Beiträge mit dem Schlagwort ‘Nick Nolte’

Ein echter Redford

Fabian Kern am Mittwoch den 24. Juli 2013

Filmplakat

«The Company You Keep» läuft ab 25. Juli im Küchlin.

Ist das nun ein Thriller oder nicht? Diese Frage muss sich «The Company You Keep» gefallen lassen. Die einfache Antwort: Egal, es ist ein waschechter Robert Redford. Und somit eine packende Geschichte um Ethik und Menschlichkeit mit politischem Hintergrund und starken Figuren. Die Hauptrolle hat sich der Altmeister gleich selbst auf den Leib geschrieben. Einmal mehr in seiner langen Filmografie ist der mittlerweile 76-Jährige, der im Alter nichts von seinem Charisma eingebüsst hat, der Gejagte. 30 Jahre lang hat er sich hinter der falschen Identität des Anwalts Jim Grant vor dem FBI versteckt und im New Yorker Hinterland ein beschauliches Leben geführt. Bis ihn seine unrühmliche Vergangenheit einholt.

Robert Redford

Ausstrahlung: Robert Redford. (Bilder: Ascot Elite)

Die Bewegung der «Weathermen» gab es wirklich. Die Widerstandsbewegung protestierte zu Beginn der 70er-Jahre gegen den Einsatz der USA im Vietnamkrieg. Nachdem die friedliche Hippie-Bewegung mit der Botschaft «Make love, not war» nichts bewirkte, griff der radikale Kern der Weathermen zu drastischeren Mitteln – Terroranschlägen im eigenen Land. «Durch den Gebrauch von Waffen begann sich die Bewegung selber zu fressen», sagte Robert Redford kürzlich in einem Interview mit der SonntagsZeitung. Die Weathermen machten sich angreifbar. So erging es auch Sharon Solarz (Susan Sarandon), Mimi Lurie (Julie Christie) und Nick Sloan (Robert Redford). Bei einem Anschlag auf eine Bank kommt ein Wachmann ums Leben, was das Trio zerschlägt und in alle Winde zerstreut.

Susan Sarandon

Hat genug vom Verstecken: Sharon Solarz.

Als 30 Jahre später Solarz dem schlechten Gewissen nachgibt und sich stellt, kommen die Ermittlungen erdrutschartig ins Rollen, zumal Jim Grant vom ehrgeizigen Lokalreporter Ben Shepard (Shia LaBoeuf) enttarnt wird. Auf den Vater einer elfjährigen Tochter wird vom leitenden FBI-Agenten Cornelius (Terrence Howard) eine unerbittliche Jagd eröffnet. Dieser aktiviert seine alten Kontakte, um Mimi Lurie ausfindig zu machen und die wahren Hintergründe der fatalen Ereignisse von damals aufzudecken. Dabei findet er Dinge über sich heraus, die er nicht einmal selbst wusste.

Terrence Howard und Shia LaBoeuf

Uneinig: Agent Cornelius und Ben Shepard.

Verschiedene Faktoren machen «The Company You Keep» sehenswert. Einerseits, dass die zwei Stunden Laufzeit beinahe ohne Actionszenen auskommt und trotzdem keine Länge aufweist. Andererseits fasziniert die Zusammenführung verschiedener Generationen von Schauspielern. Die Alte Garde von Robert Redford, Susan Sarandon, Nick Nolte und Julie Christie bis zu Chris Cooper, Richard Jenkins, Brendan Gleeson, Sam Elliot und Stanley Tucci bildet zusammen mit den angesagten Jungen Terrence Howard, Shia LaBoeuf, Anna Kendrick und Brit Marling einen hochkarätigen Cast, den nur ein Mann vom Format Redfords gemeinsam vor die Kamera bringt.

Robert Redford

Gewissensbisse: Jim Grant aka Nick Sloan.

Ebenfalls typisch für Redford sind die grossen Themen des Werks: Vergänglichkeit, menschliche Werte und philosophische Fragen wie in diesem Fall, ob man Terrorismus legitimieren kann. Das ist wieder einmal einer derjenigen Filme, an dessen Ende man sich fragen kann: Wie hätte ich gehandelt? Ob Thriller oder nicht – wenn er nicht zum Nachdenken anregen würde, wäre er kein echter Redford.

«The Company You Keep» läuft ab 25. Juli 2013 im Kino Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 25. Juli: The Wolverine, Frances Ha, La grande bellezza, Le fils de l’autre.

Die glorreichen Sechs

Fabian Kern am Mittwoch den 23. Januar 2013

Filmplakat

«Gangster Squad» läuft ab 24.1. im Pathé Küchlin.

Mafia-Filme sind in den letzten Jahren etwas aus der Mode gekommen. Es fehlten die frischen Storys und nicht zuletzt auch die glaubwürdigen Darsteller. Die de Niros und Pacinos sind in die Jahre gekommen. Schön deshalb, dass sich nun ein anderer Grosser des US-Kinos als Mob-Chef die Ehre gibt. Sean Penns Figur Mickey Cohen ist allerdings kein Pate, der trotz aller Grausamkeit einen gewissen Stil besitzt, sondern ein roher, machtbesessener Emporkömmling, welcher den alten Chicagoer Mafiosi ein Schnäppchen schlagen will. Cohens Plan ist es, zuerst Los Angeles und dann die gesamte Westküste unter seine Kontrolle zu bringen. Und der ehemalige Boxer von der Ostküste, der auch in Realität die Stadt der Engel terrorisierte und zu dessen Ehre Penns Nase verbreitert wurde, tut dies mit Nachdruck. Drogen, Prostitution, Wetten – alles läuft über Cohen. Seine dreckigen Geschäfte lässt er von bestochenen Polizisten und Politikern beschützen.

Gangster Squad

Sechs Männer gegen das organisierte Verbrechen:Die Gangster Squad (Bilder: Warner Bros.)

Cohen und O'Mara

Erbitterte Feinde: Cohen und O'Mara.

Doch es gibt auch im korrupten L.A. der 40er-Jahre die «Unbestechlichen». Und der Eliot Ness der Westküste ist John O’Mara (Josh Brolin). Der aufrichtige Sergeant wird von Polizeichef Bill Parker (Nick Nolte) zur Rekrutierung einer Sondereinheit beauftragt, die ganz inoffiziell Cohens Geschäfte sabotieren und seine Herrschaft beenden soll – die Gangster Squad. O’Maras sechsköpfige «Guerilla-Einheit» reizt ihre Vogelfreiheit voll aus und bedient sich unzimperlicher Massnahmen – so sehr, dass die Grenze zwischen Gangstern und Cops zeitweise verschwimmt. Doch Cohen gibt sein Empirium nicht kampflos her und schlägt mit voller Härte zurück. Ein blutiger Krieg entbrennt.

Grace Faraday

Verführerisch: Grace Faraday (Emma Stone).

Filme mit dem Label «Inspired by a true story» haftet oft eine gewisse Bedeutungsschwere an. «Gangster Squad» hingegen umschifft diese Hürde mit spielerischer Leichtigkeit. Der Film ist wie aus einem Guss: In keinem einzigen Moment kommt Langeweile auf, die bleihaltige Story steuert stilsicher auf ein würdiges Finale zu. Das ist grosses Spannungskino. Und der Cast ist schlicht grandios. Als Gegenspieler von Penn, der Cohen an der Grenze zur Karikatur darstellt, brillieren neben Brolin der gewohnt leichtfüssige Ryan Gosling («Drive»), Giovanni Ribisi («The Rum Diary»), Anthony Mackie («Man on a Ledge»), Michael Peña («End of Watch») und Robert Patrick («Safe House»). Shooting Star Emma Stone («Crazy, Stupid, Love») spielt als verruchte Schönheit derweil ein gefährliches Spiel mit Cohen. Besser kann ein Gangsterfilm in der heutigen Zeit nicht besetzt werden. Und mehr kann man sich von einem Gangsterfilm nicht wünschen.

«Gangster Squad» läuft ab 24. Januar 2013 im Kino Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 24. Januar: Flight, Chasing Mavericks, Lincoln, Blancanieves, Quartet, Shanghai Shimen Lu.