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Unblutiger American Psycho aus Basler Feder

Fabian Kern am Montag den 6. August 2012

Logans PartyDaniel hat keinen Nachnamen. Das ist auch nicht nötig, denn er hat keine genaue Vorstellung davon, wer er ist, geschweige denn davon, was er will. Zwischen verschiedensten Drogen – natürlicher und synthetischer Herkunft – und mehr oder weniger losen Frauengeschichten lässt sich Daniel auf der Oberfläche der 80er- und 90er-Jahre dahintreiben. Nicht einmal sein Job hat wirklich einen Sinn. Der erfolgreiche und deshalb stinkreiche Geschäftsmann Logan füttert den Freelancer mit so überflüssigen Aufträgen wie dem Entwurf eines Konzepts für seine Party durch. Doch nicht einmal diese Aufgabe vermag der koksende Daniel zu erfüllen. Lieber treibt er sich auf der Suche nach seinem verschwundenen Freund Tony in London herum, verzettelt sich dabei aber völlig.

Martin Hennig

Geboren in Basel: Autor Martin Hennig (Jg. 1951).

«Ich mag nicht allein sein, aber festlegen will ich mich auch nicht», sagt eine von Daniels ständig wechselnden Liebschaften stellvertretend für ihn – weil er sich das aus Mangel an Selbstreflexion selbst nicht eingestehen würde. Ein bisschen erinnert der Protagonist des gebürtigen Baslers Martin Hennig an den gelangweilten Patrick Bateman aus dem Buch «American Psycho» von Bret Easton Ellis, das ebenfalls auf die Oberflächlichkeit der 90er-Jahre anspielt. Einfach ohne die blutigen Konsequenzen.

Martin Hennig: «Logans Party». Margarete Berg Verlag, Wesseling 2012. 191 S., ca. Fr. 25.–.