Beiträge mit dem Schlagwort ‘Sabine Schaschl’

«Wachstum ist leider absolut nicht kontrollierbar»

karen gerig am Freitag den 20. Mai 2011

Sabine Schaschl. (Foto H. Muchenberger)

Heute Abend um 19 Uhr eröffnet im Kunsthaus Baselland die neue Ausstellung mit dem Titel «Über die Metapher des Wachstums». Wir haben uns mit Direktorin Sabine Schaschl über die Ausstellung und das Wachstum im Allgemeinen unterhalten. Diesen Beitrag weiterlesen »

Szymczyk vs. Schaschl

karen gerig am Montag den 20. Dezember 2010

Vergangene Woche erfuhr die Basler Kunstwelt davon, dass Kunsthalle-Direktor Adam Szymczyk für seine progressive Ausstellungstätigkeit mit dem amerikanischen Walter Hopps Award ausgezeichnet wird. Vor wenigen Wochen erst hatte Sabine Schaschl, Direktorin des Kunsthauses Baselland, den französischen Orden «Chevalier de l’Ordre des Arts et des Lettres» erhalten.

Zwei Preise, zwei Direktoren, zwei Kunsthäuser, zweimal die Region Basel. Doch wer sowohl Kunsthalle wie Kunsthaus mehr oder weniger reglemässig besucht, der weiss, dass Adam Szymczyk und Sabine Schaschl nicht für identische Ausstellungstätigkeiten ausgezeichnet wurden. Zwar wird der Walter Hopps Award «für bedeutende Leistungen im Bereich der zeitgenössischen Kunst» und der «Orden der Künste und Literatur» an Personen verliehen, die sich «um die Ausstrahlung der Künste in Frankreich und in der Welt» verdient gemacht haben (und dies tut Sabine Schaschl bekanntlich auch im Bereich der zeitgenössischen Kunst), wodurch ein Unterschied zwischen den Preisen nicht augenfällig wird.

Vergleicht man allerdings die beiden Ausstellungsmacher in ihrer Tätigkeit, so findet sich nur eine äusserliche Gemeinsamkeit: Beide lieben die Reduktion. Die Räume des Kunsthauses Baselland sind niemals überladen, und die Kunsthalle Basel lässt den Werken ebenfalls genügend Spielraum. Am krassesten war dies im Frühling 2005 der Fall, als Adam Szymczyk die Künstlergruppe Superflex dazu einlud, die Räume ganz leer zu belassen. Statt Kunst gab es Zahlen über Kunst, jeder Eintritt wurde mit zwei Franken belohnt. Doch obwohl kein einziges Werk gezeigt wurde, vermochte die «Supershow» die Räume mit einheitlichem Geist zu füllen – und sorgte über die Region hinaus für Gesprächsstoff. Davor und auch danach jedoch wurde immer mal wieder der Vorwurf an Adam Szymczyk laut, die Räume der Kunsthalle würden mit zuwenig Kunst bespielt. Ausserdem werde der regionale Auftrag vernachlässigt, ist immer wieder zu hören – gerade aus der regionalen Kunstszene. Da half auch der grossartige Abstecher in Christoph Büchels «Hole» nicht, zumal diese Ausstellung auch bereits wieder fünf Jahre zurückliegt und die letzte ihrer Art war – von der jährlichen «Regionale» abgesehen.

Was Adam Szymczyk aber an aufstrebenden internationalen Positionen von Cyprien Gaillard über Piotr Uklanski bis Pedro Barateiro in die Kunsthalle holt, hat nun international für Anerkennung gesorgt. Die Reduktion, die Szymczyk in den Räumen pflegt, wirkt auch auf dessen Auswahl der Künstler und Künstlerinnen. Oft konzeptlastig und auf den ersten Blick wenig zugänglich, stellen die Ausstellungen hohe Ansprüche an die Besucher – der Aufwand lohnt aber in der Regel.

Sabine Schaschl pflegt den Minimalismus ebenso und lässt den Werken genügend Entfaltungsraum. Ihre Ausstellungen sind aber meist sinnlicher wahrnehmbar, haben manchmal gar einen romantischen Touch, und das Textbuch darf ruhigen Gewissens auch mal beiseite gelassen werden. Dem Ausstellungsgenuss tut dies keinen Abbruch. Auch hat im Kabinett des Kunsthauses an der Birs die regionale Kunst ihren fixen Platz, wenn die dortigen Ausstellungen auch qualitativ oft nicht mit den Hauptausstellungen mithalten können.

Szymczyk und Schaschl mögen zwar unterschiedliche Interessen haben und ihre Ausstellungen dementsprechend unterschiedlich ausrichten, doch gerade die daraus resultierende Vielfalt macht den Besuch beider Häuser und auch einen regionalen Vergleich immer spannend und inspirierend. Deshalb eine nachträgliche Gratulation von uns an beide!

«Regionale» Räume #2: Kunsthaus Baselland

karen gerig am Donnerstag den 2. Dezember 2010

«Radikal subjektiv» soll sie sein, die Regionale-Ausstellung im Kunsthaus Baselland. Direktorin Sabine Schaschl hat sich dafür fremde Hilfe ins Haus geholt: Die Schau wurde kuratiert vom Basler Künstler Eric Hattan. «Mich interessiert, wie man mit Kunst umgeht», erklärt dieser. Und die Menschen hinter der Kunst, mehr noch als die fertigen Arbeiten, sagt er. Unter diesen Vorgaben hat Hattan, der in den Achtziger Jahren die Filiale mitgründete, eine Liste erstellt mit Kunstschaffenden, die er für eine Teilnahme an der diesjährigen Regionale anfragen wollte. Darunter waren einige alte Bekannte, aber auch neue Gesichter, für die Hattan auch die eingesandten Dossiers konsultierte. «Ich nahm dieses Engagement zum Anlass, Positionen kennenzulernen, die ich sonst vielleicht nicht entdeckt hätte», sagt er. Spannend sei es gewesen, vor allem auch die Reisen nach Karlsruhe, dem äussersten Rand der «Regionale»-Landkarte. Von dort hat er beispielsweise Karsten Födinger mitgebracht, der mit einfachen Baumaterialien wie Zement direkt in den bestehenden Raum eingreift und dadurch die Wahrnehmung auf Orte lenkt, die sonst kaum gesehen werden – metallene Trägerbalken etwa oder Deckenstützen.

Dank solch unauffälligen Werken werden dem Kunsthaus Baselland auch die 32 Positionen nicht zuviel. Auch die unaufdringlich verlängerten Geländer von Antoanetta Marinov belasten das Auge nicht. Manche Künstler erhielten im Zuge der Platzierung mehr Platz, andere weniger. «Das ergab sich manchmal einfach der Werkgrösse wegen», sagt Hattan. «Die grosse Leinwand von Renée Levi, die Graphitarbeit von Maja Rieder oder Jürg Stäubles Wandarbeit brauchen schlicht mehr Platz als beispielsweise Guido Nussbaums Weltkugel.»

Er habe kein inhaltliches Konzept verfolgt, sagt Hattan. «Ich wollte die Ausstellung ganz im Sinne einer Jahresausstellung konzipieren und das zeigen, was in einem Jahr entstanden ist; und in Erinnerung rufen, dass auch Künstler 365 Tage im Jahr arbeiten.» Trotzdem erscheint die Schau als sehr stimmig, so als hätte es stilistische Auswahlkriterien gegeben. Als Erklärung hat Eric Hattan nur eine Vermutung parat: «Die Ausstellung ist halt, was der Titel sagt: Radikal subjektiv.» Sein eigener Geschmack sollte durchscheinen und tut es auch. «Das Machen dieser Ausstellung hatte sehr viel mit Sammeln zu tun», sagt Hattan. «Und damit, dieses Gesammelte dann präzise in den Raum zu stellen.» Es sei besser herausgekommen, als er erwartet hätte, schliesst er. Das lässt sich schlecht beurteilen. Jedenfalls ist das Resultat gut, radikal subjektiv betrachtet.