Beiträge mit dem Schlagwort ‘Schwarze Rosen’

Mord am Spalentor

Fabian Kern am Freitag den 2. November 2012

Schwarze Rosen

Wer einen neuen Basler Kommissar ins Rennen schickt, provoziert zwangsläufig den Vergleich mit Hansjörg Schneider und seiner Kultfigur, dem Kommissär Hunkeler. Der Bündner Alexander Condrau hat diesen Versuch gewagt. «Schwarze Rosen», der erste Fall von Kommissar Carlo Sarasin, begegnet Schneiders beliebter Krimireihe aber nicht auf Augenhöhe. Dies liegt schon am gewöhnungsbedürftigen Umfang: Einen Krimi mit nur 88 Seiten sieht man selten.

Ein hinterhältiger Schuss – und Harry Thommen ist nicht mehr. Am Spalentor wird der Immobilienmakler erschossen, seine Leiche taucht Tage später im Rhein auf. Das ist die Steilvorlage für Kriminalkommissar Carlo Sarasin. Der Fall entpuppt sich aber als harte Nuss. Lose Indizien deuten auf Verbindungen zur spanischen Mafia hin, aber Sarasin hängt etwas in der Luft. Weil er sich emotional zu sehr auf den Mord am zweifachen Familienvater aus Reinach einlässt, gerät er in eine Depression und wird freigestellt. Erst in seiner Auszeit in Spanien nimmt Sarasin wieder Witterung auf.

Als routinierter Krimileser tut man sich schwer mit Condraus pragmatischem Stil. Die Geschichte wird sehr deskriptiv erzählt, beinahe dokumentarisch, was eine Identifikation mit dem Protagonisten erschwert. Der Autor bemüht sich offensichtlich um Genauigkeit, was die Orte anbelangt. Dabei wird aber offensichtlich, dass er nicht aus der Region stammt. Die Basler Leser werden sich ärgern über den Ausdruck «mit der dreier Tram» oder Schreibfehler wie «Aeschervorstadt» und – eine Todsünde am Rheinknie – «Basler Fastnacht». Zudem ist die erste Auflage durchsetzt mit einigen Fehlern. Am gravierendsten sind Namensverwechslungen, die einen immer wieder verwirren. Der Verlag kündigte zwar an, die Fehler im Nachdruck zu korrigieren, was das Lesevergnügen der «Erstkonsumenten» aber auch nicht wiederbringt.

Die Auflösung des Falls ist schliesslich sehr abrupt. Man würde sich mehr Atmosphärisches wünschen, denn die Aneinanderreihung der harten Fakten ist zum Teil etwas ermüdend. Sarasins seelischer Zustand etwa wird überhaupt nicht behandelt, was dessen Charakter unnahbar macht. Dem Buch hätten etwas mehr Seiten oder sogar die doppelte Länge gut getan. Deshalb hat der Kommissär Hunkeler vorderhand nichts zu befürchten. Carlo Sarasin muss sich mächtig steigern und mehr von sich preisgeben, um zur ernsthaften Konkurrenz für den Basler Platzhirsch zu werden.

Alexander Condrau: «Schwarze Rosen». Literareon, München 2012. 88 Seiten, ca. Fr. 24.-.