Beiträge mit dem Schlagwort ‘Markthalle’

Strassenkunst findet in der Markthalle ein Zuhause

Joel Gernet am Freitag den 27. Juni 2014

Die Urban-Art-Plattform «Artstübli» wird nach jahrelangem Vagabunden-Dasein im Mantelbau der Markthalle sesshaft. Die Eröffnung während der Art Basel verlief vielversprechend.

Frischer Wind: Der «Artstübli»-Ausstellungsraum im Mantelbau der Markthalle. (Foto: Joël Gernet)

Frischer Wind: Der «Artstübli»-Ausstellungsraum im Mantelbau der Markthalle. (Foto: Joël Gernet)

Die Basler Markthalle hat einen Farbtupfer mehr: Neben dem Seiteneingang am Steinentorberg hat sich das «Artstübli» eingenistet. Pünktlich zur Art Basel wurde der Ausstellungsraum eröffnet. Auf 124 Quadratmetern gibts urbane Kunst von Graffiti bis Streetart zu sehen, präsentiert in einem lichtdurchfluteten Raum mit grossen Fenstern, hölzernem Fischgrätparkett und Ausblick auf das Heuwaage-Viadukt. Vor Kurzem befand sich hier ein angestaubtes Antiquitäten-Lager.

«Es war einiges los letzte Woche», sagt Betreiber Philipp Brogli zufrieden. Wie erhofft, haben zahlreiche Art-Besucher spontan vorbei geguckt, was natürlich wesentlich mit der «Volta 10» zusammenhängt. Die Nebenmesse ist dieses Jahr vom Dreispitz in die Markthalle zurückgekehrt. Wer von der Heuwaage her kommt, spaziert fast automatisch ins «Artstübli».

«Mr. Artstübli» Philipp Brogli.

«Mr. Artstübli» Philipp Brogli.

Anders als an der Art Basel kann sich hier fast jeder ein Stück Kunst leisten. Die Fine Art Prints und Siebrucke kosten zwischen 100 und 600 Franken. Wer eines der wenigen Originalbilder kaufen will, muss zwischen 2800 und 8000 Franken locker machen. «380 Franken für einen gerahmten und limitierten Druck sind für einen Art-Besucher ein Klacks», findet Brogli. Dass sich der Basler Urban-Art-Förderer bei seinem Angebot auf sogenannte Prints spezialisiert hat, hängt nicht nur mit deren Preis zusammen: Während des «Artstübli»-Aufbaus fehlte Brogli schlicht die Zeit, um sein breites Künstlernetzwerk nach Originalen zu durchkämmen.

Also nutzte der Basler die Chance, um das wachsende Internet-Angebot im Bereich der hochwertigen Prints zu sondieren. Im Netz tummeln sich zahlreiche junge Künstler und Kunstsammler in der Hoffnung auf einen guten Fang. Mit einem glücklichen Händchen finden Kenner und Könner durchaus Perlen, deren Sammlerwert sich mit der Zeit markant steigert. Mit seinem immensen Vorwissen hat Brogli beste Voraussetzungen, um sein «Artstübli» mit preiswerten Preziosen zu schmücken.

Begehrter Print: «Moonshine» von Etam Cru (PL).

Begehrter Print: «Moonshine» von Etam Cru (PL).

Die Streetart-Institution des Baslers gibt es seit 2004. Was als loses Zusammentreffen gleichgesinnter Kunstfreunde begann, fand bald seine Fortsetzung in einem gleichnamigen Online-Magazin. Beflügelt vom positiven Feedback und den rasant erweiterten Künstlerkontakten fand 2006 die erste «Artstübli»-Kunstmesse «Artyou» statt (damals noch unter dem Namen «Artig»). Diese mauserte sich über die Jahre zur wichtigsten Schweizer Kunstschau im Bereich Urban Art. 2013 legte Brogli die «Artyou» vorläufig auf Eis.

Wie er jetzt verrät, hatte der Entscheid auch etwas mit dem neuen Ausstellungsraum Markthalle zu tun. Nachdem die Kunstplattform jahrelang ein Vagabunden-Dasein ohne festen Sitz führte, zeichnete sich in den letzten Monaten eine längerfristige Lösung in der Markthalle ab. «Bei der Immobilienverwalterin Wincasa hat ein Umdenken stattgefunden», sagt Brogli und erklärt nicht ohne Stolz, dass die Markhallen-Verantwortlichen sich nun bewusst für seine junge, urbane Kunstplattform entschieden haben – und gegen eine rein kommerzielle Nutzung. Broglis Hartnäckigkeit hat sich nach langem Warten also doch noch ausgezahlt. Neben einer kulanten Miete kann er sich über einen längerfristigen Vertrag freuen. «Viele meinten, dass wir nur während der Art Basel in der Markthalle sind – aber wir bleiben mindestens fünf Jahre», sagt er mit einem schelmischen lachen im Gesicht. «Das ist mehr als eine Zwischennutzung.»

Offen! Philipp Brogli auf dem roten Teppich vor seinem neuen Ausstellungsraum. (Foto: Andreas Schneider)

Offen! Philipp Brogli auf dem roten Teppich vor seinem neuen Ausstellungsraum. (Foto: Andreas Schneider)

Nun ist das «Artstübli» zum ersten Mal sesshaft geworden. Domestizierte Strassenkunst sozusagen. Wer durch die grossen Schaufenster am Steinentorberg 28 guckt, erspäht nun Bilder namhafter Urban-Art-Künstler wie dem französischen Bubble-König Tilt, dem polnischen Duo Etam Cru oder, natürlich, der Basler Graffiti-Koryphäe Smash137. Von ihm ist ein Originalbild zu sehen. Philipp Brogli unterstützt den inzwischen weltweit beachteten Künstler seit Jahren und kann sich nun wiederum auf dessen Support verlassen.

Heimspiel: Bildausschnitt eines Werks von Smash137.

Heimspiel: Bildausschnitt eines Werks von Smash137.

Nach der Art-Woche kann sich Brogli über mehr als ein Dutzend verkaufte Werke und viele neue Kontakte freuen. Etwa zu der in Basel lebenden, international bekannten Fotokünstlerin Vera Isler-Leiner. Wie sich herausstellte, wohnt die 83-Jährige im Hochhaus nebenan. Nach der Eröffnung hat sie das «Artstübli» mit grossem Interesse besucht. «Sie kannte urbane Kunst bereits aus dem Film des Streetart-Stars Banksy und erzählte mir von Strassenkunst, die sie in den 80er-Jahren fotografiert hat», erinnert sich Brogli. «Das war eine schöne Begegnung.»

Wer weiss, vielleicht gibt es im neuem Ausstellungs- und Projektraum (der Begriff Galerie wird gemieden, um Hemmschwellen zu umschiffen) bald Streetart aus den Anfangstagen dieser noch jungen Kunstform zu sehen. Zudem wird Brogli auch abseits seiner neuen Kunststube in der Markthalle aktiv sein. So koordiniert er etwa regelmässig Kunstprojekte im öffentlichen Raum. Jüngstes Beispiel ist das grossflächige Bild, dass die Graffiti-Künstler Zosen (ARG) und Mina (JPN) in der Art-Woche auf dem IWB-Häuschen am Hohlbeinplatz hinterlassen haben. «Und vielleicht gibt es ja demnächst auch wieder eine Artyou», sagt Brogli.

Artstübli, Steinentorberg 28, 4051 Basel. Ausstellungs-Öffnungszeiten ab Juli: Donnerstag/Freitag, 11 bis 18 Uhr; Samstag, 14 bis 18 Uhr.
www.artstuebli.ch

«Artstübli»-Projekt im Öffentlichen Raum: Das Graffiti von Zosen y Mina auf dem IWB-Häuschen am Hohlbeinplatz.

«Artstübli»-Projekt im Öffentlichen Raum: Das Graffiti von Zosen y Mina auf dem IWB-Häuschen am Hohlbeinplatz.

 

Zuckersüss und schwer gestört

Joel Gernet am Freitag den 14. September 2012

An der Gruppenausstellung «How To Make A Monster» im «High Voltage Lab» gibt es vom kindlichen Nutella-Hasen bis zum grausamen Familienvater die unterschiedlichsten Monster zu sehen. Am Freitagabend steigt in der Markthalle die Vernissage-Party.

Projektleiterin Nora Donner und Künstler Jay Rechtsteiner vor dessen Nutella-Hasen.

Projektleiterin Nora Donner und Künstler Jay Rechtsteiner vor dessen Nutella-Hasen.

Eigentlich hätten wir diesen Artikel auch mit «Fratzen und Fritzl» oder «Kunst mit Kinderschändern» betiteln können. Schliesslich ist das auf Teppich geb(r)annte Porträt des österreichischen Monstervaters Josef Fritzl eines der schockierendsten und plakativsten Werke der Ausstellung «How To Make A Monster». Die boulevardesken Titel wären allerdings etwas sehr fies gewesen, geht es doch bei der heute anlaufenden Ausstellung nicht nur um die offensichtlichen Monster, die uns glücklicherweise meist nur via Medien begegnen, sondern auch um abstraktere Monster aus Alltag oder Kindheit. Das zeigen die autobiographischen Foto-Arbeiten von Jay Rechtsteiner oder die kindlich wirkenden Figuren des Indonesiers EddiE HaRA. Das Fritzl-Werk des Basler Künstlers Tarek Abu Hageb ist mit seiner schockierenden Eindeutigkeit eher die Ausnahme.

Skurril und irritierend sind die Werke aber alle. Vor allem Jay Rechtsteiners überdimensionaler Nutella-Hase, der am anderen Ende des Raumes vor einem lärmenden Fernseher sitzt. Er guckt einen trashigen Ninja-Film mit Rechtsteiner und dessen Bruder in der Hauptrolle. «Der Hase repräsentiert das reine Kind», erklärt der Künstler und füttert den Hasen indem er ihn mit Nutella beschmiert. Über zwei Kilo nimmt das Tier so zu pro Monat. Die Gesellschaftskritik ist offensichtlich und wird noch beissender, wenn man merkt, dass der süsse Hase gar keine Augen hat.

Eines der Bilder von EddiE HaRA.

Eines der Bilder von EddiE HaRA.

In einem anderen Werk will Rechtsteiner mit modifizierten Fotos aus seiner Kindheit, auf denen er sich etwa als «Monster Boy» betitelt, aufzeigen, wie er durch gesellschaftliche Normen und Zwänge zum kleinen Monster wurde. Die Gesellschaft als Monster, die sich laufend über kleine Monster reproduziert. Wesentlich naiver und heiterer kommen da die farbenfrohen Bilder des Wahlbaslers EddiE HaRA daher. Sie erinnern an Ethno-Motive aus Asien und Mexiko.

Das Konzept zu «How To Make A Monster» trug Jay Rechtsteiner schon länger mit sich herum. Ursprünglich wollte der in London wohnhafte Schweizer die Ausstellung in Portugal realisieren. Als die dortigen Partner dann aber mit Barbiepuppen und dergleichen antanzen wollten, zog er sich zurück und fragte seine Basler Kunstfreunde EddiE HaRA und Tarek Abu Hageb an. Dass die Gruppenausstellung nun in Abu Hagebs und Nora Donners «High Voltage Lab» statt finden kann, ist ein glücklicher Zufall. Damals war nicht klar, wie sich die Zwischennutzung in der Markthalle entwickelt.

Auge des Bösen: Ein Ausschnitt von Abu Hagebs Fritzl-Bild.

Und nun trifft hier ein kindlicher Nutella-Hase auf Kinderschänder Fritzl. «Tarek ist der direkteste der drei Künstler – bei ihm geht es ans Eingemachte», sagt Projektleiterin Nora Donner und zeigt auf den Teppich mit dem per Lötkolben eingebrannten Gesicht des Österreichers. «Das ist ein richtig fieses Medium für Fritzl.» Der flauschige Stoff als Symbol für die heimelige Wohnung kontrastiere auf schauderhafte Art die grausamen Taten das Familienvaters. Dieser hatte seine Tochter 24 Jahre lang in einem unterirdischen Verlies gefangen gehalten und mehrfach geschwängert. Schräg gegenüber des Wandteppichs steht ein alter Holzschrank – die Installation ist kurz vor Ausstellungsbeginnn noch nicht ganz vollendet. Es fehlt das Frauenwimmern, welches den Schrank vom Möbel zum Kunstobjekt transformiert.

Wer sich dieses Wimmern nach der Vernissage am Freitagabend umgehend wieder aus den Gehörgangen blasen lassen will, kann dies im Anschluss im angrenzenden Projektraum FAKT machen. Dort gibt’s die Vernissage-Konzerte mit Reverend Beat Man und den Bikini Girls. «Der rustikale Rock’n’Roll-Blues-Sound passt perfekt zur Ausstellung», erklärt der Booking-Verantwortliche Valentin Ismail. Zudem spiele der Berner Musiker und «Rockgott» Reverend Beat Man passenderweise auch in der Band The Monsters. Na, dann muss der Herr aber aufpassen, dass er von Jay Rechtsteiner nicht mit Nutella beschmiert wird.

«How To Make A Monster» mit Jay Rechtsteiner, Tarek Abu Hageb und EddiE HaRA. 15. September bis 4. Oktober, High Voltage, Markthalle Basel. Vernissage: Freitag, 15.9., ab 18h. Vernissage-Konzert im F A K T (Reverend Beat Man und Bikini Girls) ab 21h.

Wal und Qualle tanzen in der Markthalle

Joel Gernet am Freitag den 3. August 2012

Onur Dinc und Wes21 verwandeln das FAKT in eine Unterwasserwelt.

Es ist ein Kampf der Giganten: Eine überlebensgrosse, honigfarbene Qualle umfasst mit ihren meterlangen Tentakeln einen stattlichen Buckelwal. Auf den zweiten Blick gleicht der Kampf dann eher einem Unterwassertanz. Die beiden Ungetümer schweben über die 25-Meter-Wand des FAKT, einem temporären Projektraum für Kunst und Musik im Mantelgebäude der Markthalle.

«Von draussen sieht der Raum aus wie ein Aquarium», sagt der Bieler Künstler Wes21. Der 23-Jährige malt mit Pinsel und Spraydose und ist im FAKT für die farbenfrohe Qualle zuständig. Sein Partner Onur Dinc (32) aus Solothurn kümmert sich daneben mit Farbrolle und vier verschiedenen Schwarztönen um den rund 20 Meter langen Buckelwal. «Es ist ein technisches Bild ohne tieferen Sinn – hier geht es vor allem um die Komposition», sagt Dinc. «Die beiden Elemente müssen sich voneinander abheben und trotzdem zusammenpassen», ergänzt Wes21.

Und tatsächlich: Obwohl – oder vielleicht gerade weil – die beiden völlig unterschiedliche Maltechniken und Farbpaletten verwenden, wirkt das 25-Meter-Bild wie aus einem Guss. Das liegt vermutlich auch daran, dass beide Künstler fast schon versessen detailgetrau malen. Mit dem bewusst dezent gehaltenen Licht im FAKT kann durchaus Aquarium-Feeling aufkommen. Während sich die Qualle hell auf dem schwarzen Hintergrund abzeichnet, bleibt der dunkle Buckelwal im schummrigen Licht fast verborgen. Umso eindrücklicher der Effekt, wenn Abends die Szene von vorbeirauschenden Autoscheinwerfern beleuchtet wird.

Es ist Donnerstag, knapp 24 Stunden vor der Vernissage (Freitag 19 Uhr), noch haben Wes21 und Onur Dinc alle Hände voll zu tun. «Wir werden die Nacht wohl durcharbeiten», sagt Dinc. Ein sanftes Lächeln zeichnet sich unter seinem Bart ab. «Das Bild heisst Qual», fügt Wes21 lachend an – wegen der Qualen bei der Entstehung, vor allem aber auch wegen dem Verschmelzen der beiden Tierbezeichnungen. Im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern, die bei derart photorealistischen Bildern eine Foto-Vorlage an die Wand projektieren, haben Wes21 und Dinc ihre Motive freihändig auf die Wand geklatscht. Dort, wo bis vor Kurzem noch das Bild der Berner Künstlers Ata «TOAST» Bozaci prangte. «An der Toast-Vernissage vor einem Monat dachte ich: Shit, das musst du ja dann übermalen». Schlussendlich sei das aber ein fester Bestandteil des Projekts. «Unser Bild wird ja auch wieder übermalt», ergänzt Wes21.

Das Kool-Savas-Cover von Onur Dinc.

Auf die Arbeitsweise der beiden hat die vergänglichkeit ihres Mammut-Bildes jedenfalls keine Auswirkung. «Ich gebe mir nicht weniger Mühe, als etwa bei einem Auftrag für Kool Savas», sagt Dinc, der Ende 2011 (unter anderem) ein Album-Cover für den deutschen Rapstar gemalt hat. Kurz zuvor erschien die CD des nicht minder bekannten Rappers Samy-Deluxe mit einem Titelbild von Wes21.

«Das Lustige war, dass die beiden Aufträge innerhalb von sieben Minuten reinkamen», erinnert sich Wes21. Zusammen mit seinem Solothurner Kumpel sass Wes21 im Zug, als zuerst Savas bei Dinc anrief und sich Samy Minuten später bei ihm meldete. So kommt es, das zwei der erfolgreichsten deutschen Rapplatten 2011 ein Schweizer-Cover haben.

Das Samy-Deluxe-Cover von Wes21.

Kennen gelernt haben sich Dinc und Wes21 vor vier Jahren in…ratet mal wo…genau – Basel. Und zwar im Rahmen der Erstausgabe der Urban-Art-Messe ArtYou. Nun sind die beiden also wieder in Basel aktiv und verwandeln das FAKT in ein gigantisches Aquarium. Bis zur Vernissage ist davon von Aussen allerdings nicht viel zu sehen: Das FAKT-Team hat die grosse Schaufensterfront mit Packpapier verhüllt – schliesslich soll sich die Aura dieses Unterwasserbildes erst an der Vernissage voll entfalten können. Aus diesem Grund (und auf Bitte der FAKT-Macher hin) wird das Bild übrigens auch an dieser Stelle lediglich in Ausschnitten abgebildet.

Und in einem Monat kommt der nächste Künstler und übermalt den «Qual» von Wes21 und Onur Dince. Bis zum Ende der Zwischennutzung sollen sich noch ein Basler und drei ausländische Künstler an der 25-Meter-Wand austoben dürfen – dazu müsste die Zwischennutzung allerdings von den Markthalle-Betreibern verlängert werden. Die Chancen, dass es dazu kommt stehen nicht schlecht, wie aus den Reihen des FAKT-Teams zu erfahren ist. Vorerst aber gehört der Projektraum ganz dem tanzenden Meeres-Paar von Wes21 und Dinc.

Onur & Wes21, FAKT, Viaduktstrasse 10, Basel, 3.-25. August 2012. Vernissage: Fr. 3. August, 19 Uhr, Musik: Konzeptlos (Soul/Funk). Öffnungszeiten: Di.-Fr. 16h-2h, Sa. 10h-2h.

Eine Kunstinsel mitten im Konsumtempel

Joel Gernet am Donnerstag den 29. März 2012


Eigentlich macht mich die am Wochenende frisch eröffnete Markthalle ja wütend. Darüber, dass die so geschichtsträchtige wie geniale Kuppelhalle zu so etwas «originellem» wie einem Einkaufzentrum transformiert wurde. Schon wieder. Bravo! Seit ich aber weiss, dass im neuen Konsumtempel zwischen Bahnhof und Innenstadt vorerst auch Zwischennutzungen ihren Platz finden, ist der Zorn immerhin ein bisschen verflogen. «High Voltage – the lab» heisst das Projekt, welches unter der 27 Meter hohen Kuppel sein temporäres Domizil hat. Hier zeigen sieben Künstlerinnen und Künstler aus Basel, Zürich und Helsinki ihre Werke – und sie arbeiten daran. Das Kunstlabor ist eine Mischung aus Ausstellungsraum und Atelier, untergebracht in einer noch nicht vermieteten Ladenfläche am hinteren Ende der Markthalle. Direkt neben einem Schuhgeschäft und der Credit-Suisse-Filiale, welche vorerst nur von Handwerkern betreten wird. Die Bankfiliale befindet sich noch im Bau, wie so Einiges in diesem neuen Konsumtempel zwischen Bahnhof und Heuwaaage.

Insofern passt das «High Voltage»-Labor hierher. Auf dieser 227 Quadratmeter grossen Kunst-Baustelle gehört der Entstehungsprozess zum Konzept. Das mussten die beiden Initianten am Eröffnungswochenende so manchem der rund 1500 Labor-Besucher erklären. «Viele fragten uns, ob wir zur Vernissage nicht fertig geworden sind mit den Werken», sagt Tarek Abu Hageb. Der Basler Künstler ist verantwortlich für die Projektleitung, zusammen mit Nora Donner. «Wir hätten gar nicht fertig sein dürfen – die Eröffnung war auch unser Start», schildert die Grafikerin. Für sie ist die kulturelle Zwischennutzung in der Markthalle ein Segen: «Wir sind wie eine Insel – so etwas erwartet man nicht hier.»

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