Beiträge mit dem Schlagwort ‘Preview’

Nichts für die kalte Jahreszeit

Luca Bruno am Dienstag den 8. Februar 2011


Laura Veirs‘ aktuelles Album «July Flame» erschien zwar letzten Januar, ihre unprätentiösen Folksongs sollte man jedoch, wie uns bereits der Titel des Albums verrät, viel besser im Juli hören. Und auch die Vorgängeralben – seit 1999 sind sieben Alben der Singer/Songwriterin aus Portland erschienen – sind mit ihrem warmen, countryesquen Sound am Besten im Sommer aufgehoben.

Auf «July Flame» steuert My Morning Jacket-Sänger Jim James auf mehreren Songs die Harmonien bei und Colin Meloy, Sänger der Decemberists, bezeichnete das Album gar als sein Lieblingsalbum von 2010. Während Veirs in Folkmusik-Kreisen also ein hohes Ansehen geniesst, blieb ihr der grosse Durchbruch bislang jedoch verwehrt. Zwar würde es nie jemand wagen, ein schlechtes Wort über die warmen Melodien ihrer Songs zu verlieren. Doch auch für so exzellente Alben wie «Carbon Glaciers» (2004) oder «Year Of Meteors» (2005) bleibt es am Ende dann doch beim «7 von 10 Punkten»-Review. Laura Veirs‘ Musik sei zwar «schön», kommt jedoch mit zu wenig Kanten daher, heisst es dann meistens.

Aber wie so oft trügt der erste Blick und sobald man ein wenig genauer hinhört, wird man mit Zeilen wie «I can smell the smoke from your fire, Babe, but I’ll leave you alone and sleep in this lonely cave» konfrontiert. Ziemlich schnell wird klar, dass sich Veirs vor Kanten also keineswegs scheut. Tiefgründige Probleme werden angesprochen. Laura Veirs macht sich jedoch einen Spass daraus, diese in liebliche Melodien zu verpacken. Die Fassade bröckelt und urplötzlich eignet sich «July Flame» doch auch für Wintermonate.

Aber auch wenn Veirs gerne über Gefühle singt, die irgendwo Schiffbruch erlitten haben und auf ihren Pressefotos einen leicht schrulligen Eindruck hinterlässt, haben wir es hier nicht mit einer Einzelgängerin zu tun. Nicht nur tritt sie diesen Mittwoch, dem 9. Februar 2011, im Parterre mit Begleitband auf, im Song «Little Deschutes» singt sie schliesslich auch «I want nothing more than to float with you / I want nothing more than to dance with you». Ab und zu lohnt es sich dann eben auch, ein drittes Mal hinzuschauen.

Laura Veirs, mit Band: Diesen Mittwochabend (9. Februar) Live im Parterre. Beginn: 20:00.

Konzerte im Hinterhof

Luca Bruno am Mittwoch den 26. Januar 2011

Felix Bossel, Betreiber des 1. STOCKs in Münchenstein, behauptete vor ein paar Wochen, dass kulturell wirklich spannende Sachen oftmals an der Peripherie entstehen. Er behält weiterhin Recht. Für gute Konzerte im Raum Basel setzt man sich nämlich noch immer am besten in die Tramlinie 10 und fährt Richtung Münchenstein. Neuerdings kann man allerdings bereits ein paar Tramstationen früher aussteigen.

Vor einem Jahr liess sich die Hinterhof Bar am Soon-to-be-Kulturhotspot Dreispitz nieder, und während man sich im ersten Jahr dort hauptsächlich der elektronischen Tanzmusik fürs Wochenende verschrieben hatte, dürfen wir mit einem Blick aufs aktuelle Programm nun erfreut feststellen, dass man im neuen Jahr vermehrt auf Livekonzerte setzen möchte. Möglich gemacht hat das ein grosszügiger Umbau über die Jahreswende, bei welchem unter anderem eine grössere Bühne entstanden ist. Unsere Befürchtung, dass uns in Basel die Konzertbühnen ausgehen, scheint sich also doch nicht zu bewahrheiten.

Besonders das Wochenende vom 4. und 5. März gilt es rot im Kalender zu markieren. Am 4. März wird uns Hendrik Weber alias Pantha du Prince, dessen Album «Black Noise» eines der grossen Highlights von 2010 war, mit seinem Minimal Techno beehren, und nur einen Tag später erwartet uns die dänische Folk-/Post-Rock-Truppe Efterklang, die ja bereits letztes Jahr im 1. Stock begeisterten. Vor dem Konzert von Efterklang wird uns die Band ausserdem ihren Film «An Island» zeigen, der letzten August in Zusammenarbeit mit «La Blogothèque»-Gründer Vincent Moon entstanden ist. Konzert und Screening in einem also.

Die Konzertsaison im Hinterhof startet allerdings bereits heute. Das belgische Duo My TV Is Dead macht den Anfang, und Bands wie Soulwax, dEUS oder Ghinzu beweisen ja schon seit Jahren, dass «Belgien» ein Qualitätslabel für gute Popmusik ist.

My TV Is Dead: Diesen Mittwochabend (26. Januar) Live im Hinterhof. Bar ab 20:00, Beginn: 21:30.

Hare-Krishna-Rap und ein Vierteljahrhundert Country in Münchenstein

Luca Bruno am Samstag den 11. Dezember 2010

Letzte Woche haben wir vom 1.STOCK in Münchenstein geschwärmt. Ob unsere Behauptung, dass das Lokal momentan über die beste Livemusik-Programmierung der Stadt verfügt, auch wirklich stimmt, können wir in den nächsten 7 Tagen gleich mehrmals überprüfen.

«Sit Down, Man»

«Sit Down, Man»

Den Anfang machen die New Yorker Das Racist, welche diesen Sonntag, dem 12. Dezember, dem 1. Stock einen Besuch abstatten werden. Auf ihrer MySpace-Seite beschreibt sich die Band als «a weed edge/hare krishna hard core/art rap/freak folk music trio». Letztes Jahr bekam die Blogosphäre dank ihrem Track «Combination Pizza Hut and Taco Bell» zum ersten Mal Wind von Das Racist und schnell war man versucht, das Duo als ein weiteres Hipsterprojekt aus Brooklyn abzustempeln. Doch schon ihr erstes Mixtape «Shut Up, Dude», welches diesen März erschien, bewies eindrücklich das Gegenteil.

Das Racist bringen zwar eine wichtige Komponente von Hipstermusik mit: Ihre Lyrics lesen sich wie ein Lexikon zeitgenössischer Popkultur und kommen dementsprechend auch verpackt in jede Menge Ironie daher, ihre musikalischen Referenzen sind allerdings viel zu tief, als dass es sich hier nur um ein blosses Spassprojekt handeln könnte. So ist beispielsweise der erste Track von «Shut Up, Dude» eine clevere Hommage an A Tribe Called Quest und in einem anderen Track wiederum wird Ghostface Killahs Klassiker «Nutmeg» angegangen.

Vor knapp 3 Monaten erschien mit «Sit Down, Man» nun ihr zweites Mixtape und ein kurzer Blick auf die Produzenten- und Gästeliste zeigt, dass sich Das Racist über die vergangenen Monate jede Menge Bewunderer angeschafft haben. Besonders erfreulich ist jedoch, dass sich unter den Gästen nicht nur Hip Hop-Grössen wie beispielsweise El-P befinden, sondern auch zahlreiche junge Brooklyn-Bands wie Chairlift oder KeepAway, die mit Hip Hop normalerweise nichts am Hut haben, die Produzentenrolle auf «Sit Down, Man» übernahmen.

Wir empfehlen das Konzert von Das Racist also allen, die wieder einmal über den Tellerrand hinausschauen möchten und wer sich aus diesem Grund ordentlich vorbereiten will, macht das am besten mit den beiden erwähnten Mixtapes, die sich auf der offiziellen Homepage von Das Racist in voller Länge anhören lassen.

Ein komplett anderes Bild bietet sich uns dann am nächsten Mittwoch. Am 15. Dezember tritt nämlich Alt Country-Grösse Howe Gelb mit seiner Band Giant Sand im nahegelegenen Depot auf. Und wer sich auf dieses Konzert ebenfalls optimal vorbereiten möchte, wird bis nächsten Mittwoch ausgiebig beschäftigt sein: Seit 1985 erschienen nämlich nicht weniger als 25 Alben von Giant Sand.

Das Motto der aktuellen Tour lautet dementsprechend «25 Jahre, 25 Alben Giant Sand» und wir dürfen nebst Stücken aus ihrem sehr gelungenen aktuellen Album «Blurry Blue Mountain» also auch auf den einen oder anderen Klassiker hoffen. Howe Gelb war in den vergangenen Jahren zwar gern gesehener Gast in der Schweiz, sein letzter Auftritt in Basel unter dem Namen Giant Sand liegt jedoch schon einige Jahre zurück. Und wer sich seit 10 Jahren nicht mehr mit Howe Gelb beschafft haben sollte, sei hiermit beruhigt: Auch 2010 steht Giant Sand noch immer für staubigen und intimen Alternative Country – wie man ihn in der Wüste von Arizona schon seit 25 Jahren macht.

«Guitar madness» im Hirscheneck

Luca Bruno am Montag den 29. November 2010
Marnie Stern

Foto: David Torch

Die Zeiten, in denen im Hirscheneck regelmässig Bands wie The National, Patrick Wolf oder Why? zu Gast waren, sind dank immer höher steigenden Künstlergagen zwar seit längerem vorbei. Wer deswegen aber meint, dass am Lindenberg 23 nur noch Hardcore, Deathcore und Sowiesocore-Bands auftreten, täuscht sich gewaltig. Auch 2010 bespielten wieder einige Indie Rock-Perlen die Bühne des Hirschenecks und die grösste Perle des Jahres schaut morgen Abend, am 30. November, vorbei.

Die Rede ist von Marnie Stern, eine 34-jährige Songwriterin aus New York. Wer hinter dem Begriff «Songwriterin» musikalische Untermalung für den nächsten Starbucks-Besuch erwartet, ist bei  Marnie Stern jedoch an der falschen Adresse. Die Homepage des Hirschenecks kündigt das Konzert als «Guitar madness» an und bevor wir näher auf diesen Begriff eingehen, schauen wir uns doch am besten kurz folgendes Video an:

«Guitar madness» trifft es also ganz gut. Und wem dieses Video nur ein emotionsloses Schulterzucken hervorlocken sollte – schliesslich gibt es ja nichts langweiligeres als endlose Gitarrensolos – beruhigen wir mit folgender Tatsache: Marnie Sterns Herz gehört trotz technischer Versiertheit dem Pop. Ihre Songs sind kurz und prägnant und orientieren sich nicht etwa am Classic Rock, sondern viel mehr an Bands wie den Minutemen oder Television.

Marnie Sterns drei Alben sind auf dem traditionsreichen US-Label Kill Rock Stars erschienen. Eine hervorragende Kombination; denn wer beispielsweise ihre Labelkollegen Deerhoof oder Sleater-Kinney mag, wird auch an Marnie Stern Gefallen finden.

«Transparency Is The New Mystery» (aus «Marnie Stern», 2010, Kill Rock Stars)

Marnie Stern: Diesen Dienstagabend (30. November) Live im Hirscheneck. Support von den Longjhons. Doors: 21:00, Beginn: 21:30.