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Technobeats und Glockenspiele

Luca Bruno am Donnerstag den 3. März 2011

Vor ein paar Wochen haben wir es bereits angekündigt, nun ist der Zeitpunkt endlich gekommen: Die Hinterhof Bar, welche sich in den letzten zwölf Monaten als geschmackssichere Addition zur Basler Clublandschaft bewies, darf dieses Wochenende zum ersten Mal Kerzen auspusten. Wir gratulieren herzlich und freuen uns auf das musikalisch hervorragend bestückte Wochenende mit Konzerten von Pantha du Prince und Efterklang.

Pantha du Prince2007 veröffentlichte Hendrik Weber unter seinem Pseudonym Pantha du Prince sein zweites Album «This Bliss». Es sollte dies sein erster erfolgreicher Versuch sein, die Grenzen des Minimal Technos weiter auszuloten. Während seine frühen Veröffentlichungen noch sehr traditionell daher kamen, klang «This Bliss» so mechanisch durchkalkuliert, dass das Album auf den Hörer nicht nur einfach kühl, sondern irgendwie schon fast bedrohlich wirkte. Mit diesem Album schuf Weber ein faszinierendes Werk mit Blick in die Abgründe des Technos und bot gleichzeitig den perfekten Soundtrack für kalte Winterlandschaften.

Trotz dieser musikalischen Kälte war die Rezeption der Musikwelt extrem positiv. Die Website «Resident Advisor», eine der besseren Anlaufstellen für elektronische Musik im Internet, zählt «This Bliss» zu den besten 100 Alben der 00er-Jahre und Geoff Travis, Gründer des britischen Kultlabels «Rough Trade Records», war von dieser Platte so begeistert, dass er um jeden Preis Webers nächstes Album veröffentlichen wollte. Pantha du Prince wurde so nicht nur zum ersten deutschen Künstler, der bei Rough Trade unter Vertrag steht, auch würde er damit den Nachfolger zu «This Bliss» bei einem Label veröffentlichen, welches sich in den Jahren zuvor hauptsächlich mit vielgelobten Releases aus dem Garagen und Indie Rock-Bereich (z.B. «Is This It» von den Strokes oder «Up The Bracket» von den Libertines) auszeichnete. Die Weichen für ein transzendentales Werk waren also gestellt.

Vor den Aufnahmen zu seinem nächsten Album tourte er 2009 als Supportact mit dem Animal Collective durch Europa und entwickelte sich so zu einem verlässlichen Liveact. Anschliessend reiste er in die Schweizer Alpen, um dort die Geräusche der Wälder aufzunehmen und sich von der Umgebung inspirieren zu lassen. Und es hat gewirkt. Mit «Black Noise», welches letzten Februar erschien, hat es Pantha du Prince nicht nur geschafft, seine Klangpalette nochmals um ein Vielfaches zu erweitern, durch die für ihn ungewohnten organischen Einflüsse konnte er seiner vormals sterilen und berechnenden Musik so Menschlichkeit und Wärme hinzufügen. «Black Noise» zeichnet sich ausserdem durch eine in der Technomusik bislang selten gehörte Dramaturgie aus – und das, obwohl Weber hauptsächlich wortlose Geschichten erzählt.

Pantha du Prince war zum letzten Mal im Januar 2009 in Basel zu Gast. Damals noch in der Übergangsphase, tritt er diesen Freitag nun zum ersten Mal mit dem vollendeten Werk hier auf.

Ebenfalls nicht zum ersten Mal in der Stadt ist das Folk Rock-Ensemble Efterklang. 2010 veröffentlichen sie ihr aktuelles Album «Magic Chairs» und begeisterten damals mit haufenweise Glockenspiel und Handclaps den 1. Stock.

DEfterklangas Quartett aus Dänemark ist in der Zwischenzeit allerdings nicht etwa untätig geblieben. Im letzten August zog man sich mit vier zusätzlichen Livemusikern auf eine kleine Insel vor der dänischen Küste zurück und nahm in Zusammenarbeit mit Vincent Moon den Film «An Island» auf. Moon kennt man durch seine essentiellen Videos für «La Blogothèque», bei denen er Bands in einer unerwarteten Location auftreten lässt, oder durch seine Arbeit bei Videoclips für The National oder R.E.M.

Vor ihrem Liveauftritt diesen Samstag werden uns Efterklang diesen Film in einem exklusiven Screening präsentieren und uns anschliessend mit ihrer unglaublich grossen Spielfreude, die man unbedingt live erleben muss, beehren. Wie auf all ihren Touren treten Efterklang zu acht auf und haben nebst angesprochenem Glockenspiel auch Bläser im Gepäck dabei. Wir freuen uns auf das Mini-Orchester im Hinterhof.

Abgerundet werden beide Abende durch zahlreiche DJ-Sets: Am Freitag werden u.a. Nik von Frankenberg und Thom Nagy, die bereits letztes Wochenende Ricardo Villalobos beim Presswerk-Finale an die Wand gespielt haben, hinter den Plattentellen stehen und am Samstag gibt’s elektronisches von den Lokalhelden Zaber Riders, sowie Hits aus der Indiedisco vom IndieNet.ch-DJ-Team.

Pantha du Prince: Diesen Freitagabend (4. Februar) live im Hinterhof. Bar: 20:00, Beginn: 23:00.
Efterklang: Diesen Samstagabend (5. Februar) live im Hinterhof. Screening
«An Island»: 20:30, Konzert: 22:15.