Beiträge mit dem Schlagwort ‘Review’

Die nächste Generation?

Luca Bruno am Donnerstag den 9. Mai 2013

Unter dem Banner der «Set it Off»-Tour touren derzeit die fünf jungen Produzenten XXYYXX, Slow Magic, Giraffage, Beat Culture und Blackbird Blackbird – mit Ausnahme von Erstgenanntem alle aus Kalifornien stammend – quer durch Europa. Eine neue Generation Musiker, die an ihrer Musik vorwiegend in den eigenen Schlafzimmern bastelt um sie gleich anschliessend ihrem massiven Gefolge auf Twitter und Facebook via Soundcloud oder Bandcamp verteilen zu können – und das meistens ohne dafür Geld zu verlangen. Fünf Produzenten, die dementsprechend mehr Wert auf die korrekte Tumblr- und Vaporware-Ästhetik legen, als mit dem Verkauf von physischen Tonträgern Geld zu verdienen. Gestern Mittwochabend, am 8. Mai 2013, machte die Tour halt in der KaserneDiesen Beitrag weiterlesen »

Die «tafsten» Rap-Piraten des Planeten

Joel Gernet am Donnerstag den 7. März 2013

Päirätts: Flink, DJ OK, Taz und Aman.

Das dürfte jeden Schweizer Rapfan freuen: Die Taz-Aman-Flink-Squad – kurz TAFS – lässt am 8. März ihr drittes Album «Landgang» vom Stapel. Aber drehen wir den Zeiger zuerst etwas zurück: Das Baselbieter Trio bescherte mir Ende des letzten Jahrtausends einen dieser magischen HipHop-Momente. Wir schreiben das Jahr 1999 und ich – ein junger, naiver Teenager – bin völlig aus dem Häuschen ob der Bühnen-Performance der drei Emporkömmlinge, schwitze und springe voller Euphorie. Es war die Plattentaufe der allerersten TAFS-Maxi «8i Bahnhof» im Liestaler Jugendhaus Splash, das einen Steinwurf von besagtem Bahnhof – dem eigentlichen Jugendtreff jener Zeit – entfernt liegt. Die Platte war innert Kürze ein Klassiker und ich der Überzeugung, dass die TAF-Squad die beste Rapcrew des Planeten ist. Und ihre Konzerte nicht zu überbieten.

Das Problem bei Bands, die man in jungen Jahren vergöttert hat, ist leider oft, dass diese einen ein halbes Leben später nur noch enttäuschen. Zu mächtig die nostalgisch gefärbten Erinnerungen. Zu schwer der emotionale Ballast der Songs, die einen durch die Jugend begleiteten. Was also haben meine Helden noch drauf bei ihrem Landgang? Schnell wird klar: Die TAFS sind noch ganz die Alten, halt einfach vierzehn Jahre älter. Die Ergüsse der Rapper Aman und Taz versprühen noch immer viel Charme und Wortwitz. Und die Flink-Beats haben sogar noch mehr Bumms als früher.

Waren die TAFS vor drei Jahren auf «Gschwäll» – Baselbieter Slang für Geschwätz – noch die alten «Hasenimbiz», so bestreiten sie ihren Landgang heuer als «Päirätts». Nun ist das Piraten-Sujet für Rapper in etwa so cool, wie ein geschminkter Clown an der Basler Fasnacht, das haben andere Rapcrews leider schon bewiesen. Aber den TAFS verzeiht man so etwas. Erstens kommt die Augenklappe in Form einer «einäugigen» Ray-Ban-Sonnenbrille äusserst stilvoll daher – ebenso die Social-Media-Kampagne, bei der diverse Promis per Fotoshop eine ebensolche verpasst bekommen. Und zweitens präsentiert sich die Musik der Baselbieter so leichtfüssig und humorvoll, dass Sound und Sujet halt doch zusammenpassen.

Man merkt: Die Jungs müssen niemandem mehr etwas beweisen, sondern wollen nichts als Spass haben miteinander. «Quality time», nennen sie das. Da gibt es witzige Chuck-Norris-Vergleiche und Baselbieter Mundart-Gschwäll am Laufmeter. Auf welcher Rapplatte hört man schon Wörter wie Suurribel oder Bäfzger? Bemerkenswert ist bereits der Album-Auftakt mit filigranen Glockenklängen und wummernder Dubstep-Baseline. Zu diesem herrlichen Klangteppich werden die Namen sämtlicher Baselbieter Gemeinden aufgezählt, und auch Basel bleibt nicht unerwähnt – schliesslich lebt die Rapfraktion seit Jahren in der Stadt. Ich kann es kaum fassen, dass die TAFS aus so einem Brett von einem Beat keinen wirklichen Song basteln! Das ist dekadent, irgendwie auch cool.

Ein weiterer Höhepunkt folgt mit «Alles verbi». Ein stimmungsvolles Piano-Intro suggeriert einen nachdenklichen Track – bevor ein Nintendo-artiger Basslauf einsetzt. Und ein Aman in Bestform. Netter Nonsens im Ohr, ein breites Grinsen im Gesicht. Das sind die TAFS, die ich liebe! Auf dem «Vereinssong» und «Dreih mi nid um» beweist der neu dazu gestossene DJ OK, dass er sich mit seinen Beats keineswegs hinter (DJ) Flink zu verstecken braucht. Dieser fokussiert sich seit einiger Zeit an den Konzerten auf seine Rolle als Percussionist – was sich rhythmisch auch spürbar auf seine Beats auswirkt. Positiv, versteht sich. Von Rap über Reggae bis hin zu Dubstep räubern die Piraten in allen Genres – auch eine der Stärken der Crew.

Herrlich die Gangnam-Style-Persiflage, die bei den Baselbieter Freibeutern «Landgangstyle» heisst und mit seinem pumpenden Beat und dem verrückten Refrain irgendwie an die Berliner Ragga-Formation Seeed erinnert. Könnte ein Club-Hit werden.

Als ich den Song zum ersten Mal auf SRF 3 hörte, realisierte ich erst in der Hälfte des Songs, dass da Schweizer am Werk sind. Experiment geglückt. Der Taz-Solosong «Cloudtouch» ist vergleichsweise nachdenklich, der Beat federleicht. Ebenso die Texte, in denen der Rapper dem Alltrag entflieht: «Ych zieh vo Insle zu Insle, immer mit em Gfühl es liggt no meh dinne».

Nach dem pumpenden Video-Track «Klarschiff», auf dem der übernötige Frühlingsputz erledigt wird, folgen mit «Dreih mi nid um» und «Nid mi Ding» die einzigen – ansatzweise – kritischen Songs. Selbst hier bleiben die TAFS heiter und smart. Ein Bisschen mehr Biss würde zuweilen nicht schaden, zumal sich bei all dem Frohmut einzelne Songs auf Dauer inhaltlich kaum unterscheiden. Just als ich mir überlege, wie stark ich mich über das Übermass an nettem Nonsens aufregen soll, sticht mir folgende Aman-Zeile ins Ohr: «Dr Ernscht isch nid in unserer Crew, also frog mi nid wo er blibt». Die Sache ist gegessen!

Mein liebster Album-Beat folgt im «Outro», ein typisches Flink-Brett mit positivem Vibe, der an ‪Shabaam Sahdeeqs «Soundclash»‬ erinnert. Im Refrain darf der DJ sogar noch seine Scratch-Skills beweisen. Anders als im Intro wird dieses Mal auch gerappt. Schöner Abschluss eines guten Albums. Ich kann mich zufrieden zurücklehnen: Die Helden von damals haben mich nicht hängen lassen. So wie Schweizer Rap im Allgemeinen zur Zeit, das soll hier nicht unerwähnt bleiben: Die eben erschienenen Solo-Alben von Manillio («Irgendwo») aus Solothurn und des Berners Dezmond Dez («Verlornigs Paradies») lassen die eidgenössische Rapszene im besten Licht erstrahlen. Und nun auch die TAFS. HipHop-Hooray!

Tafs – Landgang. Nation Music. VÖ: 08. März 2013. Online erhältlich via iTunes und Urbanpeople.ch.

Besuch aus dem hohen Norden: Sigur Rós

Luca Bruno am Montag den 25. Februar 2013


Überlebensgross: Sigur Rós in der St. Jakobshalle.

Knapp anderthalb Dekaden ist es nun bereits her, dass sich Sigur Rós mit ihrem zweiten Album «Ágætis byrjun» dazu aufgemacht haben, um die Jahrtausendwende die Bühnen dieser Welt mit ihrer faszinierenden Kombination aus Post-Rock und ätherischem Kammerpop zu verzaubern. Den Überraschungseffekt hat die Band aus dem «fernen Island», die ihre Auftritte gerne hinter halbtransparenten Vorhängen absolviert, deren Lyrics grösstenteils in einer erfundenen Sprache namens «vonlenska» (zu Deutsch in etwa «hoffnungsländisch») gesungen werden und deren Leadsänger seine E-Gitarre fast ausschliesslich mit einem Geigenbogen anspielt, dank unzähligen Alben, Konzertfilmen sowie Live-DVDs, die seither erschienen sind, mittlerweile zwar nicht mehr auf ihrer Seite und trotzdem wirkt sie auch weiterhin so undurchdringlich wie kaum eine andere Band, die eine solch ähnlich grosse Popularität geniesst.

Gestern Sonntagabend legte die Band um Sänger Jón Þór Birgisson auf ihrer aktuellen Welttournee einen schweizexklusiven Halt in der Basler St. Jakobshalle ein und bewies dabei, dass sie auch trotz regelmässigen Platzierungen in den oberen Regionen sämtlicher Charts rund um den Globus noch immer nichts von ihrer Originalität eingebüsst hat. Diesen Beitrag weiterlesen »

Aus dem Schatten der Boxen ins Rampenlicht

Joel Gernet am Mittwoch den 12. Dezember 2012

Aus Pyros Facebook-Timeline sprudeln dieser Tage mehr Hurra-Meldungen als Schaumbläschen aus einer frisch entkorkten Champagnerflasche. Der Basler Rapper hat auch allen Grund, die Korken knallen zu lassen. Die Veröffentlichung seines zweiten Solo-Albums «Schatteboxe» (VÖ: 07.12.12) läuft bis jetzt nämlich wie geschmiert: Das Feedback der Fans ist positiv bis überschwänglich, Airplay bei DRS 3, TV-Auftritt bei Joiz und ein fester Platz in den Top-Ten der Rapalbum-Charts auf iTunes. Und das alles völlig zu Recht.

Mit der Doppel-CD «Schatteboxe» unterstreicht Pyro, dass der berüchtigte Freestyle-Champ nicht ohne Grund zu Basels Vorzeigerappern zählt. Und er beweist, dass er seinem Album-Debut 2008 mit «Hoffnigsfungge» den richtigen Titel verpasste. Was der 31-Jährige in seinem jüngsten Werk liefert, ist nämlich so vielseitig wie überzeugend. Von rockigen Bangern wie dem Opener «Us em Schatte vo de Boxe» über Gutelaune-Tracks wie «Mach was d wotsch» oder Hühnerhaut-Songs wie «Dr Grund» (mit Danimaa) bis hin zu exotisch angehauchten Fernweh-Hymnen wie «I kumm zrugg» bietet Pyros Zweitling alles, was ein gutes Album ausmacht. Bei den beiden letztgenannten Songs beweist der Basler zudem, dass er auch ein Händchen für eingängige Refrains hat. Das kommt gut und sorgt lustigerweise dafür, dass die Vorabsingle «Radio» nicht der zwingendste Radio-Song auf dem Album ist.

Nicht nur deshalb, sondern auch wegen Pyros schön verständlich vorgetragenen Mundartraps und dem positiven Grundton, ist das Album auch für Musikfreunde ausserhalb des HipHop-Kosmos sehr gut zugänglich. Und dennoch ist «Schatteboxe» ein Rapalbum durch und durch, da darf Pyro ruhig mit breiter Brust drauf beharren. Dieses «nicht-das-typische-Rapalbum»-Gerede in Presstext und Interviews ist meiner Meinung nach völlig unnötig. Pyro ist Rap. Er macht Rap. Und dies richtig gut. Dass der Herr dabei stets über den Tellerrand der eigenen Szene blickt, macht seine Musik umso spannender.

Der Dubsteb-Remix des Songs «Zombie», in dem Pyro mit Ironie gierige Businessmänner und Politiker seziert, ist ebenso eine Bereicherung wie der Reggae-Remix von «Fühl mi guet». Insgesamt werden auf der Doppel-CD diverse Songs als Original- und Remix-Version präsentiert. Da können beim Hören schon einmal Luxusprobleme auftreten: So kann ich mich etwa bei der humorvollen Bombe «Mach was d wotsch» nicht entscheiden, welche Variante mir besser gefällt. Wenn ich Pyro wäre, würde ich an den Konzerten die Strophen jedenfalls auf beide Beats verteilen. Ein weiterer Höhepunkt ist der Song «Mi Tisch», auf dem der 31-Jährige seiner treuen Schreibunterlage huldigt und dabei in Sachen Wortwitz an deutsche Rapper wie Dendemann oder Blumentopf erinnert.

Humor ist ohnehin eines der prägenden Elemente dieses Albums. Daneben wären auch Selbstironie, Lebensfreude und eine Offenheit gegenüber allem und jedem zu nennen. Die Beats auf «Schatteboxe» werden von Funk-, Jazz- und Soul-Samples dominiert, die perfekt zu Pyros durchdachten Texten und Flows passen. Verantwortlich dafür ist in erster Linie Tron (P-27), dessen Soundunterlagen selten so perfekt zu einem Rapper gepasst haben wie zu Pyro. Da haben sich zwei gefunden. Neben Tron haben PearlBeatz, Dr. Aux, Funky Notes und Sandro je einen Beat gebastelt für das 32 Songs umfassende Werk.

Wenn ich nun ein Haar in der Suppe suchen müsste, würde ich allenfalls die vielen Remixes bemängeln – immerhin bekommt man nicht weniger als neun Songs doppelt zu hören. Allerdings ist keiner davon schlecht gemacht. Was soll man dazu noch sagen?! Wenn das Album nur eine CD umfassen würde, hätte Grafiker Pyro die Silberscheiben zudem nicht als Boxen-Membran in den Ghettoblaster-Radio des CD-Artworks miteinbeziehen können. Die Gewinner von Pyros Spendierfreude sind die Hörer, die für wenig Geld viele gute Rapsongs geboten kriegen. Aber das ist der Rapper seinen Fans auch schuldig – schliesslich haben sie sein Album über die Crowfunding-Seite wemakeit mit fast 5000 Franken mitfinanziert. Als erstes Basler Rapalbum. Bleibt zu hoffen, dass auf den gelungenen Album-Zweitling nun viele Konzerte folgen – damit die ganze Schweiz mitbekommt, was für einen freshen Rapper Basel wieder am Start hat. Aus dem Schatten der Boxen ins Rampenlicht!

Pyro: Schatteboxe, erschienen am 07.12.12 via Rappartment.
Plattentaufe: Samstag, 5. Januar 2013, Kuppel Basel.

Zurück auf Start

Luca Bruno am Montag den 22. Oktober 2012

Die «Akustik-Tour». Sie ist auf der Liste der «Konzert-Gimmicks» wohl am besten gleich neben der «Tour mit Orchester» und «Wir spielen heute unser Debütalbum von Anfang bis Ende und verzichten auf jegliches neue Material… versprochen!» einzuordnen. Dementsprechend war eine gesunde Portion Skepsis im Vorfeld von Patrick Wolf‘s gestrigem Akustikkonzert in der vorbildlich gefüllten Reithalle der Kaserne durchaus angebracht. Glücklicherweise konnte uns Wolf vom Gegenteil überzeugen… Diesen Beitrag weiterlesen »

Die Summe der einzelnen Teile

Luca Bruno am Sonntag den 23. September 2012

Telepathe

Telepathe, ein in Brooklyn beheimatetes Duo bestehend aus Busy Gangnes und Melissa Livaudis, waren diesen Samstagabend, am 22. September, in der Kaserne zu Gast. Brooklyn? Da war doch was… Schlaglicht war jedenfalls anwesend. Diesen Beitrag weiterlesen »

Von der Yacht aufs Floss

Luca Bruno am Donnerstag den 26. Juli 2012


imFluss-Podcast #1 (Video: Felix Schaffert)

Das Kulturfloss schwimmt wieder! Seit vorgestern Dienstag geben sich während den nächsten zweienhalb Wochen im Namen von imFluss wieder nationale und vor allem auch internationale Künstler die Klinke am Rheinbord in die Hand. Während Philipp Poisel, der das Festival am Dienstag eröffnete, noch dem Fussball weichen musste, war Schlaglicht für den Yacht-Rock von Destroyer gestern rechtzeitig vor Ort… Diesen Beitrag weiterlesen »

BScene '12: Die Sache mit den Ambitionen

Luca Bruno am Dienstag den 27. März 2012
BScene

BScene '12. Hier: Elephant Anthony in der 8-Bar

7000 Besucher waren es dieses Jahr. Das sind zwar tausend weniger als an der letztjährigen Ausgabe, diese 7000 BScene-Besucher sollten aber immer noch genügend Ticketeinnahmen generiert haben, um dem Organisationsteam die Fertigstellung des längst geplanten Wintergartens für ihre goldene 27-Zimmer Villa in der Karibik – welche sich das Team wiederum aus den Einnahmen der vergangenen Jahren finanziert hat – zu garantieren.

Spass beiseite: Die BScene erlebt man am besten hautnah und in Farbe, daher bieten wir anstatt ausführlichen «Think pieces» nun zufällig ausgewählte Eindrücke aus unserem BScene-Besuch. In den Hauptrollen: The Hoanhieu, Elephant Anthony und We LoyalDiesen Beitrag weiterlesen »

Portlyn? Brookland!

Luca Bruno am Samstag den 26. November 2011

Nurses im 1. Stock: John Bowers (l.) und Aaron Chapman (r.).

Kritik am Konzertprogramm in Basel gibt es ja zuhauf: Zu wenig grosse Namen! Zu wenig Publikum! Zu wenig Clubs! Was aber in der ganzen Beschwerdeflut ab und zu untergeht ist die Tatsache, dass es in dieser Stadt auch an Platz für kleinere Bands mangelt. Und damit sind hier für einmal nicht die regionalen Künstler (das ist dann wieder eine andere Geschichte) oder Bands vom europäischen Festland und Grossbritannien gemeint, sondern viel mehr Acts von der anderen Seite des grossen Teichs, welche hier mehr Beachtung und Auftrittsmöglichkeiten verdient hätten.

Bands aus dem «Secretly Canadian»-Kuchen beispielsweise, die fast alle das Prädikat «sehr gut» verdienen, aber hierzulande zu unbekannt sind und daher nur selten mehrere hundert Konzertbesucher anziehen. Konzertveranstalter der Stadt haben dementsprechend Angst davor, sich die Finger zu verbrennen… aber glücklichweise haben wir ja den 1. Stock vor den Toren der Stadt und dort gehen diese Bands ein und aus. So waren gestern Abend die Nurses aus Portland in Münchenstein zu Gast und Schlaglicht war auch mit dabei. Diesen Beitrag weiterlesen »

Cold War Kids (of Leon)

Luca Bruno am Dienstag den 12. Juli 2011

Cold War Kids im Sommercasino, 11. Juli 2011 (Bild: Luca Bruno)

Im Frühjahr 2006 veröffentlichten die Cold War Kids, vier Schulfreunde aus Long Beach in Kalifornien, eine sechs Songs umfassende EP namens «Up In Rags». Songs wie «Hang Me Up To Dry» und «We Used To Vacation» zogen in den Wochen darauf durch sämtliche Musikblogs und schnell konnte ein lukrativer Plattenvertrag an Land gezogen werden. Mit ihrer gelungenen EP hatte sich die Band also eine optimale Ausgangslage für ein erfolgreiches Debütalbum geschaffen. Anstatt in Ruhe auf die ersten Erfolge aufzubauen, entschied ihr neues Label aber, dass alle sechs Songs dieser EP zusammen mit Tracks von älteren Veröffentlichungen der Band hastig zu einem Album zusammengeschustert würden, welches schliesslich nur sechs Monate nach der Veröffentlichung von «Up In Rags» seinen Weg in die Läden fand. Mit «Robbers & Cowards», wie ihr Debütalbum schlussendlich getauft wurde, verfügten die Cold War Kids somit über ein ordentliches, aber nicht grossartiges Album. Aufgrund der Hits ihrer erfolgreichen EP konnten die Cold War Kids von nun an jedoch so ziemlich jeden Club füllen, womit sich das schnelle Handeln des Labels am Ende bezahlt gemacht hatte.

Ob es nun das Label war oder vielleicht sogar die Band selbst, die es für eine gute Idee hielt, nach dem kommerziell enttäuschenden Zweitling «Loyalty to Loyalty» (2008) für ihr nächstes Album den Produzenten der in den letzten fünf Jahren ziemlich erfolgreichen Kings of Leon ins Boot zu holen und sich während den Aufnahmen zu ebendiesem Album als Stadionrockband neu zu erfinden, spielt im Endeffekt keine Rolle: Das Endprodukt, das diesen Januar erschienene dritte Album «Mine Is Yours», spricht für sich und beweist wieder einmal eindrücklich, dass abrupte Neuausrichtungen so gut wie nie funktionieren. «Robbers & Cowards» war zwar keineswegs perfekt, aber immer noch besser, als ein müder Abklatsch eines ohnehin schon sehr durchschnittlichen Vorbildes zu sein.

Doch wie präsentieren sich die vier Kalifornier mittlerweile auf der Bühne? Mussten im Vorfeld zusätzliche Rauchmaschinen installiert werden? Davon (und mehr) konnte man sich diesen Montag (11. Juli 2011) im sehr angenehm gefüllten Sommercasino überzeugen. Diesen Beitrag weiterlesen »