Beiträge mit dem Schlagwort ‘Rossstall’

Neustart nach dem Crystal-Hype

Luca Bruno am Donnerstag den 20. Februar 2014

«Crystal Antlers» und «Crystal Stilts» heissen zwei Bands, die bald in der Kaserne Basel zu Gast sind. Die Bands gleichen sich nicht nur vom Namen her, sie haben auch einen ziemlich ähnlichen Karriereverlauf vorzuweisen.

Da geht's lang: Crystal Antlers (r.) & Crystal Stilts (l.)

Zur Kaserne bitte rechts abbiegen: Crystal Antlers (l.) & Crystal Stilts (r.)

In jungen Jahren schlagartig ins Rampenlicht befördert, nur um kurze Zeit später bereits wieder vergessen zu werden? Nein! Die Rede ist nicht von den durchschnittlichen Karriereaussichten unserer kickenden U17-Welt- und Europameister, sondern von jenen Bands, die uns Blogosphäre und einflussreiche Musikmagazine seit etwa 2005 im Zweiwochentakt als «Next Big Thing» auftischen – nur um sie im nächsten Atemzug bereits wieder als «Schnee von Gestern» bezeichnen zu können.

Dabei schreibt jedes einzelne Jahr seine Geschichten und Hypes aufs Neue. Und so hatte auch das Musikjahr 2008 seine unverkennbaren Trends: Wer damals beispielsweise die Worte «Crystal», «Wolf», «Black» oder «Girls» im Bandnamen hatte, auf Lo-Fi Produktion setzte und zugleich entweder an der Küste Kaliforniens oder im New Yorker Stadtteil Brooklyn angesiedelt war, hatte gute Karten für massive Magazin- und Blogpräsenz. Kein grosser Zufall also, dass ausgerechnet die beiden Bands Crystal Antlers und Crystal Stilts mit ihren jeweiligen Debüt-EPs voll ins Schwarze der damaligen Meinungsmacher getroffen haben.

Jetzt, rund sechs Jahre später, statten beide Bands der Kaserne Basel einen Besuch ab. Während das Konzert der Crystal Antlers bereits diesen Samstagabend, am 22. Februar 2014 stattfindet, müssen wir auf den Besuch der anderen «Crystal»-Band noch ein wenig länger warten: Die Crystal Stilts haben ihren ersten Basler Auftritt am Mittwoch, den 5. März. Diesen Beitrag weiterlesen »

On Stage: Lotus Plaza

Luca Bruno am Mittwoch den 24. Oktober 2012
Lotus Plaza

Lotus Plaza inkl. Lockett Pundt (in der Mitte)

Wenn Lockett Pundt alias Lotus Plaza mitsamt Begleitband heute Mittwochabend, am 24. Oktober 2012, die Bühne der Kaserne betreten wird, dann wird er dies bereits zum zweiten Mal in seiner Musikkarierre tun. Denn schon vor fast exakt fünf Jahren (genauer: am 28.10.2007) war Pundt Gast im Rossstall. Damals noch als Teil seiner Hauptband Deerhunter…und dies vor knapp 40 Zuschauern. Doch ähnlich wie Pundts Hauptband, die mittlerweile auch hierzulande bereits kleinere Hallen bis auf den letzten Platz füllt, zeigt auch die Formkurve seines aktuellen Nebenprojekts Lotus Plaza steil nach oben. Grund dafür: Das aktuelle Album «Spooky Action at a Distance».

Denn genauso wie sich Deerhunter innerhalb von wenigen Veröffentlichungen von einer ausgeflippt dröhnenden Psychedelic-Poptruppe zu einer klassichen Indie Rock-Band gewandelt haben, so präsentiert auch Pundt auf seinem Anfang April erschienenen, zweiten «Solo»-Album einen um ein vielfaches zugängigeren Sound als noch auf seinem Debütalbum «The Floodlight Collective» (2009). Pundt hat die Zeit zwischen seinen beiden Solo-Alben offenbar genutzt, um als Songwriter zu reifen (man beachte hierbei auch das phänomenale Deerhunter-Stück «Desire Lines», auf welchem er die Leadvocals beisteuert) und dementsprechend kann er seine Lotus Plaza-Konzerte auch nicht mehr alleine bestreiten: Für den Auftritt heute Abend hat der Multiinstrumentalist aus Georgia also gleich mehrere Begleitmusiker im Schlepptau, die ihn dabei unterstützen sollen, die schillernden und eingängigen Stücke von «Spooky Action» auf die Kasernenbühne zu bringen. Nach dem Sprung gibt’s drei Songs zum Anhören… Diesen Beitrag weiterlesen »

Beatbox-Bässe aus Bauch und Backe

Joel Gernet am Freitag den 23. März 2012


Auch dieses Jahr wieder dabei: Skiller (Bul) und krNfx (Can), hier im Final des «Grand Beatbox Battles» 2011.

Kürzlich hat FCB-Star Xherdan Shaqiri bei JoizTV gezeigt, dass er nicht nur dribbeln, sondern auch beatboxen kann – zumindest ein bisschen. Das war zwar ganz sympathisch und gut für die Street Credibility, wer sich aber wirklich für die aus Bauch und Backe ins Mikrophon gespuckten Beats interessiert, geht dieses Wochenende an das «Grand Beatbox Battle» in die Kaserne Basel. Dort messen sich im Rahmen des BScene-Festivals die Shaqiris der Beatbox-Szene. 31 Teilnehmer aus 12 Ländern werden im Rossstall in den Ring steigen, darunter einige aus der Weltelite und 15 Schweizer. Für Basel ziehen Beat-Quest, Lee-On und Cagla in den Kampf.

Wir haben uns mit Organisator Claudio Rudin (27), auch bekannt unter dem Beatoxer-Namen Ciaccolo oder als ehemaliger Top-Secret-Tambour, über das von ihm gegründete Battle und dessen rasante Entwicklung unterhalten. Diesen Beitrag weiterlesen »

Kasernenkunst

karen gerig am Mittwoch den 15. Juni 2011

Alex Frei, getoastet.

Rund ums Kasernenareal steppt täglich der Kunstbär. Im Rossstall toastet Gob Squad im Rahmen der Zap!-Performancereihe Alex Frei oder rettet die Welt. Jeden Abend etwas anderes gibt es auch beim K-eck zu beobachten. Das Artachment-Team veranstaltet dort «Art Entertainment & Desire» . Am Dienstag, dem zweiten von insgesamt sieben Tagen, hat die Berliner Galerie «Im Regierungsviertel» vergessene Arbeiten vieler vieler Künstler und Künstlerinnen vorgestellt. Heute Mittwoch geht es kunstmässig aber erst so richtig los: Die Scope eröffnet, heute zuerst für die VIPs, ab morgen dann fürs Fussvolk. Ab 9 Uhr heute Abend wird aber schon mal gefeiert – auch auf dem Kasernenareal, wo denn sonst?

Schlaglicht auf Woche 18

schlaglicht am Montag den 2. Mai 2011

Noch keine Ahnung, was kulturell läuft diese Woche? Unsere neue Rubrik «Schlaglicht auf Woche…» hilft Dir bei der Planung Deiner Kulturwoche mit Hinweisen auf ausgewählte Kultur-Leckerbissen.

Dienstag, 3. Mai

TV Buddhas in der Agora Bar
Die TV Buddhas, das ist in etwa die zeitgenössische Ausgabe der Modern Lovers. Ursprünglich aus Israel lebt die Band nun in Berlin und spielt jedes Jahr unzählige Konzerte in ganz Europa und der Schweiz. 2009 war das Trio im Hirscheneck zu Gast, nun treten sie mit ihrer Lo-Fi-Musik in der neu eröffneten Agora Bar im Kleinbasel auf.
Mehr Infos Café-Bar Agora, Feldbergstrasse 51, Basel, Konzert: 21:00h (pünktlich!)

Mittwoch, 4. Mai

St. Bimbam: Leseshow im Querfeld
Zu Gast bei den Moderatoren Gabriel Vetter und Marc Krebs sind diese Woche Mischa-Sarim Verollet (D) & Sulaiman Masomi (D). Verollet hat schon über 40 Poetry Slams gewonnen und gehört zu den prägendsten Künstlern des Jahrzehnts. Masomi hört sich selbst gern sprechen. Wir ihn hoffentlich auch.
Mehr Infos Gundeldinger Feld, Querfeld-Halle, Dornacherstrasse 192, Basel, 20:ooh

Donnerstag, 5. Mai

Bonobo in der Kaserne
Bonobo, so heissen nicht nur Zwergschimpansen, es ist dies auch das Alias des britischen DJs Simon Green, der diesen Donnerstag in der Kaserne auftritt. Seine Musik, die man wohl am besten dem Genre «Downtempo» zuordnen könnte, kommt allerdings alles andere als klein daher. Seit knapp 10 Jahren veröffentlicht Green in regelmässigen Abständen atmosphärische Electronica-Alben mit beträchtlicher Klangtiefe auf dem britischen Kultlabel Ninja Tune. «Black Sand», sein neustes Werk erschien im März 2010. Für seinen Auftritt in der Kaserne tritt er mit Band auf.
Mehr Infos Kaserne Basel, Rossstall, Klybeckstr. 1b; Doors: 21:00h, Konzert: 22:00h

Heavy Metal Kings (Ill Bill & Vinnie Paz) im Sommercasino
Nein, dieses Konzert wird nichts für headbangende Metal-Fans. Zwar brüllen Ill Bill (La Coka Nostra, NY) und Vinnie Paz (Jedi Mind Tricks, Philadelphia) lauter als so manche Rockröhre, was die beiden Berseker mit ihrem Kollabo-Album «Heavy Metal Kings» aber bieten, ist Hardcore-Rap vom Feinsten. Samplegeschwängerte Kampf-Hymnen mit Raps wie Maschinengewehrsalven. Brrrrä!
Mehr Infos Sommercasino, Münchensteinerstrasse 1, Basel; Doors: 20:00h

Massimo Furlan in der Kaserne
Massimo Furlan reflektiert das Jahr 1973 inklusive der Historizität der Popkultur und den Mechanismen des Erinnerns und Vergessens. Die Einnahmen der Veranstaltung kommen dem Japanischen Roten Kreuz zu Gute.
Mehr Infos Kaserne Basel, Reithalle, Klybeckstr. 1b; Doors: 20:00h

Erland and The Carnival im Parterre
Hinter Erland and The Carnival stecken fünf Musiker aus London, angeführt von Simon Tong, der es als Bandmitglied von The Verve oder The Good, The Bad & The Queen zu Weltruhm brachte. Mit im Gepäck haben sie ihre neues Album «Nightingale», auf welchem das Quintett wie schon auf dem Vorgängeralbum britischen Folk Rock der klassischen Sorte abliefert.
Mehr Infos Parterre, Klybeckstr. 1b; Doors: 19:30h, Konzert: 20:00h

Freitag, 6. Mai

Liebe, Lust und Leiden im Literaturhaus
Jugendliche zwischen 17 und 25 haben im Rahmen eines Schreibwettbewerbs Kurztexte zum Gefühlstrio «Liebe, Lust & Leiden» verfasst. Die besten drei werden nun dem Publikum vorgestellt und prämiert.
Mehr Infos Literaturhaus Basel, Barfüssergasse 3, 20:00h

Tarek Abu Hageb & Brandhärd auf dem Theaterplatz
Für seine Performance neben dem Tinguely-Brunnen kehrt der Basler Künstler Tarek Abu Hageb zu seinen Wurzeln zurück – er zeigt nämlich live, wie ein Graffiti entsteht. Danach sorgt die Rapband Brandhärd für den Schlusspunkt des Abends. Der Anlass ist Teil einer Veranstaltungsreihen, mit der die Christoph Merian Stiftung (CMS) auf dem Theaterplatz von Mittwoch bis Sonntag ihr 125-Jahr-Jubiläum feiert.
Mehr Infos Theaterplatz, Basel; 20:00h Graffiti, 21:00h Rapkonzert

Samstag, 7. Mai

Vernissage in der Galerie Nicolas Krupp
Der ehemalige Kunsthalle-Direktor Peter Pakesch richtet bei Nicolas Krupp eine Schau über Malerei ein. Es gibt Arbeiten zu sehen von Georg Baselitz, Albert Oehlen und Eugène Leroy. Klingt vielversprechend.
Mehr infos Nicolas Krupp Contemporary Art, Rosentalstrasse 28 in Basel; 11:00–18:00h

J Rocc in der Kaserne
J Rocc, der Gründer der famosen DJ-Combo Beat Junkies ist beim legendären Label Stones Throw Records zu Hause, dessen Künstler gern gesehene Gäste in der Kaserne sind. Und wie immer, wenn jemand von Stones Throw zu Gast ist, dann freuen wir uns auf eine geballte Ladung Turntablism inklusive vieler Samples, die garantiert nur aus den hintersten Ecken der vergessensten Plattenläden der Welt stammen.
Mehr Infos Kaserne Basel, Rossstall, Klybeckstr. 1b; Doors: 23:00h, Konzert: 00:00h

«Krieger des Regenbogens» im Parterre
Das Einmann-Theater mit Ferruccio Cainero – zum Lachen berührend, genial gescheit, sensationell witzig.
Mehr Infos Parterre, Klybeckstr. 1b; 20:00h

Blieb ein Anlass unerwähnt, den man auf keinen Fall verpassen sollte? Gib einen Kommentar ab und sag uns, was sonst noch läuft.

Die BScene im Zeichen der Gitarren

Luca Bruno am Montag den 4. April 2011

15 Jahre hat die BScene mittlerweile auf dem Buckel und scheut sich trotzdem nicht davor, Jahr für Jahr weiterzuwachsen. Und damit sind nicht nur die 500 zusätzlichen Zuschauer gemeint, welche der diesjährigen Ausgabe zu einem erneuten Besucherrekord von gesamthaft 8500 Eintritten verholfen haben, oder die indessen 15 Bühnen, welche die über 50 Künstler und Bands dieses Jahr beherbergten, sondern viel eher die blosse Präsenz, welche die BScene mittlerweile in den Köpfen Basler Musikinteressierten und Bands einnimmt. Die BScene ist längst mehr als ein blosses Schaulaufen der gerade angesagtesten Basler Bands und Projekte wie die diesjährige Schlagzeug-Extravaganza «We Are Drums» werden hoffentlich dafür sorgen, dass das Clubfestival in den folgenden Jahren noch mehr Austauschforum für lokale Bands werden wird.

Sei es Hip Hop, Reggae oder Folk-Rock: Seit Jahren kommt an der BScene kaum ein Musikstil zu kurz. Blickt man auf das Lineup und das Logo der diesjährigen Ausgabe, so ist es allerdings noch immer der Gitarrenrock, der an der BScene am meisten vertreten ist. In der ersten Hälfte unserer Reviews beschränken wir uns daher auf ausgewählte Auftritte von Gitarrenbands, bevor wir dann morgen noch auf die elektronische und perkussive Seite der BScene eingehen werden.

My Heart Belongs To Cecilia Winter (Freitag 21:30, Kaserne – Reithalle)

Thom Luz (oder etwa doch ein Patrick Wolf-Double?) Foto: Dirk Wetzel

Festivalbesucher verfügen gerne über eine kürzere Aufmerksamkeitsspanne als normale Konzertgänger. Thom Luz, Sänger und Songwriter von My Heart Belongs To Cecilia Winter, scheint darüber Bescheid zu wissen und trifft daher die weise Entscheidung, die wunderbare Ballade «I Made You A Tape», welche er normalerweise alleine und gegen Ende der Sets der Band darbietet, für einmal zu Beginn eines Konzertes zu spielen. Ein äusserst stimmungsvoller und gelungener Beginn eines Auftritts, der – zumindest am Anfang – allerdings noch vor zu wenig Publikum stattfinden muss. Es ist anzunehmen, dass einige Besucher die Wartezeit an den Bändchenaustausch-Stellen unterschätzt haben.

In Reviews zu ihrem 2010 erschienenen Debütalbum «Our Love Will Cut Through Everything» musste das Trio des Öfteren den Vergleich mit der Band Arcade Fire über sich ergehen lassen. Eine Referenz, die nicht nur unfair, sondern auch einfach falsch ist. Zwar schreiben auch My Heart Belongs To Cecilia Winter gerne euphorische Hymnen, ihr Noise Pop Musik erinnert aber mehr an Bands wie die Raveonettes. Und beim Trio aus Zürich ist es auch heute wieder einmal das stimmliche Zusammenspiel der Vocals von Luz und Bassistin Betty Fischer, welches die meisten Höhepunkte setzt.

Noch verfügen My Heart Belongs To Cecilia Winter aber nicht über genügend Material, um ein Publikum über die volle Distanz bei Laune zu halten. Nach den ziemlich grossartigen «Eighteen» und «Guide Me To The Starts», die in der ersten Hälfte gespielt werden, funktioniert die Gratwanderung zwischen geradlinigen Popsongs und experimentelleren Tracks mit Autoharp nicht mehr. Oder vielleicht war die Aufmerksamkeitsspanne doch einfach zu kurz.

Sheila She Loves You (Freitag 22:50, Kaserne – Reithalle)

Sheila She Loves You (Foto: Dirk Wetzel)

Sheila She Loves You (Foto: Dirk Wetzel)

Während des Überhits «Don’t Give Us Poets, Give Us Bread» kann sich in der Reithalle zwar kein Fuss länger als eine Sekunde auf dem Boden halten, Sheila She Loves You zeigen sich davon allerdings unbeeindruckt. Popsongs? Been there, done that! Anstatt die mittlerweile bis auf den letzten Quadratzentimeter vollgestopfte Reithalle mit den bereits bekannten Hits zu beliefern, zeigt uns die Band an diesem Abend in erster Linie, wie fest der bandeigene Kosmos seit dem Release ihres Debütalbums «Esztergom» gewachsen ist. So ist bereits der Opener des Konzerts, eine Hommage an den Soundtrack zu «The Lord Of The Rings», die ziemlich schnell in eine brachiale Rockoper ausartet, ein guter Indikator dafür, wie sehr man sich in den letzten zwölf Monaten musikalisch weiterentwickelt hat.

Doch nur weil die an diesem Abend dargebotenen neuen Songs eine vielschichtigere und komplexere Seite der Band zeigen, heisst das noch lange nicht, dass man das Ohr für gute Melodien verloren hat. Nimmt man die neuen Songs als Gradmesser, dann wird das hoffentlich bald erscheinende Nachfolgewerk das Publikum vielleicht nicht mehr so fest zum Tanzen bringen wie die Ohrwürmer der ersten Platte, dafür aber ein umso stärkeres Songwriting repräsentieren. Wir halten die Ohren offen und sind gespannt.

4th Time Around (Freitag 23:59, Kaserne – Rossstall)

«Ladies & Gangsters» heisst das soeben erschienene neue Album von 4th Time Around. Ausser einer Lady, welche die Band an diesem Abend mit einem Cello unterstützt, fehlt von den Gangstern allerdings jede Spur. Viel mehr sind es waschechte Gentlemen, welche da den souveränsten Auftritt der Freitagsbands hinlegen. 4th Time Around schlagen zwar ruhigere Töne als die an gleicher Stelle vor ihnen aufgetretenen 77 Bombay Street und Kapoolas an, halten das Publikum aber dennoch mit Leichtigkeit bei Laune.

4th Time Around (Foto: Dirk Wetzel)

4 Gentlemen Around (Foto: Dirk Wetzel)

Besonders Tobias Hügin, der sich auch heute wieder die Leadvocals mit Marc Givel teilt, hat sich seit dem Release von «A Morning Prayer» (2007) zu einem äussert souveränen Sänger entwickelt, dessen hervorragende stimmliche Präsenz angenehm an John Darnielle erinnert. Es ist jedoch die ganze Band, die an diesem Band einen sehr positiven und vor allem spielfreudigen Eindruck hinterlässt. Die Songs des neuen Albums sind eine willkommene Ergänzung zum bereits bekannten Material, zeigen eine um einiges abwechslungsreichere Seite der Band und bei «Lost», welches die Band in der Mitte des Sets spielt, sind für einmal sogar Tom Waits-Vergleiche völlig gerechtfertigt.

Reding Street (Samstag 21:30, Volkshaus – Grosser Saal)

Machen unzählige Gitarrensoli, unerwartete Breaks und überraschende Tempowechsel einen Song wirklich besser? Das ellenlange Lied über die Frage, ob die technische Versiertheit ihrer Mitglieder einer Band dabei hilft, bessere Songs zu schreiben, erhält mit dem Auftritt von Reding Street jedenfalls eine weitere Strophe.

Selbstverständlich ist es auf eine Art beeindruckend, wie sich Reding Street technisch einwandfrei und mit nötiger Durchschlagskraft durch ihr Programm wälzen, ihre Version von New Prog bleibt aber dennoch viel zu durchschaubar. Zum einen ist es bereits nach dem zweiten Song eindeutig, dass sich die Band zu fest an ihren Vorbildern Muse orientiert, zum anderen verkommt der rund 45-minütige Auftritt viel zu oft zu einem Showcase für die Fingerfertigkeiten der einzelnen Mitglieder.

Das Quartett wird in Zukunft weiterhin Bandcontests gewinnen und bedenkt man, dass Muse mit Regelmässigkeit auf Platz 1 der Schweizer Hitparade landen, so sieht die Zukunft von Reding Street eigentlich ziemlich rosig aus.

Europa endlos

Luca Bruno am Dienstag den 22. Februar 2011

Mitte 2006 war es, als jeder Besitzer eines gutsortierten Plattenladens notfallmässig ein «Ed Banger»-Regal nahe seines Eingangs installieren musste und an Indie Rock-Parties alle nur noch die neuen Singles von Digitalism oder Justice hören wollten. Elektronische Musik mit «Rockstar»-Attitüde war plötzlich im Trend und auch die Musikpresse, welche in den Jahren zuvor damit beschäftigt war, die wiederauferstandene britische Gitarrenmusik zu zelebrieren, fand Gefallen an dieser neuen Szene. Selbst das britische Musikmagazin NME, bei welchem traditionell die Gitarre immer an erster Stelle steht, sprang ziemlich schnell auf diesen Zug auf, und in den kommenden Monaten grinsten buntgekleidete Bands wie die Klaxons oder Shitdisco vom Frontcover. Das Genre «Nu Rave» war geboren, und schrille Keyboardklänge, treibende Basslinien und Glowsticks gehörten für die kommenden 12 Monate zum Standardrepertoire jeder neuen Band.

Wie immer, wenn der Vorrat an geeigneten Bands für das neugeschaffene Genre im eigenen Land knapp wird, sorgt das europäische Festland unfreiwillig für Nachschub. So wurden kurzerhand auch Bands wie Datarock aus Norwegen oder Goose aus Belgien zu einem Teil dieser „Nu Rave“-Szene ernannt – und das obwohl ihre Debütalben schon seit über einem Jahr erhältlich waren.

Doch wie schon zahlreiche andere Trends zuvor, war auch die Halbwertszeit von «Nu Rave» nur von kurzer Dauer und wenn Goose nun knapp 4 Jahre nach «Nu Rave» ein Gastspiel in der Kaserne geben, stellte sich eigentlich nur eine Frage: Was blieb übrig vom Hype?

Im Pressetext zum Konzert kündigen Goose an, dass die Hauptinspiration für ihr letzten Oktober erschienenes zweites Album «Synrise» die Musik des Discoproduzenten Giorgio Moroder gewesen sei. Schnell dürfen wir an diesem Samstagabend erfreut feststellen, dass für dieses eine Mal der Pressetext auch tatsächlich die Wahrheit sagt. Anstatt mit dem Haudrauf-Electrorock ihres ersten Albums «Bring It On» beginnen die 4 Belgier Ihren Auftritt nämlich mit dem Titeltrack von «Synrise». Dort stapeln Goose nun über 10 Minuten hinweg minutiös genau Synthesizer- und Keyboard-Linien übereinander und lassen ein unaufhaltbares Monster auf das Publikum los. Auch «Can’t Stop Me Now», die Leadsingle ihres neuen Albums, welche in der Studioversion platt und leblos klingt, erwacht kurz danach durch die exakte Arbeit des Quartetts zu neuem Leben. Und als die vier Belgier dann anschliessend mit «Black Gloves» und «Bring It On» die Hits ihres Debütalbums auspacken, ist die Stimmung endgültig auf dem Höhepunkt. Moroder, Kraftwerk und New Order: Während den ersten 25 Minuten machen Goose alles richtig und beweisen eindrücklich, dass sie den Hype überlebt haben. Das Publikum im Rossstall dankt es ihnen während jeder beatlosen Sekunde mit Szenenapplaus.

Doch so fulminant wie Goose beginnen, so schnell scheint ihnen in der Mitte des Sets die Puste auszugehen. Die Band interagiert zwar gekonnt mit dem Publikum, doch alle Spielfreude der Welt kann nicht über die Eintönigkeit ihrer weniger bekannten Songs hinwegtäuschen. Spätestens dann aber, als die vier gegen Ende ihres Hauptsets mit «British Mode» zum letzten Feuerwerk ansetzen, bleibt im Rossstall wieder kein Fuss mehr länger als eine Sekunde auf dem Boden.

Nach einer guten Stunde Spielzeit ist kein T-Shirt mehr trocken und die Band verabschiedet sich mit den Worten «Tomorrow, we’re going back to Belgium. The first thing that we’re gonna say to our people is: BASEL ROCKS!». Wir finden: Goose auch.