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«Regionale» Räume #3: Plug.In, Byebye

karen gerig am Donnerstag den 9. Dezember 2010

Drei sehr gute Gründe gibt es, einen Abstecher ins Plug.In zu machen. Erstens ist die «Regionale»-Ausstellung die allerletzte überhaupt in diesen Räumen, zweitens ist die Schau gut kuratiert, und drittens schliesslich kann man sich hier endlich selbst kreativ austoben – Nikolas Neecke sei Dank.

Beginnen wir bei Punkt 1. Bis Anfang Januar noch dauert die «Regionale», und mit ihrem Ende wird das Plug.In bekanntlich für immer seine Türe schliessen. Auch den Namen wirds dann nicht mehr geben, denn das Plug.In geht vollends im Haus für elektronische Künste auf dem Dreispitzareal auf. Zur Museumsnacht hin wird man dort erstmals einen Augenschein nehmen können, im Mai dann geht es richtig los. Wir sind naturgemäss gespannt, und nun ein bisschen nostalgisch. Doch in der hintersten Ecke des Plug.In sehen wir, dass der Abschied auch neugewonnene Freiheit bedeutet: Hier haben Florine Leoni und Sylvain Baumann flott dicke Löcher in die Wände gehauen und schwarze Balken hineingesteckt, die quer durch den ganzen Raum ragen. So wird der Raum, der bald nicht mehr ist, thematisiert, und rückt noch einmal ins Zentrum.

Leoni und Baumanns Arbeit ist damit aber nicht vollständig, dazu gehört noch ein Video, das einen anderen Raum und die Wahrnehmung dessen thematisiert. Diese Vermischung der Medien führt uns direkt zu Punkt 2, denn die Wechselwirkungen von Medien und auch das Übersetzen von einem Medium in ein anderes ist das zentrale Thema der von Martina Venanzoni und Charlotte Matter kuratierten Ausstellung. Jannick Giger präsentiert eine Performance in Form einer Audioinstallation, Clare Kenny führt zweidimensionale Fotografien zurück in eine dreidimensionale Form, Manon Bellet bringt die Medien Malerei und Diaprojektion in Einklang, Fabian Chiquet und Domenico Billari testen eine Lichtmaschine in einer virtuellen Bühnensituation und bringen so Kunst und Musik zusammen.

Einengen vom eigentlich strengen Konzept des Plug.In haben sich die Kuratorinnen nicht. «Es war zwar nicht nur einfach, die geeigneten Werke zu finden», sagt Martina Venanzoni. «Also haben wir uns etwas aus dem strengen Rahmen gelöst.» So steht in einer Plug.In-Ausstellung für einmal kein Computer… Halt, doch, einen selbstgebastelten Synthesizer könnten wir dazu zählen. Und damit sind wir auch schon bei Punkt 3 und damit bei Niki Neecke und beim Spieltrieb. «Paint & Play» heisst seine Arbeit, und «sie hat sich als wahrer Hit herausgepuppt», sagt Venanzoni. Kein Wunder, schliesslich kann man hier malen und damit Musik machen. Das macht sogar Kindern Spass. Wies funktioniert? Man nehme eine transparente CD, bemale sie mit unterschiedlichen Farben und schiebe sie in Neeckes charmanten Synthesizer. Dort wird die Wellenform eines Klanges als Bildinformation gelesen. Sensoren wandeln die Bilder in Klang um. Das klingt meist ziemlich schräg, ist aber auch ausserordentlich lustig. Damit fällt der Abschied vom Plug.In nur noch halb so schwer. Wir sagen trotzdem: Byebye, wir haben uns immer sehr wohl gefühlt.