Beiträge mit dem Schlagwort ‘Rap’

Ein rastloser Rene beim Zwischenhalt in Basel

Joel Gernet am Mittwoch den 13. März 2013

«Es gibt nichts dazwischen.» MC Rene erklärt im ausführlichen Interview, warum er sein bürgerliches Dasein hinter sich gelassen hat für ein Leben auf Reisen und ohne viel Besitz. (Interview: Joël Gernet)

Mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht liegt MC Rene auf der Bühne des FAKT und präsentiert seine neusten Songs. Hier, im Kunst-, Konzert- und Barbetrieb bei der Markthalle, wird der 36-Jährige heute Mittwochabend aus seinem Buch vorlesen und – vielleicht – auch rappen. «Das kommt ganz auf die Stimmung an», meint der Braunschweiger mit einem Augenzwinkern, «aber in letzter Zeit ist das öfters passiert».

Neuer Sound: MC Rene mit seiner «USBahncard 100».

Rene kommt gerade aus Baden, zuvor war er in Zürich. Eine knallrote Pudelmütze mit weissem Kreuz zeugt von seinem Schweiz-Trip. Drei Jahre dauert die abenteuerliche Reise des René El Khazraje inzwischen. Zuvor hat er seinen Job in einem Callcenter an den Nagel gehängt, seine Wohnung gekündigt und einen Grossteil seiner Habseligkeiten verschenkt.

Seither reist MC Rene mit einer Bahncard 100, vergleichbar mit dem Schweizer SBB-Generalabonnement, quer durch Deutschland, schreibt, rappt und bleibt, wohin es ihn gerade treibt. Dabei agiert er nicht nur als Rapper, sondern auch als Stand-Up-Komödiant. Fast schon prophetisch muten da die Zeilen an, die MC Rene auf seinem Debut-Album «Renevolution» (1995) rappte:

«Bekomme meinen Zug und steige ein. Setz meine Kopfhörer an, die Fahrt wird lang sein» (Auf: Ein anderer Ausflug)

«Ich passe mich nicht an, will nicht sein wie alle andern. Will wandern, nach meinen eigenen Plänen. Als Alternative bestehn zu einem Spiessersystem (…). Ich will kein kleiner Angestellter in einem grossen Betrieb sein, der nur lebt, um ein Arbeiter zu sein»
(Auf: Nutze den Tag)

Seine Erfahrungen als rappender Vagabund hat Rene im Buch «Alles auf eine Karte» zusammengefasst. Dass er die Erlebnisse seiner permanenten Reise aber auch in Reimform verarbeitet, zeigen die Rapsongs, die im FAKT aus Renes mobilen Boxen pumpen. Im Track «Bereuen» betitelt sich der Mcee als «beratungsresistenten Karriereverweigerer» und beschreibt, wie er sich von seinem bürgerlichen Ballast befreite und seither seinem Traum folgt.

Die Reime des 36-Jährigen sprudeln immer noch so fliessend und locker aus seinem Mund wie Mitte der 90er-Jahre, als der Teenager mit marokkanischen Wurzeln als eines der grössten Raptalente in Deutschland gehandelt wurde. Und eine Freestyle-Wundertüte war er obendrauf. Ein Improvisations-König, dessen Gabe ihm auch bei der Moderation der Viva-Rapsendung «Mixery Raw Deluxe» zugute kam.

Kein Wunder, heisst der bemerkenswerteste neue Rene-Song «Mein Leben ist ein Freestyle». Begleitet von einem schönen Klavier-Beat erzählt der Rapper von seinem Leben auf der Schiene. Das Video zum Song wurde kürzlich in Heidelberg gedreht – inklusive Gastauftritten langjähriger Weggefährten wie den Stieber Twins, Mirko Machine oder Spax. Von seiner Zeit im Callcenter handelt «Stefan Eckert», betitelt nach Renes Pseudonym als Telefonarbeiter. Ein funky Track, auf dem Rene sein damaliges Leben seziert und das Klischee des überangepassten Spiessbürgers auf die Spitze treibt. Eine herrliche Audio-Karrikatur.

Insgesamt sechs neue Songs lässt MC Rene über die FAKT-Bühne brettern. Sie sollen in wenigen Wochen auf einem USB-Stick in Form einer «USBahncard 100» veröffentlicht werden – gemeinsam mit dem Audiobuch und einem Experimentalfilm. Mit sechs Stunden Spielzeit eignet sich Renes neuster Wurf bestens für längere Zugfahrten. Wer nicht bis zur offiziellen Veröffentlichung warten will, kann seinen Allerwertesten ins FAKT bewegen. Gut möglich, dass MC Rene einige Kostproben zum Besten gibt.

MC RENE Alles auf eine Karte (2012) from mc rene on Vimeo.

Live: MC Rene, Mittwoch, 13. März 2013, F A K T, Viaduktstrasse 10, Basel. Eintritt: 10.- Franken (mit Buch 15.-). Programm: 20h DJ Core, 21.30h MC Rene, 23h Freestyle Session.

Buch: MC Rene – Alles auf eine Karte: Wir sehen uns im Zug (272 Seiten). rororo-Verlag 2012.

Die «tafsten» Rap-Piraten des Planeten

Joel Gernet am Donnerstag den 7. März 2013

Päirätts: Flink, DJ OK, Taz und Aman.

Das dürfte jeden Schweizer Rapfan freuen: Die Taz-Aman-Flink-Squad – kurz TAFS – lässt am 8. März ihr drittes Album «Landgang» vom Stapel. Aber drehen wir den Zeiger zuerst etwas zurück: Das Baselbieter Trio bescherte mir Ende des letzten Jahrtausends einen dieser magischen HipHop-Momente. Wir schreiben das Jahr 1999 und ich – ein junger, naiver Teenager – bin völlig aus dem Häuschen ob der Bühnen-Performance der drei Emporkömmlinge, schwitze und springe voller Euphorie. Es war die Plattentaufe der allerersten TAFS-Maxi «8i Bahnhof» im Liestaler Jugendhaus Splash, das einen Steinwurf von besagtem Bahnhof – dem eigentlichen Jugendtreff jener Zeit – entfernt liegt. Die Platte war innert Kürze ein Klassiker und ich der Überzeugung, dass die TAF-Squad die beste Rapcrew des Planeten ist. Und ihre Konzerte nicht zu überbieten.

Das Problem bei Bands, die man in jungen Jahren vergöttert hat, ist leider oft, dass diese einen ein halbes Leben später nur noch enttäuschen. Zu mächtig die nostalgisch gefärbten Erinnerungen. Zu schwer der emotionale Ballast der Songs, die einen durch die Jugend begleiteten. Was also haben meine Helden noch drauf bei ihrem Landgang? Schnell wird klar: Die TAFS sind noch ganz die Alten, halt einfach vierzehn Jahre älter. Die Ergüsse der Rapper Aman und Taz versprühen noch immer viel Charme und Wortwitz. Und die Flink-Beats haben sogar noch mehr Bumms als früher.

Waren die TAFS vor drei Jahren auf «Gschwäll» – Baselbieter Slang für Geschwätz – noch die alten «Hasenimbiz», so bestreiten sie ihren Landgang heuer als «Päirätts». Nun ist das Piraten-Sujet für Rapper in etwa so cool, wie ein geschminkter Clown an der Basler Fasnacht, das haben andere Rapcrews leider schon bewiesen. Aber den TAFS verzeiht man so etwas. Erstens kommt die Augenklappe in Form einer «einäugigen» Ray-Ban-Sonnenbrille äusserst stilvoll daher – ebenso die Social-Media-Kampagne, bei der diverse Promis per Fotoshop eine ebensolche verpasst bekommen. Und zweitens präsentiert sich die Musik der Baselbieter so leichtfüssig und humorvoll, dass Sound und Sujet halt doch zusammenpassen.

Man merkt: Die Jungs müssen niemandem mehr etwas beweisen, sondern wollen nichts als Spass haben miteinander. «Quality time», nennen sie das. Da gibt es witzige Chuck-Norris-Vergleiche und Baselbieter Mundart-Gschwäll am Laufmeter. Auf welcher Rapplatte hört man schon Wörter wie Suurribel oder Bäfzger? Bemerkenswert ist bereits der Album-Auftakt mit filigranen Glockenklängen und wummernder Dubstep-Baseline. Zu diesem herrlichen Klangteppich werden die Namen sämtlicher Baselbieter Gemeinden aufgezählt, und auch Basel bleibt nicht unerwähnt – schliesslich lebt die Rapfraktion seit Jahren in der Stadt. Ich kann es kaum fassen, dass die TAFS aus so einem Brett von einem Beat keinen wirklichen Song basteln! Das ist dekadent, irgendwie auch cool.

Ein weiterer Höhepunkt folgt mit «Alles verbi». Ein stimmungsvolles Piano-Intro suggeriert einen nachdenklichen Track – bevor ein Nintendo-artiger Basslauf einsetzt. Und ein Aman in Bestform. Netter Nonsens im Ohr, ein breites Grinsen im Gesicht. Das sind die TAFS, die ich liebe! Auf dem «Vereinssong» und «Dreih mi nid um» beweist der neu dazu gestossene DJ OK, dass er sich mit seinen Beats keineswegs hinter (DJ) Flink zu verstecken braucht. Dieser fokussiert sich seit einiger Zeit an den Konzerten auf seine Rolle als Percussionist – was sich rhythmisch auch spürbar auf seine Beats auswirkt. Positiv, versteht sich. Von Rap über Reggae bis hin zu Dubstep räubern die Piraten in allen Genres – auch eine der Stärken der Crew.

Herrlich die Gangnam-Style-Persiflage, die bei den Baselbieter Freibeutern «Landgangstyle» heisst und mit seinem pumpenden Beat und dem verrückten Refrain irgendwie an die Berliner Ragga-Formation Seeed erinnert. Könnte ein Club-Hit werden.

Als ich den Song zum ersten Mal auf SRF 3 hörte, realisierte ich erst in der Hälfte des Songs, dass da Schweizer am Werk sind. Experiment geglückt. Der Taz-Solosong «Cloudtouch» ist vergleichsweise nachdenklich, der Beat federleicht. Ebenso die Texte, in denen der Rapper dem Alltrag entflieht: «Ych zieh vo Insle zu Insle, immer mit em Gfühl es liggt no meh dinne».

Nach dem pumpenden Video-Track «Klarschiff», auf dem der übernötige Frühlingsputz erledigt wird, folgen mit «Dreih mi nid um» und «Nid mi Ding» die einzigen – ansatzweise – kritischen Songs. Selbst hier bleiben die TAFS heiter und smart. Ein Bisschen mehr Biss würde zuweilen nicht schaden, zumal sich bei all dem Frohmut einzelne Songs auf Dauer inhaltlich kaum unterscheiden. Just als ich mir überlege, wie stark ich mich über das Übermass an nettem Nonsens aufregen soll, sticht mir folgende Aman-Zeile ins Ohr: «Dr Ernscht isch nid in unserer Crew, also frog mi nid wo er blibt». Die Sache ist gegessen!

Mein liebster Album-Beat folgt im «Outro», ein typisches Flink-Brett mit positivem Vibe, der an ‪Shabaam Sahdeeqs «Soundclash»‬ erinnert. Im Refrain darf der DJ sogar noch seine Scratch-Skills beweisen. Anders als im Intro wird dieses Mal auch gerappt. Schöner Abschluss eines guten Albums. Ich kann mich zufrieden zurücklehnen: Die Helden von damals haben mich nicht hängen lassen. So wie Schweizer Rap im Allgemeinen zur Zeit, das soll hier nicht unerwähnt bleiben: Die eben erschienenen Solo-Alben von Manillio («Irgendwo») aus Solothurn und des Berners Dezmond Dez («Verlornigs Paradies») lassen die eidgenössische Rapszene im besten Licht erstrahlen. Und nun auch die TAFS. HipHop-Hooray!

Tafs – Landgang. Nation Music. VÖ: 08. März 2013. Online erhältlich via iTunes und Urbanpeople.ch.

Epischer Rap, passend zur arktischen Kälte

Joel Gernet am Freitag den 18. Januar 2013

Die Basler Rapszene beglückt uns heute gleich mit zwei Kollabo-Alben: Kush, Chilz und M-Skills wollen Schweizer Rap mit «Entwickligshilf» einen Tritt in den Allerwertesten versetzen – deren Tonträger wird kommende Woche im Rahmen der Videoclip-Première ausführlicher vorgestellt.

Hier geht es um den zweiten Basler Raprelease von heute: Das gemeinsamen Album von Einzelgänger und Kaotic Concrete. Passend zum aktuellen Wetter heisst deren Veröffentlichung «Antarctica», wobei der Titel vermutlich in erster Linie den düster gehaltenen Songs geschuldet ist. Diese kommen dem ersten Eindruck nach ziemlich episch und bombastisch daher – textlich und musikalisch. Insofern bietet der frisch geleakte Album-Track «Reach For The Stars» mit Slaine (La Coka Nostra, NYC) und Amadeus The Stampede einen guten Vorgeschmack…

Neben LCN-Söldner Slaine haben die beiden mit Sabac Red (Non Phixion) eine weitere Harcore-Rap-Koriphäe aus New York für ihr Album gewinnen können. Gespittet wird auf «Antarctica» hauptsächlich in zwei Sprachen: Der jung und hungrig wirkende Einzelgänger rappt auf Baseldeutsch, Counterpart Kaotic Concrete überzeugt mit englischen Zeilen, wie sie in Basel nur Einer liefern kann. Das «Comeback» von Kaotic Koncrete erfreut Rapfans besonders, gehört der Basler mit Wurzeln in Boston doch seit den 90er-Jahren zur Rapszene am Rheinknie. Zuerst als Mitglied der englischsprachigen Crew Underclassmen (UCM) – und jetzt als schlagkräftiges Zugpferd bei Einzelgängers Label Poetica Fraterna.

Erhältlich ist «Antarcitica» von Einzelgänger & Kaotic Concrete – ebenso wie «Entwickligshilf» von Chilz, Kush & M-Skills – in den Basler HipHop-Geschäften 4Elements (Gerbergässlein) und Ace Records (Steinentorstrasse). Und auf iTunes.

Das Stehaufmännchen des Basler Rap

Joel Gernet am Donnerstag den 10. Januar 2013

Mit «Eva» bringt Rapper Abart sein drittes Solo-Album in Umlauf. Dass es sein bisher nachdenklichstes Werk ist, hat seinen Gund.

Es ist nicht einfach, über Kollegen zu schreiben. Vor allem, wenn sie der eigenen Rap-Crew angehören. Man könnte mir Filz und Beisshemmungen vorwerfen. Andererseits ist dies ein Blog, den wir aus Leidenschaft nebenbei betreiben und in dem wir uns subjektiv mit Sachen beschäftigen, die uns interessierten und die wir als relevant erachten. Und Abart ist relevant: Der TripleNine-Söldner gehört zu den produktivsten Rappern dieser Stadt und tickt seit Jahren konstant wie ein Uhrwerk – auch in Sachen Rapflow. Er war treibende Kraft hinter den drei FCB-Maischtertracks seiner Crew. Und in früheren Jahren stand er mit der Crew Taktpakt und als Backup-Rapper von Black Tiger auf den Bühnen dieses Landes.

Abart – Eva (TripleNine Records 2012).

Abart – Eva (TripleNine Records 2012).

Ende Dezember ist Abarts drittes Solo-Album «Eva» erschienen. Die ausschliesslich in digitaler Form vorliegende «CD» markiert so etwas wie die dunkle Seite des Mondes. Eine kühle, schattige Seite, bedeckt mit Asche und Tränen. Aber auch mit Freude, Liebe und Zuversicht. «Eva» ist ein emotionales Audio-Manifest, mit dem Abart alias Nico Jucker den Tod seiner Mutter, der dieses Album gewidmet ist, verarbeitet. Es ist Schlussstrich und Neubeginn, mit dessen Veröffentlichung der 34-Jährige neue Kräfte freisetzen will. Und wird.

Denn wenn Abart für etwas berüchtigt ist, dann für seine unerschöpfliche Energie, die ihn zum produktivsten Mitglied des Rapkollektivs TripleNine macht – ein stetig schnurrender Musik-Motor. «Eva» umfasst 13 Songs, von denen ein Grossteil ehrlicher und persönlicher daherkommen als dies bei Abart ohnehin schon der Fall ist. Hier landen die Hochs und Tiefs des Lebens direkt auf dem Textblatt. Seine grossmauligen Punchline-Raps hat er fürs TripleNine-Album aufgespart. Liebe und Tod, Hoffnung und Schmerz – auf seinem Drittling behandelt Abart Themen, mit denen sich jeder identifizieren kann. So kommt es, dass der Basler dieser Tage auch positives Feedback von 40-Jährigen Hörern erhält. Eine ungewohnte, aber angenehme Erfahrung für Abart.

Abart und DJ Johny Holiday.

Abart und DJ Johny Holiday.

Dessen drittes Solo-Album markiert den Anfang vom Ende – und umgekehrt. Es wird die letzte Veröffentlichung von Abart sein; gleichzeitig steigt aus Abarts Asche das neue Ich des 34-Jährigen empor. So beschrieben auf auf dem Vorabtrack «Wachküsst usem Schloof»: «Eva isch fertig, y bruuch kei Maske meh. Drum git’s nach däm Album au kei Abart meh. Denn kunnt Nico vom Nico mit em Nico druff. Bi nie meh uf dr Flucht, gib dr Schizo uff».

Dieses Album beschliesst einen Lebensabschnitt und weist mit seiner Jetzt-wird-alles-besser-Haltung den Weg in die Zukunft. Neben dem persönlichen Struggle manifestiert «Eva» aber auch Abarts ungebrochene Liebe für Rap. Dies zeigt sich insbesondere in den Songs, bei denen der Basler seine Mitstreiter ans Mikrophon bittet. Neben seinen TripleNine-Freunden Thierrey, Zitral und Jean Luc Saint Tropez, sind dies Silenus und Krime (Rapreflex) sowie Kid Bakabu, der den Song «Durchblick» mit einem einzigartigen Refrain veredelt.

Wenn ich jetzt das Haar in der Suppe suchen müsste, würde ich den auf Dauer halt doch etwas monotonen Rapflow von Abart bemängeln. Die fadengerade, unverschnörkelte Vortragsweise ist zwar eines von Abarts Markenzeichen, ich glaube aber, es würde seiner Musik gut tun, wenn der 34-Jährige punktuell seine Komfortzone verlassen und sich auf Rap-Experimente einlassen würde.

«Eva» ist seit dem 21. Dezember 2012 auf iTunes erhältlich. Dies nicht nur, um die Produktionskosten des in Eigenregie realisierten Albums möglichst tief zu halten, sondern auch, um die Kräfte für künftige Veröffentlichungen zu bündeln. Denn Abart wäre nicht Abart, hätte er nicht bereits mit den Arbeiten zum nächsten Album begonnen. Und dieses wird dann im besten Fall wieder die Sonnenseite des Mondes abdecken.

Der Basler Tempelritter

Joel Gernet am Donnerstag den 20. Dezember 2012

Der HipHop-Pionier Kalmoo ist der neuste Zugang des interkantonalen Rapkollektivs Temple Of Speed um Skor, Baze, Tinguely dä Chnächt und EKR. Das gemeinsame Album «10 Tracks – Vol. 4» ist soeben erschienen. Die CD markiert den Anfang einer neuen Soundoffensive des Baslers.

Als bei Kalmoo vor ein paar Wochen das Telefon klingelte, wusste er noch nicht so genau auf was er sich einlässt. Am anderen Ende der Leitung: EKR, Zürcher HipHop-Legende und Mitglied des Rapkollektivs Temple Of Speed (TOS). Er wollte den Basler Rapper mit dabei haben bei den Tempelrittern. «Zuerst habe ich schon gestaunt», erinnert sich Kalmoo. Natürlich hat der 38-Jährige den Ritterschlag angenommen.

Kalmoo (mit Cap) mit Skor, Tinguely dä Chnächt, E.K.R., Baze und Sterneis (v.l.). (Foto: Tobias Nölle)

Seit Freitag ist das erste TOS-Album mit Basler Beteiligung um Umlauf. Es heisst «10 Tracks – Vol. 4» und wer meint, damit habe der Basler seine Schuld getan, täuscht sich gewaltig: Die CD ist nämlich die vierte einer Serie, die am Ende aus zehn Alben mit je zehn Songs bestehen wird, alle produziert vom Zürcher Beatbastler Sterneis. Die Songs heissen konsequenterweise stets «Track 1» bis «Track 10» – und ratet mal, wieviel der Tonträger kosten wird. Auf jedem Album stösst ein weiterer Rapper zur Runde. Beim vierten Tempeltreffen sind dies Skor, EKR und Tinguely dä Chnächt aus Zürich, der Berner Baze – und Kalmoo, straight outta Rheinknie, der dem Ganzen nun eine Basler Dialektnote beifügt.

Mit seinen atemlosen, verschachtelten, assoziativ aneinandergereihten Reimkaskaden passt Kalmoo perfekt zu Temple Of Speed, wo sich jeder Rapper durch eine heute fast schon selten gewordene Unverwechselbarkeit auszeichnet. Mal sind die Raps der Fünf direkt aus dem Leben gegriffen, dann bewegen sie sich wieder auf dem schmalen Grad zwischen Genie und Wahnsinn – insbesondere bei EKR und Kalmoo. Was vom Stapel gelassen wird, hat Ecken und Kanten, ist das Gegenteil von massentauglich – und gerade deswegen so erfrischend. Refrains sind eine Seltenheit, dafür platziert Sterneis immer wieder witzige Gesprächsfetzen auf seinen Soundteppichen, die vorzugsweise auf Soul- und Rocksamples basieren.

Erhalten hat Kalmoo die zehn Beats eineinhalb Wochen vor den Aufnahmen – auch das ist Teil des Konzepts. «Das war ziemlich happig» erinnert sich der Basler, «da musste ich richtig Gas geben». Die Atmosphäre bei den Aufnahmen sei dann vom ersten Moment an super gewesen. «Wir wussten: das mit dem Fussball lassen wir auf der Seite», schildert ein lachender Kalmoo sein erstes Zusammentreffen mit den Tempelrittern.

Eigentlich möchte er lieber als «Tempelmönch» betitelt werden – weil diese nicht mit den Kreuzzügen in Verbindung gebracht werden. Allerdings kann man die Mission von Temple Of Speed durchaus als Kreuzzug bezeichnen – als Kreuzzug gegen massentauglichen Poprap zum Beispiel. Und als Statement für bodenständiges Mcee-Handwerk, das trotz Retro-Flavour frisch wirkt wie das Gemüse im Quartierladen.

Altersmilde kann man Kalmoo nicht vorwerfen. Und Altersmüdigkeit erst recht nicht, denn 2013 schiesst der 38-Jährige aus allen Rohren: Im Frühjahr soll das 20-Jahr-Jubiläum seiner Crew TNN (mindestens) mit einem Konzert im Sommercasino gefeiert werden. Daneben arbeitet Kalmoo am dritten Solo-Album, das «Egomania» heissen soll. Und auch seine sexbesessenen Alter-Ego-Terrorbrüder «MC Bitch & Dick MC» planen ein Mixtape mit dem passenden Namen «Eine Penislänge voraus». Es wird einiges zu hören geben von Kalmoo – zumal er sechs weitere Alben mit Temple Of Speed rauszuballern hat.

Temple Of Speed: 10 Tracks – Vol. 4, Bakara Music. Erhältlich bei iTunes, Urbanpeople oder – ab Samstag – im Ace Records an der Steinentorstrasse 35 in Basel.

TOS-Member Baze kann zudem am Freitag, 21. Dezember, mit seinem Kult-Projekt Tequila Boys live auf der Bühne des SUD Basel erlebt werden. Soll eine Riesensause sein.

Aus dem Schatten der Boxen ins Rampenlicht

Joel Gernet am Mittwoch den 12. Dezember 2012

Aus Pyros Facebook-Timeline sprudeln dieser Tage mehr Hurra-Meldungen als Schaumbläschen aus einer frisch entkorkten Champagnerflasche. Der Basler Rapper hat auch allen Grund, die Korken knallen zu lassen. Die Veröffentlichung seines zweiten Solo-Albums «Schatteboxe» (VÖ: 07.12.12) läuft bis jetzt nämlich wie geschmiert: Das Feedback der Fans ist positiv bis überschwänglich, Airplay bei DRS 3, TV-Auftritt bei Joiz und ein fester Platz in den Top-Ten der Rapalbum-Charts auf iTunes. Und das alles völlig zu Recht.

Mit der Doppel-CD «Schatteboxe» unterstreicht Pyro, dass der berüchtigte Freestyle-Champ nicht ohne Grund zu Basels Vorzeigerappern zählt. Und er beweist, dass er seinem Album-Debut 2008 mit «Hoffnigsfungge» den richtigen Titel verpasste. Was der 31-Jährige in seinem jüngsten Werk liefert, ist nämlich so vielseitig wie überzeugend. Von rockigen Bangern wie dem Opener «Us em Schatte vo de Boxe» über Gutelaune-Tracks wie «Mach was d wotsch» oder Hühnerhaut-Songs wie «Dr Grund» (mit Danimaa) bis hin zu exotisch angehauchten Fernweh-Hymnen wie «I kumm zrugg» bietet Pyros Zweitling alles, was ein gutes Album ausmacht. Bei den beiden letztgenannten Songs beweist der Basler zudem, dass er auch ein Händchen für eingängige Refrains hat. Das kommt gut und sorgt lustigerweise dafür, dass die Vorabsingle «Radio» nicht der zwingendste Radio-Song auf dem Album ist.

Nicht nur deshalb, sondern auch wegen Pyros schön verständlich vorgetragenen Mundartraps und dem positiven Grundton, ist das Album auch für Musikfreunde ausserhalb des HipHop-Kosmos sehr gut zugänglich. Und dennoch ist «Schatteboxe» ein Rapalbum durch und durch, da darf Pyro ruhig mit breiter Brust drauf beharren. Dieses «nicht-das-typische-Rapalbum»-Gerede in Presstext und Interviews ist meiner Meinung nach völlig unnötig. Pyro ist Rap. Er macht Rap. Und dies richtig gut. Dass der Herr dabei stets über den Tellerrand der eigenen Szene blickt, macht seine Musik umso spannender.

Der Dubsteb-Remix des Songs «Zombie», in dem Pyro mit Ironie gierige Businessmänner und Politiker seziert, ist ebenso eine Bereicherung wie der Reggae-Remix von «Fühl mi guet». Insgesamt werden auf der Doppel-CD diverse Songs als Original- und Remix-Version präsentiert. Da können beim Hören schon einmal Luxusprobleme auftreten: So kann ich mich etwa bei der humorvollen Bombe «Mach was d wotsch» nicht entscheiden, welche Variante mir besser gefällt. Wenn ich Pyro wäre, würde ich an den Konzerten die Strophen jedenfalls auf beide Beats verteilen. Ein weiterer Höhepunkt ist der Song «Mi Tisch», auf dem der 31-Jährige seiner treuen Schreibunterlage huldigt und dabei in Sachen Wortwitz an deutsche Rapper wie Dendemann oder Blumentopf erinnert.

Humor ist ohnehin eines der prägenden Elemente dieses Albums. Daneben wären auch Selbstironie, Lebensfreude und eine Offenheit gegenüber allem und jedem zu nennen. Die Beats auf «Schatteboxe» werden von Funk-, Jazz- und Soul-Samples dominiert, die perfekt zu Pyros durchdachten Texten und Flows passen. Verantwortlich dafür ist in erster Linie Tron (P-27), dessen Soundunterlagen selten so perfekt zu einem Rapper gepasst haben wie zu Pyro. Da haben sich zwei gefunden. Neben Tron haben PearlBeatz, Dr. Aux, Funky Notes und Sandro je einen Beat gebastelt für das 32 Songs umfassende Werk.

Wenn ich nun ein Haar in der Suppe suchen müsste, würde ich allenfalls die vielen Remixes bemängeln – immerhin bekommt man nicht weniger als neun Songs doppelt zu hören. Allerdings ist keiner davon schlecht gemacht. Was soll man dazu noch sagen?! Wenn das Album nur eine CD umfassen würde, hätte Grafiker Pyro die Silberscheiben zudem nicht als Boxen-Membran in den Ghettoblaster-Radio des CD-Artworks miteinbeziehen können. Die Gewinner von Pyros Spendierfreude sind die Hörer, die für wenig Geld viele gute Rapsongs geboten kriegen. Aber das ist der Rapper seinen Fans auch schuldig – schliesslich haben sie sein Album über die Crowfunding-Seite wemakeit mit fast 5000 Franken mitfinanziert. Als erstes Basler Rapalbum. Bleibt zu hoffen, dass auf den gelungenen Album-Zweitling nun viele Konzerte folgen – damit die ganze Schweiz mitbekommt, was für einen freshen Rapper Basel wieder am Start hat. Aus dem Schatten der Boxen ins Rampenlicht!

Pyro: Schatteboxe, erschienen am 07.12.12 via Rappartment.
Plattentaufe: Samstag, 5. Januar 2013, Kuppel Basel.

Ein 83-Minuten-Monument für den Basler Rap

Joel Gernet am Mittwoch den 17. Oktober 2012

Dieses Wochenende erblickt ein Monster von einem Raptrack das Licht der Welt: Auf «1 City 1 Song» vereinigt Black Tiger über 140 Rapper aus der Region Basel. Am Freitag feiert das Werk mit einem Weltrekord auf DRS 3 Premiere, am Samstag gibts das Werk live in der Kaserne zu hören und als Gratis-Download. Der Bericht eines Beteiligten.

Black Tiger, Basler Rappionier. (Bild: Tim Lüdin)

Black Tiger, Basler Rappionier. (Bild: Tim Lüdin)

Black Tiger hat ein Monster erschaffen! Einen 83 Minuten langen Rapsong mit über 140 Rapperinnen und Rappern aus der Region und Beats von 11 Produzenten (Liste am Ende dieses Artikels). Auch wenn sich der Basler Rappionier eigentlich lieber nicht in den Vordergrund drängen will, schliesslich hatte er viele Helfer zur Seite, so ist es doch er, der dieses Wahnsinnsprojekt angerissen und durchgezogen hat. Es kann nur Black Tiger sein!

Kaum ein anderer Rapper hätte die Vision, den Optimismus und die Hartnäckigkeit, während zwei Jahren ein derart selbstloses Projekt zu realisieren. Andere hätten mit dieser Energie zwei Solo-Alben geschrieben. Nicht so Tiger, der mit «1 City 1 Song» ein eindrückliches Statement für die lokale HipHop-Szene abgibt und rund 20 Jahre nach der «Basler-Rap»-Hymne «Murder by Dialect» (mit P-27) ein zweites Mal Schweizer Musikgeschichte schreibt. Diesen Beitrag weiterlesen »

Es ist angerichtet für die Graffiti-Attacke

Joel Gernet am Samstag den 15. September 2012

Hier macht Schwarzmalen ausnahmsweise Freude: Am Freitagabend hat rund ein Dutzend Basler Sprayer die Wände bei der Schänzli-Tramschlaufe neben der gleichnamigen Pferderennbahn mit schwarzer Farbe grundiert. Nun warten hunderte Meter Wandfläche darauf, neu bemalt zu werden. Dies wird am «Schänzli Jam» heute Samstagnachmittag bei bestem Wetter getan: Über 30 Graffiti-Künstler, zum Teil auch aus dem Ausland, werden dem Areal einen komplett neuen Look verpassen.

Zum ersten Mal wurden sämtliche Wände einheitlich grundiert. Zudem hat Shez, hyperaktiver Basler Sprayer und so was wie der künstlerische Leiter des Schänzli Jam, seinen Kollegen ein Farbkonzept ans Herz gelegt. Wir dürfen uns auf viel violette Letter und orange Outlines (Umrisse) freuen.

Je nach Quelle handelt es sich 2012 um den sechsten oder siebten Schänzli Jam. Begonnen habe alles vor ein paar Jahren, als der inzwischen in Amsterdam wirkende Sprayer und Streetartist Bustart seinen Geburtstag standesgemäss feiern wollte und dazu eine kleine Graffiti-Party auf dem Schänzli schmiss. Inzwischen hat sich der bewilligte Event etabliert und ist jeweils Mitte September ein (frühes) Herbst-Highlight für die Basler HipHop-Szene. Neben Sprayern sind natürlich stets auch DJs, Breakdancer und Rapper am Start. Als Vorgeschmack gibt’s hier unseren Beitrag von vergangenem Jahr. Diesen Beitrag weiterlesen »

Wo der Gangster-Rapper mit der SVP-Politikerin die Klingen kreuzt

Joel Gernet am Donnerstag den 23. August 2012

An der Podiumsdiskussion «Vorurteilt» diskutieren am Samstag drei Rapper, eine junge Politikerin, ein Journalist und einen hyper-kritischer Musikproduzent über Sinn und Unsinn der HipHop-Kultur. Die Konstellation verspricht eine spannende Runde.

Teure Schlitten, dicke Titten und das Verticken von weissem Pulver – Rapper L-Montana aus Pratteln ist der regionale Stereotyp eines Gangster-Rappers (Video). Textlich und technisch bei weitem nicht immer über alle Zweifel erhaben, zieht er die Hörer mit seinem dreisten Auskosten fast aller Gangsta-Klischees in Bann.

Die provokante und selbstbewusste Art von L-Monatana ist wohl das Beste, was Maturand Tino Zihlmann für seine Podiumsdiskussion «Vorurteilt» hätte passieren können – auch wenn er dessen Rap-Philosophie überhaupt nicht teilt. Zwar sind die beiden anderen Rapper der Runde – Oldschool-Legende Skelt! (P-27) und Rappartment-Aushängeschild Pyro – um ein Vielfaches etablierter und talentierter als ihr Gegenpart aus Pratteln, doch allein der Fakt, dass sich der selbsternannte «Bad Boy» L-Montana unter lauter Andersdenkende wagt, verspricht Spannung. Das darf man ihm hoch anrechnen.

Tino Zihlmann, «Vorurteilt»-Organisator. (Bild: Joël Gernet)

Tino Zihlmann, «Vorurteilt»-Organisator. (Bild: Joël Gernet)

«Eine meiner grössten Aufgaben ist, dafür zu sorgen, dass L-Montana nicht dauernd in der Schusslinie ist», sagt Zihlmann, der das Podium im Rahmen seiner Maturarbeit am Gymnasium Münsterplatz organisiert. Dass er alle angefragten Teilnehmer rasch im Boot hatte, verwundert den 19-Jährigen selber. «Ich bin erstaunt, dass praktisch alle ohne langes Zögern zugesagt haben – sogar L-Montana, von dem ich das nicht unbedingt erwartet hätte». Neben der Rapper-Fraktion steigen Jungpolitikerin Sophie Feuz (JSVP BS), Musiker und Journalist Christian Platz sowie der angesehene Musikproduzent David Klein in den Ring. Alle Teilnehmer kommen aus der Region.

Mit «Vorurteilt» will Zihlmann dem oft undifferenzierten öffentlichen Bild der HipHop-Kulur entgegenwirken. Dieses ist geprägt von von Klischees wie Dekadenz, Gewalt, Sexismus und Drogenverherrlichung. «Ich werde immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert und merke, dass ich in meinen breiten Hosen nicht ernst genommen werde – das nervt mich», sagt Zihlmann. Zu viele Leute hätten wegen den Medien ein falsches, einseitiges Bild der HipHop-Kultur. «Dabei gibt es so viele Facetten, die nicht gezeigt werden.» Logisch also, dass die Podiumsdiskussion des 19-Jährigen durch Beatbox-, DJ- und Breakdance-Einlagen aufgelockert wird. Und mit Rap-Einlagen von Black Tiger kommt natürlich auch das meist beachtete HipHop-Element Rap nicht zu kurz. Bei der Diskussion selber steht dann Rap im Zentrum. «Dort wird halt mit Worten gearbeitet, das versteht jeder», sagt Zihlmann, dessen HipHop-Herz bei Rapmusik von Curse (D), Taz (TAFS, BL) und Gang Starr (NYC) höher schlägt, und der 2013 mit seinem Beat-Produzenten Fruit Richard sein erstes Album veröffentlichen will.

Damit am Samstag nicht nur HipHop-affine Gäste den Weg in den Parterre Kulturraum der Kaserne finden, hat Zihlmann das Podium auf den Nachmittag gelegt. «Ich habe schon gemerkt, dass viele Leute schon alleine wegen dem Line-Up der Darbietungen kommen», stellt Zihlmann lachend fest. Dass diese dann auch bei der Diskussion bestens unterhalten werden, dafür sorgt das breit gefächerte Teilnehmerfeld. «Ich hoffe, die Kontroverse kommt von allein», sagt Zihlmann. Mit dem bekannten Basler Musiker David Klein hat er neben SVP-Politikerin Feuz und Rudeboy L-Montana einen weiteren Trumpf gegen all zu viel Harmonie im Köcher. «Klein ist bekannt für seine kritische Haltung, gerade gegenüber Rap», sagt Zihlmann. Den beiden besonnenen Basler HipHop-Grössen Skelt! und Pyro dürfte mit ihrer differenzierenden Sichtweise eher die Historiker- und Diplomatenrolle zukommen – was auch sehr wichtig ist.

Podiumsdiskussion: Vorurteilt. Samstag, 25. August, 2012, 13:30 Uhr, Parterre Kulturraum, Kaserne, Klybeckstr. 1B, Basel. Mit: David Klein, Christian Platz, Skelt! (P-27), Pyro (Rappartment), L-Montana («Bald e Star»), und Sophie Feuz (JSVP). Performances: Black Tiger (Rap), B Boy Basti & B Boy Nordin (Breakdance), DJ Steel (DMC-Showcase) und Gorilla (Beatbox). Zuvor gibts draussen Graffiti-Action mit der Home2Crew (Just A Jam, Sissach). Mehr Infos.

Basler Rap für den Sommer

Joel Gernet am Freitag den 6. Juli 2012

Kann sich jemand erinnern, wann zum letzten Mal ein Solo-Album einer Basler Rapperin erschienen ist? Abgesehen von Sista Lins eben erschienenen Debut «Linguistic» natürlich. Höchste Zeit also, dass eine Dame am Rheinknie wieder einmal auf den Putz haut. Und Sista Lin kann das – erstens, weil sie zweifelsohne die nötigen Rapskills mitbringt und zweitens, weil sie Wut im Bauch hat und auf ihrem Album auch abgerechnet wird. Auf dem berührenden Song «Kriegsbeil» tut sie dies zum Beispiel mit ihrem Vater und auf Tracks wie «Queen» oder «Kollision» macht Sista Lin mit der schlecht rappenden Konkurrenz kurzen Prozess. Da gibts Zeilen zu hören, wie sie sonst von fast ausschliesslich von Typen gespuckt werden. Hier hätte Lin mit ihrer Stimme aber ruhig noch mehr Wut transportieren können. Diesen Beitrag weiterlesen »