Beiträge mit dem Schlagwort ‘Robert Downey Jr.’

«Bruce Banner ist ein Weichei»

Fabian Kern am Donnerstag den 23. April 2015

«Avengers: Age of Ultron» läuft ab 23.4. in Capitol, Küchlin und Rex.

«Avengers: Age of Ultron» läuft ab 23.4. in Capitol, Küchlin und Rex.

Superhelden-Fans weltweit haben sich den 23. April dick in ihrer Agenda angestrichen. Endlich kommt die Fortsetzung des Mega-Blockbusters von 2012 in die Kinos. Das Ergebnis ist grösser und teurer, so wie der natürliche Auftrag an Fortsetzungen von derartigen Kalibern aussieht: lauter, spektakulärer und mit nochmals massiv erhöhtem Materialverschleiss. Die Schauplätze werden mit Südafrika, Südkorea und Europa internationaler, die Avengers erhalten nach dem Zusammenbruch von S.H.I.E.L.D. ein neues supermodernes Hauptquartier in New York, und neue Superhelden werden ins Avengers-Universum eingeführt. Während Hydra-Bösewicht Baron Strucker (Thomas Kretschmann) in irgendeinem fiktiven osteuropäischen Staat die Vernichtung der Welt plant, hat sich Tony Stark (Robert Downey jr.) nach der Schlacht von New York zum Mastermind der Avengers entwickelt. Zusammen mit Bruce Banner (Mark Ruffalo) kreiert er «Ultron», ein Abwehrsystem, das die Erde vor weiteren ausserirdischen Angriffen schützen soll. Leider aber wird das Projekt zum Bumerang, denn Ultron entwickelt ein böses Eigenleben, macht sich alle Ressourcen von Stark Industries zu eigen und wird zum mächtigen Gegenspieler der Avengers. So viel zur Story, die selbstredend nur Nebendarstellerin ist. «Avengers: Age of Ultron» lebt von den starken Figuren. Aber wer ist denn nun der Coolste der Superhelden-Crew? Ein Streitgespräch zwischen Schlaglicht-Redaktor Fabian Kern und BaZ-Online-Praktikant Serkan Abrecht zeigt, dass das gar nicht einfach ist.

Ohne Superkräfte: Hawkeye.

Ohne Superkräfte: Hawkeye (Jeremy Renner).

Abrecht: Eigentlich ist Hawkeye charakterlich am coolsten, weil er diesmal als Einziger einen bodenständigen, menschlichen Hintergrund erhält. Und vielleicht auch der einzig ernst zu nehmende Charakter ist.

Kern: Das stimmt, auch hinsichtlich Mut. Schliesslich sind er und Black Widow die Einzigen, die keine Superkräfte besitzen. Insofern ist ihr Risiko im Kampf gegen all die Roboter und Ausserirdischen grösser als das der Anderen. Wer aber gar nicht geht, ist der humorlose Captain America, oder?

Abrecht: Stimmt! In seinem Latex-Anzug sieht er trotz seiner Muskeln einfach nur tuntig aus.

Kern: Und seine moralin-schwangeren Einwände nerven nur. Ein Glück, gibt es da noch den zynischen Gegenpol Tony Stark aka Iron Man…

«Lusche mit Schild»: Captain America (Chris Evans).

«Lusche mit Schild»: Captain America (Chris Evans).

Abrecht: Ja, ansonsten wäre diese Lusche mit Schild gar nicht zu ertragen. Bei Iron Man habe ich allerdings das Problem mit der zeitlichen Einordnung: Im dritten Teil seiner eigenen Serie hat Tony Stark schliesslich mit Iron Man abgeschlossen und seine ganze Infrastruktur in Schutt und Asche gelegt…

Kern: Ja, das geht nicht ganz auf, denn «Avengers 2» muss zeitlich nach «Iron Man 3» angelegt sein… Aber egal, das wissen vielleicht die Marvel-Hardcore-Fans. Wir sind vom Thema angekommen. Was hältst du von Tony Stark?

Abrecht: Er ist immer noch zynisch, selbstherrlich und dreist, aber ein wenig zum Idealist geworden. Er lädt sich die Verantwortung für die Menschheit auf, das passt nicht so ganz zu seinem alten Ego.

Cooles Duo mit Nerd: Thor (Chris Hemsworth), Tony Stark (Robert Downey jr.) und Captain America.

Cooles Duo mit Nerd: Thor (Chris Hemsworth), Tony Stark (Robert Downey jr.) und Captain America.

Kern: Dennoch ist er immer noch sehr cool, auch wenn ich nicht so auf Roboter als Superhelden stehe. Ich finde halt auch Chris Hemsworth als Thor Weltklasse.

Abrecht: Stimmt. Für mich sieht er wie ein Zimmermann auf intergalaktischer Walz aus. Er ist fast eher die moralische Instanz als Captain America, auch weil man den göttlichen Hammermann einfach ernster nehmen kann als den anderen. Den posttraumatischen Kriegsveteran nehmen ja nicht einmal die anderen Avengers ernst. Zu etwas anderem: Was mich grundsätzlich stört, ist, dass alle immer miteinander sprechen können, egal in welcher Sphäre sie sich gerade aufhalten.

Kern: Tony Stark wird wohl irgend ein revolutionäres Funksystem entwickelt haben, das für uns Normalsterbliche viel zu kompliziert ist, um es überhaupt zu erklären. Aber du schweifst schon wieder ab. Ich tu mich schwer mit Hulk. Er ist viel zu unbeherrscht, um ein Avenger zu sein.

Grüne Schale, weicher Kern: Hulk (Mark Ruffalo).

Grüne Schale, weicher Kern: Hulk (Mark Ruffalo).

Abrecht: Ich finde die brachiale Gewalt von Hulk faszinierend. Er zerstört eine halbe Stadt, ohne dass ihn jemand daran hindern könnte. Nun hat Tony Stark ja sogar eine spezielle Iron-Man-Rüstung gebaut, um Hulk zu stoppen, aber auch diese hilft nichts. Nur Natasha Romanoff hat einen Zugang zu dem Biest. Bruce Banner allerdings ist ein Weichei. Dass er nicht beim kleinsten Flirt über Scarlett Johannsson herfällt, ist unrealistisch.

Kern: Ja, Bruce Banner. Der ist halt der klassische Wissenschaftler, Kopfmensch durch und durch – eben das pure Gegenteil von Hulk. Aber du gibst das Stichwort, bei dem jeder Mann ins Schwärmen gerät: Black Widow. Ja, als Frau hat man es einfach, die coolste Figur zu wählen!

Schlagende Argumente: Black Widow (Scarlett Johannsson).

Schlagende Argumente: Black Widow (Scarlett Johannsson).

Abrecht: Sie hat nur schlagende Argumente: Sie ist im Nahkampf nicht zu bezwingen, fährt die coolsten Motorräder und trägt die schnittigsten Outfits…

Kern: …die aber nicht jedem stehen. Dich möchte ich jedenfalls nicht im Latex-Anzug mit Decolleté sehen… Wenn wir also zusammenfassen: Wer ist denn nun der Coolste? Ich lege mich fest: Thor.

Abrecht: Für mich ist es Hawkeye. Den haben sie sehr aufgewertet. Und was hältst du von Ultron als Bösewicht?

Kern: Wie bei den Helden tue ich mich auch bei Bösewichten schwer mit Maschinen. Sie haben ihm zwar versucht, Ultron menschliche Züge zu verleihen, aber dennoch war Loki im ersten Teil in einer ganz anderen Liga unterwegs.

Charakterloser Bösewicht: Ultron (James Spader).

Charakterloser Bösewicht: Ultron (James Spader).

Abrecht: Nein, an Loki kommt Ultron niemals heran. Er ist ein wenig wie der nervige Computer in «Matrix». Der hatte auch keinen Charakter.

Kern: Ja, das kühle, logische Böse lässt einen eher kalt. Wohl auch deshalb fällt der zweite Teil etwas gegenüber dem ersten ab.

Abrecht: Ja, «Age of Ultron» ist ein guter Action-Science-Fiction-Film, aber nicht so kultig wie das Original.

«The Avengers: Age of Ultron» läuft ab 23. April 2015 in den Basler Kinos Capitol, Pathé Küchlin und Rex.

Weitere Kinostarts in Basel am 23. April: Big Eyes, Ex Machina, Das Deckelbad, Viktoria: A Tale of Grace and Greed.

Duell der Dickköpfe

Fabian Kern am Mittwoch den 15. Oktober 2014

«The Judge» läuft ab 16.10. in Küchlin.

«The Judge» läuft ab 16.10. im Küchlin und im Rex.

Eigentlich sollte dies ein Artikel über Robert Downey Jr. werden. Über das so talentierte Enfant Terrible Hollywoods. Den Suchtmenschen, der den Absprung vom Koks in den letzten Jahren zumindest so gut gemeistert hat, um zu einem der begehrtesten Schauspieler der Traumfabrik aufzusteigen. Der Sherlock Holmes und Tony Stark alias Iron Man mit derselben unwiderstehlichen Mischung aus Arroganz, Zynismus und augenzwinkerndem Humor darstellte, dass man keinen anderen in diesen Rollen mehr sehen will. Sollte. Wird es aber nicht. Denn «The Judge» ist der falsche Anlass für eine Hommage an einen einzelnen Schauspieler. Es ist einer der besten Filme des Jahres.

Entzweite Familie: Hank, Glen, Dale und Richter Joseph Palmer.

Entzweite Familie: Hank, Glen, Dale und Richter Joseph Palmer.

Das beschauliche Carlinville, Indiana scheint ein schönes Fleckchen Erde zu sein. An einem Fluss gelegen, der seine Wassermassen durch ein bewaldetes, wildromantisches Tal wälzt, scheint sind die Palmers seit Jahren ansässig. Nur der mittlere der drei Söhne des Richters konnte es nicht erwarten, der Dorfidylle den Rücken zu kehren und seine provinzielle Herkunft möglichst zu verwischen. Doch seine Vergangenheit holt einen irgendwann ein. Auch Hank Palmer (Robert Downey Jr.), den aalglatten, arroganten Chicagoer Staranwalt. Als seine Mutter plötzlich stirbt, kehrt er erstmals nach rund zwanzig Jahren wieder in seine Heimat zurück. Der Empfang seiner Brüder Glen (Vincent D’Onofrio) und Dale (Jeremy Strong) fällt kühl aus, jener des Vaters (Robert Duvall), der von allen nur seiner Position gemäss «Richter» genannt wird, noch etwas kühler. Und auch wenn Hank, dem eine Scheidung bevorsteht, seine immer noch sehr attraktive Jugendliebe Sam (Vera Farmiga) wieder über den Weg läuft, die er damals stillos sitzen liess, will er nichts als nach der Beerdigung so schnell wie möglich wieder in die Grossstadt entfliehen.

Lichtblick in der Männerwelt: Hanks Jugendliebe Sam.

Lichtblick in der Männergesellschaft: Hanks schöne Verflossene Samantha.

Will den Richter verknacken: Staatsanwalt Dwight Dickham.

Will den Richter verknacken: der beinharte Staatsanwalt Dwight Dickham.

Doch so einfach kommt Hank nicht wieder von Indiana fort. Als er ins Mietauto steigen will, macht der Sheriff den Palmers seine Aufwartung. Die Schrammen am richterlichen Auto passen zu einem nächtlichen Verkehrsunfall, der einen Velofahrer das Leben kostete. Erschwerend kommt hinzu, dass es sich beim Todesopfer ausgerechnet um Mark Blackwell handelt. Jenen Taugenichts, den der Richter einst laufen liess, und der dann ein Mädchen umbrachte. Hat der alte Palmer tatsächlich Selbstjustiz walten lassen? Hank anerbietet sich als Verteidiger, insbesondere weil mit Dwight Dickham (Billy Bob Thornton) ein hochkarätiger Staatsanwalt die Anklage führt. Doch sein sturer Vater verweigert zunächst jegliche Einmischung des schwarzen Schafs der Familie. Erst, als sich Hank aufrichtig seiner Vergangenheit stellt, kommt er näher an den Richter heran und erkennt, dass es hier um mehr als «nur» Recht geht.

Sohn und Vater: Hank wird vom Richter beschimpft.

Dickkopf gegen Dickkopf: Hank erhält vom Richter die Leviten gelesen.

Jack Nicholson und Tommy Lee Jones waren ursprünglich für die Titelrolle als ehrenwerter Joseph Palmer vorgesehen. Gut wurden sie es nicht. Wir wollen den beiden hochbegabten Herren nicht zu nahe treten, aber es darf ernsthaft bezweifelt werden, dass den herrischen, dickköpfigen und dennoch mit Witz und Mitgefühl ausgestatteten Richter irgend jemand besser hätte darstellen können als Robert Duvall. Der oft unterschätzte Altmeister ist einer der grossen Charakterdarsteller unserer Zeit und bildet mit Robert Downey Jr. ein faszinierendes Duo. Die Geschichte steht dem Cast in nichts nach. «The Judge» ist ein vielschichtiges Geflecht aus Justizfilm und Familiendrama, brillant inszeniert von David Dobkin, der mit seichten Komödien wie «Wedding Crashers» oder «Shanghai Knights» in seiner Filmografie nicht eben als ernsthafter Regisseur bekannt war. Das wird sich jetzt schlagartig ändern. «The Judge» ist packendes, emotionales Kino, das höchsten Ansprüchen genügt. Über Robert Downey Jr. kann man noch genug oft schreiben.

«The Judge» läuft ab 16. Oktober 2014 in den Basler Kinos Pathé Küchlin und Rex.

Weitere Filmstarts in Basel am 16. Oktober: The Maze Runner, The Cut, Teenage Mutant Ninja Turtles, Sleepless in New York, The Love Punch, We Are the Best!, Die Vampirschwestern 2.

Showdown mit dem Eisenmann

Fabian Kern am Dienstag den 30. April 2013

Filmplakat

«Iron Man 3» läuft ab 1.5. in den Kinos Capitol, Küchlin und Rex.

Nein, Iron Man ist nicht gerade der typische Teamplayer. Kein Wunder also, hat sein Alter Ego Tony Stark (Robert Downey Jr.) vom spektakulären Abenteuer mit den Avengers ein Trauma davongetragen. Stark, der strahlende Erfolgstyp, der alles zu Gold macht, was er anfasst, hat plötzlich Panikattacken. Und das, obwohl er sein ausschweifendes Privatleben auf ein fast schon kleinbürgerliches Mass zurückgeschraubt und sich zu seiner grossen Liebe Pepper Potts (Gwyneth Paltrow) bekannt hat. Doch auf das angeschlagene Seelenleben des Superhelden nehmen die Schurken dieser Welt keine Rücksicht. Der scheinbar allmächtige Terroristenführer Mandarin (Ben Kingsley), eine Figur, die erschrecken an den früheren Staatsfeind Nummer 1 Osama Bin Laden erinnert, erschüttert Amerika mit ruchlosen Anschlägen.

Der Mandarin

Böse: Der Mandarin. (Bilder: Marvel)

Stark sagt dem Terroristen öffentlich den Kampf an und muss angesichts der prompten explosiven Antwort seines Kontrahenten einsehen, den Mandarin unterschätzt zu haben. Zumal dieser offenbar mit dem Biomechanik-Genie Aldrich Killian zusammenarbeitet, welcher mittels einer mysteriösen Technologie verkrüppelte Soldaten zu nahezu unbesiegbaren Superkämpfern macht. Stark kommt mit dem Leben davon, muss aber mit einem defekten Iron-Man-Anzug und nur mit der Unterstützung eines aufgeweckten Jungen in den ungleichen Kampf gegen das Böse und für die Liebe seines Lebens ziehen. Diese Extremsituation bringt in an seine Grenzen, weckt in ihm aber auch jenen Erfindergeist, der ihn gross gemacht hat.

Tony Stark

Sensibles Genie: Tony Stark.

Iron Man und Pepper Potts

Verliebt: Iron Man und Pepper Potts.

Jon Favreau hat nach dem enttäuschenden zweiten Teil der Iron-Man-Saga das Regie-Zepter an Shane Black übergeben und sich auf seine Rolle als Starks übermotivierten Bodyguard «Happy» konzentriert – eine Massnahme, die seiner Figur zum Voreil wird und den Abschluss der Trilogie zu einem actiongeladenen, würdigen Spektakel macht. Dass es bei einer Trilogie bleiben wird, davon ist auszugehen. Umso mehr gilt es, diesen dritten Teil, der die Schwächen des zweiten mehr als wettmacht, in vollen Zügen zu geniessen. Ein solide Story wird mit einigen Wendungen und dem für die Iron-Man-Filme charakteristischen schwarzen Humor zu einer Perle unter den Comic-Verfilmungen veredelt. Die Chemie zwischen Robert Downey Jr. und Gwyneth Paltrow stimmt perfekt, und Altmeister Ben Kingsley zeigt sich dem Publikum ungewohnt vielseitig. Allerdings gilt es zu beachten, dass der Film einige Fragezeichen hinterlässt, wenn man «The Avengers» nicht gesehen hat – was für Iron-Man-Fans ohnehin unabdingbar ist.

Auch wenn alles darauf hindeutet, dass Tony Stark seinen eisernen Anzug an den Nagel hängt, bleibt die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung der Avengers. Downey Jr. hat Iron Man mit seiner köstlich zynischen Art zum interessantesten Superhelden der Marvel-Verfilmungen gemacht.

Weitere Filmstarts in Basel am 1./2. Mai: Side Effects und Viramundo.