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Graffiti-Gastronomie in Liestal

Joel Gernet am Donnerstag den 9. August 2012
Graffiti-Gastronomie: Im Kaffe Farbklex Liestal (l.) gibts bis Ende August Bilder von Dust (r.), KordOne und Florian La Castellane zu sehen.

Graffiti-Gastronomie: Im Kaffe Farbklex Liestal (l.) gibts bis Ende August Bilder von Dust (r.), KordOne und Florian La Castellane zu sehen.

Plötzlich hat Sprayer Dust seine erste Ausstellung. Schuld daran ist die grosse Schwester des Basler Graffiti-Künstlers. Sie hatte sich spontan beim Betreiber des Liestaler Kaffees Farbklex gemeldet als dieser nach einem Ersatz-Künstler suchte. Der vorgesehene August-Gast war kurzfristig abgesprungen. Nun bestreitet der 19-jährige Dust – seinen bürgerlichen Namen möchte er lieber nicht preisgeben – seine erste Werkschau, gemeinsam mit KordOne (19) und Florian La Castellane (23). «Bei dieser Menge an Bildern wollte ich das nicht alleine durchziehen», sagt Dust, «schliesslich erfuhr ich erst vor drei Wochen, dass sich diese Möglichkeit ergibt». Für alle drei Künstler ist es die erste Ausstellung.

Lack auf Stahlplatten: Bild-Reihe von KordOne.

Die Feuertaufe haben Dust, KordOne und Castellane nun hinter sich. Zum Auftakt der «ARTcore»-Ausstellung fanden rund 60 Personen den Weg ins Kaffe Farbklex. «Die Vernissage war cool, es kamen ziemlich viele Leute in diese zwei kleinen Räume», erinnert sich Dust. Gezeigt werden noch bis Ende August bemalte Leinwände, Stahlplatten und Papierbogen, denen man den Graffiti-Hintergrund der Macher ansieht. Viele Exponate kommen ziemlich abstrakt daher, was der Ausstellung gut bekommt. «Die Bilder sind sehr wild, wenn man sie mit herkömmlichen Graffiti vergleicht», sagt Dust, der im Farbklex für die Bilder mit den gut lesbaren Schriftzügen verantwortlich ist.

Coffeetime: Farblex-Betreiber Sebastian Benz.

Seit bald zwei Jahren bereichert das Kaffe Farbklex die Gastrokultur in Liestal. Am 2. Oktober 2010 eröffnete Sebastian Benz sein «Klex» in den ehemaligen BaZ-Redaktionsäumen gegenüber der Kaserne. Während die Soldaten eher in den beiden benachbarten Kneipen einkehren, bewirtet Benz viele junge Küstler und Musiker, die sich vor dem Ausgang oder am Feierabend treffen. «Ich habe aber auch viele ältere Stammgäste», sagt Benz und zieht an seiner Zigarette, «das finde ich noch interessant».

Dass Ende Juli der ursprünglich vorgesehene Künstler für die monatlich wechselnde Ausstellung abgesprungen ist, hat ihm keine schlaflosen Nächte bereitet. «Teilweise bin ich zwar auf dem letzten Drücker, aber ich kenne genügend Leute, um auch einen Plan B durchzuziehen.» Dass mit Dust, KordOne und Florian La Castellane nun drei ausgesprochen junge Künstler in seinem Kaffee ausstellen, ist Benz, der selber eine Graffiti-Vergangenheit aufweist, mehr als recht: «Ich will Künstlern, die noch keinen grossen Namen haben, eine Plattform geben», sagt der 35-Jährige und winkt einem älteren Mann mit weissem Rauschbart auf der anderen Strassenseite zu. Aus dem Innern des Kaffes ertönt abwechslungsweise Rap, Jazz, Soul und Funk. Diesen Beitrag weiterlesen »

Amici del Rap – Vom Sofa in den Club

Joel Gernet am Freitag den 3. Dezember 2010

Ein Sofaheld sitzt vor dem Fernseher und kann alles besser. Den verschossenen Penalty hätte er höchstpersönlich eiskalt versenkt; die Quizfrage hätte er ohne Zusatzjoker beantwortet und die jämmerliche Darbietung dieses billigen Casting-Sternchens hätte er sowieso mit links überboten. Amici del Rap (ADL) sind Sofahelden. Deshalb heisst auch das neuste Album der Rapband aus Liestal so. «Im Rap geht es ja meistens darum, der grösste Held zu sein – und wir sind halt Sofahelden», erklärt Rapper Mirco Melone. «Der Albumtitel ist Selbst- und Gesellschaftskritik zugleich», ergänzt Dicher, der zweite Rapper der Crew.

In einer Zeit, in der es überall darum geht, der Beste und Grösste zu sein, geben Amici del Rap also Gegensteuer. Auf «Sofahelde» – draussen seit dem 5. November – wird kein aufgesetztes Winnerlächeln präsentiert, viel eher wird entwaffnend gegrinst. Neben nachdenklichen und kritischen Passagen (etwa auf «Schtill» oder «Kei Bock») ist es vor allem diese unverkrampfte Ehrlichkeit, welche die Crew aus Lietsch-City auszeichnet. Etwa bei der «Chalberei» mit den Kollegen und Wegbereitern der TAFS. Das Gastspiel passt perfekt, sind doch Amici del Rap drauf und dran, sich als zweite Liestaler Rapband hinter der TAF-Squad einen hervorragenden, überregionalen Ruf zu erarbeiten.

Beeindruckend auch der Kontrast auf dem Song «California», dessen Strophen nachdenklich-depressiv daherkommen, gefolgt von fast schon kitschigem kalifornischen Sonnenschein im Refrain. Solche Gegensätz finden sich selten in einem einzigen Song – zumindest im Schweizer Rap.

Im Gegensatz zum Debut-Album «Euses Ding» (2006) sind ADL nun mit kompletter Band im Rücken unterwegs – ein Gewinn, nicht nur bei den Live-Konzerten. Im November haben Amici del Rap noch als Vorgruppe der TAFS die Kuppel aufgeheizt. Nun sind die Freunde des Rap selber am Zug – am Samstag, 4. Dezember, wird im Modus Liestal das neue Album getauft. Selbstverständlich wird dann auch das rosarote Sofa aus dem Sofahelden-Videoclip auf der Bühne zugegen sein.

  • CD: Amici del Rap, Sofahelde, VÖ 05.11.2010
  • Plattentaufe: Modus, Liestal, mit Black Tiger, Blazup Tunes, Vinyl Bros, uvm… Doors, 21:00 Uhr, Abendkasse: CHF.20.-
  • Wir verlosen 2 Sofahelde-CDs: Wer gewinnen will, schreibt uns ein Mail, in dem beantwortet wird, ob der ADL-Rapper a) Mirco Mamba b) Mirco Melone oder c) Mirco Microphon heisst. Viel Glück.