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Kampf gegen Windmühlen

Fabian Kern am Montag den 13. August 2012

Erinnerung an einen schmutzigen Engel Afrika, 1905. Der schwarze Kontinent. Und ein blinder Fleck auf der europäischen Weltkarte – zumindest was die Bewohner angeht. Die 18-jährige Hanna strandet in Moçambique, das damals noch Portugiesisch-Ostafrika hiess, ohne zu wissen, worauf sie sich einlässt. Die junge Schwedin musste ihr Zuhause verlassen, weil es nach dem Tod ihres Vaters nicht genügend zu essen gab. Auf dem Schiffsweg nach Australien heiratet sie den Steuermann, der aber kurz darauf stirbt. In Lourenço Marques, dem heutigen Maputo, verlässt Hanna das Schiff, weil sie es ohne ihren Mann nicht mehr aushält. Wider Willen wird sie Bordellbesitzerin und beginnt zu begreifen, wie gross die Kluft zwischen den weissen Besetzern und den Eingeborenen ist. Doch Hannas Kampf gegen den Rassismus ist ein Kampf gegen Windmühlen, denn auch die Schwarzen vertrauen ihrer unerwarteten Fürsprecherin nicht.

Henning Mankell

Erfolgsautor: Henning Mankell.

Ja, Henning Mankell gibts auch ohne Wallander. Sogar ohne Krimi. «Erinnerung an einen schmutzigen Engel» bildet den Auftakt zu einer neuen Serie des schwedischen Erfolgsautors, in der er die teils wahren Schicksale aussergewöhnlicher Frauen skizziert. Einen gelungenen Auftakt. Die Wandlung der jungen Schwedin von der Kolonialherrin zur Vorkämpferin gegen Rassendiskriminierung ist eindrücklich erzählt und geht unter die Haut.

Henning Mankell: «Erinnerung an einen schmutzigen Engel». Aus dem Schwedischen von Verena Reichel. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2012. 352 S., ca. Fr. 30.-.