toni Collette).

Wer sich die grossen philosophischen Erkenntnisse über den Sinn des Lebens erhofft, wird enttäuscht. Hectors Erkenntnisse über das Glück sind ziemlich subjektiv. Der Aha-Effekt bleibt aus, sofern man nicht ein ebenso steifer, festgefahrener Mensch ist wie Hector zu Beginn des Films. Falls doch, dann fährt man mit dem Anschauen des Kinofilms finanziell natürlich um einiges besser, als wie Hector durch die Weltgeschichte zu tingeln. Und sieht dabei einen bis in die Nebenrollen hochkarätig besetzen Film mit einem Simon Pegg, der auch die ernsten Töne beherrscht.

«Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück» läuft ab 28. August 2014 im kult.kino.atelier und im Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 28. August: Guardians of the Galaxy, Sitting Next to Zoe, La chambre bleue.

Welten-Hopping mit Chris Hemsworth

Fabian Kern am Mittwoch den 30. Oktober 2013

«Thor – The Dark Kingdom» läuft ab 31. Oktober 2013 im Pathé Küchlin.

«Thor – The Dark Kingdom» läuft ab 31.10. im Küchlin und im Rex.

Schneller, weiter, höher – Fortsetzungen müssen sich gegenüber ihrem Vorgänger steigern. Erst recht im Action- und Fantasy-Genre. Daran halten sich auch die Macher von «Thor», dem Erfolgsprodukt aus dem Hause Marvel. Dass die Geschichte um den Hammermann mit dem leuchtend roten Umhand aus dem Weltall eine Fortsetzung finden würde, war klar. Zu beeindruckend verkörpert Chris Hemsworth den unzimperlichen nordischen Gott, zu stark sind aber auch die Figuren Odin (Anthony Hopkins), Loki (Tom Hiddleston) und Jane Foster (Natalie Portman). Nur sollte man nicht zu viel in das Sequel packen: Ein bisschen Lord of The Rings, eine Prise Star Wars, vermischt mit etwas Stargate – «Thor – The Dark Kingdom» erfindet das Genre Crossover.

Zeigt, wo der Hammer hängt: Thor. (Bilder: Marvel)

Zeigt, wo der Hammer hängt: Donnergott Thor. (Bilder: Marvel)

Doch nicht nur die Kombination verschiedener Stile fordert den Kinobesucher, auch die Story ist zu Beginn etwas unübersichtlich. Dafür muss man etwas weiter ausholen. Die nordische Mythologie besagt, dass das Universum aus neun Reichen besteht, die vom Schicksalsbaum «Yggdrasil» getragen werden. Ähnlich wie unser Sonnensystem also. Ganz oben, in Asgard, sitzen die kriegerischen Götter um König Odin und beschützen Yggdrasil. Die Erde, Midgard, ist in der Mitte angesiedelt. Jedes Reich wird von einer anderen Rasse bevölkert, von Elfen, Zwergen und Riesen. In «Thor 2» probt eines dieser Völkchen, die schwarzen Elfen aus Schwarzalbenheim, den Aufstand. Unter der Führung des bösen Malekith (Christopher Eccleston) soll das Universum wieder in Dunkelheit gestürzt werden. Schlüssel zum erfolgreichen Umsturz soll die mysteriöse und mächtige Waffe «Äther» sein, die für immer gebannt geglaubt wurde – Herr der Ringe lässt grüssen.

Sinnt auf Rache: Loki.

Sinnt auf Rache: Thors verbitterter Bruder Loki.

Traumpaar zwischen den Welten: Jane und Thor.

Traumpaar zwischen den Welten: Jane und Thor.

Eine ganz besondere Sternenkonstellation begünstig die dunklen Pläne von Malekith und bringen Asgard in Aufruhr. Odin und sein Sohn Thor, der designierte Thronfolger, sind gefordert. So sehr, dass Thor über seinen Schatten springt und seinen hinterlistigen Adoptivbruder Loki aus seinem Verlies befreien und mit ihm gemeinsame Sache machen muss. An diesem Punkt hat «Thor 2» seine stärksten Momente. Die Frage, ob Thor seinem maliziösen Gegenspieler wirklich trauen kann, trägt die überfrachtete Story bis zum Schluss. Genau so wie der hervorragende Cast und derselbe trockene Humor, der schon «Thor» und «The Avengers» auszeichnete. Thors Welten-Hopping allerdings ist etwas nervig. Ständig beamt sich der Held zwischen seiner Heimat Asgard, seiner geliebten Jane Foster auf der Erde hin und her und muss nebenbei auch noch die anderen Welten beschützen – ein anstrengender Job, der sogar den Donnergott mit dem mächtigen Hammer bisweilen an den Anschlag bringt. Man würde ihm und nicht auch zuletzt sich selbst etwas mehr Beständigkeit und weniger Reizüberflutung wünschen.

Der Thronfolger und sein König: Thor und Odin.

Der Thronfolger und sein König: Thor und Odin.

Der Showdown aber hat es in sich und entschädigt etwas für den leicht übertriebenen Ehrgeiz der Crew. Aber eben: Schneller, weiter, höher ist nicht immer automatisch besser. Die Chance sich wieder zu steigern, wird sich wohl schon bald ergeben. Thors Zerrissenheit zwischen Kopf und Herz, zwischen Familienloyalität und Liebe, zwischen Asgard und Midgard, die einen richtigen Superhelden ausmacht, gibt noch viel Stoff her. Zudem hat man noch selten eine bessere Besetzung für eine Comicfigur gesehen. Chris Hemsworth IST Thor.

P.S. Für alle, die sich bei den Avenger-Filmen noch nicht so auskennen: UNBEDINGT BIS NACH DEM ABSPANN SITZENBLEIBEN!

«Thor – The Dark Kingdom» läuft ab 31. Oktober 2013 in den Basler Kinos Pathé Küchlin und Rex.

Weitere Filmstarts in Basel am 31. Oktober: The Fifth Estate, Les Grandes Ondes, La religieuse, Die Reise zum sichersten Ort der Welt.