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«Nennen Sie mich Hitch, ohne cock»

Fabian Kern am Dienstag den 12. März 2013

Filmplakat

«Hitchcock» läuft ab 14. März in den Kinos Capitol und Pathé Küchlin.

Was ist wohl Alfred Hitchcocks bester Film? «Das Fenster zum Hof»? «Vertigo»? «Der unsichtbare Dritte»? Oder doch «Die Vögel»? Man darf sich darüber streiten. Fest steht aber, welches Hitchcocks erfolgreichstes Werk ist: «Psycho». Und genau in der Entstehung dieses Films, der das unschuldige Publikum der 60er-Jahre von den Sitzen gerissen hat, spielt das Biopic über den Meister des Suspense. In jenem Moment stand Hitchcocks grosse Karriere auf der Kippe. Nach dem grossen Erfolg seines meisterhaften Blockbusters «North by Northwest» (Der unsichtbare Dritte), einem Meilenstein im Spannungskino, weigerte sich der Starregisseur, weiter in der Mainstream-Schiene zu fahren. «Das Publikum will schockiert werden», war Hitchcock überzeugt. Zudem liebte der Brite das Risiko, Öffentlichkeit und Kritiker zu überraschen.

Alma und Alfred

Ein starkes Paar: Alma und Alfred Hitchcock. (Bilder: 20th Century Fox)

Um die Kinowelt wieder einmal zu verblüffen, ging Hitchcock (Anthony Hopkins) 1960 an seine Grenzen. Weil er sich in den Kopf gesetzt hatte, ein Buch über einen schwulen Serienmörder zu verfilmen, der zu allem Übel auch noch mit Vorliebe die Kleider seiner toten Mutter trug. Für diesen Ehrgeiz setzte der Regisseur nicht nur sein privates Vermögen aufs Spiel, sondern auch seine Ehe. Denn ja, «Hitchcock» ist auch eine Liebesgeschichte. Auch wenn der Protagonist oft unnahbar, zynisch und nur an der nächsten kulinarischen Sünde interessiert erscheint, lässt er sich stark von seinen Gefühlen leiten. Es war die Faszination an den menschlichen Abgründen, die seine Leidenschaft für den Thriller befeuerte, aber es war seine Frau Alma (Helen Mirren), ohne deren Rückhalt er verloren gewesen wäre. Und was viele nicht wussten: Alma hatte erheblichen Anteil an der Genialität von Hitchcocks Werken.

Janet Leigh (Scarlett Johansson)

Janet Leigh der Moderne: Scarlett Johansson.

In Bezug auf «Psycho» heisst das konkret: Alma schlägt Anthony Perkins (James D’Arcy) und Janet Leigh (Scarlett Johansson) als Hauptdarsteller vor und hat die Idee mit der weltberühmten Begleitmusik in der Dusch-Szene. Dagegen wehrte sich Hitchcock übrigens sehr lange, um sich schliesslich von deren schockierender Wirkung überzeugen zu lassen. Zudem war Alma die Einzige, die im Schneideraum gemerkt hat, dass Leigh nach der Ermordung ihrer Figur noch blinzelte. Doch nicht nur die Produktion des Films steht im Zentrum. Hitch («Nennen Sie mich Hitch, ohne cock») war besessen. Besessen von seinem jeweiligen Projekt, sodass es ihn komplett einnahm. Damit konnte Alma umgehen. Was die Ehefrau aber je länger je mehr Mühe bereitete, war Hitchcocks voyeuristische Vorliebe für attraktive Blondinen. Ob Kim Novak (Vertigo), Eva Marie Saint (Der unsichtbare Dritte) oder Janet Leigh – Hitch konnte seine Augen nicht von den Schönheiten lassen. Doch während der Dreharbeiten zu «Psycho» wurde der Filmemacher mit seiner eigenen Eifersucht konfrontiert, denn Alma arbeitet eng mit Whitfield Cook (Danny Huston) an dessen Skript.

Vera Miles (Jessica Biel)

Blondinen bevorzugt: Hitchcock und Vera Miles.

Sacha Gervasis Biografie ist sehr vielfältig. Neben dem biografischen Teil verrät er einige amüsante Insider-Informationen. Wie etwa das Filmstudio Paramount Pictures aus Angst vor einem Skandal erst nicht den Mut hatte, die Finanzierung von «Psycho» zu übernehmen und während der Dreharbeiten immer wieder versuchte, Hitchcocks erfolgreichstes Werk zu sabotieren. Oder Hitchcocks Geheimnistuerei, die so weit führte, dass er so viele Buchkopien von «Psycho» kaufen liess, wie er konnte, und seine gesamte Crew einen Stillschweige-Schwur leisten liess. Und weil die Charakterstudie von Alfred Hitchcock am Entstehungsprozess eines der kontroversesten Films des 20. Jahrhunderts aufgehängt ist, ist der Plot spannend bis zum Schluss. Dass der Streifen sehenswert ist, weiss man allerdings schon nach einem kurzen Blick auf die Besetzungsliste. Mit Anthony Hopkins und Helen Mirren standen zwei der besten Charakterdarsteller der Gegenwart erstmals gemeinsam vor der Kamera. Hopkins, wenn auch maskentechnisch aufwändig verunstaltet, sieht zwar nicht haargenau wie Hitchcock aus, aber man nimmt ihm den besessenen Filmemacher mit dem weichen Kern und dem trockenen Humor absolut ab. An seiner Seite ist Helen Mirren einmal mehr eine Wucht. Begleitet werden die beiden Altstars durch einen wohl ausgesuchten Cast der neuen Hollywood-Generation.

Dies alles ergibt eine würdige Hommage an Alfred Hitchcock. Denn auch wenn man sich nicht einig ist, welcher seiner Filme der beste ist, auch wenn Hitchcock nie einen mit einem Oscar bedacht wurde, eines ist er unbestritten: der Master of Suspense.

«Hitchcock» läuft ab 14. März 2013 in den Basler Kinos Capitol und Pathé Küchlin.

Weitere Filmstarts in Basel am 14. März: Jack the Giant Slayer, Laurence Anyways, Rubinrot, Song for Marion, This Is 40.