Beiträge mit dem Schlagwort ‘Scarlett Johansson’

Mogli für die Grossen

Fabian Kern am Mittwoch den 13. April 2016

«Jungle Book» läuft ab 14.4. in den Basler Kinos Capitol, Küchlin und Rex.

«Jungle Book» läuft ab 14.4. in den Basler Kinos.

Eine Realverfilmung des Dschungelbuchs – da war ich gleich elektrisiert. Wie würde das wohl aussehen, wenn Mogli an der Seite echter Panther, Bären und Wölfe gegen einen bösen Tiger kämpft. Wie jene Szene, in der Mogli auf Balus Bauch durch den Fluss schwimmt? Und kann man den machthungrigen King Louie als echten Orang-Utan überhaupt ernst nehmen? Die Antworten sind schnell gegeben. Regisseur Jon Favreau («Iron Man») hat sich sehr genau an die Original-Romanvorlage von Rudyard Kipling gehalten und mit unzähligen Computer-Animationen ein Werk geschaffen, das fasziniert. Jüngling Neel Seti gibt Mogli ein reales Gesicht, die Tiere – mit Ausnahme von Balu in einigen Szenen – wirken überraschend echt, die Stimmen von Ben Kingsley (Baghira), Bill Murray (Balu), Christopher Walken (King Louie), Scarlett Johansson (Kaa) und Idris Elba (Shir Khan) sorgen für den Starpower, der komplett animierte Dschungel ist atemberaubend, die Story ja ohnehin schon gut. Das ist nicht auch nicht das Problem von «The Jungle Book».

Das sind die Guten: Mogli, der Panther Baghira...

Das sind die Guten: Mogli, der Panther Baghira…

... und der verfressene Bär Balu.

… und der verfressene Bär Balu.

Vielmehr stellt sich die Frage: Wer soll sich diesen Film ansehen? Für mich war das Dschungelbuch in Disneys Zeichentrickfassung der erste Kinofilm meines Lebens, was mein Interesse erklärt. Vielen anderen aus meiner Generation wird es gleich gehen. Doch jener Trickfilm war ein klarer Kinderfilm: Bunt, musikalisch, lustig. Den kann ich bald auch mit meinen Kindern ansehen. Doch die Neuverfilmung verliert durch die Übersetzung ins reale Bild das Verspielte. Zwar werden viele Gags und herzige Wolfswelpen eingesetzt, auch die Gesangseinlagen werden beibehalten. Aber diese Massnahmen vermögen nicht den Zauber «meines» Dschungelbuchs zu ersetzten und vor allem nicht über den ernsten und für Kinder bedrohlichen Grundton hinweg zu täuschen: Es geht um Leben und Tod, Shir Khan will Mogli töten. Nichts anderes. Und das wird halt mit «realen» Tieren viel klarer – oder besser gesagt: düsterer.

Sie sind die Bösen: Tiger Shir Khan...

Sie sind die Bösen: Tiger Shir Khan…

... und der machtgierieg Orang-Utan King Louie.

… und der machtgierige Orang-Utan King Louie.

Deshalb ist die Altersfreigabe ab acht Jahren in Begleitung Erwachsener meines Erachtens zu tief angesetzt. Unter zehn würde ich meinen Kindern diesen Film nicht zeigen, Begleitung hin oder her. Teenager wiederum werden wohl nicht gerade die Kinokassen stürmen, weil das Dschungelbuch eben wegen des Zeichentrickfilms «etwas für Kinder» ist. Sie schauen lieber Serien wie «Divergent», «Tribute von Panem» oder «Maze Runner». Deshalb ist zu befürchten, dass «The Jungle Book», ein Meilenstein der Tricktechnik zwischen Stuhl und Bank fällt. Für jene Nostalgiker wie mich, die mit der Geschichte Erinnerungen verbindet, ist er aber den Eintritt allemal wert.

«The Jungle Book» läuft ab 14. April 2016 in den Basler Kinos Capitol, Pathé Küchlin und Rex.

Weitere Kinostarts in Basel am 14. April: Belgica, Hardcore Henry, Fan, Fragments du paradis.

«Bruce Banner ist ein Weichei»

Fabian Kern am Donnerstag den 23. April 2015

«Avengers: Age of Ultron» läuft ab 23.4. in Capitol, Küchlin und Rex.

«Avengers: Age of Ultron» läuft ab 23.4. in Capitol, Küchlin und Rex.

Superhelden-Fans weltweit haben sich den 23. April dick in ihrer Agenda angestrichen. Endlich kommt die Fortsetzung des Mega-Blockbusters von 2012 in die Kinos. Das Ergebnis ist grösser und teurer, so wie der natürliche Auftrag an Fortsetzungen von derartigen Kalibern aussieht: lauter, spektakulärer und mit nochmals massiv erhöhtem Materialverschleiss. Die Schauplätze werden mit Südafrika, Südkorea und Europa internationaler, die Avengers erhalten nach dem Zusammenbruch von S.H.I.E.L.D. ein neues supermodernes Hauptquartier in New York, und neue Superhelden werden ins Avengers-Universum eingeführt. Während Hydra-Bösewicht Baron Strucker (Thomas Kretschmann) in irgendeinem fiktiven osteuropäischen Staat die Vernichtung der Welt plant, hat sich Tony Stark (Robert Downey jr.) nach der Schlacht von New York zum Mastermind der Avengers entwickelt. Zusammen mit Bruce Banner (Mark Ruffalo) kreiert er «Ultron», ein Abwehrsystem, das die Erde vor weiteren ausserirdischen Angriffen schützen soll. Leider aber wird das Projekt zum Bumerang, denn Ultron entwickelt ein böses Eigenleben, macht sich alle Ressourcen von Stark Industries zu eigen und wird zum mächtigen Gegenspieler der Avengers. So viel zur Story, die selbstredend nur Nebendarstellerin ist. «Avengers: Age of Ultron» lebt von den starken Figuren. Aber wer ist denn nun der Coolste der Superhelden-Crew? Ein Streitgespräch zwischen Schlaglicht-Redaktor Fabian Kern und BaZ-Online-Praktikant Serkan Abrecht zeigt, dass das gar nicht einfach ist.

Ohne Superkräfte: Hawkeye.

Ohne Superkräfte: Hawkeye (Jeremy Renner).

Abrecht: Eigentlich ist Hawkeye charakterlich am coolsten, weil er diesmal als Einziger einen bodenständigen, menschlichen Hintergrund erhält. Und vielleicht auch der einzig ernst zu nehmende Charakter ist.

Kern: Das stimmt, auch hinsichtlich Mut. Schliesslich sind er und Black Widow die Einzigen, die keine Superkräfte besitzen. Insofern ist ihr Risiko im Kampf gegen all die Roboter und Ausserirdischen grösser als das der Anderen. Wer aber gar nicht geht, ist der humorlose Captain America, oder?

Abrecht: Stimmt! In seinem Latex-Anzug sieht er trotz seiner Muskeln einfach nur tuntig aus.

Kern: Und seine moralin-schwangeren Einwände nerven nur. Ein Glück, gibt es da noch den zynischen Gegenpol Tony Stark aka Iron Man…

«Lusche mit Schild»: Captain America (Chris Evans).

«Lusche mit Schild»: Captain America (Chris Evans).

Abrecht: Ja, ansonsten wäre diese Lusche mit Schild gar nicht zu ertragen. Bei Iron Man habe ich allerdings das Problem mit der zeitlichen Einordnung: Im dritten Teil seiner eigenen Serie hat Tony Stark schliesslich mit Iron Man abgeschlossen und seine ganze Infrastruktur in Schutt und Asche gelegt…

Kern: Ja, das geht nicht ganz auf, denn «Avengers 2» muss zeitlich nach «Iron Man 3» angelegt sein… Aber egal, das wissen vielleicht die Marvel-Hardcore-Fans. Wir sind vom Thema angekommen. Was hältst du von Tony Stark?

Abrecht: Er ist immer noch zynisch, selbstherrlich und dreist, aber ein wenig zum Idealist geworden. Er lädt sich die Verantwortung für die Menschheit auf, das passt nicht so ganz zu seinem alten Ego.

Cooles Duo mit Nerd: Thor (Chris Hemsworth), Tony Stark (Robert Downey jr.) und Captain America.

Cooles Duo mit Nerd: Thor (Chris Hemsworth), Tony Stark (Robert Downey jr.) und Captain America.

Kern: Dennoch ist er immer noch sehr cool, auch wenn ich nicht so auf Roboter als Superhelden stehe. Ich finde halt auch Chris Hemsworth als Thor Weltklasse.

Abrecht: Stimmt. Für mich sieht er wie ein Zimmermann auf intergalaktischer Walz aus. Er ist fast eher die moralische Instanz als Captain America, auch weil man den göttlichen Hammermann einfach ernster nehmen kann als den anderen. Den posttraumatischen Kriegsveteran nehmen ja nicht einmal die anderen Avengers ernst. Zu etwas anderem: Was mich grundsätzlich stört, ist, dass alle immer miteinander sprechen können, egal in welcher Sphäre sie sich gerade aufhalten.

Kern: Tony Stark wird wohl irgend ein revolutionäres Funksystem entwickelt haben, das für uns Normalsterbliche viel zu kompliziert ist, um es überhaupt zu erklären. Aber du schweifst schon wieder ab. Ich tu mich schwer mit Hulk. Er ist viel zu unbeherrscht, um ein Avenger zu sein.

Grüne Schale, weicher Kern: Hulk (Mark Ruffalo).

Grüne Schale, weicher Kern: Hulk (Mark Ruffalo).

Abrecht: Ich finde die brachiale Gewalt von Hulk faszinierend. Er zerstört eine halbe Stadt, ohne dass ihn jemand daran hindern könnte. Nun hat Tony Stark ja sogar eine spezielle Iron-Man-Rüstung gebaut, um Hulk zu stoppen, aber auch diese hilft nichts. Nur Natasha Romanoff hat einen Zugang zu dem Biest. Bruce Banner allerdings ist ein Weichei. Dass er nicht beim kleinsten Flirt über Scarlett Johannsson herfällt, ist unrealistisch.

Kern: Ja, Bruce Banner. Der ist halt der klassische Wissenschaftler, Kopfmensch durch und durch – eben das pure Gegenteil von Hulk. Aber du gibst das Stichwort, bei dem jeder Mann ins Schwärmen gerät: Black Widow. Ja, als Frau hat man es einfach, die coolste Figur zu wählen!

Schlagende Argumente: Black Widow (Scarlett Johannsson).

Schlagende Argumente: Black Widow (Scarlett Johannsson).

Abrecht: Sie hat nur schlagende Argumente: Sie ist im Nahkampf nicht zu bezwingen, fährt die coolsten Motorräder und trägt die schnittigsten Outfits…

Kern: …die aber nicht jedem stehen. Dich möchte ich jedenfalls nicht im Latex-Anzug mit Decolleté sehen… Wenn wir also zusammenfassen: Wer ist denn nun der Coolste? Ich lege mich fest: Thor.

Abrecht: Für mich ist es Hawkeye. Den haben sie sehr aufgewertet. Und was hältst du von Ultron als Bösewicht?

Kern: Wie bei den Helden tue ich mich auch bei Bösewichten schwer mit Maschinen. Sie haben ihm zwar versucht, Ultron menschliche Züge zu verleihen, aber dennoch war Loki im ersten Teil in einer ganz anderen Liga unterwegs.

Charakterloser Bösewicht: Ultron (James Spader).

Charakterloser Bösewicht: Ultron (James Spader).

Abrecht: Nein, an Loki kommt Ultron niemals heran. Er ist ein wenig wie der nervige Computer in «Matrix». Der hatte auch keinen Charakter.

Kern: Ja, das kühle, logische Böse lässt einen eher kalt. Wohl auch deshalb fällt der zweite Teil etwas gegenüber dem ersten ab.

Abrecht: Ja, «Age of Ultron» ist ein guter Action-Science-Fiction-Film, aber nicht so kultig wie das Original.

«The Avengers: Age of Ultron» läuft ab 23. April 2015 in den Basler Kinos Capitol, Pathé Küchlin und Rex.

Weitere Kinostarts in Basel am 23. April: Big Eyes, Ex Machina, Das Deckelbad, Viktoria: A Tale of Grace and Greed.

Ausserirdische Venusfalle

Fabian Kern am Mittwoch den 13. August 2014

«Under the Skin» läuft ab 14.8. im Atelier.

«Under the Skin» läuft ab 14. August im kult.kino Atelier.

Scarlett Johansson kann man derzeit nicht ausweichen. Die schöne Amerikanerin mit dänischen Wurzeln begegnet einem auf fast allen Kanälen. Sei es, weil ihre betörende Ausstrahlung sie zum Sexsymbol schlechthin und zur Protagonistin manch feuchten Traumes macht, wegen ihrer Schwangerschaft – das Baby soll noch im August zur Welt kommen – oder aufgrund ihrer grossen Kinopräsenz. Nachdem sie als künstliche Intelligenz in «Her» erst gerade Joaquin Phoenix den Kopf verdreht hat, nimmt die 29-Jährige diese Woche gleich mit zwei Filmen die Schweizer Leinwände in Beschlag. Mit zwei ganz unterschiedlichen Streifen, in denen ihre Figuren gegensätzliche Entwicklungen durchmachen, die aber trotzdem einige Gemeinsamkeiten aufweisen.

Scarlett als ballernde Lucy...

Scarlett als ballernde Lucy…

... und als männermordendes Alien. (Keystone)

… und als männermordendes Alien. (Keystone)

«Under the Skin» ist ein verstörender Experimentalfilm, der ganz nach dem Gusto des verstorbenen Stanley Kubrick («2001: A Space Odyssey») gewesen wäre. Ohne Soundtrack, dafür mit schrillen Hintergrundgeräuschen ausgestattet, wird man das Gefühl nicht los, der Film sei noch gar nicht fertig bearbeitet. Doch genau diesen dokumentarischen Touch wollte der Regisseur. Er liess grosse Teile mit versteckter Kamera drehen, weshalb sich Johansson im Nutten-Outfit durch ein völlig authentisches Glasgow bewegt. Das Ziel des Aliens ist es, den Sexualtrieb der Männer auszunutzen, denn ihr Volk braucht Frischfleisch. Hinfällig zu sagen, dass sie damit überaus erfolgreich ist.

Was ist Liebe? Laura will es wissen.

Was ist Liebe? Laura will es wissen.

Es geht aber nicht um Sex oder Action, sondern um das, was uns als Menschen ausmacht. Laura, die Ausserirdische, beginnt sich und ihre Mission nach einigen unglücklichen Opfern zu hinterfragen und entwickelt zumindest eine Ahnung von Mitgefühl. Sie hat den Wunsch, ebenfalls zu fühlen, zu lieben – und bewegt sich somit genau in der entgegengesetzten Richtung wie in «Lucy», wo sie durch ihre Superintelligenz beinahe unbesiegbar wird und emotional abstumpft. Das zeigt die Bandbreite der enorm vielseitigen Scarlett Johansson. Sie nur auf ihr zugegebenermassen sehr attraktives Äusseres und ihre sexy Kurven zu reduzieren, wäre zu einfach.

Wer kann diesem Gesicht widerstehen?

Wer kann diesem Gesicht widerstehen?

Jenes Mädchen, das vor 16 Jahren an der Seite von Robert Redford mit den Pferden flüsterte, ist nun bald Mami – und eine grosse Schauspielerin. Sie trägt «Under the Skin» mit ihrem subtilen Spiel ganz von selbst und macht ihn zu einem sehr speziellen Erlebnis, über das man zwei Mal nachdenkt. Und wer es nicht so mit der Philosophie hat, dem bleibt immer noch «Lucy», um Johansson zu bewundern oder das Warten auf ihren nächsten Auftritt als knackige «Black Widow» in «Avengers 2», der für 2015 angekündigt ist. Denn Mann will ihr gar nicht ausweichen.

«Under the Skin» läuft ab 14. August 2014 im kult.kino Atelier.

Und hier noch der Trailer von Scarlett Johanssons Film «Lucy», der gleichzeitig anläuft (im Capitol und im Pathé Küchlin):

Weitere Filmstarts in Basel am 14. August: The Raid 2, Planes 2: Immer im Einsatz, The Way He Looks – Hoje Eu Quero Voltar Sozinho.

Don Juan auf Porno

Fabian Kern am Mittwoch den 6. November 2013

«Don Jon» läuft ab 7.11. im Küchlin.

«Don Jon» läuft ab 7.11. im Kino Pathé Küchlin.

Joseph Gordon-Levitt in einem Liebesfilm? Warum nicht, kann man sich vorstellen. Durch «Inception», «Looper» und «The Dark Knight Rises» ist das frühere Babyface in der Liga der Grossen angekommen. Aber Gordon-Levitt als pornosüchtiger Vorstadt-Macho in einem Liebesfilm, bei dem er auch gleich als Autor und Regisseur geamtet hat? Das klingt schon etwas überambitioniert für den 32-Jährigen Kalifornier, der sich für die Titelrolle 12 Kilo Muskeln antrainierte. Zumal es sich bei «Don Jon» um einen Liebesfilm der anderen Art handelt: aus ganz und gar männlicher Perspektive, komödiantisch bis zur Parodie, gleichzeitig aber mit Tiefgang und Sozialkritik. Doch das gewagte Experiment gelingt.

Macho, Macho: Don Jon in seinem Jagdrevier.

Macho, Macho: Don Jon in seinem Jagdrevier.

Jon Martello (Gordon-Levitt) wird von seinen Kumpels nur Don Jon genannt. Denn der mit guten Genen gesegnete Macho hat seinen Körper zur Verführungsmaschine von New Jersey getrimmt und bekommt im Ausgang jeweils die besten Frauen ab. Jons Werte sind überschaubar: Sein Körper, seine Wohnung, sein Auto, seine Familie, seine Kirche, seine Kumpels, seine Frauen – und sein Porno. Ende der Woche werden die Sünden des Alltags im Beichtstuhl flugs in überschaubare 10 Ave-Maria und 10 Vaterunser umgewandelt, die während des nächsten Workouts bereits wieder abgeleistet werden. Und weiter geht die Reise durch das einfache Leben des wenig ambitionierten Barkeepers.

Eine glatte Zehn auf Jons Skala: Barbara.

Eine glatte Zehn auf Jons Skala: Barbara.

Keine Zehn, aber dafür erfrischend anders: Esther.

Keine Zehn, dafür erfrischend anders: Esther.

Doch da tritt unverhofft Barbara (Scarlett Johansson) auf den Plan – eine glatte 10 auf Jons strenger Bewertungsskala. Um sie flach zu legen, lässt er sich sogar dazu überreden, in einem Abendkurs seinen Schulabschluss nachzuholen. Und dem Porno abzuschwören. Während ihm Ersteres ganz gut gelingt, scheitert er bei Zweiterem kläglich. Denn die Traumfrau schafft es genauso wenig wie ihre Dutzenden Vorgängerinnen, den Don Juan für Arme im Bett richtig zu befriedigen. Richtig gehen lassen kann er sich nach wie vor nur vor seinem Notebook, mit einem richtig guten Porno vor Augen. Denn Porno ist einfach das Grösste. Aber süchtig ist er nicht, nein. Er könnte natürlich jederzeit aufhören, redet er sich auch noch ein, als ihm Barbara längst den Laufpass gegeben hat. Erst die etwas reifere Esther (Julianne Moore), die er im Abendstudium kennenlernt, kennt die Antworten zu jenen  Lebensfragen, die Jon mehr beschäftigen, als er sich selbst eingestehen will.

Eine schrecklich klischierte Familie: die Martellos.

Eine schrecklich klischierte Familie: die Martellos.

Gordon-Levitts Erstling ist ein faszinierendes Werk. Einerseits lebt es von der Redundanz, aber just dann, wenn die ständige Wiederholung in Langeweile überzuschlagen droht, erfolgt eine Wendung. Den besten Part des handgewählten Casts hat der Jung-Regisseur für sich selbst reserviert. Dem chauvinistischen Don Jon in der ersten Hälfte verpasst er eine derart übertriebene Mimik, dass man ihn schon gar nicht mehr so unsympathisch findet. Zu sehen, wie er die Fassade mit der Entwicklung der Figur langsam bröckeln lässt, ist ein Vergnügen. Ebenso doppelbödig ist die Thematik: Mit der Parodie nicht nur von Jon, sondern auch dessen klischeehafter Vorstadtfamilie – mit einem herrlichen Comeback von «Wer ist hier der Boss?»-Star Tony Danza – übt er gleichermassen Kritik an der Oberflächlichkeit und der Scheinheiligkeit der amerikanischen Arbeiterschicht. Eine Independent-Perle, die den Start einer grossen Regie-Karriere verspricht.

«Don Jon» läuft ab 7. November 2013 im Kino Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 7. November: Fack Ju Göhte, Exit Marrakech, Der Teufelsgeiger, Mary Queen of Scots.

Der verhinderte rumänische Blockbuster

Fabian Kern am Donnerstag den 18. April 2013

Filmplakat

«Beyond the Hills» läuft ab 18. April im kult.kino camera.

Kleineren europäischen Filmen haftet oft das Klischee an, sie seien abgehoben, intellektuell oder schlicht langweilig. Der Arthouse-Stempel hält viele Leute vom Gang ins Kino ab. Doch das muss nicht heissen, dass diese Werke nicht interessant sind. Nehmen wir das aktuelle Beispiel «Beyond the Hills». Ein rumänisches Drama über eine Waise, die ihre Freundin zum Weggang aus einem Kloster in der Einöde bewegen will. Schnarch. Betrachten wir das Ganze also einmal aus Mainstream-affinen Augen. Dann klingt die Geschichte etwa so: Eine Lesbe will ihre Geliebte in der rumänischen Einöde aus den Fängen eines religiösen Führers befreien, der ihrer Freundin eine Hirnwäsche verpasst hat, dreht durch und wird einem Exorzismus unterzogen.

Voichita und Papa

Nein, nicht Depardieu: Papa (rechts) hat Voichita fest unter Kontrolle. (Bilder Frenetic)

Das Problem ist, dass die Rollen von Gut und Böse nicht ganz klar verteilt sind. Einerseits ist die blinde Bigotterie der Nonnen so lachhaft, dass sie schon fast nicht mehr nervt. Der Priester (Valeriu Andriuta), von den Nonnen «Papa» genannt, hat seine Schäfchen absolut im Griff. Er predigt ihnen immer wieder die Verkommenheit des Westens, den schlechten Einfluss von materiellem Besitz und lässt sie Tag und Nacht den beeindruckende 464 Vergehen umfassenden Sündenkatalog rauf- und runterrezitieren. Hirnwäsche eben. Diese hat bei Voichita (Cosmina Stratan) angeschlagen – allerdings verheimlicht sie ihre intime Vergangenheit mit einer Frau.

Voichita und Alina

Verbotene Liebe: Voichita und Alina.

Alina (Cristina Flutur) ist aus Deutschland angereist, um ihre Geliebte in den Westen zu holen. Jobs sind bereits organisiert, einer gemeinsamen Zukunft steht nichts mehr im Weg. Denkste. Denn als sie in das abgelegene rumänische Kloster kommt, erkennt sie ihre langjährige Gefährtin aus dem Waisenhaus nicht wieder. Ihre Annäherungsversuche werden von Voichita abgewehrt. Um sie doch noch zu bekehren, überschreibt Alina ihren gesamten Besitz dem Kloster und wird selbst Nonne. Doch innert Kürze verliert sie die Nerven, sabotiert die katholischen Rituale und wird handgreiflich. Sie dreht komplett durch, weshalb man sich auch mit ihr nicht wirklich identifizieren kann. Die Nonnen sind sich einig: Alina ist vom Teufel besessen. «Papa» soll ihr die Dämonen austreiben.

Cristian Mungiu

Hat eine starke Bildsprache: Cristian Mungiu.

Bleibt noch die Besetzung. Nichts gegen die starken rumänischen Darsteller, aber für den Mainstream müssen Namen her. Der Priester sieht genauso aus wie Gérard Depardieu mit Rauschebart. Belassen wir es also dabei. Würde der Neo-Russe mitspielen und würden Alina und Voichita von Scarlett Johansson und Christina Ricci verkörpert, «Beyond the Hills» wäre ein absoluter Kassenschlager. Auch die Coen-Brüder dürften ihre Freude am Plot haben. Regisseur Cristian Mungiu packt den Zuschauer stilsicher und zieht ihn immer mehr in die tragische Geschichte hinein. Das Erschreckende ist nur, dass Cristian Mungius schonungslos gradlinig und schnörkellos inszeniertes Drama um Liebe und Glauben auf sogenannt «nicht-fiktionalen» Romanen basiert. Dass in gewissen dunklen Ecken Europas solche Dinge heutzutage tatsächlich noch passieren könnten, stimmt sehr nachdenklich.

«Beyond the Hills» läuft ab 18. April 2013 im kult.kino camera in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 18. April: Ginger & Rosa, Broken City, Mama, Schlafkrankheit, Kon-Tiki, I Give It a Year.

«Nennen Sie mich Hitch, ohne cock»

Fabian Kern am Dienstag den 12. März 2013

Filmplakat

«Hitchcock» läuft ab 14. März in den Kinos Capitol und Pathé Küchlin.

Was ist wohl Alfred Hitchcocks bester Film? «Das Fenster zum Hof»? «Vertigo»? «Der unsichtbare Dritte»? Oder doch «Die Vögel»? Man darf sich darüber streiten. Fest steht aber, welches Hitchcocks erfolgreichstes Werk ist: «Psycho». Und genau in der Entstehung dieses Films, der das unschuldige Publikum der 60er-Jahre von den Sitzen gerissen hat, spielt das Biopic über den Meister des Suspense. In jenem Moment stand Hitchcocks grosse Karriere auf der Kippe. Nach dem grossen Erfolg seines meisterhaften Blockbusters «North by Northwest» (Der unsichtbare Dritte), einem Meilenstein im Spannungskino, weigerte sich der Starregisseur, weiter in der Mainstream-Schiene zu fahren. «Das Publikum will schockiert werden», war Hitchcock überzeugt. Zudem liebte der Brite das Risiko, Öffentlichkeit und Kritiker zu überraschen.

Alma und Alfred

Ein starkes Paar: Alma und Alfred Hitchcock. (Bilder: 20th Century Fox)

Um die Kinowelt wieder einmal zu verblüffen, ging Hitchcock (Anthony Hopkins) 1960 an seine Grenzen. Weil er sich in den Kopf gesetzt hatte, ein Buch über einen schwulen Serienmörder zu verfilmen, der zu allem Übel auch noch mit Vorliebe die Kleider seiner toten Mutter trug. Für diesen Ehrgeiz setzte der Regisseur nicht nur sein privates Vermögen aufs Spiel, sondern auch seine Ehe. Denn ja, «Hitchcock» ist auch eine Liebesgeschichte. Auch wenn der Protagonist oft unnahbar, zynisch und nur an der nächsten kulinarischen Sünde interessiert erscheint, lässt er sich stark von seinen Gefühlen leiten. Es war die Faszination an den menschlichen Abgründen, die seine Leidenschaft für den Thriller befeuerte, aber es war seine Frau Alma (Helen Mirren), ohne deren Rückhalt er verloren gewesen wäre. Und was viele nicht wussten: Alma hatte erheblichen Anteil an der Genialität von Hitchcocks Werken.

Janet Leigh (Scarlett Johansson)

Janet Leigh der Moderne: Scarlett Johansson.

In Bezug auf «Psycho» heisst das konkret: Alma schlägt Anthony Perkins (James D’Arcy) und Janet Leigh (Scarlett Johansson) als Hauptdarsteller vor und hat die Idee mit der weltberühmten Begleitmusik in der Dusch-Szene. Dagegen wehrte sich Hitchcock übrigens sehr lange, um sich schliesslich von deren schockierender Wirkung überzeugen zu lassen. Zudem war Alma die Einzige, die im Schneideraum gemerkt hat, dass Leigh nach der Ermordung ihrer Figur noch blinzelte. Doch nicht nur die Produktion des Films steht im Zentrum. Hitch («Nennen Sie mich Hitch, ohne cock») war besessen. Besessen von seinem jeweiligen Projekt, sodass es ihn komplett einnahm. Damit konnte Alma umgehen. Was die Ehefrau aber je länger je mehr Mühe bereitete, war Hitchcocks voyeuristische Vorliebe für attraktive Blondinen. Ob Kim Novak (Vertigo), Eva Marie Saint (Der unsichtbare Dritte) oder Janet Leigh – Hitch konnte seine Augen nicht von den Schönheiten lassen. Doch während der Dreharbeiten zu «Psycho» wurde der Filmemacher mit seiner eigenen Eifersucht konfrontiert, denn Alma arbeitet eng mit Whitfield Cook (Danny Huston) an dessen Skript.

Vera Miles (Jessica Biel)

Blondinen bevorzugt: Hitchcock und Vera Miles.

Sacha Gervasis Biografie ist sehr vielfältig. Neben dem biografischen Teil verrät er einige amüsante Insider-Informationen. Wie etwa das Filmstudio Paramount Pictures aus Angst vor einem Skandal erst nicht den Mut hatte, die Finanzierung von «Psycho» zu übernehmen und während der Dreharbeiten immer wieder versuchte, Hitchcocks erfolgreichstes Werk zu sabotieren. Oder Hitchcocks Geheimnistuerei, die so weit führte, dass er so viele Buchkopien von «Psycho» kaufen liess, wie er konnte, und seine gesamte Crew einen Stillschweige-Schwur leisten liess. Und weil die Charakterstudie von Alfred Hitchcock am Entstehungsprozess eines der kontroversesten Films des 20. Jahrhunderts aufgehängt ist, ist der Plot spannend bis zum Schluss. Dass der Streifen sehenswert ist, weiss man allerdings schon nach einem kurzen Blick auf die Besetzungsliste. Mit Anthony Hopkins und Helen Mirren standen zwei der besten Charakterdarsteller der Gegenwart erstmals gemeinsam vor der Kamera. Hopkins, wenn auch maskentechnisch aufwändig verunstaltet, sieht zwar nicht haargenau wie Hitchcock aus, aber man nimmt ihm den besessenen Filmemacher mit dem weichen Kern und dem trockenen Humor absolut ab. An seiner Seite ist Helen Mirren einmal mehr eine Wucht. Begleitet werden die beiden Altstars durch einen wohl ausgesuchten Cast der neuen Hollywood-Generation.

Dies alles ergibt eine würdige Hommage an Alfred Hitchcock. Denn auch wenn man sich nicht einig ist, welcher seiner Filme der beste ist, auch wenn Hitchcock nie einen mit einem Oscar bedacht wurde, eines ist er unbestritten: der Master of Suspense.

«Hitchcock» läuft ab 14. März 2013 in den Basler Kinos Capitol und Pathé Küchlin.

Weitere Filmstarts in Basel am 14. März: Jack the Giant Slayer, Laurence Anyways, Rubinrot, Song for Marion, This Is 40.