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Gewalttätiger Gutmensch

Fabian Kern am Donnerstag den 14. Juni 2012

Machine Gun Preacher

«Machine Gun Preacher» läuft ab 14. Juni im Kino Capitol in Basel.

Nach einem Drogen-Exzess erwacht Sam Childers (Gerard Butler) völlig zerstört am Boden seines Trailers in Central City, Pennsylvania. Daneben spielt seine kleine Tochter seelenruhig mit ihren Puppen. Doch diese erschütternde Szene reicht noch nicht aus, damit der zur Gewalt neigende Ex-Knacki sein Leben ändert. Dazu muss er erst noch einen Obdachlosen niederstechen – in Notwehr zwar, aber auch im wilden Blutrausch. Childers findet dank seiner Frau Lynn (Michelle Monaghan) Gott und wird vom gewalttätigen Drogendealer zum gewalttätigen Gutmenschen. Nachdem er sein Leben auf die Reihe gebracht, einen Baubetrieb aufgebaut und ein Haus gekauft hat, widmet sich Childers höheren Aufgaben: Er baut eine Kirche für Sünder in Pennsylvania und ein Waisenhaus im Kriegsgebiet des Südsudans. Mit Waffengewalt verteidigt Childers seine Schützlinge gegen die brutalen Söldner der Lord’s Resistance Army (LRA) des Warlords Joseph Kony und befreit entführte Kinder, die zu Kindersoldaten ausgebildet oder zur Prostitution gezwungen werden sollen.

Sam (Gerard Butler) und Deng (Souleymane Sy Savane)

Sam (Gerard Butler, links) und sein Partner Deng (Souleymane Sy Savane) haben eine Gruppe Kinder aus den Fängen der LRA befreit. (Bilder im Verleih von ASCOT ELITE)

Daisy (Kathy Bates) und Lynn (Michelle Monaghan)

Sams Rückhalt: Mutter Daisy (Kathy Bates) und Frau Lynn (Michelle Monaghan).

Wer denkt sich einen solchen Plot aus der einem regelmässig Schauer über den Rücken jagt? Ganz einfach: das Leben. Die Erschütterung der Bilder im Film «Machine Gun Preacher» wirkt so stark weil nichts erfunden wurde. Die Zustände im Krisengebiet des Südsudans und nördlichen Ugandas im Herzen Afrikas kann man sich in Mitteleuropa nicht einmal vorstellen. Entsprechend stark wirken die Gegensätze, mit denen Regisseur Marc Forster («Monster’s Ball», «Quantum of Solace») bewusst spielt: Wenn etwa Childers vor den brennenden Ruinen seines von der LRA abgefackelten Waisenhauses steht und mit seiner Frau telefoniert, die in der sterilen Kälte eines amerikanischen Supermarkts einkauft. In jener Szene will Childers alles hinschmeissen, seine Frau jedoch weist ihn auf die Rolle hin, für die er von Gott auserwählt wurde.

Sam (Gerard Butler) und Donnie (Michael Shannon)

Unbeherrscht: Sam nimmt sich seinen besten Freund Donnie (Michael Shannon) zur Brust.

Gerade hinsichtlich seiner Gläubigkeit übertreibt es Childers aber. Er ist so masslos wie in seinem alten Leben als Krimineller und ordnet seiner Mission alles unter. Auch seine Familie. Childers verkauft seine Firma, sein Auto und seine Möbel, um sein Projekt in Afrika zu finanzieren. Dabei balanciert der Hobby-Prediger immer zwischen humanitärem Einsatz und Selbstaufgabe. Kann das gutgehen?

Forster ist ein emotional dichtes, Werk gelungen, das keinen kalt lässt. Dem Schweizer wird aber vorgeworfen, Childers und dessen brutale Vorgehensweise zu wenig differenziert darzustellen. Das mag sein. Childers selbst verteidigt seine Methoden im Abspann des Films, als er sagt: «Stell dir vor, dein Kind wäre entführt worden. Wäre es dir nicht egal, auf welche Weise ich es zurückhole?» Der Maschinengewehr-Priester räumt aber ein, dass die Wahl Gerard Butlers als Hauptdarsteller nicht seine gewesen wäre. Childers hätte Russell Crowe bevorzugt, der sei «schmutziger». Aber auch mit dem schönen Butler ist der Film unbedingt zu empfehlen.

«Machine Gun Preacher» läuft ab 14. Juni im Kino Capitol in Basel.