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Vorsicht vor der schlaffen Forelle

Fabian Kern am Montag den 7. Mai 2012
Wie ich sehe, was du fühlst

«Wie ich sehe, was du fühlst» ist ab sofort im Buchhandel erhältlich.

Wie toll wäre es, wenn man dem nervigen Verkäufer sagen könnte: «Sie lügen! Ich habe gesehen, wie sich Ihre Pupillen erweitert haben, als Sie mir gesagt haben, die Hose steht mir.» Hoch erhobenen Hauptes könnte man unter dem spontanen Beifall der anderen Kunden am verdutzten Geck vorbei aus dem Laden marschieren und sich über das gesparte Geld freuen. Heroische Aktionen wie diese habe ich mir von der Lektüre des Buchs «Wie ich sehe, was du fühlst» von Jan Sentürk erhofft. Doch leider fällt das Ergebnis nicht so spektakulär aus, dass man es gleich mit Dr. Cal Lightman, dem von Tim Roth dargestellten Protagonisten aus der Serie «Lie to Me», aufnehmen kann.

«Man kann nicht nicht kommunizieren», lautet ein berühmter Leitsatz in der Kommunikationswissenschaft aus der Feder von Paul Watzlawick. Auch wenn wir nichts tun, teilen wir uns unserer Umwelt mit. Mimik, Gestik, Körperhaltung oder die Art, wie wir schauen – wir sind für das geschulte Auge ein offenes Buch. Einen solchen Kennerblick hat Jan Sentürk. Der deutsche Körpersprache-Coach verrät in seinem Buch einige Hinweise, wie man das Verhalten anderer deuten kann. Die spannendsten Erkenntnisse für den Alltag bietet der mittlere Teil des Buchs. Sentürk erklärt den Unterschied zwischen echtem und unechtem Lachen und erklärt, warum die «schlaffe Forelle» der unsympathischste Händedruck ist. Zudem gibt der Autor wertvolle Tipps für jene Männer, die das Mysterium Frau noch nicht aufgeschlüsselt haben. Zum Beispiel ist das «ausgestellte» Handgelenk der Frauen beim Rauchen ein Zeichen für Interesse am Kontakt.

Tim Roth als Dr. Cal Lightman

Am Gesicht von Tim Roth aka Dr. Cal Lightman wird Glücksempfinden erklärt.

Dennoch ist das Buch in erster Linie ein Ratgeber fürs Berufsleben. Wer oft vor Leuten spricht, im Verkauf arbeitet oder sich auf ein Bewerbungsgespräch vorbereitet, dem ist dieses Werk sicher hilfreich. Zum Experten à la «Lie to me» wird man dadurch aber noch lange nicht. Schade eigentlich.

Jan Sentürk: «Wie ich sehe, was du fühlst». Piper Verlag, München 2012. 189 Seiten, Fr. 13.90.