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Selbstversuch mit Ant-Man

Fabian Kern am Dienstag den 8. Dezember 2015

«Ant-Man» ist ab 8.12. auf DVD und Blu-Ray erhältlich.

«Ant-Man» ist ab 8.12. auf DVD und Blu-Ray erhältlich.

«Papi, ist das ein Lieber?» Der Junior zeigt auf das Cover von «Ant-Man». «Ja, aber er ist lächerlich.» Dieser Dialog ist nicht erfunden, sondern beschreibt vielmehr perfekt die Ausgangslage zu diesem Experiment. Im Kino habe ich die Verfilmung des kleinsten Superhelden des Marvel-Universum tunlichst umgangen, nun zum DVD-Release beschloss ich, mich dem Film mit all meinen Vorurteilen zu stellen: 1. Ein Ameisenmann als Superheld? Bitte! Das ist nicht nur der kleinste, sondern auch der lächerlichste Superheld ever. 2. Und der wird ein Mitglied der Avengers? Marvel ist am Tiefpunkt angelangt. 3. Paul Rudd ist zwar sympathisch, kann aber nur Loser verkörpern. Dem nimmt man den Helden niemals ab. Dazu passt das Mitwirken von Michael Douglas, der in den letzten Jahren nicht eben durch die beste Filmwahl auffiel. 4. Der einzige Grund, sich den Film anzusehen, ist die zauberhafte Evangeline Lilly.

Also dann, rein ins zweifelhafte Vergnügen. Obwohl imdb.com den Streifen mit einem Wert von 7,6 ausweist und die 130 Millionen Dollar Produktionskosten locker wieder eingespielt wurden (180 Millionen bis heute), kann das doch nur Zeitverschwendung werden…

Was soll ich damit? Scott Lang mit dem Anzug.

Was soll ich damit? Scott Lang mit dem Anzug.

Vorurteil Numero 3 wird gleich zu Beginn bestätigt: Rudd spielt den Kleinkriminellen Scott Lang, der sein Leben nicht auf die Reihe bringt und mitansehen muss, wie ein Kotzbrocken (Bobby Cannavale) an der Seite seiner Exfrau Maggie (Judy Greer) Vater seiner Tochter Cassie spielt. Also ist Rudd doch die perfekte Besetzung. Genauso wie Michael Douglas übrigens, der als Wissenschafter und Unternehmer Dr. Hank Pym schon vor vielen Jahren einen Anzug entworfen hat, mit dem sich ein Mensch auf Ameisengrösse schrumpfen und gleichzeitig die Körperkräfte vervielfachen kann. Weil ein Emporkömmling (Corey Stoll) diese Erfindung ans Militär verscherbeln möchte, braucht er einen Träger des Anzugs, um dessen Geheimnis zu wahren. Warum er allerdings gerade Lang für diese Rolle auswählt, erschliesst sich mir so wenig wie Pyms Tochter Hope van Dyne (zauberhaft: Evangeline Lilly). Die Besetzung also ist gut, daran scheitert das Vergnügen nicht.

Mal ehrlich – sieht so ein Superheld aus?

Mal ehrlich – sieht so ein Superheld aus?

Die Inszenierung kann sich ebenfalls sehen lassen – was bei einem 130 Millionen-Budget auch erwartet werden kann. Mehr Freude als die Computereffekte aber machen der trockene Humor und die feine Selbstironie, die sich durch den ganzen Film ziehen. Der Brüller ist gar der Showdown zwischen Ant-Man und seinem Gegenspieler – ebenfalls im Mini-Format – in Cassies Kinderzimmer. Es bleibt aber ein Wermutstropfen. Zwar ist der Plot Marvel-würdig, aber es der Held ist und bleibt Ant-Man! Der kleine Mann im komischen Anzug, der mit den Ameisen kommuniziert und sie als Mini-Heer im Rücken hat… bitte! Den kann man einfach nicht als Superhelden ernst nehmen, sondern ist eher eine Freak-Version. Das kann der beste Film nicht kaschieren.

Augenweide: Evangeline Lilly als Hope Van Dyne.

Augenweide: Evangeline Lilly als Hope Van Dyne.

Als Fazit bleibt: Die Vorurteile sind bei weitem nicht alle gerechtfertigt. «Ant-Man» ist trotz fragwürdiger Titelfigur eine der besseren Comicverfilmungen aus dem Marvel-Universum – ein Fan werde ich trotzdem nicht. Und wenn im nächsten Avengers-Film Ant-Man eine grosse Rolle erhält, gehe ich auf die Barrikaden. Bliebe noch Evangeline Lilly… Habe ich schon erwähnt, dass sie einfach zauberhaft ist?

«Ant-Man». Marvel. ca. 112 Minuten. DVD ca. Fr. 18.-, Blu-ray ca. Fr. 24.-

Die glorreichen Sechs

Fabian Kern am Mittwoch den 23. Januar 2013

Filmplakat

«Gangster Squad» läuft ab 24.1. im Pathé Küchlin.

Mafia-Filme sind in den letzten Jahren etwas aus der Mode gekommen. Es fehlten die frischen Storys und nicht zuletzt auch die glaubwürdigen Darsteller. Die de Niros und Pacinos sind in die Jahre gekommen. Schön deshalb, dass sich nun ein anderer Grosser des US-Kinos als Mob-Chef die Ehre gibt. Sean Penns Figur Mickey Cohen ist allerdings kein Pate, der trotz aller Grausamkeit einen gewissen Stil besitzt, sondern ein roher, machtbesessener Emporkömmling, welcher den alten Chicagoer Mafiosi ein Schnäppchen schlagen will. Cohens Plan ist es, zuerst Los Angeles und dann die gesamte Westküste unter seine Kontrolle zu bringen. Und der ehemalige Boxer von der Ostküste, der auch in Realität die Stadt der Engel terrorisierte und zu dessen Ehre Penns Nase verbreitert wurde, tut dies mit Nachdruck. Drogen, Prostitution, Wetten – alles läuft über Cohen. Seine dreckigen Geschäfte lässt er von bestochenen Polizisten und Politikern beschützen.

Gangster Squad

Sechs Männer gegen das organisierte Verbrechen:Die Gangster Squad (Bilder: Warner Bros.)

Cohen und O'Mara

Erbitterte Feinde: Cohen und O'Mara.

Doch es gibt auch im korrupten L.A. der 40er-Jahre die «Unbestechlichen». Und der Eliot Ness der Westküste ist John O’Mara (Josh Brolin). Der aufrichtige Sergeant wird von Polizeichef Bill Parker (Nick Nolte) zur Rekrutierung einer Sondereinheit beauftragt, die ganz inoffiziell Cohens Geschäfte sabotieren und seine Herrschaft beenden soll – die Gangster Squad. O’Maras sechsköpfige «Guerilla-Einheit» reizt ihre Vogelfreiheit voll aus und bedient sich unzimperlicher Massnahmen – so sehr, dass die Grenze zwischen Gangstern und Cops zeitweise verschwimmt. Doch Cohen gibt sein Empirium nicht kampflos her und schlägt mit voller Härte zurück. Ein blutiger Krieg entbrennt.

Grace Faraday

Verführerisch: Grace Faraday (Emma Stone).

Filme mit dem Label «Inspired by a true story» haftet oft eine gewisse Bedeutungsschwere an. «Gangster Squad» hingegen umschifft diese Hürde mit spielerischer Leichtigkeit. Der Film ist wie aus einem Guss: In keinem einzigen Moment kommt Langeweile auf, die bleihaltige Story steuert stilsicher auf ein würdiges Finale zu. Das ist grosses Spannungskino. Und der Cast ist schlicht grandios. Als Gegenspieler von Penn, der Cohen an der Grenze zur Karikatur darstellt, brillieren neben Brolin der gewohnt leichtfüssige Ryan Gosling («Drive»), Giovanni Ribisi («The Rum Diary»), Anthony Mackie («Man on a Ledge»), Michael Peña («End of Watch») und Robert Patrick («Safe House»). Shooting Star Emma Stone («Crazy, Stupid, Love») spielt als verruchte Schönheit derweil ein gefährliches Spiel mit Cohen. Besser kann ein Gangsterfilm in der heutigen Zeit nicht besetzt werden. Und mehr kann man sich von einem Gangsterfilm nicht wünschen.

«Gangster Squad» läuft ab 24. Januar 2013 im Kino Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 24. Januar: Flight, Chasing Mavericks, Lincoln, Blancanieves, Quartet, Shanghai Shimen Lu.

Welcome to L.A.

Fabian Kern am Mittwoch den 2. Januar 2013
Filmplakat

«End of Watch» läuft ab 3.1. im Küchlin und im Studio Central.

Dass das Leben als Cop in Los Angeles kein Zuckerschlecken ist, wissen wir spätestens seit «Training Day» und «Street Kings». Beide stammen aus der Feder von David Ayer. Nun zeichnet der Amerikaner in «End of Watch» ein weiteres schonungsloses Bild von der täglichen Arbeit der Fusssoldaten des LAPD. Dass er gleich auch noch die Regie dabei übernommen hat, ist gut. Sehr gut, sogar. Denn wenn man den Officers Brian Taylor (Jake Gyllenhaal) und Mike Zavala (Michael Peña) bei ihren Patrouillenfahrten beobachtet, dann vergisst man das Bild vom strahlenden US-Cop, das Taylor im Werbeclip-artigen Beginn propagiert, schnell wieder. Das ist Drecksarbeit, die einen jede Minute das Leben kosten kann. Da ist der Zusammenhalt unter den Polizisten das Wichtigste.

Taylor und Zavala

Dynamisches Duo: Taylor und Zavala. (Rialto)

«Fühlst du dich als Held?», fragt denn Taylor seinen Partner auch – und das nach dem verdienten Erhalt der Tapferkeitsmedaille. Dieser schüttelt den Kopf. Platz für Helden ist keiner in der Stadt der Engel. Erst recht nicht in «South Central», dem verruchtesten Stadtteil von L.A. Dennoch ist bereits heldenhaft, wer sich tagtäglich dem Sumpf aus Drogen und Gewalt stellt, den die Gangs fleissig pflegen. Das kann einem durchaus in den Kopf steigen, könnte man denken. Das lässt uns auch Ayer denken, der die beiden Protagonisten zunächst als grossmäulige, gewaltverherrlichende Bullen vorstellt. Diese Fassade erweist sich je länger je mehr als Selbstschutz vor den Grausamkeiten, denen Tayler und Zavala ausgesetzt sind. Und sie beginnt zu bröckeln, indem sie immer mehr zeigen, dass sie trotz vielen lockeren Sprüchen ihr Herz auf dem rechten Fleck haben. Sie retten Kinder auf der Strasse und freuen sich auf ihre eigenen. Auch die Cops, die sich mit Bandenkriegen beschäftigen müssen, sind ganz normale Menschen.

Taylor und Janet

Brian mit seiner Frau Janet (Anna Kendrick).

Und genau an diesem Punkt wird es persönlich, denn das Duo, das einem ans Herz gewachsen ist, gerät auf die Abschussliste eines mächtigen mexikanischen Drogenkartells. Schweisstreibend steuert die Geschichte auf ein ungewisses Ende zu. Durch die verwackelten Aufnahmen der Handkamera wirkt das Ganze noch realistischer und lässt den Zuschauer an einem versöhnlichen Ende zweifeln. Die Storyline ist geschickt aufgebaut, und die Darsteller überzeugen durchs Band. Aber ein Werbesport für die zweitgrösste Stadt der USA ist es einmal mehr nicht. Das unvermeidliche Rassenthema ist auch in «End of Watch» omnipräsent. Welcome to L.A. – die besinnlichen Festtage sind vorbei.

«End of Watch» läuft ab 3. Januar 2013 in den Basler Kinos Pathé Küchlin und Studio Central.

Weitere Filmstarts in Basel am 3. Januar: Die Wand, Les saveurs du Palais, Silver Linings Playbook, The Sessions, The Woman in the Septic Tank.