Beiträge mit dem Schlagwort ‘Musik’

Der zweite Streich der Basler Überraschungsband

Gawin Steiner am Montag den 18. August 2014

Von Null auf Hundert. Oder in Hörerzahlen: von Null auf Hunderttausend. Das noch junge Basler Folk-Quintett Serafyn entschied sich erst zu Beginn dieses Jahres, ihre Musik zu professionalisieren. Dies, nachdem sie als Strassenmusiker durch europäische Städte zogen. Nun hat ihre Musik eingeschlagen wie eine Bombe, obwohl deren Klang eher zierliche Schönwetter-Wölkchen assoziert.

Erfolg aus dem Stehgreif: Die Band Serafyn.

Erfolg aus dem Stehgreif: Die Band Serafyn.

Hauptgrund für den Erfolg war der englische Singer-Songwriter Fink (vergangenes Wochenende auf der Bühne des Open Air Basel), der ihren Song Take To The Skies im Netz verlinkte. So erreichte die Band um Anna Erhard, Anja Waldkircher, Alexandra Werner und die Brüder JJ und Lucas Löw innert wenigen Wochen über 100’000 Klicks auf der Musikplattform Soundcloud. Mit ihrem bisher einzigen Song!


Der Song Take To The Skies wurde über 100’000 Mal abgespielt.

Nach diesem Überraschungs-Coup erschien nun am 18. die zweite Single Go Down North – zusammen mit einem Videoclip. Der Song besticht durch seine sanfte Ausgewogenheit zwischen Instrumental – Cello, Cajon, Bass, Gitarre und sanften Drums – und dem harmonischen Gesang der drei jungen Damen, der eine beruhigende, träumerische aber auch nachdenkliche Stimmung vermittelt.


Die neu erschienene zweite Single «Go Down North».

Das dazugehörige Video packt die Geschichte der Musiker an ihren Wurzeln. Es spielt sich auf den Strassen der Basler Innenstadt ab, immer wieder unter den neugierigen Blicken der Passanten, bis der Song schliesslich auf einer kleinen Bühne der Basler Aktienmühle vor kleinem Publikum ausklingt. Der Clip wiederspiegelt den Schritt von der Strasse zur Bühne, den die Band gemacht hat. Die kurze Sequenz in einem Weidling auf dem Rhein könnte zwar die Reise durch Europa beschreiben, kommt aber als einziger kleiner Tintenfleck im Reinheft ein wenig kitschig rüber. Doch bei diesem gelungenen Gesamtpaket wäre diese Kritik kleinkariert.

So vermag definitiv auch die zweite Serafyn-Single zu begeistern. Und der zweite Streich dürfte auch den Wunsch bei den neugefundenen Fans nach «mehr von Serafyn» vollends befriedigen. Der neue Song macht jedenfalls nochmals Lust auf mehr und die Band scheint das Potential zu haben, um mit ihren sanftem Tönen noch weiter nach oben zu kommen.

Natürlich schürt der anfängliche Erfolg auch bei der Band Hoffnungen, tatsächlich richtig gross zu werden, doch überstürtzen wollen sie nichts. «Wir bleiben vorerst unserem Zuhause, der kleinen Bühne, treu», sagt Alexandra, Sängerin und Cellistin. Und auf einer solchen kleinen Bühne stehen die Fünf bereits wieder am 22. August in der Basler Freiluft-Bar Nachbars Garten bei der Kuppel.

www.serafyn.jimdo.com
www.soundcloud.com/serafyn
Serafyn auf iTunes

Kunst gegen brasilianische Gefängnis-Tristesse

Graziella Kuhn am Donnerstag den 10. April 2014

Wenn Häftlinge auf klassische Musik und Malerei treffen, entsteht Ungewöhnliches. Die Basler Stiftung Brasilea zeigt diese Begegnungen in einer multimedialen Ausstellung. Heute ist Vernissage.

In Brasilien ist das Gefängnisleben geprägt von tristen Wänden. Es gibt keinerlei Dekoration oder auch nur die kleinste Möglichkeit, sich zu beschäftigen. Keine Bücher, Computer oder Fernseher. Das Einzige was den Insassen bleibt, ist der tägliche Spaziergang um den Baum im Hof – sofern denn einer da ist. Wenn es der Anstalt gut geht, besitzen sie eine kleine Bibliothek mit vielleicht 50 Büchern. Allerdings keine Gesetzesbücher: Häftlinge mit Gesetzkenntnissen, können gefährlich werden. Um der täglichen Einöde zu entschwinden, dürfen die männlichen Gefangenen sich eine Frau für sexuelle Dienste kommen lassen, den weiblichen Insassinnen bleibt dieses Recht jedoch verwehrt. Auch in diesem Land ist das Patriarchat – zumindest im Gefängnis— noch alles bestimmend.

Um gegen diese Tristesse des grauen Alltags anzukämpfen, hat das brasilianische Künstlerduo Mariannita Luzzati und Marcelo Bratke aus Sao Paolo das Projekt «NO LAND» lanciert. Die Landschaftsmalerin und der Pianist haben es sich zum Ziel gesetzt, die Insassen als Publikum auf eine Reise durch brasilianische Landschaften mitzunehmen – und so wieder Freude hinter den Gittern zu ermöglichen.

Begleitet werden die Zuschauer durch die Musik von Heitor Villa-Lobos und weiteren brasilianischen Komponisten, deren Inspirationsquelle in der Natur liegt. Die Musik wird visuell durch die Naturfilmaufnahmen und deren Interpretation von Mariannita Luzzati untermalt. Aus den Aufzeichnungen dieser aussergewöhnlichen Begegnungen ist ein Film entstanden: Eine Dokumentation über Emotionen und Leidenschaft, mit eindrücklichen Bildern und schöner Klaviermusik. Nach der Vorführung in zehn brasilianischen Haftanstalten, wurde «Cinemúsica» in Konzerthäusern und Museen in Brasilien, Deutschland, England, Serbien, Bosnien und den USA gezeigt – zusammen mit der Dokumentation über das Gefängnis-Projekt.

Die Stiftung Brasilea stellt ihre Räume am Dreiländereck für eine Symbiose aus Dokumentationsfilm, Landschaftsmalerei und Live-Musik zur Verfügung. So soll es den Betrachtern ermöglicht werden, das zu sehen, was die Gefängnis-Insassen sahen und fühlten. «Cinemúsica» erhielt im Jahr 2011 den 14. Brazilian International Press Award und wurde beim Art of Touch Sarajevo Winter Festival 2014 ausgezeichnet.

Emotionen im Gefängnis

Marcelo Bratke gehört zu den international bekanntesten Pianisten Brasiliens, dem das Werk seines renommierten Landmannes Heitor Villa-Lobos (1887-1959) am Herzen liegt. Bratkes musikalisches Repertoire reicht von Klassik bis zur populären Musik. Mit seinen musikalischen Vorführungen füllt er Konzerthäuser rund um den Globus, wie die Queen Elizabeth Hall in London, die Carnegie Hall in New York und das Teatro Colón in Buenos Aires. Mit der Musik und den Werken seiner Lebenspartnerin Mariannita Luzzati will er die zwischenmenschliche Ebene der Betrachter ansprechen. Ihre Bilder basieren auf eigenen Landschaftsaufnahmen und auf Fotos aus den Anfängen der Fotografie ab 1880. Einer Zeit, bevor der Mensch die Landschaftsansichten durch sein Einwirken stark verändert und geprägt hat.

Die Inhalte werden auf ein Minimum reduziert, um so das Sehen und auch die Fantasie des Betrachters zu stimulieren. Die Landschaften wirken wie in Nebel gehüllt, entstanden durch zahlreiche dünne Ölschichten, die die Ränder und Kanten leicht verschwimmen lassen. Luzzati will so im Betrachter das Gefühl des schon «Dagewesenseins» hervorrufen. Die vertraut wirkenden Szenen im Zusammenspiel mit der Musik lösten bei den Insassen und später auch beim Publikum starke Emotionen aus, wie Bratke schildert. Genau auf dieser Ebene will das Künstlerpaar die Menschen erreichen.

«NO LAND» von Mariannita Luzzati & Marcelo Bratke»
10. April bis 14. Mai 2014. Vernissage mit Klavierkonzert von Marcelo Bratke: Do. 10. April, ab 18.45 Uhr. Stiftung Brasilea, Westquaistrasse 39, Basel.

Zur neuen Ausstellung gibt es einen Workshop mit der Künstlerin Cerstin Thiemann. Als Inspiration dienen dabei Mariannita Luzzatis Landschaften. Mittels Motivsuche und Gestaltung werden dann eigene Bilder komponiert. Die Teilnehmerzahl für den Workshop ist limitiert. Mehr Infos

 

Die Abgebrühte und die Neuland-Betreterin

Gawin Steiner am Montag den 20. Januar 2014

Zwei Sängerinnen aus der Region geben Gas: Mit Anna Aaron und Lena Schenker haben dieser Tage gleich zwei Sängerinnen aus der Region ein Video lanciert. Viel nackte Haut gibt es im neuen Videoclip «Linda» von Anna Aaron zu sehen: Eine Tänzerin bewegt sich, bloss mit einem Slip bekleidet, mit faszinierender Körperspannung vor einer mit wechselnden Neonröhren belichteten Wand. Kunstvoll und passend zu der melancholischen Ballade. Anna Aaron erscheint jeweils zwischen den Tanzsequenzen ebenfalls vor den Lichtstreifen – bekleidet mit einem Wollkragen-Pullover bis zum Kinn. Mit Spezialeffekten, die gegen Ende des Videos eingesetzt werden, lösen sich die beiden Protagonistinnen dann langsam in Luft auf. Wie man sich das von der Basler Pop-Preis-Gewinnerin gewöhnt ist, kommt das Ganze professionell daher. Sehens- und hörenswert. Der Clip ist ein Vorbote zu Anna Aarons Album «Neuro», das am 28. Februar erscheinen wird.

Im Gegensatz zu Anna Aarons Videoclip steht derjenige von Lena Schenker aus Liestal. Die ehemalige «Voice of Switzerland»-Teilnehmerin betritt mit der Veröffentlichung ihres neuen Videos «Fallen One» Neuland. Was musikalisch durchaus zu überzeugen vermag, wird leider durch ein wenig authentisches Video abgewertet. Bei den aufwendig wirkenden Dreharbeiten wäre die Devise «weniger ist mehr» angebracht gewesen: Weniger Lippenstift und weniger Drama, um die Stimme der talentierten 17-Jährigen besser herauszustreichen. Denn das Talent ist da – eindeutig.

Allen, die mit Anna Aaron und Lena Schenker noch nicht genug bedient sind, sei Folgendes gesagt: Ende Woche erscheint mit «The Spell» das Debutalbum der vielgelobten Sissacher Sängerin Ira May.

Alle wollen auf die JKF-Bühne, keiner will voten

Joel Gernet am Mittwoch den 15. Mai 2013

Am Donnerstag endet das Publikums-Voting zum Jugendkulturfestival – die Bilanz ist durchzogen. Dennoch haben alle Beteiligten Grund zur Freude. Eine kleine Polemik von einem, der den Mund eigentlich nicht zu weit aufreissen dürfte.

Das JKF 2013 findet am 30. und 31. August statt. (Fotos: zvg)

Das JKF 2013 findet am 30. und 31. August statt. (Fotos: zvg)

Da soll noch einer sagen, die Jungen sitzen nur zu Hause. Auf die Bühne zieht es sie! Ans JKF! Noch nie wollten so viele Bands am Basler Jugendkulturfestival auftreten wie dieses Jahr. Nicht weniger als 205 Musikformationen wollen am letzten Augustwochenende eine der zahlreichen Bühnen in der Innenstadt rocken – ein Viertel mehr als beim letzten JKF 2011.

Dazu kommen noch über hundert Anmeldungen aus den Bereichen Tanz, Theater, Sport und Freestyle. Das ist ein neuer Rekord, wie die Organisatoren stolz verkünden. Für Jugendliche und Kreative ist das alle zwei Jahre statt findende JKF einer der kulturellen Höhepunkte des Sommers. Wann sonst gehört die Innenstadt ganz der Jugend?

Bands, die sich ihrer Teilnahme am 8. Jugendkulturfestival ganz sicher sein wollen, lassen sich beim Publikums-Voting auf der JKF-Homepage unter die ersten Zehn wählen. Diese sind nämlich auf sicher dabei. Alle anderen durchlaufen das gängige Selektionsverfahren der Organisatoren. Das Voting endet am Donnerstagabend, 16. Mai 2013. Zeit also für den Endspurt und eine kleine Zwischenbilanz kurz vor dem Zieleinlauf. Eigentlich sind solche Votings ja eine gute Sache. Insbesondere für junge Bands mit treuer Fanbasis, aber geringem Bekanntheitsgrad.

Aber überspitzt könnte man sagen: Die Band-Anmeldungen mögen in die Höhe schnellen – doch keine Sau nimmt am Voting teil. Alle wissens, keiner votet. 14 der über 200 Bands kommen am Mittwochvormittag auf mehr als 100 Stimmen, davon zwei auf mehr als 200 (hier werden der Fairness halber bewusst keine Bandnamen genannt). Bei den restlichen Formationen ergibt sich ein tristes Bild: Wenn es eine Band nicht einmal schafft, 40 Stimmen zu mobilisieren, fragt man sich schon, ob die überhaupt einmal jemandem erzählt haben, dass man Musik macht. Und wenn man dann sieht, dass es etablierte Bands gibt, die weniger Stimmen als Bandmitglieder haben, dann kann man schon von einem kleinen Desaster reden.

Woran liegt das? (Ausser am für den Voter lästigen Registrierungsverfahren – wie wärs z.B. mit einem Facebook-Login?) Erstens wissen die etablierten Acts, dass sie den JKF-Gig so gut wie sicher in der Tasche haben. Ebenso eine tolle Auftrittszeit auf einer der grösseren Bühnen – dafür gibt es ja zu Recht das Organisationskomitee. Dieses kennt die Basler Bandszene und weiss, wie man ein ansprechendes Festival programmiert. Und junge Bands, die wirklich gut sind, könnten sich ihrer Sache eigentlich auch sicher sein – sofern sie genug Selbstvertrauen haben, um dem OK zu vertrauen. Das bedeutet eigentlich, dass sich nur durchschnittliche oder blutjunge Bands via Voting in die Top Ten katapultieren lassen müssten. Dass dies nicht so ist, zeigen die ersten 15 des Votings, wo durchaus auch grosse Namen zu finden sind.

Fotobeweis: 2011 war der Autor selber am JKF dabei – nachdem er mit «Brandhärd» das Publikums-Voting gewann.

Meiner Meinung nach liegt das dürftige Interesse am JKF-Voting vor allem am Voting selber. Hier also Punkt zwei: Die Leute haben Votings satt! Heute wird wegen jedem Furz (und damit meine ich nicht das JKF) eine Publikumsabstimmung lanciert in der Meinung, dass man so via Social Media «die Jungen» erreicht und gratis Promo erhält. Das ist zum kotzen!

Ich habe langsam keine Lust mehr, meinen Facebook-Account zu besuchen, weil ich zugebettelt werde von Musikern und anderen Kreativen, die sich für irgendwas verknechten lassen. Als Künstler kann man sich doch heute keine coole Aura mehr erarbeiten, wenn man seine Fans permanent auf Knien anbetteln muss. Hallo! Wo bleibt denn da der Rock’n’Roll? Das sage ich als Fan und Musiker zugleich – wobei ich jetzt hoffe, das ich mit meiner Band demnächst nicht auch wieder auf eine Voting-Teilnahme angewiesen bin. Ich habe keine Lust, meine Freunde zu nerven.

Denn ich weiss, es geht vielen wie mir. Darum: Hört um himmels Willen auf mit diesen lästigen, degradierenden Votings! Wer einen Künstler unterstützen will, soll seine Konzerte Besuchen, CDs kaufen und YouTube-Videos anclicken. Und zwischendurch vielleicht ausnahmsweise ein Voting wie das des JKF. Denn eigentlich, das darf man nicht vergessen, kann die Diktatur solcher Mini-Mehrheiten auch eine gute Sache sein – in der richtigen Dosis.

Also votet! Ihr habt noch Zeit bis am Donnerstagabend. Danach kehrt zumindest in dieser Sache Ruhe ein – und wir können uns auf das Wochende vom 30. und 31. August 2013 freuen. Dann findet zum achten mal das Jugendkulturfestival statt und die Innenstadt gehört für einmal ganz der Jugend und allen Junggebliebenen.

PS: Vielleicht habe ich es verdrängt – oder ich bin einfach schon alt – aber ich möchte und sollte an dieser Stelle natürlich nicht verschweigen, dass ich 2011 mit meiner Band Brandhärd das JKF-Voting gewonnen habe. Allerdings ohne Bettel-Tour.

Eine Legende, die (noch) niemand kennt

Luca Bruno am Dienstag den 29. November 2011
R. Stevie Moore

R. Stevie Moore (Flickr)

Er sieht aus wie ein Autor von Mittelalter-Fantasyromanen, er hat (laut eigener Aussage) bereits über 400 Alben aufgenommen und auch veröffentlicht, er geniesst in Insiderkreisen den Ruf als Bedroom Pop-Pionier und trotzdem hat noch kaum jemand etwas von R. Stevie Moore gehört? Warum eigentlich?

Nun, Gründe dafür gibt es sicherlich einige: Vielleicht liegt es daran, dass die meisten seiner Alben nur als limitierte Kassetten erhältlich sind oder es hängt viel eher auch damit zusammen, dass er zu seiner ersten Welttournee erst im zarten Alter von 59 Jahren aufbricht. Das Wichtigste vorweg: Auf dieser Tour macht Moore auch Halt im Hirscheneck und das heute Dienstag, am 29. November 2011. Diesen Beitrag weiterlesen »

Imagine wartet auf dem Barfi auf Dich!

chris faber am Freitag den 10. Juni 2011

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http://www.imaginefestival.ch