Beiträge mit dem Schlagwort ‘Parterre’

Die BScene 2014 aus den Augen der Künstler, Teil 1: Two and Yuna

Luca Bruno am Samstag den 1. März 2014

BSceneLogoBezüglich unserer alljährlichen Berichterstattung zur BScene haben in der Vergangenheit vor allem wir selbst oder die Organisatoren das Zepter übernommen. Für die diesjährige Ausgabe überlassen wir nun den auftretenden Künstlern selbst das Wort. Während der achtzehnten Edition der BScene haben wir mit einigen ausgewählten Künstlern Kurzinterviews geführt, die wir euch nun präsentieren. Den Anfang macht das Duo Two and Yuna, welches am Freitagabend die BScene im Parterre eröffnen durfte und dabei gleichzeitig auch zum ersten Mal überhaupt an der BScene auftrat.

Two and Yuna. Luzian Graber (l.) & Chantal Krebs (r.)

Two and Yuna. Luzian Graber (l.) & Chantal Krebs (r.)

Vor wenigen Minuten habt ihr euren allerersten BScene-Auftritt absolviert. Seid ihr zufrieden damit?
Chantal Krebs, Piano/Vocals:
Ja, sehr sogar! Wir haben letzten Donnerstag ein Konzert in Winterthur gespielt und dort war ich überhaupt nicht zufrieden. Zwar sind wir in Winterthur nicht irgendwie schlechter angekommen als jetzt gerade vorher, aber ich hatte nach jenem Konzert trotzdem ein viel schlechteres Gefühl als heute.
Luzian Graber, Drums: Die Voraussetzungen dort waren im Gegensatz zu heute allerdings auch ziemlich anders…
Krebs: Das Publikum heute hat auf alle Fälle sehr gut zugehört. Das hat mich sehr erstaunt. Es ist so angenehm zu wissen, dass dir die Leute auch wirklich zuhören, wenn du spielst.

Two and Yuna Ihr steht mit eurer Band «Two and Yuna» noch ziemlich am Anfang eurer Karriere. Inwiefern könnt ihr von einem Auftritt an der BScene profitieren?
Graber: Zuerst einmal ist die öffentliche Wahrnehmung eines Auftritts an der BScene im Vergleich zu den anderen Veranstaltungen, an denen wir bis jetzt gespielt haben, natürlich grösser. Nicht nur, weil es ein Festival ist, welches von sehr vielen Leuten besucht wird – also auch solchen, die uns noch nicht kennen – sondern auch, weil du generell mehr Aufmerksamkeit erhältst: So wurden wir im Rahmen des Festivals beispielsweise auch von Radio X interviewt und konnten unsere Musik dort ebenfalls vorstellen.
Krebs: Und dazu kommt: Das BScene-Publikum ist äusserst musikinteressiert! Es besucht das Festival, weil es Musik hören will.

Dass ihr für euren ersten Auftritt ins Parterre, eine der kleinsten BScene-Bühnen, gebucht wurdet und ihr bereits freitags um halb Zehn spielen musstet, stört euch dabei also nicht?
Krebs: Nein. Wir sind schon total glücklich darüber, dass wir heute überhaupt auftreten durften.

Wie sieht es mit euren Studioaufnahmen aus?
Krebs: Nächste Woche nehmen wir eine EP auf, die wir im Herbst veröffentlichen wollen. Und selbstverständlich stehen auch noch ein paar weitere Konzerte an. Wir wollen zum Beispiel auf der Summerstage spielen! (lacht) [Anm.: Die BScene schickt dieses Jahr eine von fünf im Vorfeld ausgewählten Bands mittels SMS-Voting auf die Summerstage. Two and Yuna sind eine der fünf Bands, die im Rennen um diesen Slot sind.]
Graber: Unser primäres Ziel für die nächste Zeit ist eindeutig, diese EP fertig zu bekommen. Wobei wir einen Teil davon eigentlich schon haben.
Krebs: Genau. Der Song «Lost», gleichzeitig auch der erste Song, den wir je aufgenommen haben, wird Teil dieser EP sein.

Eure in erster Linie nur von Piano und Drums getragene Musik erinnert durch ihre Reduziertheit an Regina Spektor oder Fiona Apple. Wo liegen also eure Inspirationsquellen?
Krebs:
 Fiona Apple habe ich tatsächlich früher sehr gerne und oft gehört und sie hat mich musikalisch definitiv inspiriert. Und sonst: Patrick Watson, oder ganz allgemein andere Singer/Songwriter beziehungsweise Menschen am Klavier. Aber die Samples, die wir via Laptop einspielen sind mir natürlich auch sehr wichtig. Denn wenn wir nur Klavier und Schlagzeug hätten, dann würde mir definitiv etwas fehlen.
Grabner: Bei mir sind es eher weniger konkrete Einflüsse – ich kann jetzt also keine Bandnamen nennen – sondern ganz generell einfach Musik, die sich mit Sound auseinandersetzt. Darum funktioniert übrigens auch unsere Zusammenarbeit so gut: Chantal kümmert sich um das Songwriting und zusammen schauen wir dann, wie das ganze möglichst gut tönen könnte.

Ständiger Begleiter der Band: Yuna.

Ständiger Begleiter der Band: Yuna.

Euer Bandname lässt darauf schliessen, dass ihr eigentlich gar kein Duo, sondern in Wirklichkeit ein Trio seid. Bei euren Konzerten begleitet euch ein Porträt von Yuna, welches ihr heute am vorderen Bühnenrand platziert habt. Wer ist diese Yuna?
Krebs: Nach einem Konzert von uns hat ein Künstler – inspiriert durch unsere Musik – Yuna gemalt und sie mir anschliessend präsentiert. Zwar betonte er, dass dieses Bild nur eine Skizze sei und er sie noch viel besser malen könnte, aber ich habe sofort gewusst, dass das Mädchen auf diesem Bild unsere Yuna ist. Seither ist sie überall und immer dabei und besonders bei unseren Konzerten ein ständiger Begleiter. Unser Bandname existiert zwar schon länger als das Bild, durch dieses Portrait fühlt es sich allerdings noch viel realer an.

Und ist Yuna ebenfalls zufrieden mit dem heutigen Auftritt?
Krebs: Das kann ich nicht beantworten. Sie ist immer äusserst kritisch.

Schlaglicht auf Woche 48

schlaglicht am Montag den 28. November 2011

Hirscheneck, Grenzwert, 1. Stock und Kaserne. Fast jeden Tag ein Konzert an einem anderen Ort… Und auch sonst hat die Kulturwoche 48 wieder einiges zu bieten. Unsere wöchentlichen Kulturtipps… Diesen Beitrag weiterlesen »

Schlaglicht auf Woche 46

schlaglicht am Montag den 14. November 2011

Die Woche 46, BuchBasel, BuchNacht und BuchKonzerte. Halt, Moment… Letztere sind ohne Bücher. Es sei denn, ihr nehmt ein Buch an ein Konzert mit. Natürlich. Schlaglicht hilft Dir bei der Planung Deiner Kulturwoche mit Hinweisen auf ausgewählte Kultur-Leckerbissen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Unvermeidliche Lieder im Parterre

chris faber am Donnerstag den 29. September 2011

Der grosse gemütliche Teppich auf der Bühne des Parterre war gestern Abend Sinnbild für die Atmosphäre, denn ein unvergleichliches Wohnzimmerkonzert mit vielen Zugaben verzauberte die ZuschauerInnen. Bild: Benno Hunziker

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Schlaglicht auf Woche 37

schlaglicht am Montag den 12. September 2011

Noch keine Ahnung, was kulturell läuft diese Woche? Wir helfen Dir bei der Planung Deiner Kulturwoche mit Hinweisen auf ausgewählte Kultur-Leckerbissen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Schlaglicht auf Woche 23

schlaglicht am Montag den 6. Juni 2011

Noch keine Ahnung, was kulturell läuft diese Woche? Wir helfen Dir bei der Planung Deiner Kulturwoche mit Hinweisen auf ausgewählte Kultur-Leckerbissen.
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Schlaglicht auf Woche 18

schlaglicht am Montag den 2. Mai 2011

Noch keine Ahnung, was kulturell läuft diese Woche? Unsere neue Rubrik «Schlaglicht auf Woche…» hilft Dir bei der Planung Deiner Kulturwoche mit Hinweisen auf ausgewählte Kultur-Leckerbissen.

Dienstag, 3. Mai

TV Buddhas in der Agora Bar
Die TV Buddhas, das ist in etwa die zeitgenössische Ausgabe der Modern Lovers. Ursprünglich aus Israel lebt die Band nun in Berlin und spielt jedes Jahr unzählige Konzerte in ganz Europa und der Schweiz. 2009 war das Trio im Hirscheneck zu Gast, nun treten sie mit ihrer Lo-Fi-Musik in der neu eröffneten Agora Bar im Kleinbasel auf.
Mehr Infos Café-Bar Agora, Feldbergstrasse 51, Basel, Konzert: 21:00h (pünktlich!)

Mittwoch, 4. Mai

St. Bimbam: Leseshow im Querfeld
Zu Gast bei den Moderatoren Gabriel Vetter und Marc Krebs sind diese Woche Mischa-Sarim Verollet (D) & Sulaiman Masomi (D). Verollet hat schon über 40 Poetry Slams gewonnen und gehört zu den prägendsten Künstlern des Jahrzehnts. Masomi hört sich selbst gern sprechen. Wir ihn hoffentlich auch.
Mehr Infos Gundeldinger Feld, Querfeld-Halle, Dornacherstrasse 192, Basel, 20:ooh

Donnerstag, 5. Mai

Bonobo in der Kaserne
Bonobo, so heissen nicht nur Zwergschimpansen, es ist dies auch das Alias des britischen DJs Simon Green, der diesen Donnerstag in der Kaserne auftritt. Seine Musik, die man wohl am besten dem Genre «Downtempo» zuordnen könnte, kommt allerdings alles andere als klein daher. Seit knapp 10 Jahren veröffentlicht Green in regelmässigen Abständen atmosphärische Electronica-Alben mit beträchtlicher Klangtiefe auf dem britischen Kultlabel Ninja Tune. «Black Sand», sein neustes Werk erschien im März 2010. Für seinen Auftritt in der Kaserne tritt er mit Band auf.
Mehr Infos Kaserne Basel, Rossstall, Klybeckstr. 1b; Doors: 21:00h, Konzert: 22:00h

Heavy Metal Kings (Ill Bill & Vinnie Paz) im Sommercasino
Nein, dieses Konzert wird nichts für headbangende Metal-Fans. Zwar brüllen Ill Bill (La Coka Nostra, NY) und Vinnie Paz (Jedi Mind Tricks, Philadelphia) lauter als so manche Rockröhre, was die beiden Berseker mit ihrem Kollabo-Album «Heavy Metal Kings» aber bieten, ist Hardcore-Rap vom Feinsten. Samplegeschwängerte Kampf-Hymnen mit Raps wie Maschinengewehrsalven. Brrrrä!
Mehr Infos Sommercasino, Münchensteinerstrasse 1, Basel; Doors: 20:00h

Massimo Furlan in der Kaserne
Massimo Furlan reflektiert das Jahr 1973 inklusive der Historizität der Popkultur und den Mechanismen des Erinnerns und Vergessens. Die Einnahmen der Veranstaltung kommen dem Japanischen Roten Kreuz zu Gute.
Mehr Infos Kaserne Basel, Reithalle, Klybeckstr. 1b; Doors: 20:00h

Erland and The Carnival im Parterre
Hinter Erland and The Carnival stecken fünf Musiker aus London, angeführt von Simon Tong, der es als Bandmitglied von The Verve oder The Good, The Bad & The Queen zu Weltruhm brachte. Mit im Gepäck haben sie ihre neues Album «Nightingale», auf welchem das Quintett wie schon auf dem Vorgängeralbum britischen Folk Rock der klassischen Sorte abliefert.
Mehr Infos Parterre, Klybeckstr. 1b; Doors: 19:30h, Konzert: 20:00h

Freitag, 6. Mai

Liebe, Lust und Leiden im Literaturhaus
Jugendliche zwischen 17 und 25 haben im Rahmen eines Schreibwettbewerbs Kurztexte zum Gefühlstrio «Liebe, Lust & Leiden» verfasst. Die besten drei werden nun dem Publikum vorgestellt und prämiert.
Mehr Infos Literaturhaus Basel, Barfüssergasse 3, 20:00h

Tarek Abu Hageb & Brandhärd auf dem Theaterplatz
Für seine Performance neben dem Tinguely-Brunnen kehrt der Basler Künstler Tarek Abu Hageb zu seinen Wurzeln zurück – er zeigt nämlich live, wie ein Graffiti entsteht. Danach sorgt die Rapband Brandhärd für den Schlusspunkt des Abends. Der Anlass ist Teil einer Veranstaltungsreihen, mit der die Christoph Merian Stiftung (CMS) auf dem Theaterplatz von Mittwoch bis Sonntag ihr 125-Jahr-Jubiläum feiert.
Mehr Infos Theaterplatz, Basel; 20:00h Graffiti, 21:00h Rapkonzert

Samstag, 7. Mai

Vernissage in der Galerie Nicolas Krupp
Der ehemalige Kunsthalle-Direktor Peter Pakesch richtet bei Nicolas Krupp eine Schau über Malerei ein. Es gibt Arbeiten zu sehen von Georg Baselitz, Albert Oehlen und Eugène Leroy. Klingt vielversprechend.
Mehr infos Nicolas Krupp Contemporary Art, Rosentalstrasse 28 in Basel; 11:00–18:00h

J Rocc in der Kaserne
J Rocc, der Gründer der famosen DJ-Combo Beat Junkies ist beim legendären Label Stones Throw Records zu Hause, dessen Künstler gern gesehene Gäste in der Kaserne sind. Und wie immer, wenn jemand von Stones Throw zu Gast ist, dann freuen wir uns auf eine geballte Ladung Turntablism inklusive vieler Samples, die garantiert nur aus den hintersten Ecken der vergessensten Plattenläden der Welt stammen.
Mehr Infos Kaserne Basel, Rossstall, Klybeckstr. 1b; Doors: 23:00h, Konzert: 00:00h

«Krieger des Regenbogens» im Parterre
Das Einmann-Theater mit Ferruccio Cainero – zum Lachen berührend, genial gescheit, sensationell witzig.
Mehr Infos Parterre, Klybeckstr. 1b; 20:00h

Blieb ein Anlass unerwähnt, den man auf keinen Fall verpassen sollte? Gib einen Kommentar ab und sag uns, was sonst noch läuft.

Von den Sofas Europas zurück nach Basel

Joel Gernet am Montag den 2. Mai 2011
We Invented Paris

Flavian Graber (rechts) bei einem der WIP-Speedgigs in Mannheim.

Über 80 Konzerte in 40 Städten Europas innerhalb von sechs Monaten – das Indiepop-Kollektiv We Invendet Paris (WIP) ist zwar noch kein Jahr alt, dennoch hat das Projekt des Basler Sängers und Gitarristen Flavian Graber schon mehr von der Welt gesehen, als die meisten anderen Schweizer Bands in ihrer ganzen Karriere.

Am Freitag beendete das Quintett mit einem Konzert in der Kuppel Basel ihre zweite Tournee – genau ein halbes Jahr nach der Konzertpremière. Der Gig markierte den Schlusspunkt einer Konzertodyssee, die das Quintett seit ihrem ersten Gig im Kleinbasler Parterre über die Sofas Europas zurück ans Rheinknie brachte – mit im Gepäck die «Iceberg EP», deren Titelsong ab Freitag, 6. Mai, auch in digitaler Form erhältlich ist. Wir unterhielten und mit WIP-Frontmann Flavian Graber über die turbulenten vergangenen Monate, den Musikvertrieb im digitalen Zeitalter und das Leben als Strassenmusiker.

Flavian Graber, wie war das Heimkonzert in der Kuppel am Freitag?
Der Auftritt war sehr cool. Ich habe es genossen, nach den ganzen Strassenkonzerten wieder einmal auf einer grösseren Bühne zu spielen. Erstaunlicherweise hat es beim Publikum hier etwas länger gedauert bis das Eis bricht als in Deutschland. Zwei der Songs, die wir in der Kuppel präsentierten, haben wir in einer Akustik-Version mitten im Publikum gespielt – ich befürchtete zuerst, dass die Leute uns dabei nicht zuhören würden und miteinander reden. Aber zum Glück hat das toll geklappt.

Wie entstand «We Invented Paris»?
Ich war als Singer-Songwriter unterwegs, hatte dann aber genug vom alleine sein und habe «We Invented Paris» initiiert. Die Idee wurde vor gut einem Jahr geboren. In den folgenden Wochen kamen mehr und mehr Künstler dazu bis dann vergangenen Herbst der erste Gig und die erste Tour gespielt wurde. Auf der jetzigen, zweiten Tour haben 80 Prozent der Musiker ihren Wohnsitz in oder um Basel. Hier zu spielen heisst also immer auch, nach Hause zu kommen.

Basler Bohème: We Invented Paris in Heidelberg.

Wie verliefen die vergangenen Monate?
Das Highlight war sicher der Startschuss mit der «Tour d’Europe» Ende 2010. Innerhalb von 60 Tagen spielten wir 50 Konzerte in 40 europäischen Städten wie Amsterdam, Gent, Wien, Berlin und Basel. Wir gaben Konzerte in Clubs, Cafés, WG-Wohnzimmern, Frisörsalons, Hausbooten und Balkonen. Und wir übernachteten bei Fremden und Freunden auf Couches, Matratzen und in Schlafsäcken – das war ein grosses Erlebnis. Wir haben viele tolle Leute kennengelernt – etwa die Jungs der Hamburger Indierock-Band Kettcar. An der diesjährigen BScene kreierten wir dann mit den Künstlern Bryan Haab (CAN) und Simon Siegenthaler (BS) zusammen mit den Zuhörern ein interaktives Kunstwerk unter dem Motto «We Invented BScene».
Daneben haben wir einige Videos gedreht. In den letzten Wochen waren wir dann auf unserer zweiten Tour, bei der wir auch bei der Musik-Talk-Show TV Noir in Berlin spielen konnten zusammen mit der Kölner Popband Klee. Und an Ostern haben wir in Heidelberg rekordverdächtige 30 Speedgigs an einem Tag gespielt.

Und wie hast Du den Tag mit diesen 30 Kurzauftritten erlebt?
Es war unglaublich anstrengend und wir mussten an unsere Grenzen gehen. Doch es hat vor allem Spass gemacht. Wir spielten zum Beispiel ein paar Songs in einem Gewürzladen – dort hätten wir ewigs bleiben können. Aber auch auf der Wiese im Innenhof der Heidelberger Uni-Mensa war es interessant. Zudem spielten wir u.a. noch in der Chocolaterie, im Kaffeerösthaus, in einer Buchhandlung, im Kunstkeller und in einer Bäckerei. Die Leute reagierten sehr positiv, viele blieben stehen oder kamen in die Geschäfte hinein, um zuzuhören. Es kam aber auch vor, dass nur zwei bis drei Leute in einem Geschäft waren. Dies schaffte aber auch sehr spezielle und intime Konzertchen. Abends, beim 30. Konzert im Club, war es dann richtig schön zu sehen, wie viele Leute, für die wir am Tag in den Shops und auf der Strasse gespielt haben, tatsächlich gekommen sind. Es war ein grossartiger Tag.

Wie ist denn das Leben als «Strassenmusikant»?
Es kann sehr schön sein, wenn man beachtet wird und die Leute stehen bleiben. Man wird zu einem Teil der Strasse, man ist nicht mehr derjenige, der durch die Strasse geht. Man beobachtet die Passanten und nicht umgekehrt. Es kann aber auch sehr hart sein, wenn man von den Leuten ignoriert wird.

WIP bei einem Gig in einem Heidelberger Geschäft.

Geht einem das Übernachten in fremden Wohnzimmern auf Dauer nicht auf die Nerven?
Wir waren schon froh, nach der Tour wieder in unseren eigenen Betten pennen zu können. Aber es ist auch sehr beeindruckend, die unterschiedlichen Kulturen so hautnah mitzuerleben. Und wir sind ja noch jung…

Kam es vor, dass Du beim Aufwachen nicht wusstest, in welcher Stadt Du bist?
Das mit der Stadt weiss ich meistens noch, aber das Gefühl für den Wochentag geht auf Tour vollkommen verloren.

«We Invented Paris» ist laut Bandbio «ein europäisches Künstlerkollektiv – ein Zusammenschluss von Multiinstrumentalisten und Freunden, die ihre feinsinnig arrangierten Indiepop-Songs in wechselnder Besetzung ‘neu erfinden’». Das erinnert doch irgendwie an Bonaparte – das Berliner Musik- und Künstlerkollektiv mit Wurzeln in Zürich. Gibt es Parallelen?
Ich glaube die Entwicklung der Musikindustrie mit dem Internet zwingt einzelne Künstler immer mehr dazu, zusammen zu arbeiten – weil einfach keine grossen Firmen mit grossen Budgets mehr vorhanden sind. Dies sehe ich aber als eine sehr positive Entwicklung, welche die Kreativität fördert. Abgesehen von der Bezeichnung des Kollektivs gibt es aber nicht viele Parallelen zu Bonaparte. Wir machen keine Partymusik, sondern eher Mitfühl-Musik.

Der Titelsong der «Iceberg EP» kann ab dem 6. Mai online gekauft werden – die CD selber ist nur an euren Konzerten erwerbbar. Warum pfeifft ihr auf die herkömmlichen Vertriebswege?
Die physische Version der «Iceberg EP» wird es nur an unseren Konzerten oder via Bandhomepage geben. Wir wollen einfach den Leuten, die an unsere Konzerte kommen oder via Homepage direkt mit uns kommunizieren etwas Spezielles bieten können. Und für eine EP lohnt sich der Aufwand eines physischen Vertriebs nicht wirklich.

Ein allfälliger Charteinstieg, der ja massgeblich von CD-Verkäufen in «herkömmlichen» Geschäften abhängt, kommt so kaum in Frage.
Oje. Wer glaubt schon an die Charts.

Und so tönt der Titelsong der «Iceberg EP»…

We Invented Paris – Iceberg (Indietronic Version) (HD) from We Invented Paris on Vimeo.

In der Hoffnung, dass die Konzertreisen und Begegnungen der vergangenen Monaten ein solides Fundament oder gar ein Sprungbrett für den weiteren Verlauf des Abenteuers «We Invented Paris» sind, plant Flavian Graber für diesen Herbst das erste WIP-Album – natürlich inklusive Tournee. Nebenbei arbeitet er bereits am übernächsten Album.

Stornoway «unplugged»

Luca Bruno am Donnerstag den 7. April 2011

StornowayIm Juli 2009 machte die britische Band Stornoway dank ihrer hervorragenden Debütsingle «Zorbing» zum ersten Mal von sich reden. Ende Mai 2010, rechtzeitig zum nächsten Sommer also, veröffentlichte die Band aus Oxford dann ihr ziemlich gelungenes Debütalbum «Beachcomber’s Windowsill». Um den Sommer 2011 einzuläuten, erschien die Band nun gleich persönlich in Basel und spielte vergangenen Dienstag ein Konzert im Parterre.

Wie so oft bei Konzerten im Parterre wurde der Abend dabei in zwei Sets aufgeteilt, leicht ungewöhnlich war dabei allerdings die Entscheidung der Band, die zweite Hälfte komplett «unplugged» zu bestreiten. Zuerst war es jedoch die erste, elektronisch verstärkte Hälfte ihres Sets, die daran erinnerte, wieso man sich letzten Sommer ins Debütalbum der Band verlieben konnte.

Die Studioversionen von «Beachcomber’s Windowsill» glänzen durch eine klare Produktion und besonders dann, wenn Stornoway mehrstimmige Passagen in ihre Songs einbauen, erreichen sie schon fast die orchestralen Qualitäten der Fleet Foxes. Die Akustik des Parterres machte eine exakte Umsetzung dieser Stücke zwar unmöglich, «I Saw You Blink» oder «Watching Birds» klangen allerdings auch in einer etwas leicht rumpligen Version ziemlich gut. Bisweilen unterstützt von Trompete und Geige erinnerten Stornoway an diesem Abend mehr an Bands wie die Wave Pictures oder Belle & Sebastian und klangen dadurch weitaus charmanter und spontaner, als es ihr Debütalbum erahnen liess.


«The End Of The Movie» – unplugged im Parterre

Für die zweite Hälfte grüsste die Band nun mit Kontrabass statt Bass und Cajon statt Schlagzeug von der Bühne. Das Konzept «unplugged» setzten sie jedoch vor allem durch den Verzicht auf Mikrophone wortwörtlich um. Die nun zurückhaltendere Instrumentierung und die damit verbundene punktgenaue Umsetzung der mehrstimmigen Passagen liess ihre ruhigeren Stücke erst recht zur Geltung kommen und begeisterte dementsprechend das Publikum. Spätestens für «Zorbing» aber, welches standesgemäss als letzter Song des Zugabenblocks gespielt wurde, hätte man sich gerne wieder ein bisschen mehr elektrische Power gewünscht.

Stornoway benannten sich nach einer Stadt hoch im Norden von Schottland und als Inspiration zu «Zorbing» diente eine obskure Sportart aus Neuseeland. Und genauso abenteuerlich wie die Referenzen, auf welche sich die Songs der Band beziehen, waren auch die sehr amüsanten Geschichten, die Sänger Brian Briggs zwischen den Songs erzählte. Geschichten über Hühner, die vom Teufel besessen waren, über das Verspeisen von Schnecken und Erlebnisberichte über wenig bekanntere Museen waren es, die das Konzert erst recht versüssten. Wir können nur hoffen, dass die Band bereits einen Plan hat, wie und wann sie uns den Sommer 2012 bringen will.

«Ich möchte gehört werden»

Luca Bruno am Donnerstag den 17. Februar 2011

Musikjournalisten machen es sich sehr gerne sehr einfach. So wird neuerdings beispielsweise jede aufstrebende junge Künstlerin mit Akustikgitarre ohne genauer hin zu hören kurzerhand dem Musikstil «Sophie Hunger» zugeordnet. Dabei steht eigentlich ausser Frage, dass auch das Genre «Singer/Songwriter» in so vielen Facetten daherkommt, dass man es eigentlich nicht auf eine einzige Referenz reduzieren sollte.

Diesen Samstag (19. Februar) wird uns Lena Fennell ihre Interpretation des Genres «Singer/Songwriter» darbieten. An diesem Abend wird die 26-Jährige nämlich im Parterre ihr Debütalbum «Nauticus» taufen, welches vor knapp einer Woche erschienen ist. Grund genug also, kurz vor der bevorstehenden Plattentaufe mit ihr über ihr Album, ihre Ambitionen und Sophie Hunger-Vergleiche zu reden.

Stört dich die Tatsache, dass jede aufstrebende Schweizer Singer/Songwriterin sofort mit Sophie Hunger verglichen wird?
Lena Fennell:
Sophie Hunger ist eine tolle Musikerin und mir persönlich gefällt ihre Musik ausgezeichnet. Der Vergleich stört mich also keinesfalls, ich empfinde ihn eigentlich sogar als Kompliment. Die mediale Aufmerksamkeit, die Sophie Hunger momentan erhält, öffnet auch Türen für andere Songwriterinnen, also kann mir der Vergleich eigentlich nur recht sein.
Wer allerdings dazu bereit ist, genauer hinzuhören, wird merken, dass nicht jede junge Schweizer Singer/Songwriterin mit Akustikgitarre auch automatisch die gleiche Musik macht. Wer sich «Nauticus» anhört, wird schnell feststellen, dass Sophie Hunger und ich zwei komplett verschiedene Musikerinnen sind.

Seit 2007 spielst du Konzerte, dein Debütalbum erscheint aber erst jetzt. Warum hast du so lange mit der Veröffentlichung eines Albums gewartet?
Ich habe während den letzten Jahren mit vielen verschiedenen Personen und Formationen zusammengearbeitet und zahlreiche Demos aufgenommen. Der richtige Zeitpunkt, meine Songs auf einer Platte festzuhalten, ist allerdings erst jetzt gekommen. Für mich war es immer wichtig, für meine Aufnahmen eine Band zu finden, auf die ich mich jederzeit verlassen kann und mit welcher «es» einfach stimmt. Mit Antoine Kauffmann (Schlagzeug) und Pascal Ujak (Bass) habe ich nun zwei Mitmusiker, mit denen die Zusammenarbeit hervorragend klappt.
«Nauticus» sind die ersten Aufnahmen von mir, die ich mir auch nach dem Aufnahmeprozess sehr gerne anhöre und dabei nie das Gefühl habe, dass sie bereits wieder veraltet sind.

Was versprichst du dir vom Release deines Debütalbums?
Ich möchte gehört werden. Wer auch immer behauptet, es sei ihm egal, ob seine Musik gehört wird oder nicht, ist nicht ehrlich. Ich wünsche mir jedoch nicht nur, dass sich möglichst viele Leute mein Album anhören werden, sondern dass sie zu meinen Konzerten kommen werden. Konzerte geben ist schliesslich trotz Veröffentlichung meines Albums noch immer mein Kerngeschäft. Es gibt nichts Schöneres, als die Atmosphäre in einem Club zu spüren und mit eigenen Augen zu sehen, was die eigene Musik bei anderen auslöst.
Ausserdem hoffe ich, dass sich mit dem Release von «Nauticus» der Radius meiner Livekonzerte vergrössern wird. Ich würde gerne in der Romandie spielen, und selbstverständlich bin ich auch dem Ausland nicht abgeneigt.

Während die eine Hälfte von «Nauticus» ganz traditionell in einem Studio aufgenommen wurde, hast du die andere Hälfte bei dir zu Hause oder am Rhein aufgenommen. Was hat der Rhein, welcher auch Inspiration für den Titel deines Debütalbums war, für eine Bedeutung für dich?
Der Rhein ist ein Ort, an welchem ich mich früher wie heute oft aufgehalten habe und mich jederzeit erholen konnte. Mir war es wichtig, dass genau diese Stimmung, das Gefühl von Gelassenheit und Harmonie, ebenfalls auf dem Album repräsentiert wird.

Und inwiefern ist die Musik von anderen Künstlern eine Inspiration für dich?
Ich habe zwar einen ziemlich breiten Musikgeschmack, bin allerdings nicht eine Person, die einzelne Elemente oder Sounds bewusst in die eigene Musik einbaut. Ich denke, dass mich die Musik von anderen Künstlern oder Künstlerinnen eher auf emotionaler und unbewusster Ebene inspiriert. Ein Beispiel, das mir spontan einfällt, das mich bewusst inspiriert hat, ist das Fingerpicking des britischen Künstlers Fink.

Dein Album wird diesen Samstag im Parterre getauft. Hast du etwas Besonderes geplant?
Ja! Meine Kernformation wird von zwei zusätzlichen Musikern und einer Gastsängerin unterstützt. Unter anderem wird Jan Krattiger, ehemaliger Gitarrist von Mañana, seinen Teil zu diesem Abend beisteuern. Ausserdem werde ich zum ersten Mal ein Cover spielen, welches vielen Baslerinnen und Baslern bekannt vorkommen wird. Als besonderes Extra wird es eine limitierte, mit Goldstift nummerierte Edition des Albums zu kaufen geben, so dass sich alle Besucherinnen und Besucher eines der ersten hundert Exemplare meines Albums sichern können.

Lena Fennell: Diesen Samstagabend (19. Februar) live im Parterre. Türöffnung: 20:00, Beginn: 20:30.