Beiträge mit dem Schlagwort ‘Matthias Schweighöfer’

Fitz ist todkrank – mal wieder

Fabian Kern am Mittwoch den 24. Februar 2016

«Der geilste Tag» läuft ab 25.2. im Küchlin.

«Der geilste Tag» läuft ab 25.2. im Küchlin.

Es ist gerade mal eineinhalb Jahre her, als Florian David Fitz in «Hin und Weg» die letzte Velotour seines Lebens unternahm. Der durch die heimtückische Muskelkrankheit ALS zum Tod verurteilte junge Mann wählte den Freitod in Belgien. Und nun also Krebs. Benno (Fitz), als Lebenspartner und Vater gescheitert, hält sich als Penner und Taschendieb mehr schlecht als recht über Wasser, kippt aber immer mal wieder um. Kein Problem, geht ihm schon sein Leben lang so. Er schläft in jeder möglichen und unmöglichen Situation ein, hat Narkolepsie, die Schlafkrankheit. Damit kann er umgehen. Viel besser jedenfalls, als mit der Diagnose, die ihm plötzlich ein Arzt stellt: Krebs, im fortgeschrittenen Stadium, unheilbar. Das Todesurteil.

Wohin geht die letzte Reise? Andi und Benno.

Wohin geht die letzte Reise? Andi und Benno.

Benno macht im Sterbehospiz gute Miene zum bösen Spiel, ja schmiedet mit seinem Zimmernachbarn gar einen grossen letzten Plan. Andi (Matthias Schweighöfer) ist wegen einer Lungenfibrose, die ihn ebenfalls bald dahinscheiden lässt, an künstliche Sauerstoffzufuhr gebunden. Benno überredet ihn zur ersten Dummheit seines Lebens. Andi soll durch Kredite so viel Geld auftreiben wie möglich, damit sie im überschaubaren Rest ihres Daseins auf Erden noch einmal in die Welt hinauskommen und etwas Aufregendes erleben. Sobald sie den geilsten Tag hinter sich haben, der nicht mehr zu toppen ist, wollen sie sich mit einer Kugel das Leben nehmen – und die Welt durch einen Blog daran teilhaben lassen. Das klingt sogar für den überängstlichen Hypochonder Andi so verlockend, dass er sich darauf einlässt. Nicht wissend, dass Benno ganz eigene Pläne verfolgt. Dieser möchte nämlich zum ersten Mal in seinem Leben seine Tochter Leni sehen, deren Mutter Moni (Alexandra Maria Lara) in Südafrika heiraten wird. Ein wilder Roadtrip beginnt.

Kreischen ist erlaubt: Die Todgeweihte auf Roadtrip.

Kreischen erlaubt: Todgeweihte auf Roadtrip.

Fitz ist ein Multitalent. Der mit zahlreichen Auszeichnungen bedachte Schauspieler hat in «Der geilste Tag» nicht nur die Hauptrolle übernommen, sondern mit dem Drehbuch schon allein die Idee geliefert und sie als Regisseur gleich auch noch selbst inszeniert. Dafür verdient der 41-Jährige Respekt. Dass er sich selbst eine Paraderolle auf den Leib geschrieben hat, ist nachvollziehbar. Der scheinbar gleichgültige, egoistische Flegel mit dem grossen Herzen steht ihm nicht zum ersten Mal ausgezeichnet. Aber auch bei Michi dürfte Fitz schon beim Schreiben an Schweighöfer gedacht haben, der seiner Figur herrlich weibische Züge verleiht. Die Story vermag bei aller Abgedroschenheit des Themas immer mal wieder zu überraschen. Sie driftet auch nicht in Schwermut ab wie das kaum verdauliche Drama «Hin und weg», sondern ist eine leichte Buddy-Komödie, der die Menschlichkeit nicht abgeht, untermalt mit tollen Landschaftsaufnahmen aus Südafrika. Dennoch wäre es zu begrüssen, wenn Fitz bei seinem nächsten Werk einmal nicht einen Todkranken spielen würde. Der Mann hat noch so viel mehr drauf. Das deutsche Kino kann sich freuen.

«Der geilste Tag» läuft ab 25. Februar 2016 im Kino Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Kinostarts in Basel am 25. Februar: Chocolat, Keeper, Spotlight, Where to Invade Next.

Schweighöfer mit Biss

Fabian Kern am Donnerstag den 6. Februar 2014

«Vaterfreuden» läuft ab 6.2. im Capitol und im Küchlin.

«Vaterfreuden» läuft ab 6.2. im Capitol und im Küchlin.

Eines steht fest: Matthias Schweighöfer hat die deutsche Liebeskomödie nicht neu erfunden. Aber der Blondschopf ist mit Abstand deren produktivster Vertreter. Kaum hat sich der 32-Jährige mit «Schlussmacher» und «Frau Ella» aus den Kinos verabschiedet, bevölkert er sie schon wieder. «Vaterfreuden» heisst sein neuster Wurf, und er bietet nicht mehr, aber auch nicht weniger, als man von einem Schweighöfer erwarten kann. Denn im Gegensatz zu seinem Kumpel Til Schweiger, der vor ihm prägend für die deutsche Schnulze war, hat Schweighöfer keine qualitativen Ausrutscher. Kein Wunder, denn schauspielerisch agiert Schweighöfer ein bis zwei Etagen höher als Schweiger. Die Steigerung von Schweiger ist Schweighöfer.

Keine Freunde: Carsten und Felix. (Bilder: Warner)

Bissige Beziehung: Carsten und Felix. (Bilder: Warner)

Für einige Anleihen bei «Keinohrhasen» und «Kokowääh» ist sich der 32-Jährige dennoch nicht zu schade. Denn wie gesagt: Er hat die deutsche Liebeskomödie nicht neu erfunden – und will es auch gar nicht. Angesichts einer für den Plot nicht ganz unwichtigen tierischen Nebenfigur hat Schweighöfer wohl auch über den grossen Teich gelinst. Das Frettchen in «Vaterfreuden» erinnert doch stark an jenes aus «Along Came Polly». Während besagter Nager von Jennifer Aniston aber ziemlich harmlos ist, muss man bei Carsten schon mal sein bestes Stück einziehen – zumindest, wenn es gerade mit Honig beträufelt wurde. Denn das ist Carstens Leibspeise. Leider passiert Felix (Schweighöfer) aber genau das, und das erst noch mit Handschellen ans Bett gefesselt. Der notorische Frauenheld wird lebenslang für diesen Fauxpas büssen müssen, denn Carstens Zähne haben ihn seine Zeugungsfähigkeit gekostet.

Fruchtbare Geschichte: Felix und Henne beim Arzt.

Fruchtbare Sache: Felix und Henne beim Arzt.

Was grundsätzlich kein Problem wäre, da Felix ein überzeugter Single ist. Aber mit dem Abschied der Kronjuwelen kommt im Gegenzug der Kinderwunsch. Gut, hat sich Felix kurz vor dem Unfall von seinem  ebenso nervigen wie unerwünschten Bruder Henne (Friedrich Mücke) zur Samenspende hat überreden lassen. Und weil dieser ein schlechtes Gewissen hat, dass ausgerechnet sein Haustier den Bruderherz die Männlichkeit gekostet hat, lässt er sich auch nicht von der Anonymität der Fruchtbarkeitsklinik abschrecken und findet heraus, dass Felix’ Samen bereits den Weg in einen Uterus gefunden hat – jenen von Maren (Isabell Pollak), Münchens beliebtester Sportmoderatorin. Nur hat die Schöne nicht auf Felix gewartet, sondern plant ein dreisame Zukunft mit ihrem Verlobten, dem Yuppie Ralph (Tom Beck) und dem ungeborenen Kind. Aber der verhinderte Vater hat sich in den Kopf gesetzt, im Leben seines wohl einzigen Kindes eine Rolle zu spielen.

Paar-Potenzial: Maren und Felix.

Paar-Potenzial: Maren und Felix.

Natürlich, einen Filmpreis wird der Streifen nicht absahnen. Dafür ist er zu oberflächlich und gibt es zu viel derben Humor und zu viele vorhersehbare Slapstick-Einlagen. Natürlich, einiges kennt man aus anderen Filmen. Das ist in diesem Genre nicht ungewöhnlich. Natürlich, wenn man selbst Kinder hat, muss man einige üble Klischees aushalten. Alles in allem aber ergibt das einen gefälligen Mix mit einem authentischen Charme. Muss man denn überhaupt um jeden Preis bahnbrechend sein? Muss man die deutsche Liebeskomödie neu erfinden? Nein. Wer sie bisher nicht geschaut hat, wird sie auch jetzt nicht schauen – ausser Mann wird von der Partnerin dazu genötigt. Und das bisherige Stammpublikum wird am neusten Schweighöfer seine Freude haben.

«Vaterfreuden» läuft ab 6. Februar 2014 in den Basler Kinos Capitol und Pathé Küchlin.

Weitere Filmstarts in Basel am 6. Februar: Der Goalie bin ig, RoboCop, Free Birds, Mandela: Long Walk to Freedom.

Romantischer Roadtrip

Fabian Kern am Donnerstag den 17. Oktober 2013

«Frau Ella» läuft ab 17.10. im Küchlin.

«Frau Ella» läuft ab 17. Oktober im Kino Pathé Küchlin in Basel.

Auch wenn sich Matthias Schweighöfer vor Lachen gar nicht mehr einkriegt, als er am 14. Oktober in der TV-Sendung «Circus Halligalli» auf Pro7 über seinen neuen Film sprechen soll – ein Schenkelklopfer ist «Frau Ella» nicht. Nach Komödien wie «Keinohrhasen», «Rubbeldiekatz» oder «Schlussmacher» ist Schweighöfer seinem bevorzugten Genre zwar nicht abtrünnig geworden, «Frau Ella» schlägt aber deutlich leisere Töne an. Es geht um Identität, Toleranz, Ehrlichkeit zu sich selbst und natürlich um die grosse Liebe. Die wichtigen Dinge im Leben eben.

Davon hat Sascha (Schweighöfer) zunächst keine Ahnung. Der gescheiterte Medizinstudent schlägt sich als Taxifahrer durchs Leben und hält von Verantwortung wenig bis nichts. Als ihm seine Freundin Lina (Anna Bederke) eröffnet, dass sie schwanger ist, brennen ihm die Sicherungen durch, und er setzt sein Taxi in ein stehendes Auto. Im Spital rührt seine Zimmergenossin sein Herz. Weil die 87-jährige Ella gegen ihren Willen bei einem Routineeingriff eine für sie lebensgefärliche Vollnarkose erhalten soll, entführt Sascha die betagte Dame kurzerhand aus dem Krankenhaus.

Trio infernale: Sascha, Frau Ella und Klaus. (Bilder: Warner Bros.)

Trio infernale: Sascha, Frau Ella und Klaus. (Bilder: Warner Bros.)

Die schwangere Freundin weg, von der Polizei gesucht, eine Seniorin in der heruntergekommenen WG mit dem notorischen Single Klaus (August Diehl), der mit wachsender Verzweiflung die Frau fürs Leben sucht – Sascha ist am Tiefpunkt. Doch dann – nicht ganz unvorhersehbar – beschliesst «Frau Ella», der jungen Generation mal den Kopf zurecht zu rücken und zu zeigen, wo die Prioritäten im Leben liegen. Sie hat ihre grosse Liebe während des Zweiten Weltkriegs kennengelernt, dann aber aus politischen Gründen aus den Augen verloren. Sascha googelt den Amerikaner und macht ihn in Paris ausfindig. Kurzentschlossen macht sich das ungleiche Trio mit Klaus’ altem Cabriolet auf die Suche nach Frau Ellas verschollenem Geliebten.

Ein bisschen Spass muss sein: Sascha und Frau Ella.

Spass muss sein: Sascha und Frau Ella.

Vorhersehbarkeit ist in Liebeskomödien kein Killerkriterium, deshalb sei für «Frau Ella» eine Empfehlung ausgesprochen. Die liebenswerten Figuren tragen die erwärmende Geschichte durch wunderschöne französische Landstriche. Die Rollen sind dabei genau richtig besetzt. Über Schweighöfer, Deutschlands Lieblingsschwiegersohn, brauchen wir nicht zu diskutieren. Ebenso wenig über August Diehl («Inglorious Basterds»). Eher überraschend ist Ruth Maria Kubitschek, die Grande Dame des deutschen Fernsehens, die Frau Ella zwar etwas klischeehaft als lebenslustige alte Dame darstellt, aber auf authentische Weise. Markus Gollers romantischer Roadtrip ist kein Kino-Meilenstein, aber allemal gut für einen Kuschelabend in trauter Zweisamkeit.

Und zu Schweighöfers lustigem Auftritt im «Circus Halligalli» muss man wissen, dass dem Schauspieler, der keinen geraden Satz mehr zu «Frau Ella» herausbringt, von den Moderatoren zuvor eine grössere Menge Alkohol eingeflösst wurde. Sympathien hat er damit keine eingebüsst. Im Gegenteil.

«Frau Ella» läuft ab 17. Oktober 2013 im Kino Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 17. Oktober: Runner, Runner, Filth, About Time, L’Expérience Blocher, The Butler.