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«Es geht um Wertschätzung der Jugendkultur»

gastautor am Donnerstag den 23. Dezember 2010

Jugendkultur gehört ins Kulturleitbild. Diese Forderung haben diese Woche die Organisationen Basler Freizeitaktion (BFA), imagine/terre des hommes schweiz, infoklick.ch, Kulturkick, Neubasel und Jugendkulturfestival Basel (JKF) formuliert. Sie haben sich dazu entschlossen, eine Vernehmlassungsantwort zum Entwurf des Kulturleitbildes des Kantons Basel-Stadt (hier nachzulesen) zu verfassen. Sebastian Kölliker* vom JKF formuliert in folgendem Gastbeitrag für die Schlaglicht-LeserInnen Gründe und Ziele der Forderung.

Kultur lockt die Massen, wie hier an einem Konzert am Jugendkulturfestival 2009. (Foto Dominik Plüss)

81 Seiten umfasst der Entwurf des Kulturleitbildes für den Kanton Basel-Stadt. Jugendkultur ist darin kein Thema. Das wäre aber notwendig. Am besten in einem separaten Kapitel, um ihre Bedeutung für Basel zu würdigen. Denn Jugendkultur ist spartenübergreifend, voller Potenzial, und sie gestaltet die Stadt nachhaltig wie auch in kurzfristigen Aktionen.

Blättert man durch den Entwurf des Kulturleitbildes Basel-Stadt, trifft man vor allem auf Vorhaben zur Förderung von Grossprojekten und etablierter Kultur. Dass diese wichtig sind, ist gut. Sie brauchen aber ein Gegenstück, damit sie wirklich leben können. Die Jugendkultur.

*Sebastian Kölliker studiert an der Universität Basel Philosophie und Wirtschaft und ist im Vorstand des Rockfördervereins der Region Basel (RFV) und des Jugendkulturfestivals Basel (JKF) aktiv. Zudem engagiert er sich im Komitee Kulturstadt Jetzt.

Die im Entwurf des Kulturleitbildes beschriebenen Massnahmen in vielen Bereichen (wie z.B. Film oder Tanz und Theater) sowie deren Potenziale zielen auf Aktivitäten, die bereits etabliert sind und hohen Ansprüchen genügen müssen. Zusätzlich sollte Förderung aber niederschwellig beginnen, um so ein Fundament zu schaffen.

Nicht nur aus finanziellem Aspekt ist es wichtig, die Jugendkultur in das Kulturleitbild einzubinden. Es geht vor allem um Akzeptanz, Wertschätzung und die Frage, was man in dieser Stadt zulässt. Zur für die Jugendkultur sehr wichtigen Zwischennutzung und zu kulturellem Freiraum werden leider keine Aussagen gemacht. Man kann nicht ausser Acht lassen, dass der grösste kulturelle Freiraum des Kantons, das nt/Areal, schon bald in dieser Form nicht mehr zur Verfügung steht. Es braucht hier keinen Plan des Kantons, aber eine Zusage des Zulassens und Förderns von Freiräumen.

Die Jugend ist Teil der Gesellschaft und so sollte sie auch Teil der Kulturförderung sein. Jugendkultur kann wachsen und macht Nischen lebendig, reagiert schnell, nimmt schnell auf, gibt schnell wieder und kann aus wenig viel machen. Jugendkultur setzt Trends, ist Motor für Veränderungen und entwickelt Neues. Nicht zuletzt reflektiert sie unsere Gesellschaft kritisch und prägt auch den öffentlichen Raum in zunehmendem Masse.

Die Regierung muss sich unbedingt den Auftrag geben, Jugendkultur sowohl finanziell wie auch in der Frage der Akzeptanz, Wertschätzung und der Wahrnehmung in der Gesellschaft zu unterstützen.

Und ja, die Jugend darf dieses Einbinden in ein Kulturleitbild Scheisse finden. Eben, sie ist das Gegenstück.

Der Inhalt von Gastbeiträgen deckt sich nicht zwingend mit der Meinung der Schlaglicht-Redaktion. Die Gastautoren sind in ihrer Meinung und ihren Formulierungen frei.