Beiträge mit dem Schlagwort ‘Romanze’

Liebe mit Sauerstoffschlauch

Fabian Kern am Mittwoch den 11. Juni 2014

«The Fault in Our Stars» läuft ab 12. Juni im Küchlin.

«The Fault in Our Stars» läuft ab 12. Juni im Küchlin.

«Not Just Another Teen Movie», hiess eine Filmsünde aus dem Jahr 2000. Nicht, dass die Qualität auch nur im mindesten mit jener von «The Fault in Our Stars» vergleichbar wäre, aber die Aussage würde genau passen. Ebenso ist die Verfilmung des Bestsellers von John Green nicht nur ein weiterer Krebs-Film, die schon fast wieder aus der Mode gekommen sind, weil es schon so viele davon gibt. Es geht um mehr als nur um den Umgang mit dem Unausweichlichen. Es geht darum, die Zeit, die uns auf Erden zugestanden wird, mit Inbrunst und Herz zu leben.

Ein Happy End wird es nicht geben. Und bevor eifrige Kommentarschreiber schon wieder einen «Spoiler»-Alarm bei diesem Beitrag fordern: Hazel (Shailene Woodley) stellt das schon ganz am Anfang des Films klar. Für sie, deren Lungen eine Zeitbombe darstellen, ist es aber dennoch eine Frage des Happy Ends – des Happy Ends ihres Lebens, das viel zu kurz dauern wird. Die aufgeweckte 16-Jährige ist durch papilären Schilddrüsenkrebs schon seit Jahren zum Tod verurteilt, trägt ihren Sauerstoffschlauch rund um die Uhr und ihr Herz auf der Zunge. Ihre Eltern (Laura Dern und Sam Trammell) kümmern sich rührend um Hazel, und nur ihnen zuliebe besucht sie die verhasste Krebs-Selbsthilfegruppe. Freunde finden soll sie, na super. Aber siehe da, in der peinlichen Veranstaltung taucht der fesche Gus (Ansel Elgort) auf, der seit seiner Unterschenkel-Amputation vor 14 Monaten krebsfrei ist. Hazel will es nicht zugeben, aber sie verliebt sich sofort in den charmanten Teenager.

Zaghafte Annäherung in der Heimat... (Bilder: Fox)

Zaghafte Annäherung in der Heimat… (Bilder: Fox)

Und ab diesem Punkt unterscheidet sich «The Fault in Our Stars» so von anderen Filmen in diesem Genre. Auch Hazel will sich zu sehr verlieben, um mit ihrem Ableben nicht Gus’ Herz zu brechen. Aber anstatt sich in ärgerlichen Missverständnissen zu verrennen, sprechen die Protagonisten darüber. Das nimmt dem Plot die Konstruiertheit und lässt ihn so authentisch wirken. In so einer Situation hat man schlicht nicht die Zeit, um sich mit Spielchen um falschen Stolz abzugeben. Vielmehr leben Gus und Hazel mit ihrer Krankheit und jeden Moment sehrbewusst. Sie wollen zwar aus genannten Gründen «nur Freunde» sein, doch beiden ist klar, dass sie ihre Herzen schon lange aneinander verloren haben. Der Höhepunkt in Hazels Leben soll eine Reise nach Amsterdam zu Peter Van Houton (Willem Dafoe), dem Autor ihres Lieblingsbuchs werden. Doch der Trip nimmt eine unvorhergesehene Wendung.

... zärtliches Tête-à-Tête in Amsterdam.

… zärtliches Tête-à-Tête in Amsterdam.

Wie der deutsche Buchtitel schon sagt: Das Schicksal ist ein mieser Verräter. Gewisse Dinge sind unvermeidlich und Krebs eine schreckliche Geissel der Menschheit. Das bekommen auch Hazel und Gus zu spüren. Was sie aber auch erfahren ist, dass das Leben schön ist. Gut, dass keine gestandenen Jungstars gecastet wurden, denn die beiden noch ziemlich unverbrauchten «Divergent»-Darsteller bringen John Greenes Botschaft – seine Charaktere beruhen übrigens auf realen Menschen – so rührend auf die Leinwand, dass in jedem Kinosaal Taschentücher Pflicht sind. Eine wunderschön lebensbejahende, witzige und poetische, aber auch traurige Liebesgeschichte. Happy End ist relativ.

«The Fault in Our Stars» läuft ab 12. Juni 2014 im Kino Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 12. Juni: Hotell, Make Your Move, The Fault in Our Stars, Tinker Bell: The Pirate Fairy, Henri, Feuer & Flamme,
NT Theatre: A Small Family Business, The Letter Writer .

Ewan McGregor schwimmt gegen den Strom

Fabian Kern am Mittwoch den 16. Mai 2012

Salmon Fishing in the Yemen

«Salmon Fishing in the Yemen» läuft ab 17. Mai in den Basler Kinos Pathé Eldorado und Rex.

Mit dem Strom schwimmen, so könnte man das Leben von Dr. Alfred Jones (Ewan McGregor) beschreiben. Der angesehene Experte für Lachs- und Forellenzucht hat eine liebe Frau, ein feines Backsteinreihenhäuschen in London und absolut keinen Spass. Nach dem Beischlaf mit seiner Gattin Mary – natürlich in der Missionarsstellung unter dem Leintuch – sagt diese erleichtert: «So, das sollte für ein Weilchen reichen.» Und zum Abregen seines Ärgers begibt sich der verklemmte Wissenschaftler in den Garten und spricht mit seinen Goldfischen.

Szene aus «Salmon Fishing in the Yemen»

Alfred (Ewan McGregor) und Harriet (Emily Blunt) in Jemen. (Bilder im Verleih von ASCOT ELITE)

Völlig aus dem Konzept gerät der arme Dr. Jones, als ein hirnrissiges Projekt an ihn herangetragen wird. Der jemenitische Scheich Muhammad ibn Zaidi bani Tihama (Amr Waked) möchte in seiner Heimat nordeuropäische Lachse ansiedeln. Jones tut das als Hirngespinst eines Ölmilliardärs ab und verweigert die Zusammenarbeit, bis er von seinem Chef dazu gezwungen wird. Zu seinem Glück, denn sonst hätte er die bezaubernde Harriet Chetwode-Talbot (Emily Blunt) nie näher kennengelernt. Diese vertritt die Interessen des vom Fliegenfischen begeisterten Scheichs, gewinnt Jones für das Projekt und weckt ihn aus seinem emotionalen Dornröschenschlaf. Doch just als Jones endlich aufblüht, taucht Harriets in Afghanistan verschollener Geliebter auf und wird von Patricia Maxwell (Kristin Scott-Thomas), der gewitzten PR-Beraterin des Premierministers, medienwirksam wieder mit der jungen Frau vereint.

Szene aus «Salmon Fishing in the Yemen»

Patricia Maxwell (Kristin Scott-Thomas) wird von Scheich Muhammad (Amr Waked) empfangen.

Der schwedische Regisseur Lasse Hallström («Gilbert Grape», «Chocolat») hat zusammen mit Drehbuchautor Simon Beaufoy (Oscar für «Slumdog Millionaire») aus Paul Tordays Roman «Salmon Fishing in the Yemen» ein wunderbar leichtfüssiges Werk über den Glauben an die eigenen Fähigkeiten geschaffen. Der mit schönen Landschaftsaufnahmen gespickte Film ist eine geglückte Mischung aus Komödie, Politsatire, Drama und Liebesgeschichte – eine Mischung, die normalerweise in die Hose geht. Hallström hat es aber geschafft, den Spannungsbogen bis am Schluss hochzuhalten und seinem sympathisch verkrampften Protagonisten das Gegen-den-Strom-Schwimmen beizubringen. Wie dieser den schottischen Lachsen in Jemen.

«Salmon Fishing in the Yemen» läuft ab 17. Mai in den Basler Kinos Eldorado und Rex.