Beiträge mit dem Schlagwort ‘Sheila She Loves You’

Dolphin Champions

Luca Bruno am Samstag den 13. Oktober 2012
Sheila She Loves You: Future Dolphin Champions

Im Kreis: Sheila She Loves You; In der Mitte: Ein uns unbekannter Mann

Lang, lang ist’s her – genau 51 Wochen nämlich, da haben uns die fünf Jungs von Sheila She Loves You versprochen, dass sie «Sorry», den Nachfolger zu ihrem sehr gelungenenen Debütalbum, dessen Titel uns die Band im damaligen Interview verriet, «irgendwann im nächsten Frühjahr» veröffentlichen werden. Dann vergingen jedoch Wochen… schliesslich Monate und von «Sorry» war weder eine Spur zu sehen, noch zu hören. Schon musste man befürchten, dass die Band versehentlich im Proberaum eingeschlossen wurde, aber nun erreichten uns mit «Dolphin Champion» soeben die ersten Klänge des Albums (Neues Veröffentlichungsdatum: März 2013) und besagter Track bereitet so viel Freude, dass es uns ein Leichtes ist, beide Augen zuzudrücken und die Entschuldigung der Band (Ziemlich praktischer Albumtitel) anzunehmen. Und eigentlich stimmt das Versprechen der Band ja immer noch: «Sorry» erscheint ja tatsächlich im nächsten Frühjahr… einfach 12 Monate später, als ursprünglich geplant.

«I wouldn’t mind if you changed» heisst die erste Zeile von «Dolphin Champion» und betrachtet man den bisherigen Werdegang der Band, überzeugende BScene-Auftritte inklusive, wäre es gar nicht so vermessen gewesen, wenn sich manch einer gewünscht hätte, dass sich die Band auf zukünftigen Alben möglichst wenig verändern möge und es in erster Linie bei den einfach gestrickten, eingängigen Ohrwürmern belässt. «Dolphin Champion» zeichnet sich jedoch durch eine meilenweit bessere Produktion als der gesamte restliche Output der Band aus und darüber hinaus zeugen die überraschend tropikalischen Klänge in der zweiten Hälfte von einer gelungenen musikalischen Weiterentwicklung (Schliesslich fällt es schwer, zu Steeldrum-Sounds «Nein!» zu sagen), so dass wir nicht nur die offensichtliche Auffrischung des Sounds von Sheila She Loves You gutheissen können, sondern nun auch am besten das tun, was uns Sänger Joachim Setlik im Refrain des Songs gleich selbst empfiehlt: «We’ll do what we all do» – und zwar «Dolphin Champion» auf Repeat stellen:

«Dolphin Champion» erscheint inkl. Videoclip Ende Oktober via Ankerplatten;
LP «Sorry» im März 2013

«Die Situation für Musiker in Basel ist purer Luxus»

schlaglicht am Dienstag den 8. November 2011

Mitte Oktober haben uns Sheila She Loves You beim Besuch im Proberaum geschildert, warum sie mit ihrem Debutalbum «Esztergom» nicht mehr ganz so zufrieden sind und auf was sie bei der Produktion des Zweitlings «Sorry» achten, das voraussichtlich im Frühjahr 2012 erscheinen soll. Neben der musikalischen Erneuerung standen in den vergangenen Monaten diverse Konzerte an – darunter einige Highlights, wie Joachim Setlik, Sänger und Gitarrist bei den Sheilas, im Abschluss unserer Interview-Serie zum Basler Pop-Preis berichtet. Diesen Beitrag weiterlesen »

Kein Grund für Entschuldigungen – Zu Besuch bei Sheila She Loves You

Luca Bruno am Mittwoch den 19. Oktober 2011

This is where the magic happens... Sheila She Loves You: Tobija Stuker, Alain Meyer, Matthias Gusset, David Blum, Joachim Setlik (v.l.n.r.)

Im März 2010 erschien «Esztergom», das Debütalbum der Basler Band Sheila She Loves You. Ein Album mit zehn grösstenteils unbeschwerten Hits, welche sich durch erfrischende Jugendlichkeit und Ohrwurmpotenzial auszeichneten. Ein kurzer Blick auf den Konzertkalender der Band beweist, dass die Formkurve der Band seither stark nach oben zeigt: Im Sommer hatte die Band Auftritte sowohl am Paléo Festival, als auch am Openair St. Gallen und auch die Bühnen der BScene und des JKFs wurden während den letzten 18 Monaten abgeklappert. Kein Wunder also, ist die Indiepop-Band derzeit im Rennen um den Basler Pop-Preis, zu dem es auch ein BaZ-Voting gibt.

Wie wir bereits an der diesjährigen BScene festgestellt haben, spielt das Quintett an seinen Konzerten zahlreiche neue Songs, welche wiederum einige neue Facetten der Band zeigen. Und so arbeiten die Fünf seit geraumer Zeit nun auch im Bandraum und im Studio daran, diese neuen Songs für ein neues Album einzuspielen. «Sorry», das zweite Sheila She Loves You-Album, wird voraussichtlich im nächsten Frühjahr erscheinen, was für uns Grund genug war, die Band in ihrem Proberaum zu besuchen und uns nach dem Stand ihrer Arbeiten zu erkundigen.

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Die Schlaglicht-Tipps zum Jugendkulturfestival

Luca Bruno am Donnerstag den 1. September 2011

Dieses Wochenende steht Basel wieder Kopf und zehntausende Jugendliche und Junggebliebene strömen ans Jugendkulturfestival. Das Programm ist auch dieses Jahr von schwindelerregender Vielfalt. Deshalb haben die Schlaglicht-Autoren Luca Bruno, Chris Faber und Joël Gernet für Euch ein paar Konzert- und Theaterperlen herausgepickt.

Dass wir Euch nur Tipps zum JKF-Samstag liefern, ist purer Zufall (wirklich!). Natürlich ist auch der Vortag äusserst reichhaltig, wie Ihr dem JKF-Freitagsprogramm entnehmen könnt.

Vielversprechend soll gemäss Festivalmacher zudem auch die erstmals statt findende JKF-Party in der Elisabethenkirche werden (Fr. und Sa. ab 22h): «Das wird die Art-Party 2.0 der Jugendkultur: Die ganze Elisabethenkirche eine Party mit den wahnsinnigsten Visuals, die Basel je gesehen hat. Die Kirche wird – visuel und fiktiv – zum Einstürzen gebracht und überflutet.» Ja dann – allen ein schönes JKF.

Schlaglicht auf Woche 20

schlaglicht am Montag den 16. Mai 2011

Noch keine Ahnung, was kulturell läuft diese Woche? Wir helfen Dir bei der Planung Deiner Kulturwoche mit Hinweisen auf ausgewählte Kultur-Leckerbissen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Die BScene im Zeichen der Gitarren

Luca Bruno am Montag den 4. April 2011

15 Jahre hat die BScene mittlerweile auf dem Buckel und scheut sich trotzdem nicht davor, Jahr für Jahr weiterzuwachsen. Und damit sind nicht nur die 500 zusätzlichen Zuschauer gemeint, welche der diesjährigen Ausgabe zu einem erneuten Besucherrekord von gesamthaft 8500 Eintritten verholfen haben, oder die indessen 15 Bühnen, welche die über 50 Künstler und Bands dieses Jahr beherbergten, sondern viel eher die blosse Präsenz, welche die BScene mittlerweile in den Köpfen Basler Musikinteressierten und Bands einnimmt. Die BScene ist längst mehr als ein blosses Schaulaufen der gerade angesagtesten Basler Bands und Projekte wie die diesjährige Schlagzeug-Extravaganza «We Are Drums» werden hoffentlich dafür sorgen, dass das Clubfestival in den folgenden Jahren noch mehr Austauschforum für lokale Bands werden wird.

Sei es Hip Hop, Reggae oder Folk-Rock: Seit Jahren kommt an der BScene kaum ein Musikstil zu kurz. Blickt man auf das Lineup und das Logo der diesjährigen Ausgabe, so ist es allerdings noch immer der Gitarrenrock, der an der BScene am meisten vertreten ist. In der ersten Hälfte unserer Reviews beschränken wir uns daher auf ausgewählte Auftritte von Gitarrenbands, bevor wir dann morgen noch auf die elektronische und perkussive Seite der BScene eingehen werden.

My Heart Belongs To Cecilia Winter (Freitag 21:30, Kaserne – Reithalle)

Thom Luz (oder etwa doch ein Patrick Wolf-Double?) Foto: Dirk Wetzel

Festivalbesucher verfügen gerne über eine kürzere Aufmerksamkeitsspanne als normale Konzertgänger. Thom Luz, Sänger und Songwriter von My Heart Belongs To Cecilia Winter, scheint darüber Bescheid zu wissen und trifft daher die weise Entscheidung, die wunderbare Ballade «I Made You A Tape», welche er normalerweise alleine und gegen Ende der Sets der Band darbietet, für einmal zu Beginn eines Konzertes zu spielen. Ein äusserst stimmungsvoller und gelungener Beginn eines Auftritts, der – zumindest am Anfang – allerdings noch vor zu wenig Publikum stattfinden muss. Es ist anzunehmen, dass einige Besucher die Wartezeit an den Bändchenaustausch-Stellen unterschätzt haben.

In Reviews zu ihrem 2010 erschienenen Debütalbum «Our Love Will Cut Through Everything» musste das Trio des Öfteren den Vergleich mit der Band Arcade Fire über sich ergehen lassen. Eine Referenz, die nicht nur unfair, sondern auch einfach falsch ist. Zwar schreiben auch My Heart Belongs To Cecilia Winter gerne euphorische Hymnen, ihr Noise Pop Musik erinnert aber mehr an Bands wie die Raveonettes. Und beim Trio aus Zürich ist es auch heute wieder einmal das stimmliche Zusammenspiel der Vocals von Luz und Bassistin Betty Fischer, welches die meisten Höhepunkte setzt.

Noch verfügen My Heart Belongs To Cecilia Winter aber nicht über genügend Material, um ein Publikum über die volle Distanz bei Laune zu halten. Nach den ziemlich grossartigen «Eighteen» und «Guide Me To The Starts», die in der ersten Hälfte gespielt werden, funktioniert die Gratwanderung zwischen geradlinigen Popsongs und experimentelleren Tracks mit Autoharp nicht mehr. Oder vielleicht war die Aufmerksamkeitsspanne doch einfach zu kurz.

Sheila She Loves You (Freitag 22:50, Kaserne – Reithalle)

Sheila She Loves You (Foto: Dirk Wetzel)

Sheila She Loves You (Foto: Dirk Wetzel)

Während des Überhits «Don’t Give Us Poets, Give Us Bread» kann sich in der Reithalle zwar kein Fuss länger als eine Sekunde auf dem Boden halten, Sheila She Loves You zeigen sich davon allerdings unbeeindruckt. Popsongs? Been there, done that! Anstatt die mittlerweile bis auf den letzten Quadratzentimeter vollgestopfte Reithalle mit den bereits bekannten Hits zu beliefern, zeigt uns die Band an diesem Abend in erster Linie, wie fest der bandeigene Kosmos seit dem Release ihres Debütalbums «Esztergom» gewachsen ist. So ist bereits der Opener des Konzerts, eine Hommage an den Soundtrack zu «The Lord Of The Rings», die ziemlich schnell in eine brachiale Rockoper ausartet, ein guter Indikator dafür, wie sehr man sich in den letzten zwölf Monaten musikalisch weiterentwickelt hat.

Doch nur weil die an diesem Abend dargebotenen neuen Songs eine vielschichtigere und komplexere Seite der Band zeigen, heisst das noch lange nicht, dass man das Ohr für gute Melodien verloren hat. Nimmt man die neuen Songs als Gradmesser, dann wird das hoffentlich bald erscheinende Nachfolgewerk das Publikum vielleicht nicht mehr so fest zum Tanzen bringen wie die Ohrwürmer der ersten Platte, dafür aber ein umso stärkeres Songwriting repräsentieren. Wir halten die Ohren offen und sind gespannt.

4th Time Around (Freitag 23:59, Kaserne – Rossstall)

«Ladies & Gangsters» heisst das soeben erschienene neue Album von 4th Time Around. Ausser einer Lady, welche die Band an diesem Abend mit einem Cello unterstützt, fehlt von den Gangstern allerdings jede Spur. Viel mehr sind es waschechte Gentlemen, welche da den souveränsten Auftritt der Freitagsbands hinlegen. 4th Time Around schlagen zwar ruhigere Töne als die an gleicher Stelle vor ihnen aufgetretenen 77 Bombay Street und Kapoolas an, halten das Publikum aber dennoch mit Leichtigkeit bei Laune.

4th Time Around (Foto: Dirk Wetzel)

4 Gentlemen Around (Foto: Dirk Wetzel)

Besonders Tobias Hügin, der sich auch heute wieder die Leadvocals mit Marc Givel teilt, hat sich seit dem Release von «A Morning Prayer» (2007) zu einem äussert souveränen Sänger entwickelt, dessen hervorragende stimmliche Präsenz angenehm an John Darnielle erinnert. Es ist jedoch die ganze Band, die an diesem Band einen sehr positiven und vor allem spielfreudigen Eindruck hinterlässt. Die Songs des neuen Albums sind eine willkommene Ergänzung zum bereits bekannten Material, zeigen eine um einiges abwechslungsreichere Seite der Band und bei «Lost», welches die Band in der Mitte des Sets spielt, sind für einmal sogar Tom Waits-Vergleiche völlig gerechtfertigt.

Reding Street (Samstag 21:30, Volkshaus – Grosser Saal)

Machen unzählige Gitarrensoli, unerwartete Breaks und überraschende Tempowechsel einen Song wirklich besser? Das ellenlange Lied über die Frage, ob die technische Versiertheit ihrer Mitglieder einer Band dabei hilft, bessere Songs zu schreiben, erhält mit dem Auftritt von Reding Street jedenfalls eine weitere Strophe.

Selbstverständlich ist es auf eine Art beeindruckend, wie sich Reding Street technisch einwandfrei und mit nötiger Durchschlagskraft durch ihr Programm wälzen, ihre Version von New Prog bleibt aber dennoch viel zu durchschaubar. Zum einen ist es bereits nach dem zweiten Song eindeutig, dass sich die Band zu fest an ihren Vorbildern Muse orientiert, zum anderen verkommt der rund 45-minütige Auftritt viel zu oft zu einem Showcase für die Fingerfertigkeiten der einzelnen Mitglieder.

Das Quartett wird in Zukunft weiterhin Bandcontests gewinnen und bedenkt man, dass Muse mit Regelmässigkeit auf Platz 1 der Schweizer Hitparade landen, so sieht die Zukunft von Reding Street eigentlich ziemlich rosig aus.

Lo-Fi im Parterre

Luca Bruno am Dienstag den 11. Januar 2011
James Legeres

James Legeres

Real Estate, Times New Viking oder Wavves. Nur einige Beispiele aus den letzten 3 Jahren, die beweisen, dass «Lo-Fi » wieder voll im Trend liegt. Schliesslich braucht es für eine gute Platte in erster Linie gute Melodien und für solche reicht auch ein Vierspurrekorder aus. Vergangenen Samstag waren im proppenvollen Parterre mit James Legeres und The Golden gleich zwei Basler «Lo-Fi»-Hoffnungen am Start.

Alain Meyer alias The Golden ist hauptberuflich Gitarrist von Sheila She Loves You. 2008 gewann das Quartett den Sprungbrett-Contest, letztes Jahr veröffentlichten sie mit «Esztergom» ihr vielgelobtes Debütalbum und generell gelten sie als eine der grösseren Pophoffnungen der Stadt. Auf seinem Seitenprojekt The Golden schlägt Meyer jedoch viel ruhigere Töne als seine Hauptband an. So erinnern die Aufnahmen auf seiner selbstveröffentlichen EP «Hidden Mouth» an Sufjan Stevens oder Elliott Smith. An Konzerten tritt The Golden allerdings als komplette Band auf. So wird Meyer von einer Gitarristin und 2 Mitgliedern seiner Hauptband unterstützt.

Live klingen The Golden daher vielleicht nicht mehr ganz so «Lo-Fi» wie auf ihren Aufnahmen, an Authentizität mangelt es jedoch nicht. Herzerwärmenden Zeilen wie «Lay your light in my eyes, you’re all i want to see» mögen auf Papier vielleicht kitschig klingen, wenn man der Band jedoch dabei zuschauen kann, mit wie viel Spielfreude und Charme sie ihre Songs darbieten, erkennt man schnell, wie viel Wertschätzung sie jeder einzelnen Minute ihres Auftritts entgegenbringen. Alain Meyer sagt selbst, dass die relativ seltenen Liveauftritte als The Golden dazu führen, dass er jedes Konzert als etwas ganz Besonderes ansieht. Man merkt es.

Auch James Legeres, die Headliner des Abends, setzen konsequent auf eine «Lo-Fi»-Ästhetik. Und auch für James Legeres ist «Lo-Fi» nicht etwa ein Ausweg, sondern eine bewusste Wahl. Eine Wahl, die sie mit Freude zelebrieren. Drummer Tobias Koch mimt in der Mitte des Sets den Alleinunterhalter und zaubert aus ein paar simplen Keyboard-Presets einen grossartigen Popsong. Man wähnt sich urplötzlich auf einem Kreuzfahrtschiff oder auf einen High School-Abschlussball irgendwo in der US-amerikanischen Provinz. Szenen, wie man sie eigentlich nur aus dem Fernsehen kennt.

James Legeres‘ Musik ist abwechslungsreich, kreativ und kommt mit sehr viel Charme daher. In ihrem Auftritt finden sich ähnlich viele Ideen wieder, wie auf einer Guided By Voices-Platte. Doch wo Robert Pollard wusste, dass seine Ideen meist nur für zwei Minuten reichen, verpassen es James Legeres einige Male, am richtigen Zeitpunkt die Pointe zu setzen. Das Konzert zieht sich unnötig in die Länge und wird gegen Ende so zu einer Ausdauerübung. Für ein nächstes Konzert wäre es also zu hoffen, dass James Legeres nicht nur ihre Klangästhetik, sondern auch die eigene Setlist minimal halten würden.