Beiträge mit dem Schlagwort ‘Morgan Freeman’

Auch Magier können nicht zaubern

Fabian Kern am Mittwoch den 31. August 2016

«Now You See Me 2» läuft ab 1.9. in Basel.

«Now You See Me 2» läuft ab 1. September in Basel.

Fortsetzungen können eine Plage sein – nicht nur jene von Teenie-Filmen. Von jedem auch nur halbwegs erfolgreichen Hollywood-Film wird ein Sequel gedreht. Auch wenn es sich bei dem Original um einen wirklich gelungenen Streifen handelt, der intelligent unterhält. Jüngstes «Opfer» dieser unvermeidlichen Studio-Strategie ist «Now You See Me». Wobei man einräumen muss, dass wenn man die Chance hat, eine Besetzung mit Jesse Eisenberg, Mark Ruffalo, Woody Harrelson, Dave Franco, Morgan Freeman und Michael Caine ein zweites Mal gemeinsam vor die Kamera zu bewegen, man dies unbedingt tun sollte. Und, bevor hier Missverständnisse aufkommen, das Resultat ist denn auch durchaus sehenswert.

Merritt McKinney steckt mal wieder in Problemen.

Merritt McKinney steckt mal wieder in Problemen.

Wie bei jedem Sequel kommt auch bei «Now You See Me 2» die Regel zur Anwendung, dass das Wegfallen vom Überraschungseffekt des Neuen wettgemacht werden muss durch mehr. Mehr und spektakulärere Twists, mehr Action, mehr Gags und mehr Figuren. Letzteres ergibt sich auf beiden Seiten. Die vier Reiter, wie sich die Robin-Hood-Magier Daniel Atlas (Eisenberg), Merritt McKinney (Harrelson) und Jack Wilder (Dave Franco) nennen, sind nur noch zu dritt. Dahinter steckt die Schwangerschaft von Isla Fisher, die aussetzen musste. Sie wird aber durch die vorwitzige Lula (Lizzy Caplan) ersetzt, was vor allem Atlas überhaupt nicht passt. Er plant sogar vielmehr noch die Absetzung von Dylan Rhodes (Ruffalo) als Chef des Quartetts. Dabei kommt ihm zupass, dass der erste Auftritt der Crew nach über einem Jahr gehörig in die Hose geht. Der jugendliche Technologie-Magnat Walter Mabry (Daniel Radcliffe) erpresst die Reiter, für ihn in Macau die mächtigste Software der Welt zu stehlen. Doch dessen Motiv ist nicht nur die reine Habgier, sondern er verfolgt auch noch ganz persönliche Rachepläne.

Drei der vier Reiter vor dem Hochsicherheitssafe.

Drei der vier Reiter vor dem Hochsicherheitssafe.

War beim ersten Teil des Magier-Thrillers die Doppelbödigkeit das stärkste Argument, so kommen bei der Fortsetzung noch ein bis zwei Böden hinzu. Bald weiss der Zuschauer nicht mehr, wem er noch trauen kann, ob die Guten wirklich alle gut und die Bösen wirklich nur böse sind. Jon M. Chu, der den Regiestuhl von Louis Leterrier übernommen hat, treibt die möglichen Wendungen an die Grenzen des Aufnehmbaren, bekommt aber meistens haarscharf die Kurve. Das liegt sicher an den starken Darstellern sowie am ausgewogenen Mix aus Ernst und Humor. Die Story ist dicht und dank der Verarbeitung von Dylans Kindheitstraumas abgerundet. Allein die zum Teil sehr mysteriösen Hintergründe der Tricks sind etwas unglaubwürdig.

Steckt Thaddeus Bradley hinter dem Ganzen?

Steckt Thaddeus Bradley hinter dem Ganzen?

Wer den ersten Film mochte, wird auch nach «Now You See Me 2» zufrieden aus dem Kino gehen. Dennoch hält sich die Vorfreude auf den bereits angedachten dritten Teil etwas in Grenzen. Das Schneller-weiter-höher-Prinzip lässt erahnen, wohin sich diese Serie entwickeln könnte. So gern man dieses Zauberer-Ensemble inzwischen gewonnen hat, verliert die Geschichte mit jedem Sequel ein Stück jener Magie, die das Original so stark machte. Dieser Gesetzmässigkeit sind sogar Magier unterworfen.

«Now You See Me 2» läuft ab 1. September 2016 im Kino Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Kinostarts in Basel am 1. September: Ben Hur, Mike and Dave Need Wedding Dates, Fuocammare, Un homme à la hauteur.

Depp goes digital

Graziella Kuhn am Mittwoch den 23. April 2014

Was passiert wenn Mensch und Maschine sich vereinen? In «Transcendence» gelingt Johnny Depp dieses Experiment mit Hilfe seiner Frau. Durch den Zugang zum World Wide Web mutiert er zum Überwesen, das bald nicht mehr zwischen Helfen und Herrschen unterscheiden kann…

Filmplakat Transcendence

«Transcendence» ab 24. April im Pathé Küchlin.

Unbrauchbare Smartphones vermüllen die Strassen von Berkeley; Computertastaturen werden als Türstopper missbraucht und Ampellichter gehen sowieso nicht mehr: So sieht die Welt in einer nicht zu weit entfernter Zukunft in «Transcendence» aus. Der Erzähler (Paul Bettany) berichtet von einer «unaufhaltsamen Kollision zwischen Menschheit und Technologie», indem er fünf Jahre zurück in der Zeit springt, um uns sogleich mit auf seinen Leidensweg zu nehmen.

Dr. Will Caster (Johnny Depp) und seine Frau sowie Arbeitskollegin Evelyn (Rebecca Hall) forschen auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz. Dass sie noch nicht ganz der Technik verfallen sind, zeigt ihr kleiner Garten im Hinterhof, der eine Pergola aus Kupferdraht erhalten hat.

Auf Investoren Suche: Dr, Will Carter beim Symposium über die Zukunft der künstlichen Intelligenz und was damit alles möglich wäre.

Auf Investoren Suche: Dr. Will Carter beim Symposium über die Zukunft der künstlichen Intelligenz und was damit alles möglich wäre. (Bilder: Warner Bros.)

Im Labor allerdings arbeiten sie gewissenhaft an einem Computer namens «PINN» (Physically Independent Neural Network). Mit ihm wollen sie die nächste Stufe der Technologie erreichen: Ein Elektronengehirn, das über menschliche Emotionen verfügt und selbstständig reflektieren kann. Nicht allen ist diese Idee geheuer und so hat sich längst im Untergrund die Gruppe «RIFT» – ein Zusammenschluss von technikfeindlichen Extremisten – formiert. Im Verlauf eines Tages verüben sie dutzende Anschläge auf Labore und Technikinstitutionen, bei denen auch Dr. Caster verletzt wird. Durch eine Kugel, versetzt mit einem Plutonium Isotop, ist sein Leben drastisch verkürzt worden. Seine Forschungen will er aber noch nicht aufgeben und so kommen das Ehepaar Caster und ihr Freund Max Waters (Paul Bettany) auf die Idee, Wills Gehirn upzuloaden.

Der Versuch gelingt und Will erwacht zum «Leben»: Ist es Leben oder Erinnerung? Mensch oder Maschine? Wie viel davon ist Will selbst oder PINN – als Grundlage dienten ein paar Quantenprozessoren von ihm? Der neue Will ist aber mit einem massiven Server nicht zufrieden, er will immer mehr Bits und Bytes. Seine Frau, glaubend das er noch lebt, gewährt ihm diese Freiheit und schaltet ihn online. So transmutiert er zu einem hochintelligenten Wesen, dass sich bald seiner ungeheuren Macht bewusst wird…

Will als AI

Will als künstliche Intelligenz: Evelyn (Rebecca Hall) stellt ihrem Freund Joseph (Morgan Freeman) und FBI-Agent Anderson Buchanan (Cillian Murphy) ihre Forschung vor.

Seit «2001: Odyssee im Weltraum» oder «Terminator» bedient Hollywood immer mal wieder die «Computer übernehmen die Weltherrschaft»-Angstkeule. Nun nahm sich auch Christopher Nolan als Produzent diesem Thema an: Regisseur des Werkes ist Wally Pfister, ein erfahrener Kameramann, der sein Regiedebüt feiert. Dieses Team hat die Kinozuschauer schon mit Filmen wie «Batman Begins», «The Dark Knight», «Prestige – Die Meister der Magie» und «Inception» beglückt.
Doch interessanter sind die Fragen, die «Transcendence» aufwirft: Geht es hier wirklich nur um technologische Singularität oder befinden wir uns mitten in einer heftigen Diskussion um Transhumanimus oder dreht es sich hier gar um die Eschatologie? Die Philosophie des Filmes, die natürlich auch das alte Klischee «Der Mensch soll nicht Gott spielen» bedient, regt aber mal wieder zum Nachdenken an: Was passiert wohl in den Laboren dieser Welt, die Google und Co. gehören?

RIFT Werbung

Schon ein heutiges Problem: RIFT-Reklame, die für eine Gesellschaft ohne Internet und Technologie wirbt.

Wird sich der Mensch durch seine (zu) schnelle technische Entwicklung dereinst selber vernichten? Werden die Maschinen die Schnauze voll von dem herumwandernden Biomüll namens Mensch haben? Werden Roboter dereinst empindungsfähige Lebewesen? Ab wann sind ethische Grenzen überschritten? Dass diese Ideen im Film nicht bei den Haaren herbeigezogen sind, zeigen schon verschiedene Gruppieren: Wer genug Geld hat, kann sich auf 2045.com schonmal sein eigenen Avatar (menschliches Bewusstsein in digitalem Körper) bestellen. Sogar im Europäischen Parlament besteht das Human Brain Project, dessen Aufgabe es ist das menschliche Gehirn komplett zu entschlüsseln, natürlich alles zum Wohle der Erdbevölkerung. Diese Träume der Menschheit werden im Film szenisch mit sehr schönen Bildern produziert: Sie sprechen eine deutlichere Sprache als das Gesprochene an sich.

Die Geschichte verfällt leider immer wieder in alte Schwarz/Weiss-Muster, wie die zu harsche Trennung zwischen Gut (furchtlose Kämpfer «RIFT») und Böse (herzlose Technokraten). Die Hauptfiguren, vor allem Rebecca Hall als Casters Frau wirken etwas blass und unscheinbar. Dazu wandelt Morgan Freeman als Stimme der Vernunft hie und da durchs Bild und versucht die Welt zu retten. Wenn man aber davon absieht ist «Transcendence» eine sehr gelungene Mischung aus einer realitätsnahen Sci-Fi-Story, einer romantischen Liebesgeschichte und einem Thriller-Element durch «RIFT». Ob es ein Blockbuster wird, muss sich zeigen, aber es wird ein Film sein, über den man später bei einem Bier intensiv und hitzig diskutieren kann.

 «Transcendence» läuft ab 24. April im Kino Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 24. April: Irre sind männlich, Beltracchi – The Art of Forgery, Hunting Elephants.

Aufstand der Lego-Männchen

Graziella Kuhn am Mittwoch den 9. April 2014

Filmplakat The Lego Movie

«The Lego Movie» läuft ab 10. April im Pathé Küchlin.

Was tu ich mir da für einen Schrott an: Wie überlebe ich bitte diese 1,5 Stunden im Kino bei «The LEGO® Movie»? Und das Ganze dann auch noch in 3D. Reichte es den Lego-Machern nicht schon, dass sie die Gamewelt mit ihren Bauklötzchen-Männchen infiltrieren? Müssen sie nun auch auf die Leinwand? Trotz aller Vorwände war nach fünf Minuten im Kinosaal plötzlich «everything awesome!» – so die Hauptaussage des Titelsongs.

Genauso ist es auch: Der Film überzeugt nämlich auf der ganzen Linie! Ein Feuerwerk an rasanter Action, knalligen Farben, flotter Musik und natürlich Millionen von Legosteinen. Das Animationsabenteuer überrascht mit sehr viel Witz, Selbstironie, einer Menge an Popkultur- und Filmreferenzen und Gesellschaftskritik. Dazu der eingängige Awesome-Titelsong, der direkt der 90er-Jahre-Popgeneration entsprungen zu sein scheint und der sich zu einem veritablen Ohrwurm mausert: Bei mir ist alles super….

Lustige Weggefährten: Wyldsytle, Vitruvius, Emmet und das Einhornkätzchen (v.r.n.l; Bilder: Warner Bros.)

Lustige Gesellen: Wyldsytle, Vitruvius, Emmet und das Einhornkätzchen (v.r.n.l; Bild: Warner Bros.)

Die Fröhlichkeits-Matrix diktiert die Welt der farbigen Klötzchen, in der Bauarbeiter Emmet (gesprochen von Chris Pratt) zuhause ist. Der Tagesablauf folgt – tiefgründig allegorisch – einer exakten Anleitung, wie sie jedem LEGO-Spielzeug beiliegt: das morgendliche Aufstehritual, der Frühsport, das gemeinschaftliche Singen auf Arbeit und die Feierabendplanung im ständigen Wechsel zwischen Bockwurst und der Lieblingssitcom «Schatz, wo ist meine Hose?». Dieser überdrehten Gesellschaft, deren Leben in jeder einzelnen Sekunde per Gesetz geregelt wurde, obliegt einer Prophezeiung.

Die ultimative böse Macht: Lord Business (Bild: Warner Bros.)

Die ultimative böse Macht: Lord Business (Bild: Warner Bros.)

Denn der böse Lord Business (gesprochen von Will Ferrell, der auch im kurzen Liveaction-Segment zu sehen ist) hat die Ultra-Waffe «Kragle» gestohlen, um seine perfekt durchgeplante Welt zu erhalten. Daraufhin prophezeit Vitruvius (Morgan Freeman) die Ankunft eines speziellen «Meisterbauers», der alle von der grauenhaften Macht befreien soll: Dieser soll nun genau Emmet Brickowoski sein, der Bauarbeiter, dessen Gehirn nichts anderes kennt als Anleitungen. Doch nach einem Sturz nach der Arbeit entdeckt er zufällig den «Widerstands-Stein» («Piece of Resistance»), woraufhin er von Regimegegnerin Wyldstyle (Elizabeth Banks) für den prophezeiten Retter «Special» gehalten wird. Mit ihr erlebt er nun einen rasanten Road-Trip durch Welten wie den Wilden Westen, Mittelseeland und Wolkenkuckucksheim, wo sie auf ein ganzes Konglomerat von schrulligen Typen treffen, darunter Batman – übrigens der Partner von Wyldstyle –, Gandalf, der immer wieder mit Dumbledore verwechselt wird, Wonder Woman, Superman mit seinem Bewundern Green Lantern und dem Rest der «Justice League». Auch ein ewig lächelndes Einhornkätzchen mit krampfhaft unterdrückten Wutanfällen wird angetroffen, oder ein ausrangierter 80er-Jahre Astronaut sowie Basketballspieler wie Shaquille O’Neal.

Liebespaar: Wyldstyl gehört leider schon Batman. (Bilder: Keystone)

Liebespaar: Wyldstyl gehört leider schon Batman – Armer Emmet. (Bild: Keystone)

Die Regisseure Phil Lord und Christopher Miller («Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen») schafften es, den typischen Charakter des Legospielens einfliessen zu lassen, das bisweilen Züge alter Stop-Motion-Filme annimmt und seine staksigen Plastikfiguren im dreidimensionalen Raum plastisch real erscheinen lässt. Die Geschichte eines unbedarften Helden, der mit seinen Freunden gegen ein übermächtiges Regime antritt, ist nicht neu. Sie wird hier aber aberwitzig mit viel Spass und tollen Einfällen für Jung und Alt umgesetzt. Die Kernbotschaft von LEGO verfehlt ihre Wirkung nicht: es bleibt ein Appell an die eigene Kreativität, etwas immer wieder neu zu erschaffen, und an die Grenzenlosigkeit der Fantasie – ohne Anleitung.

«The Lego Movie» läuft ab 10. April 2014 im Kino Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 10. April: Divergent, Sabotage, Pelo malo, Supercondriaque, Yves Saint Laurent.

24 trifft Die Hard

Fabian Kern am Mittwoch den 12. Juni 2013

Filmplakat

«Olympus Has Fallen» läuft ab 13.6. in den Kinos Küchlin und Capitol.

«Olympus has fallen.» Der Funkspruch eines sterbenden Secret-Service-Agenten sorgen für ungläubiges Staunen in der Einsatzzentrale. Das Weisse Haus, das vermeintlich sicherste Haus der Welt mit dem Codenamen «Olympus», ist eingenommen – in gerade mal 13 Minuten, wie der nordkoreanische Oberbösewicht Kang (Rick Yune) dem Präsidenten Benjamin Asher (Aaron Eckhart) genüsslich unter die Nase reibt. Dieser ist nämlich im eigenen Bunker in Geiselhaft des Terroristen, leider in Gesellschaft der Verteidigungsministerin und des Oberbefehlshabers. Leider darum, weil damit alle drei Halter eines Codes für das «Zerberus»-System, das alle amerikanischen Atomsprengköpfe vernichten kann, in einem Raum vereint sind. Dumm gelaufen.

Secret Service Agents

Fallobst: Der Secret Service. (Bilder: Ascot Elite)

So dumm, dass man hofft, die USA hätten in der Realität ihre Lehren aus 9/11 gezogen und seien nicht so leicht zu düpieren wie im Actionthriller von Antoine Fuqua. Mit einem einzigen Flugzeug dringen die Nordkoreaner – amüsanterweise am 5. Juli, einen Tag nach dem amerikanischen Nationalfeiertag – ohne grosse Gegenwehr in den Flugraum von Washington D.C. ein und richten im Herzen der «Greatest Nation» ein Blutbad an. Beim folgenden Boden-Angriff scheinen sich dann die top-ausgebildeten Secret-Service-Leute gar nicht schnell genug ins feindliche Feuer werfen zu können. Kein Wunder, ist der Präsident mir nichts, dir nichts isoliert.

Mike Bannister

Die letzte Hoffnung: Mike Bannister.

Aber noch ist nicht alles verloren im Land der Tapferen und Freien. Das Sternenbanner wird zwar, vom Kugelhagel zerlöchert, von den Besetzern vom Dach des arg ramponierten Weissen Hauses geworfen, aber die bösen Asiaten haben die Rechnung ohne Mike Bannister (Gerard Butler) gemacht. Der zum Bürogummi degradierte ehemalige beste Leibwächter von Asher wirft sich ebenfalls ins Getümmel und wütet sich als Ein-Mann-Armee im Weissen Haus durch die feindlichen Linien. Er soll zuerst Präsidenten-Sohn Connor finden und aus der Gefahrenzone bringen, der das einzige Druckmittel darstellt, das Asher zur Herausgabe seines Zerberus-Codes bewegen kann. Damit erhält er die Chance, seine Mitschuld am Tod der First Lady wieder gut zu machen. Auch kein ganz unbekanntes Muster.

Kang und Asher

Präsident am Wickel: Kang und Asher.

Man hätte etwas mehr erwartet vom gefeierten «Training Day»-Regisseur. Fuqua beweist, dass er trotz seines unamerikanischen Namens ein Patriot reinster Güte ist. Schon mit dem pompösen Soundtrack zur Begrüssung wird einem im Kinosaal bewusst, worum es geht: um die Huldigung der amerikanischen Werte. Dass er das amerikanische Verteidigungssystem nach intensiven Recherchen beim echten Secret Service als Haufen von Dilettanten darstellt, ist allerdings bedenklich. Handwerklich ist an «Olympus Has Fallen» nichts auszusetzen. Die Kampfszenen sind eindrucksvoll inszeniert, der Spannungsbogen hält bis zum Schluss. Auch die Besetzung ist top. Neben Gerard Butler, quasi einer Kreuzung aus Jack Bauer («24») und John McClane («Die Hard»), überzeugt Aaron Eckhart ebenso wie Routinier Morgan Freeman und Angela Bassett.

Das Weisse Haus

Eine Nation unter Feuer: das Weisse Haus.

Das ist aber erst der erste Actionstreifen, der im Weissen Haus spielt. Bereits im September soll «White House Down» von Roland Emmerich mit verdächtig ähnlichem Plot in unsere Kinos kommen. Während Fuqua mit Butler einen Schotten als einzige Hoffnung des Präsidenten in die Schlacht schickt, tritt dann «Sexiest Man Alive» Channing Tatum zur Rettung des wichtigsten Manns der Welt – gespielt von Jamie Foxx – an. Wir sind gespannt, ob Emmerich ebenfalls auf die Karte Pathos setzt. «Independence Day» lässt grüssen.

«Olympus Has Fallen» läuft ab 13. Juni 2013 in den Kinos Pathé Küchlin und Capitoö.

Weitere Filmstarts in Basel am 13. Juni: The Big Wedding, The Purge, Les invisibles, Une Estonienne à Paris.

Plädoyer für eine Fledermaus

Fabian Kern am Mittwoch den 25. Juli 2012

The Dark Knight Rises

«The Dark Knight Rises» läuft ab 26. Juli im Pathé Küchlin und im Rex.

An dieser Stelle soll für einmal nicht über den Bösewicht oder angebliche unterschwellige politische Botschaften in «The Dark Knight Rises» gesprochen werden. Angesichts der tragischen Ereignisse in den USA wurde Bane schon mehr als genug thematisiert. Nein, es ist Zeit, dem wahren Helden der Batman-Trilogie zu huldigen: Christoper Nolan. Der britische Regisseur hat die Superhelden-Verfilmungen auf ein neues Level gehoben. Nolan nimmt den Maskenmann von seinem Comic-Sockel und stellt ihn in seiner ganzen Zerrissenheit dar. Im dritten Teil hat Bruce Wayne von seiner Tätigkeit als dunkler Rächer sogar körperliche Abnützungserscheinungen in seinen Gelenken. Gotham City rückt dem echten New York City näher, und die Filme sind knallharte Thriller, die auch jene Action-Fans abholen, die eigentlich nichts mit verkleideten Männern am Hut haben. Dagegen wirken die Batman-Verfilmungen der Achtziger- und Neunziger-Jahre wie ein Nachmittag im Kinderhort von Ikea.

Christopher Nolan

Hat das Auge für die richtige Inszenierung: Christopher Nolan. (Bilder: Warner Bros.)

Bruce Wayne alias Batman (Christian Bale)

Hat das Wohl von Gotham im Visier: Batman.

Um seine visuelle Revolution glaubwürdig umzusetzen, hat Nolan den perfekten Cast gefunden, angeführt von Batman Christian Bale. Der Charakterdarsteller stellt seine Vorgänger Michael Keaton, Val Kilmer und George Clooney allesamt in den Schatten. Keiner wäre besser in der Rolle des Milliardärs Bruce Wayne, der seit dem gewaltsamen Tod seiner Eltern nicht mehr glücklich werden kann. Aber auch die gestandenen Stars Sir Michael Caine als Butler Alfred, Morgan Freeman als genialer Erfinder und Gary Oldman als Commissioner Gordon spielen angenehm zurückhaltend, was die Filme aufwertet. Denn auf die Basis reduziert ist die Trilogie um den dunklen Ritter nur eines: der ewige Kampf Gut gegen Böse.

Bane (Tom Hardy)

Das Böse trägt Maske: Bane.

Dabei drängt sich der Vergleich mit der Weltraumsage Star Wars auf. George Lucas’ Science-Fiction-Meisterwerk ist der Prototyp des Kräftemessens von Licht und Schatten. Mit Ra’s al Ghul (Liam Neeson) verfügt Batman über ebenso einen Gegenspieler wie Luke Skywalker mit dem Imperator. Und in «The Dark Knight Rises» versteckt Bane (Tom Hardy), der Bösewicht an der Front, sein entstelltes Gesicht ebenso hinter einer Maske wie der legendäre Darth Vader. Damit enden aber die Parallelen, denn die Protagonisten sind in der Batman-Trilogie des 21. Jahrhunderts vielschichtiger als in Star Wars, das zu Zeiten des kalten Kriegs und der klaren Grenzen entstand. Zwar verkörpert der furchteinflössende Bane das ultimativ Böse – «das notwendige Böse», wie Bane selbst präzisiert –, aber die Guten haben meist auch eine dunkle Seite. Das Paradebeispiel neben dem Titelhelden war in «The Dark Knight» Harvey «Twoface» Dent (Aaron Eckhart), im dritten Teil wird die Meisterdiebin Selina Kyle alias Catwoman (Anne Hathaway) zur Heldin wider Willen.

Selina alias Catwoman (Anne Hathaway)

Windschnittig: Catwoman auf dem Bat-Bike.

Nolans grösstes Erfolgsgeheimnis ist aber, wie er einen neuen Superhelden-Charakter einführt. Das geschieht gemächlich, auf völlig glaubwürdige und nachvollziehbare Weise, sodass man ihn nicht mehr als Superheld wahrnimmt, sondern als ganz natürliche Figur akzeptiert. Die Menschen hinter den Masken werden für den Zuschauer fassbar. Das Universum von Batman hätte noch ganz viele Figuren zu bieten, weshalb es einfach nicht sein darf, wenn die Trilogie eine Trilogie bleiben würde, wie Nolan das ursprünglich geplant hat. Immerhin macht das Ende von «The Dark Knight Rises» Hoffnung auf einen weiteren Batman-Blockbuster mit Nolans Handschrift. Mach weiter, Christopher! Nur lass dir bitte nicht so viel Zeit für die Fortsetzung wie George Lucas mit Star Wars…

«The Dark Knight Rises» läuft ab 26. Juli in den Basler Kinos Pathé Küchlin und Rex.