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Starpower im Engadin

Fabian Kern am Mittwoch den 17. Dezember 2014

«Sils Maria» läuft ab 18.12. im Atelier.

«Sils Maria» läuft ab 18.12. im kult.kino Atelier.

Lautlos schleicht das schmale Wolkenband über den Malojapass und den Silsersee. Immer dichter wird der weisse Dunst und füllt jedes Tal im Oberengadin: Das Wolkenphänomen mit dem mystischen Namen «Maloja-Schlange» kündigt schlechtes Wetter an. In dieser wunderbaren Landschaft bereitet sich Maria Enders (Juliette Binoche) auf ihre Rolle im gleichnamigen Theaterstück vor. Ein Theaterstück, in dem sie bereits 20 Jahre zuvor schon eine Hauptrolle gespielt hatte. Diesmal aber soll Maria nicht die jugendliche Verführerin Sigrid verkörpern, sondern das etwas in die Jahre gekommene «Opfer» Helena. Für Sigrid ist Jo-Ann Ellis (Chloë Grace Moretz) vorgesehen, ein 19-jähriges Hollywood-Sternchen, das mit ihren Skandalen weniger die Feuilleton-Seiten füllt, als vielmehr die Klatschspalten. Maria überwindet ihre Hemmungen und stellt sich der Herausforderung Alter.

Rollenspiel vor Naturkulisse: Maria und Valentine.

Rollenspiel vor Naturkulisse: Maria und Valentine.

Mit einem frischen Kurzhaarschnitt macht sich Maria zusammen mit ihrer Assistentin Valentine (Kristen Stewart) auf die Fahrt von Zürich, wo sie eine Laudatio auf den verstorbenen Autor des Stücks, ihren Mentor Wilhelm Melchior, hält, ins Engadin. In dessen Haus in Sils Maria bereitet sie sich auf ihre Rolle vor. Doch die Perspektive der Sigrid kann sie nicht so leicht abschütteln. Alles an Helena kommt ihr verachtenswürdig vor. Nur Valentine hält dagegen und verteidigt die Figur, die der jungen Sigrid verfällt und von dieser schliesslich in den Selbstmord getrieben wird. Das enge Aufeinanderhocken im Chalet und das ständige Üben der Rollen nagt an den beiden Frauen. Realität und Fiktion beginnen sich für Maria zu vermischen. Wo hört Helena auf und wo beginnt Maria?

Diva und Regisseur: Maria und Klaus Diesterweg.

Diva und Regisseur: Maria und Klaus Diesterweg.

Mit der Philosophie ist es so eine Sache. Sie hat keinen Anfang und kein Ende – und jeder sieht es ein wenig anders. Und genau das macht zugleich Reiz und Schwäche von «Sils Maria» aus. Das Aufweichen der Grenzen zwischen dem Stück und Marias Leben ist genial gemacht und das herbstliche Engadin einfach perfekt für die Auseinandersetzung mit Alter und Vergänglichkeit. Vor der grossartigen Bergkulisse weiss man nie, ob Maria oder Helena, Valentine oder Sigrid. Nur leider löst sich dann der rote Faden auf wie die Maloja-Schlange. Maria erkennt, dass die Welt eine andere geworden ist in den letzten zwanzig Jahren, aber auch, dass sich ihr Blick darauf verändert hat. Dieser Erkennungsprozess zieht sich über lange 124 Filmminuten hin und findet nicht wirklich ein Ende. Das ist von Regisseur Olivier Assayas so gewollt, aber sicher nicht jedermanns Sache. Aber eben: Philosophie ist subjektiv.

Absolut objektiv kann man festhalten, dass die Natur atemberaubend in Szene gesetzt wurde – ein wahrer Werbefilm für Engadin Tourismus – und mit Juliette Binoche, Kristen Stewart und Chloë Grace Moretz quasi Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der internationalen weiblichen Top-Garde verpflichtet. Letzteres allein ist schon fast philosophisch.

«Sils Maria» läuft ab 18. Dezember 2014 im kult.kino Atelier.

Weitere Filmstarts in Basel am 18. Dezember: The Homesman, Night at the Museum: Secret of the Tomb, The Tale of Princess Kaguya, Timbuktu, Il ricco, il povero e il maggiodormo, Der kleine Drache Kokosnuss.