Beiträge mit dem Schlagwort ‘Review’

Und Eins, Und Zwei

Luca Bruno am Sonntag den 19. Juni 2011

Seit Jahren geben sich im Nordstern Wochenende für Wochenende die Grössen der elektronischen Clubmusik die Klinke in die Hand. Zum eindeutig populärsten Club der Stadt wurde der Nordstern aber erst durch die im letzten September eingeführte Clubnacht «Tetris». War der Club am Voltaplatz in den Jahren zuvor vor allem Fans von Minimal Techno oder Drum’n’Bass bekannt, konnte man mit der neuen Reihe am Donnerstagabend auch die Hörer elektronischer Housemusik endgültig für sich gewinnen. Seit Acts wie Justice, Digitalism oder Simian Mobile Disco 2006 ein rockaffines Publikum für elektronische Clubmusik begeistern konnten, geniesst diese Stilrichtung grösste Beliebtheit. Mit James Ford und Jas Shaw alias Simian Mobile Disco waren diesen Freitag (19. Juni 2011) nun zwei der wichtigsten Vertreter dieses Stils mit einem DJ-Set im Nordstern zu Gast.

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Stornoway «unplugged»

Luca Bruno am Donnerstag den 7. April 2011

StornowayIm Juli 2009 machte die britische Band Stornoway dank ihrer hervorragenden Debütsingle «Zorbing» zum ersten Mal von sich reden. Ende Mai 2010, rechtzeitig zum nächsten Sommer also, veröffentlichte die Band aus Oxford dann ihr ziemlich gelungenes Debütalbum «Beachcomber’s Windowsill». Um den Sommer 2011 einzuläuten, erschien die Band nun gleich persönlich in Basel und spielte vergangenen Dienstag ein Konzert im Parterre.

Wie so oft bei Konzerten im Parterre wurde der Abend dabei in zwei Sets aufgeteilt, leicht ungewöhnlich war dabei allerdings die Entscheidung der Band, die zweite Hälfte komplett «unplugged» zu bestreiten. Zuerst war es jedoch die erste, elektronisch verstärkte Hälfte ihres Sets, die daran erinnerte, wieso man sich letzten Sommer ins Debütalbum der Band verlieben konnte.

Die Studioversionen von «Beachcomber’s Windowsill» glänzen durch eine klare Produktion und besonders dann, wenn Stornoway mehrstimmige Passagen in ihre Songs einbauen, erreichen sie schon fast die orchestralen Qualitäten der Fleet Foxes. Die Akustik des Parterres machte eine exakte Umsetzung dieser Stücke zwar unmöglich, «I Saw You Blink» oder «Watching Birds» klangen allerdings auch in einer etwas leicht rumpligen Version ziemlich gut. Bisweilen unterstützt von Trompete und Geige erinnerten Stornoway an diesem Abend mehr an Bands wie die Wave Pictures oder Belle & Sebastian und klangen dadurch weitaus charmanter und spontaner, als es ihr Debütalbum erahnen liess.


«The End Of The Movie» – unplugged im Parterre

Für die zweite Hälfte grüsste die Band nun mit Kontrabass statt Bass und Cajon statt Schlagzeug von der Bühne. Das Konzept «unplugged» setzten sie jedoch vor allem durch den Verzicht auf Mikrophone wortwörtlich um. Die nun zurückhaltendere Instrumentierung und die damit verbundene punktgenaue Umsetzung der mehrstimmigen Passagen liess ihre ruhigeren Stücke erst recht zur Geltung kommen und begeisterte dementsprechend das Publikum. Spätestens für «Zorbing» aber, welches standesgemäss als letzter Song des Zugabenblocks gespielt wurde, hätte man sich gerne wieder ein bisschen mehr elektrische Power gewünscht.

Stornoway benannten sich nach einer Stadt hoch im Norden von Schottland und als Inspiration zu «Zorbing» diente eine obskure Sportart aus Neuseeland. Und genauso abenteuerlich wie die Referenzen, auf welche sich die Songs der Band beziehen, waren auch die sehr amüsanten Geschichten, die Sänger Brian Briggs zwischen den Songs erzählte. Geschichten über Hühner, die vom Teufel besessen waren, über das Verspeisen von Schnecken und Erlebnisberichte über wenig bekanntere Museen waren es, die das Konzert erst recht versüssten. Wir können nur hoffen, dass die Band bereits einen Plan hat, wie und wann sie uns den Sommer 2012 bringen will.

Die BScene im 360-Grad-Winkel

Luca Bruno am Dienstag den 5. April 2011

Würde man zehn verschiedene Personen fragen, wieso sie gerne Konzerte besuchen, dann würde man auch zehn verschiedene Antworten erhalten. Für die einen ist es wichtig, dass sie Künstlern dabei zusehen können, wie diese ihre Studioaufnahmen möglichst detailgetreu wiedergeben, andere erwarten Improvisation, und wiederum andere möchten an Konzerten einfach nur die eigenen Emotionen mit Freunden und dem restlichen Publikum teilen. Das BScene-Programm der Voltahalle vom Samstagabend liess alle auf ihre Kosten kommen.

We Are Drums!

We Are Drums! (Foto: Sandro Simon)

Auch Dekaden nach ihrer Entstehung bleibt die elektronische Livemusik noch immer ein Sorgenkind der Konzertwelt. Mikrofonständer lassen sich herumwerfen, und mit Gitarren kann man sich ziemlich schnell in eine coole Pose werfen. Jemandem dabei zuzusehen, wie er sich hinter einem Laptop versteckt und dabei still Knöpfchen drückt, kann allerdings schnell langweilig werden. In der Voltahalle ist an diesem Abend durch den besonderen Bühnenaufbau zumindest dafür gesorgt, dass sich heute niemand hinter irgendwelchen Geräten verstecken kann. Aufgrund der Performance von We Are Drums wurde die Bühne in der Mitte des Raumes aufgebaut, womit Künstler von allen Seiten beobachtet werden können und erst recht gefordert sind, das Knöpfchen drücken irgendwie spannend aussehen zu lassen.

laFayette, ein Duo bestehend aus Jascha Dormann und Simon Hauswirth, scheitern an dieser Aufgabe. Interaktion mit dem Publikum findet während ihres Auftritts keine statt, und immer wieder muss man sich fragen, ob sich die beiden nicht gerade viel lieber in den eigenen vier Studiowänden aufhalten würden. Das ist deswegen besonders schade, weil laFayette in ebendiesen Wänden Musik produzieren, die grosse Beachtung verdient.

Dormann und Hauswirth lassen die Bässe wummern und beweisen immer wieder, dass sie auch von Experimenten abseits konventioneller elektronischer Popmusik nicht abgeneigt sind. So spielen sie in der Mitte des Sets einen Song mit gesampelten Steel drums, der sich als eindeutiges Highlight ihres Auftritts auszeichnet. Nach ihrem BScene-Konzert werden sich die beiden nun mit der Produktion ihres Debütalbums beschäftigen, und man kann nur hoffen, dass sie dabei in erster Linie das Spektrum ihrer instrumentalen Seite weiter vertiefen werden. Der einzige Song mit Vocals, den die beiden an diesem Abend spielen – beigesteuert übrigens von Lena Fennell – ist es nämlich, welcher deutlich vom Rest ihres Sets abfällt. Ausserdem mangelt es Basel ja sowieso noch immer an poporientierten Instrumentalproduzenten.

Dan Deacon hingegen verdient für seine Leistung im Fach «Publikumsinteraktion» Bestnoten. Wie versprochen hat er sein Performance-Pult inmitten des Publikums aufgebaut, und es ist beeindruckend anzusehen, wie er das Publikum innert weniger Minuten zum Toben bringt. Er tut dies unter anderem mit spontan organisierten Dance Contests und Gruppenumarmungen in der Mitte des Saales.

Dort wo sich laFayette kurz vor ihm auszeichneten, liegen jedoch Deacons Schwächen. Musikalisch gesehen bleibt sein Auftritt nämlich äusserst durchschnittlich, da im ganzen Trubel vor allem der Song- und Setaufbau viel zu oft auf der Strecke bleibt. Trotzdem: Liveshows sollten ab und zu auch einfach nur Spass machen, und der passende Act für den nächsten Kindergeburtstag wäre hiermit auch gefunden.

Doch auch wenn Dan Deacon der letzte Liveact des Abends ist und die BScene von sich behauptet, keine Unterscheidung zwischen Headliner und Vorband zu machen, ist es trotzdem eindeutig, wer die wahren Stars des Abends sind: We Are Drums.

We Are noch immer Drums

We Are noch immer Drums (Foto: Sandro Simon)

Hinter diesem Namen stehen acht Basler Drummer (Michel Anklin, David Burger, Marco Wolfgang Faseth, Flavio Gortana, Florian Haas, Georg Müller, Stefan Schneider und Fabian Trümpy) aus sieben verschiedenen Bands, die sich für die diesjährige Ausgabe der BScene für eine einmalige Performance vereinigt haben. Vier Drumkits und vier Drumpads stehen bereit, als die in weissen Overalls gekleideten Künstler kurz nach Mitternacht die Bühne betreten.

Das Motto des Voltahallen-Abends lautet «Electro». Die acht Protagonisten beschränken sich dementsprechend in der ersten Hälfte ihrer Performance darauf, aus ihren Instrumenten möglichst viele tanzbare Rhythmen zu holen. Es findet nur wenig Laut/Leise-Spiel statt und die Samplearbeit der Drumpad-Gruppe gestaltet sich als zu repetitiv. Die Lehrstunde in Synchrondrumming, welche die Gruppe an den richtigen Drumkits dem Publikum heute erteilt, bleibt dennoch äusserst beeindruckend. In der zweiten Hälfte weichen die Drummer dann vollständig auf Improvisation aus und finden den Groove immer mehr. Unter dem besonderen Antrieb von Fabian Trümpy werden nun «Call and response»-Einlagen eingebaut, die Drummer werden lockerer und das Dargebotene wird von Minute zu Minute lebendiger. Das Experiment We Are Drums gipfelt nach einer halben Stunde in einer spontanen Zugabe und trotzdem bleibt die Lust nach noch mehr.

Dass es in naher Zukunft eine Wiederholung des exakt gleichen Projektes geben wird, ist zu diesem Zeitpunkt höchst unwahrscheinlich. Es ist der Basler Musikszene jedoch nur zu wünschen, dass das Experiment «We Are Drums» als Dominostein für weitere Projekte dieser Art wirken wird. Schliesslich soll die BScene nicht nur Nabelschau der vielseitigen Musikszene dieser Stadt sein, sondern auch daran erinnern, dass sich die Mitglieder dieser Szene musikalisch so oft wie möglich gegenseitig befruchten und voneinander profitieren sollten.

Europa endlos

Luca Bruno am Dienstag den 22. Februar 2011

Mitte 2006 war es, als jeder Besitzer eines gutsortierten Plattenladens notfallmässig ein «Ed Banger»-Regal nahe seines Eingangs installieren musste und an Indie Rock-Parties alle nur noch die neuen Singles von Digitalism oder Justice hören wollten. Elektronische Musik mit «Rockstar»-Attitüde war plötzlich im Trend und auch die Musikpresse, welche in den Jahren zuvor damit beschäftigt war, die wiederauferstandene britische Gitarrenmusik zu zelebrieren, fand Gefallen an dieser neuen Szene. Selbst das britische Musikmagazin NME, bei welchem traditionell die Gitarre immer an erster Stelle steht, sprang ziemlich schnell auf diesen Zug auf, und in den kommenden Monaten grinsten buntgekleidete Bands wie die Klaxons oder Shitdisco vom Frontcover. Das Genre «Nu Rave» war geboren, und schrille Keyboardklänge, treibende Basslinien und Glowsticks gehörten für die kommenden 12 Monate zum Standardrepertoire jeder neuen Band.

Wie immer, wenn der Vorrat an geeigneten Bands für das neugeschaffene Genre im eigenen Land knapp wird, sorgt das europäische Festland unfreiwillig für Nachschub. So wurden kurzerhand auch Bands wie Datarock aus Norwegen oder Goose aus Belgien zu einem Teil dieser „Nu Rave“-Szene ernannt – und das obwohl ihre Debütalben schon seit über einem Jahr erhältlich waren.

Doch wie schon zahlreiche andere Trends zuvor, war auch die Halbwertszeit von «Nu Rave» nur von kurzer Dauer und wenn Goose nun knapp 4 Jahre nach «Nu Rave» ein Gastspiel in der Kaserne geben, stellte sich eigentlich nur eine Frage: Was blieb übrig vom Hype?

Im Pressetext zum Konzert kündigen Goose an, dass die Hauptinspiration für ihr letzten Oktober erschienenes zweites Album «Synrise» die Musik des Discoproduzenten Giorgio Moroder gewesen sei. Schnell dürfen wir an diesem Samstagabend erfreut feststellen, dass für dieses eine Mal der Pressetext auch tatsächlich die Wahrheit sagt. Anstatt mit dem Haudrauf-Electrorock ihres ersten Albums «Bring It On» beginnen die 4 Belgier Ihren Auftritt nämlich mit dem Titeltrack von «Synrise». Dort stapeln Goose nun über 10 Minuten hinweg minutiös genau Synthesizer- und Keyboard-Linien übereinander und lassen ein unaufhaltbares Monster auf das Publikum los. Auch «Can’t Stop Me Now», die Leadsingle ihres neuen Albums, welche in der Studioversion platt und leblos klingt, erwacht kurz danach durch die exakte Arbeit des Quartetts zu neuem Leben. Und als die vier Belgier dann anschliessend mit «Black Gloves» und «Bring It On» die Hits ihres Debütalbums auspacken, ist die Stimmung endgültig auf dem Höhepunkt. Moroder, Kraftwerk und New Order: Während den ersten 25 Minuten machen Goose alles richtig und beweisen eindrücklich, dass sie den Hype überlebt haben. Das Publikum im Rossstall dankt es ihnen während jeder beatlosen Sekunde mit Szenenapplaus.

Doch so fulminant wie Goose beginnen, so schnell scheint ihnen in der Mitte des Sets die Puste auszugehen. Die Band interagiert zwar gekonnt mit dem Publikum, doch alle Spielfreude der Welt kann nicht über die Eintönigkeit ihrer weniger bekannten Songs hinwegtäuschen. Spätestens dann aber, als die vier gegen Ende ihres Hauptsets mit «British Mode» zum letzten Feuerwerk ansetzen, bleibt im Rossstall wieder kein Fuss mehr länger als eine Sekunde auf dem Boden.

Nach einer guten Stunde Spielzeit ist kein T-Shirt mehr trocken und die Band verabschiedet sich mit den Worten «Tomorrow, we’re going back to Belgium. The first thing that we’re gonna say to our people is: BASEL ROCKS!». Wir finden: Goose auch.

Lo-Fi im Parterre

Luca Bruno am Dienstag den 11. Januar 2011
James Legeres

James Legeres

Real Estate, Times New Viking oder Wavves. Nur einige Beispiele aus den letzten 3 Jahren, die beweisen, dass «Lo-Fi » wieder voll im Trend liegt. Schliesslich braucht es für eine gute Platte in erster Linie gute Melodien und für solche reicht auch ein Vierspurrekorder aus. Vergangenen Samstag waren im proppenvollen Parterre mit James Legeres und The Golden gleich zwei Basler «Lo-Fi»-Hoffnungen am Start.

Alain Meyer alias The Golden ist hauptberuflich Gitarrist von Sheila She Loves You. 2008 gewann das Quartett den Sprungbrett-Contest, letztes Jahr veröffentlichten sie mit «Esztergom» ihr vielgelobtes Debütalbum und generell gelten sie als eine der grösseren Pophoffnungen der Stadt. Auf seinem Seitenprojekt The Golden schlägt Meyer jedoch viel ruhigere Töne als seine Hauptband an. So erinnern die Aufnahmen auf seiner selbstveröffentlichen EP «Hidden Mouth» an Sufjan Stevens oder Elliott Smith. An Konzerten tritt The Golden allerdings als komplette Band auf. So wird Meyer von einer Gitarristin und 2 Mitgliedern seiner Hauptband unterstützt.

Live klingen The Golden daher vielleicht nicht mehr ganz so «Lo-Fi» wie auf ihren Aufnahmen, an Authentizität mangelt es jedoch nicht. Herzerwärmenden Zeilen wie «Lay your light in my eyes, you’re all i want to see» mögen auf Papier vielleicht kitschig klingen, wenn man der Band jedoch dabei zuschauen kann, mit wie viel Spielfreude und Charme sie ihre Songs darbieten, erkennt man schnell, wie viel Wertschätzung sie jeder einzelnen Minute ihres Auftritts entgegenbringen. Alain Meyer sagt selbst, dass die relativ seltenen Liveauftritte als The Golden dazu führen, dass er jedes Konzert als etwas ganz Besonderes ansieht. Man merkt es.

Auch James Legeres, die Headliner des Abends, setzen konsequent auf eine «Lo-Fi»-Ästhetik. Und auch für James Legeres ist «Lo-Fi» nicht etwa ein Ausweg, sondern eine bewusste Wahl. Eine Wahl, die sie mit Freude zelebrieren. Drummer Tobias Koch mimt in der Mitte des Sets den Alleinunterhalter und zaubert aus ein paar simplen Keyboard-Presets einen grossartigen Popsong. Man wähnt sich urplötzlich auf einem Kreuzfahrtschiff oder auf einen High School-Abschlussball irgendwo in der US-amerikanischen Provinz. Szenen, wie man sie eigentlich nur aus dem Fernsehen kennt.

James Legeres‘ Musik ist abwechslungsreich, kreativ und kommt mit sehr viel Charme daher. In ihrem Auftritt finden sich ähnlich viele Ideen wieder, wie auf einer Guided By Voices-Platte. Doch wo Robert Pollard wusste, dass seine Ideen meist nur für zwei Minuten reichen, verpassen es James Legeres einige Male, am richtigen Zeitpunkt die Pointe zu setzen. Das Konzert zieht sich unnötig in die Länge und wird gegen Ende so zu einer Ausdauerübung. Für ein nächstes Konzert wäre es also zu hoffen, dass James Legeres nicht nur ihre Klangästhetik, sondern auch die eigene Setlist minimal halten würden.

The bianca Story zu Hause

Luca Bruno am Samstag den 8. Januar 2011


Seit kurzem ist «Coming Home», die brandneue Single von The bianca Story erhältlich. Zur Taufe dieses Songs veranstaltete die Band nun gestern Abend genau das, was der Titel des Songs vermuten lässt: Ein Homecoming-Konzert im Rossstall der Kaserne Basel.

Auf angesprochener neuen Single, welche die Band ihrem verstorbenen Förderer Nigel Paul Day gewidmet hat, präsentieren sich The bianca Story verletzlich und intim. Im dazugehörigen Video schimmert echte Melancholie durch den «Pop-Art»-Vorhang der Band. Umso enttäuschender ist es also, dass sich die Band gestern Abend als komplett austauschbar präsentierte.

Vor 3 Jahren fragte die deutsche Zeitschrift Musikexpress im Review zu ihrem Debütalbum «Hi Society!», ob man aufstrebenden Bands im Jahr 2008 eigentlich noch einen Gefallen tut, wenn man sie mit Bands wie den Strokes oder Franz Ferdinand vergleicht. Drei Jahre später gilt es ernüchternd festzustellen, dass The bianca Story auch weiterhin nichts gegen diese Vergleiche unternehmen. Sänger Elia Rediger hat seinen Alex Kapranos zwar vor längerer Zeit abgelegt, die Post-Punk-Gitarren, die an die Revialwelle von Mitte letzter Dekade erinnern, sind allerdings immer noch da und klingen weiterhin überholt.

Seit den letzten Personalwechseln sitzt nun Lorenz Hunziker, vormals bei Mañana, hinter dem Schlagzeug von The bianca Story. Zweifelsohne eine willkommene Addition zur Band. Er ist es nämlich auch, der sich während der ersten Hälfte des Konzertes allergrösste Mühe gibt, mit seinem druckvollen Schlagzeugspiel den Songs mehr Leben einzuhauchen. Als er gegen Mitte des Sets jedoch zu Höchstform aufläuft, wird er unnötigerweise ans elektronische Schlagzeug verbannt. Getaucht in rotes Licht versuchen The bianca Story nun, mit einem ruhigen Stück Intimität aufzubauen. Sie scheitern. Nur eines von vielen Beispielen, mit denen The bianca Story den Spannungsaufbau ihres eigenen Konzertes sabotieren.

So spielen sie auch ihren Hit «Tick Tack» in einer leicht veränderten Version, welche die Originalversion des Songs nicht verbessert. In der Bridge des Songs tauchen aus dem Nichts knackige «Dance-punk»-Gitarren auf, und für einen kurzen Moment könnte man meinen, dass die Band nun gleich The Raptures «House Of Jealous Lovers» Tribut zollen wird, aber schon 5 Sekunden später hat sich der Song wieder in sich selbst verloren und wird unter Keyboardflächen zerdrückt.

Die Call-and-Response-Einlagen, die seit Jahren zu einem festen Bestandteil von Konzerten der Band gehören, werden auch dieses Mal wieder euphorisch aufgenommen und gegen Ende des Konzertes gibt es im Rossstall sogar den einen oder anderen Crowdsurfer wahrzunehmen. Die Band hat ihr Publikum ohne Zweifel im Griff und zu keinem Zeitpunkt hat man das Gefühl, dass sich die Band auf der Bühne nicht wohlfühlt. Es gibt absolut nichts dagegen einzuwenden, wenn sich eine Band auf der Bühne möglichst vielseitig zeigen will, der gestrige Abend hat jedoch gezeigt, dass The bianca Story es zu vielen Recht machen wollen. Anstatt sich tiefer mit der Materie auseinanderzusetzen, kratzt man immer noch an zu vielen verschiedenen Oberflächen.

So ist es umso verwunderlicher, wenn die Band im letzten Song des Abends «We are living for a brand new vision» proklamiert. Von welcher Vision die Band da spricht, ist nämlich weiterhin nicht nachvollziehbar.