Beiträge mit dem Schlagwort ‘New York’

On Stage: Ravens & Chimes

Luca Bruno am Donnerstag den 8. März 2012

Aufwachen! Die kalten Monate sind langsam aber sicher vorbei und das Schlaglicht dreht rechtzeitig zum Beginn der Konzertsaison eine neue Glühbirne in seine Fassung. Und während andernorts gerade ein Neustart in die Wege geleitet wird, macht der Hinterhof dort weiter, wo er letzten Winter aufgehört hat: Mit ausgewählten Livemusik-Leckerbissen von Bands, denen die Zukunft gehört. Heute Abend, am 8. März, stehen Ravens & Chimes aus New York auf der Hinterhof-Bühne.

Wer im Studio Hotel2Tango in Montreal, Kanada aufnehmen darf, hält sich an einem Ort auf, wo schon ruhmreiche Bands wie Arcade Fire oder Wolf Parade ihrerseits Meisterwerke auf Tonband aufgezeichnet haben. Und wie die soeben erwähnten grossen Namen, so zeichnen sich auch Ravens & Chimes durch verspielten, multiinstrumentalen Indie Rock aus; Gitarren und Glockenspiele, die sogar dem grössten Folkmuffel ein Lächeln auf die Lippen zaubern werden. Oder wie fasst ein YouTube-Kommentator so schön zusammen: «I used to hate long-haired guys until I found Ravens and Chimes».

«Reichenbach Falls», das bislang einzige Album der Band, erschien zwar bereits 2007, trotzdem ist man seither nicht untätig geblieben. Zahlreichen digitale Singles sind in den letzten Monaten veröffentlicht worden, ein neues Album steht unmittelbar bevor und nach dem Sprung bieten wir nun einige Hörproben… Diesen Beitrag weiterlesen »

«I come to your show and bring seven friends along» – We Loyal in New York

Luca Bruno am Mittwoch den 4. Mai 2011
We Loyal

We Loyal: Ben Kuster, Sandro Simon, Fabian Trümpy, Elvis Presley (v.l.n.r.)

Die Instrumente packen und verreisen. Viele Schweizer Bands träumen davon, wenige tun es. Und noch bevor man zum ersten Mal einen Fuss auf eine ausländische Konzertbühne setzen konnte, ist der Drummer aus der Band ausgestiegen, da er sich nun doch auf sein Studium konzentrieren möchte, der Sänger will mehr Zeit mit seiner Freundin verbringen, und für die Gitarristin war Musik «sowieso nie so wichtig».

Die Basler Band We Loyal sind das perfekte Gegenbeispiel dafür. Bereits für die Aufnahmen ihrer Debüt-EP wagte das Trio den Schritt nach Liverpool, und diesen Februar verknüpfte man eine New York-Reise mit einer eigenen Konzerttour. Wir haben mit Sandro Simon, dem Sänger und Gitarristen der Band, über Eindrücke, Erfahrungen und Ambitionen gesprochen… Diesen Beitrag weiterlesen »

Wir haben abgeräumt, jetzt geht's nach Hause

the glue am Sonntag den 20. März 2011

Gestern Abend erreichten wir den Höhepunkt unserer Reise: Die Harmony Sweepstakes Regional Competition im Miller’s Theatre in New York. Das ist die wichtigste Veranstaltung für a-cappella Musik in ganz Nordamerika und zahlreiche weltbekannte Gruppen haben ihre Karrieren dort gestartet. Insgesamt nahmen zehn Gruppen teil und neben den drei Hauptpreisen gab es Auszeichnungen in den  Kategorien Publikumsliebling, bestes Arrangement und beste Eigenkomposition.

Ausser uns war noch eine weitere Gruppe aus Europa angereist: Lai Skan aus Lettland, alle anderen warenUS-Bands und hatten natürlich beim Publikum einen Heimvorteil. Wir hatten allerdings auch eine Fangruppe dabei, die eine Reise nach New York gleich mit einem Besuch der Competition verband. Ein super Bild, wie eine ganze Sektion mit Schweizer Flagge und zujubelte. Und zunächst ging auch alles gut. Get in, Soundcheck. Leider durften wir nicht unseren eigenen Techniker haben, damit alle die gleichen Bedingungen hatten. Aber das Gefühl war gut, wir waren gut vorbereitet und alles schien geklärt. Natürlich waren wir schrecklich nervös. Auf diesen Moment hatte die ganze Tour zugesteuert und jetzt war der Moment plötzlich da. Wir hatten zehn Minuten, um die Jury zu überzeugen. Zehn Minuten, in denen absolut gar nichts falsch laufen durfte. Und prompt war Gregors Mikrophon nicht an, als wir anfingen. Der Techniker hatte es verschlafen. Somit gerieten wir beim ersten Song Come what may etwas in Schieflage. Mit El Topo und Sandburgenbauen bekamen wir die Leute aber schnell in den Griff und am Ende waren wir ganz zufrieden, rechneten aber nicht damit, irgendeine Chance auf eine Platzierung zu haben. Als die Jury dann auch noch verkündete, es sei einer der besten Jahrgänge gewesen, sank unsere Hoffnung auf ein Minimum. Doch siehe da. Beste Eigenkomposition: Sandburgenbauen von The Glue und zweiter Platz in der Gesamtwertung: The Glue. Den ersten Platz belegte eine reine Frauengruppe aus New York namens Traces. Somit belegten wir von allen Männerformationen, die in der a-cappella Szene klar die Mehrheit ausmachen, den ersten Platz. Wir haben es irgendwie wieder geschafft, die Konkurrenz zu überflügeln und damit  einer super Tour am Ende noch die Krone aufgesetzt. Jetzt fliegen wir glücklich und zufrieden zurück in die Schweiz.

Boston gerockt, Flug gecancelt und jetzt in New York

the glue am Freitag den 18. März 2011

Die letzten Tage haben wir unglaubliche Strecken zurückgelegt. Vor allem Laurenz und Tumasch. Doch zunächst spielten wir noch im Swissnex Boston am Tag der offenen Tür. Eine super Sache. Wir spielten zweimal zwanzig Minuten und die Leute waren hin und weg. Im Anschluss trafen wir uns mit den Gästen in der John Harvard Brewerie und feierten bis in den Morgen. Unter anderem fanden wir uns in einem Pub mit Livemusik wieder, wo eine Bluegrass Band so richtig abging, obwohl nur etwa 12 Leute da waren. Das kann man sich zum Vorbild nehmen.

Am Tag danach nahmen wir Abschied vom tollen Swissnex Boston Team und steuerten unsere letzte Etappe an: New York. Wir msusten uns ziemlich beeilen, weil Tumasch und Laurenz noch den Van weiter nach Washington bringen mussten. Gegen 14h kamen wir bei unserem Hotel in New York an, und während der Rest der Band die ersten Schritte in der grossen Stadt machten, fuhren wir zwei weitere vier Stunden in den Süden. Kurz vor sieben erreichten wir Washington und sollten um neun eigentlich zurück nach New York fliegen. Doch schon beim Einchecken zeigte es eine halbe Stunde Verspätung an. Das setzte sich dann mit schöner Regelmässigkeit fort, bis der Flug um Mitternacht dann ganz gecancelt wurde. Das hiess eine Nacht mehr in Washington auf Kosten von Delta Airlines. Am nächsten morgen flogen wir dann endlich nach New York und versuchten natürlich, soviel wie möglich nachzuholen. Ground Zero, Wallstreet, Freiheitsstatue und am Abend sogar ein Spiel der New York Knicks. Zudem war Donnerstag auch noch St. Patricks Day, und natürlich wird der irische Nationalfeiertag auch hier von allen begangen. Neben der offiziellen Parade beim Central Park wimmelte es überall von grüngekleideten sturzbetrunkenen Menschen. Ein Bild zum Abgewöhnen. So wie der Harassenlauf in Basel, nur voll legal und ohne Militäreinsatz.

Jetzt bleiben uns noch drei Tage. Morgen die grosse Harmony Sweepstakes Competition.

Für den Schlaglicht-Blog berichtet die Basler A-capella-Band The Glue noch bis Ende März von ihrer Nordamerika-Tournee.

Rap von der Ostküste live im Sommercasino

Joel Gernet am Mittwoch den 2. März 2011

Mit dem Konzert von Termanology und DJ Statik Selektah bekommen Basler Rapfans am Donnerstagabend im Sommercasino einen absoluten Leckerbissen geboten. Das Duo bringt derzeit mit dem Album «1982» die Köpfe der Anhänger des klassischen Ostküsten-Boom-Bap-Rap der 90-Jahre zum nicken. Und zwar heftig. Für Kenner ein Must-See, für den Rest ein Geheimtipp.

Termanology und Statik Selektah

Traumduo: Termanology und Statik Selektah.

Zum ersten Mal zusammengearbeitet haben die beiden im Jahr 2005 für das Termanology-Mixtape «Hood Politics II». Dieses trug seinen Teil dazu bei, dass sich Beatproduzent Statik Selektah (aus Boston) und Rapper Termanology (aus dem rund 45 Kilometer davon entfernten Lawrence) auch in New York einen Namen machten. Seinen bisher grössten Hit landete der Rapper mit puertoricanischen Wurzeln dann 2006 mit dem von Gang-Starr-Legende DJ Premier produzierten Song «Watch how it go down», einem Vorboten zu Terms überzeugendem Debut-Album «Politics As Usual» (2008). Derweil belieferte Tausendsassa Statik Selektah fast die gesamte Undergroundrap-Garde der Ostküste mit Beats. Diese versammelt er auch auf seinen drei Produzenten-Alben, auf denen neben Künstlern wie Jadakiss, KRS-One und M.O.P. auch Reks zu hören ist.

Letztgenannten haben Termanology und Statik Selektah auch in Basel mit im Gepäck. Der nach einer persönlichen Krise wieder auferstandene Bostoner Rapper Reks verzückt die Szene derzeit mit seinem Vorab-Song «25th Hour» (der Beat ist ausnahmsweise nicht von Statik…sondern von DJ Premier). Sein Album «R.E.K.S» erscheint am 8. März – das Basler Publikum hat also das Privileg, die neuen Songs noch vor deren Veröffentlichung zu hören. Das Vorprogramm des Ostküsten-Mobs gestaltet mit Kaotic Concrete (und DJ Tray) passenderweise ein Basler Rapper, der Wurzeln in Boston hat.

Und nun das Gute zuletzt: Der Gig von Termanology, Statik Selektah und Reks ist nicht das einzige vielversprechende Rapkonzert im Soca dieses Frühjahr: Angekündigt sind bereits Konzerte des New Yorker Rappers Pharoahe Monch (2.4.) – das ist der mit «Simon Says – Get The F*#ck Up» –, der CunninLynguists aus Kentucky (8.4.) und der beiden Hardcore-Rapper Ill Bill und Vinnie Paz, zusammen bekannt als Heavy Metal Kings (5.5.). Alle sind sie Garanten für energiegeladene Rapkonzerte.

Doch woher diese Häufung hochkarätiger Rapkonzerte? «Wir profitieren davon, dass viele Künstler momentan wieder auf Tour sind», erklärt Serge Borer, der im Sommercasino seit September 2010 für die Rapkonzerte verantwortlich ist. Dass er ausgerechnet Statik Selektah nach Basel holt, ist aber kein Zufall. «Nach DJ Premier ist Statik Selektah für mich einer der besten Beatproduzenten der US-Ostküste», findet der 26-Jährige. Dasselbe lässt sich in Bezug auf Rap auch über den technisch versierten Termanology sagen (gebt Euch diese letzte Strophe!). Wen Borer aber schlussendlich für das Soca buche, entscheide er aus dem Bauch heraus. Bleibt zu hoffen, dass uns Borers Bauchgefühl auch künftig ganz viele Rapleckerbissen beschert.
Donnerstag 03.03.11

HipHop ShowOff-Tour
Do. 3. März 2011, Sommercasino Basel
Statik Selektah & Termanology, Reks & DJ Deadeye
Support: Kaotic Concrete & DJ Tray (BS)
Doors: 20:00 Uhr

Der Traum der Nordamerika-Tournee wird Wirklichkeit

the glue am Mittwoch den 2. März 2011

Nach intensivsten Wochen der Vorbereitung starten wir, The Glue, am Donnerstag zu unserer ersten Nordamerika-Tournee. An dieser Stelle berichten wir täglich über unsere Reiseerlebnisse.

The Glue Band ohne InstrumenteEs war im Oktober, als von Oliver Rudin, Manager und Bandmitglied von The Glue, die Nachricht kam: Wir sind an die Harmony Sweepstakes Regional Competition in New York eingeladen! Dass es sich dabei um den wichtigsten A-cappella-Wettbewerb Nordamerikas handelt, wussten wir anderen zu dem Zeitpunkt noch gar nicht – aber New York klang erstmal super.

Als dann nach und nach weitere Termine klar wurden, wie z.B. ein Auftritt am Main Event des SingStrong Festivals in Reston bei Washington am 5. März (auch das eines der bedeutendsten Vocal-Festivals des Kontinents), war der Rahmen der Tour bereits abgesteckt. Zuerst Washington und zwei Wochen später New York.

Die Zeit dazwischen würden wir schon irgendwie füllen. Und sie füllte sich wahrlich. Mittlerweile spielen wir sieben oder sogar acht Konzerte vom 3. bis 20. März und reisen auch nach Ottawa und Montreal in Kanada und nach Boston.

Anfang Jahr stand das Tourprogramm und wir mussten uns langsam überlegen, welche Songs wir überhaupt singen. Und ob wir diese auf Deutsch oder mit übersetzten Texten präsentieren. Letzteres erwies sich als praktisch unmöglich, zumal die Veranstalter sich deutsche Songs wünschten. Und vor allem wünschten sie sich Eigenkompositionen, weil das auch in der nordamerikanischen A-cappella-Szene nicht sehr verbreitet ist. Deshalb singen wir unsere Songs grösstenteils in den Originalsprachen, versuchen mittels der Ansagen den Inhalt wiederzugeben und hoffen einfach nur, dass den Leuten da drüben unsere Musik gefällt.

Morgen früh geht es mit British Airways zuerst nach London, dann weiter nach Washington, wo wir gegen 20 Uhr ankommen werden. Viele von uns waren noch nie oder schon sehr lange nicht mehr in den USA. Wir sind sehr gespannt, was uns da erwartet. Stimmen die Gerüchte? Sind die Einreisekontrollen so streng, wie immer behauptet? Die Vorfreude ist im Moment jedenfalls riesig und die Spannung steigt von Minute zu Minute. Jetzt noch letzte Dinge erledigen und los geht’s.

Unseren Flugbericht aus der Blackbox gibt es morgen an dieser Stelle.

«Do you understand english? English sucks, english sucks…»

Luca Bruno am Montag den 13. Dezember 2010

Vorgestern haben wir euch von den beiden Mixtapes des New Yorker Rapkollektivs Das Racist vorgeschwärmt. Gestern Abend haben wir im 1.STOCK nun gleich selbst überprüft, ob das Brooklyner Trio seine Versprechen auch Live einhalten kann.

Zuerst allerdings die Aufwärmübungen, die an diesem Sonntagabend von der jungen New Yorkerin Tecla übernommen werden. Mit ihren synthesizer-lastigen Popsongs bringt sie während 15 Minuten zumindest die ersten Reihen mehrmals zum Hüpfen. Ein Versprechen für die Zukunft.

Im Verlaufe des Abends bezeichnen Das Racist den mittlerweile gut gefüllten 1. Stock geschätzte 20 Mal als «super dope». Auf ihrem Track «hahahaha jk?» rappen Das Racist jedoch «We’re not joking, just joking, we are joking» und in der Tat konnte man sich das ganze Konzert über nicht ganz sicher sein, ob die drei New Yorker wirklich Gefallen am Basler Publikum gefunden haben oder ob wir gerade veräppelt werden. «Do you understand english?», wollten die Drei etwa von der johlenden Menge wissen. «English sucks, english sucks, english sucks…» gab es als Antwort.

Die Herren sind Meister im Vor-den-Kopf-Stossen, unterwegs auf dem schmalen – und unterhaltsamen – Grat zwischen Genie und Wahnsinn. Wen wundert es da noch, dass wenn Das Racist plötzlich zum Publikum meint «shut up». Zuerst mit ernstem Gesicht, dann mit breitem Kiffergrinsen. Eines steht fest: Die Drei haben jede Menge Spass auf der Bühne – zumindest unter sich. Das Airhorn wird rege betätigt und auch auf das in der Ecke stehende Drumkit wird immer mal wieder eingehauen.

Das Racist fordern «mehr Pizza» auf den Monitoren, ihren Hit «Combination Pizza Hut and Taco Bell» verweigern sie uns jedoch. Hits wie «Who’s That? Brooown!» oder «You Oughta Know» machen die Absenz ihres Breakout-Hits jedoch vergessen.

Zum Abschluss erklingt dann «Simply the Best» von Tina Turner aus den Boxen – um diesem Motto auch wirklich gerecht zu werden, hätte uns Das Racist allerdings gerne mehr als 30 Minuten unterhalten dürfen.

Basler Graffiti-Wahrzeichen als Weltkulturerbe?

Joel Gernet am Freitag den 26. November 2010

Quelle: foto-werkstatt.ch

Mehr urbane Schweizer Traditionen, darunter Graffiti als Teil der Hip-Hop-Kultur, wünscht sich David Vitali vom Bundesamt für Kultur auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes, wie er diese Woche gegenüber 20minuten Online sagte. Auf den ersten Blick eine gute Idee, gehört doch Graffiti tatsächlich zu den prägenden Elementen im Stadtbild. Die Basler Bahnhofseinfahrt etwa mit ihrer kilometerlangen Graffiti-Galerie ist weit über die Landesgrenze hinaus bekannt. Und nicht wenige sehen in ihr sogar eine Art inoffizielles Wahrzeichen.

Man stelle sich vor: Diese bunte Bahnhofsgalerie gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO – zusammen mit den Pyramiden von Gizeh, dem Yellowstone-Nationalpark, dem Taj Mahal und 908 anderen Objekten in 151 Ländern. Das wärs doch, oder? Basel Tourismus könnte die Kunststadt am Rheinknie noch besser vermarkten und die ansässige Graffiti-Szene (nicht zu verwechseln mit den zahlreichen Schmierfinken) bekommt endlich einmal die Anerkennung, die ihr zusteht.

Doch so schmeichelhaft die Idee auch ist – der Vorschlag ist Bullshit. Erstens: Graffiti ist ein weltweites Phänomen, entstanden Anfang der 70er Jahre in New York. Warum also sollen nun ausgerechnet die Graffiti aus der sauberen Schweiz zum Teil des Weltkulturerbes werden? Das wäre ein Schlag ins Gesicht der Pioniere. Wenn schon, müsste die Subway in New York – von wo aus die farbigen Buchstaben die Welt erobert haben – «geschützt» werden. Oder die unzähligen Graffiti-Mauern der Bronx. Das geht nicht, weil die meisten Bilder dieser Zeit schon weggeputzt wurden? Aha! Da sind wir bei Punkt zwei: Graffiti ist eine flüchtige Kunst. Sie kommt und geht. Altes wird von Neuem übermalt. Das war schon immer Teil dieser Kultur.

Als ich nach dem Tod des weltbekannten Basler Sprayers Dare der Frage nachging, ob seine Bilder im öffentlichen Raum nun eines speziellen Schutzes bedürfen, wurde mir gesagt, dass Dare zeitlebens gegen eine solche Archivierung von Graffiti war. Und ich bin es auch. Das hat nichts mit Geringschätzung dieser Kultur zu tun. Eher mit Respekt und dem Bewusstsein der steten Erneuerung. Graffiti ist eine lebendige Kultur, die auf den Strassen dieser Welt statt findet. Legal und illegal. Im Moment, indem sie unter Schutz gestellt oder ins Museum gesteckt wird, läuft sie Gefahr, dass sie stirbt. Dann müsste man sie tatsächlich ausgraben und archivieren.