Beiträge mit dem Schlagwort ‘Liebeskomödie’

Bradley lässt nichts anbrennen

Fabian Kern am Mittwoch den 2. Dezember 2015

«Burnt» ab 4.12. in Küchlin und im Studio Central.

«Burnt» läuft ab 4.12. in Küchlin und Studio Central.

Komödie, Drama oder Romanze? Mit zunehmender Filmdauer mehr fragt man sich, in welche Schublade «Burnt» von John Wells denn nun gehört, nach fast jeder Szene ändert man seine Meinung. Das renommierte Film-Portal imdb.com macht es sich einfach und entscheidet sich gar nicht, sondern weist den Streifen als Comedy und Drama aus. Beim erfahrenen Kinogänger löst das einen stillen Alarm aus, denn Filme, die sich nicht genau einordnen lassen, sind meistens uninspirierte, nicht durchdachte Werke, die einen unbefriedigt aus dem Saal entlassen. Bei einer so beeindruckenden Besetzung wie im Gastrofilm «Burnt» von Regisseur John Wells («August: Osage County») wäre das allerdings schon fast ein Kunststück.

Anspruchsvoller Küchenchef: Adam Jones.

Anspruchsvoller Küchenchef: Adam Jones.

Zum zweiten Mal innert eines Jahres mimt Sienna Miller den weiblichen Gegenpart zu Bradley Cooper. War die schöne Britin in «American Sniper» noch verheiratet mit dem ehemals «Sexiest Man Alive», folgt sie nun als Köchin dem Ruf eines gefallenen Superstars – allerdings nicht freiwillig. Adam Jones (Cooper), einer der Grossen der Szene, ist nach einem kometenhaften Aufstieg und zwei Michelin-Sternen in Paris komplett in einen Sumpf aus Sex und Drogen abgestürzt und will sich nun in London wieder aufrappeln. Dazu erwählt er sich das Restaurant seines früheren Geschäftspartners Tony Balerdi (Daniel Brühl) und stellt ein eigenes Team zusammen. Bestimmt, selbstbewusst, arrogant. Hélène (Miller) bringt er nur in seine Küche, indem er sie von ihrem aktuellen Chef feuern lässt, von seinem früheren Sous-Chef Michel (Omar Sy) kassiert er erstmal eine Faust, bevor dieser sich auf ein neues Abenteuer einlässt. Kann das gutgehen mit der Jagd nach dem dritten Stern?

Adams Partner: Hélène und Tony.

Verliebt in Adam? Hélène und Tony.

Erschwerend hinzu kommen diverse Nebenschauplätze, allen voran die Liebe. Nicht nur, dass Tony verliebt in Adam ist, sondern als sich Adam und Hélène langsam näher kommen, taucht Adams grosse Liebe Anne Marie (Alicia Vikander) wieder auf. Sie ist aber nur ein Teil seiner dunklen Vergangenheit, denn Adam hat immer noch Schulden bei einem Mafia-Typen aus Paris, der regelmässig seine Schläger vorbeischickt. Und zudem muss sich der Rockstar unter den Küchenchefs von seinem Erzrivalen Reece (Matthew Rhys) vorwerfen lassen, an einem altmodischen Stil zu hängen. Und dann wäre da noch Belardis Auflage, dass Adam regelmässig Sitzungen bei der Suchttherapeutin Dr. Rosshilde (Emma Thompson) besucht. Dem ehrgeizigen Koch scheint das alles über den Kopf zu wachsen, und er lässt den Frust an seinem Team aus.

Therapeutischer Rat: Adam bei Dr. Rosshilde.

Therapeutischer Rat: Adam bei Dr. Rosshilde.

Die Fans von Bradley Cooper – es soll sogar einige männliche geben – kommen voll auf ihre Kosten. Der Amerikaner glänzt in einer Rolle, die ihm auf den Leib geschrieben ist: Gutaussehend und trotzdem verlebt, arrogant und trotzdem charmant, erfolgreich und trotzdem zerbrechlich. So hat man Cooper schon in «Silver Linings» (2012), «The Words» (2012) oder «Limitless» (2011) gesehen. Die Umgebung in der Hochglanzküche, die Inszenierung der wunderbaren Gerichte und die Würze menschlicher Schwächen gibt dem eigentlich herkömmlichen Plot einen frischen Anstrich, der den Film sehenswert macht – zusätzlich zu den starken Schauspielern.

Komödie, Drama oder Romanze? Manchmal ist das gar nicht so wichtig. Hauptsache, der Film unterhält gut.

«Burnt» läuft ab 3. Dezember 2015 in den Kinos Pathé Küchlin und Studio Central in Basel.

Weitere Kinostarts in Basel am 3. Dezember: In the Heart of the Sea, Love the Coopers, Hallå, Hallå, Le tout nouveau testament.

 

Woody tuts in Südfrankreich

Fabian Kern am Mittwoch den 3. Dezember 2014

«Magic in the Moonlight» läuft ab 4.12. im Atelier und im Küchlin.

«Magic in the Moonlight» läuft ab 4. Dezember im Atelier und im Küchlin.

Woody Allen ist ein Phänomen. Der Mann dreht und dreht und dreht. Und wenn er gerade mal nicht dreht, dann schreibt und schreibt und schreibt er. Meistens die eigenen Filme. Seit 1982 kann sich die Filmwelt auf mindestens einen Allen pro Jahr verlassen, seit 2002 hat er sich auf genau ein jährliches Werk beschränkt – in dem er selbstredend sowohl für das Drehbuch als auch die Regie verantwortlich zeichnet. Nach einem kurzen Comeback als Hauptdarsteller in einem Film – in John Turturros «Fading Gigolo» mischte er sich allerdings auch massgeblich in den Plot ein – liefert er nun auch 2014 seinen obligaten Film ab. Und nach dem Oscar-prämierten «Blue Jasmine» stand der diesmal unter einem gewissen Erwartungsdruck.

Medium oder Betrügerin? Die betörende  Sophie Baker.

Medium oder Betrügerin? Die betörende Sophie.

Der Altmeister, von dem man sagt, er könne seine Stars alle dazu überreden, auf ihre Gage zu verzichten, pendelt, seit er sich von New York etwas abgenabelt hat, zwischen den USA und Europa. Dieses Jahr hat es ihn wieder einmal auf den alten Kontinent gezogen. Im Berlin des Jahres 1928 der weltbeste Magier Wei Ling Soo, hinter dessen Maskerade sich der egozentrische und äusserst arrogante Brite Stanley Crawford (Colin Firth) verbirgt, von seinem Zauberer-Kollegen Howard Burkan (Simon McBurney) mit einem besonderen Auftrag betraut. Crawfords unbestechliches Auge soll in Südfrankreich den faulen Zauber eines Mediums aufdecken. Denn für ihn steht ebenso wie für Burkan fest: «Es gibt keine Geisterwelt.» Entsprechend selbstsicher nimmt Crawford die Herausforderung an, zumal er bei dieser Gelegenheit seiner geliebten Tante Vanessa (Eileen Atkins) in der Provence wieder einmal seine Aufwartung machen kann.

Zyniker durch und durch: Stanley mit Sophie.

Zyniker durch und durch: Stanley mit Sophie.

In der überaus grosszügigen Residenz der Catledges ist Sophie Baker (Emma Stone) derweil schon der Liebling aller. Das junge Medium geniesst den grössten Respekt der Mutter Grace (Jacki Weaver), mit deren verstorbenem Mann sie Kontakt aufnehmen soll und hat Sohn Brice (Hamish Linklater) mit ihrem attraktiven Äusseren bereits so weit gebracht, ihr einen Heiratsantrag zu machen. Stanley schafft es schon mit seinem ersten, vor Zynismus und Überheblichkeit triefenden Auftritt alle gegen sich aufzubringen – ausser Sophie selbst. Während sich die vermeintliche Betrügerin in den zahlreichen gemeinsam verbrachten Tagen an der malerischen Côte d’Azur in den steifen Briten zu verlieben beginnt, kommen bei Stanley ernsthafte Zweifel an seinem eigenen Weltbild auf, denn Sophies Wahrsagungen sind sehr überzeugend…

Akteure auf Augenhöhe: Emma Stone und Colin Firth.

Auf Augenhöhe: Emma Stone und Colin Firth.

Ob Colin Firth und Emma Stone für «Magic in the Moonlight» ohne Gage vor der Kamera standen ist nicht bekannt. Falls sie es aber taten, dann hat sie dies in ihrer Leistung nicht gehemmt. Im Gegenteil: Das auf den ersten Blick ungleiche Paar harmoniert in der Sonne Südfrankreichs hervorragend. Firth, der Paradeschauspieler für einen arroganten Engländer, ist sehr fein in seiner Darstellung der feinen Risse in Stanleys rationaler, streng nach naturwissenschaftlichen Regeln aufgebauter Welt, den stetig wachsenden Zweifeln an seiner Weltanschauung, seinem Glauben und auch seiner Gefühle. Er wird von den Fesseln der Rationalität richtiggehend befreit und ist empfänglich für die Schönheiten und Geheimnisse dieser Erde. An seiner Seite brilliert Stone als theatralisch agierendes Medium, das sich der betörenden Wirkung seines auf seine Umwelt absolut bewusst ist und diese auch einzusetzen weiss. Entsprechend wird ihr Selbstbewusstsein erschüttert, als Stanley komplett immun gegenüber ihren weiblichen Reizen zu sein scheint. Die Entwicklungen dieser beiden Figuren gibt dem leichtfüssigen Film eine Dynamik, die hervorragend unterhält.

Unermüdlicher Altmeister: Woody Allen.

Unermüdlicher Altmeister: Woody Allen.

Woody Allen holt sein Stammpublikum auch dieses Jahr wieder ab. Nicht mit einem Meilenstein wie letztes Jahr mit «Blue Jasmine», aber mit einem leichtfüssigen, sonnendurchfluteten Film. Ein Theater-ähnlicher Aufbau in einem herrlichen Setting, wunderbar gefilmt – nur das Ende wirkt etwas abrupt. Hier hätten fünf Minuten mehr nicht geschadet. Aber vielleicht macht der «Stadtneurotiker» das schon 2015 wieder besser. Sein nächstes Projekt ist bereits im Kasten. Einen Titel hat es noch nicht, aber Emma Stone in der Hauptrolle und Amerika turnusgemäss als Drehort. Auf Woody ist eben Verlass. Auch mit bald 79 Jahren.

«Magic in the Moonlight» läuft ab 27. November 2014 im kult.kino Atelier und im Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 27. November: Paddington, Alles ist Liebe, Freifall – eine Liebesgeschichte, Mulhapar, The Disappearance of Eleanor Rigby: Him.

Schweighöfer mit Biss

Fabian Kern am Donnerstag den 6. Februar 2014

«Vaterfreuden» läuft ab 6.2. im Capitol und im Küchlin.

«Vaterfreuden» läuft ab 6.2. im Capitol und im Küchlin.

Eines steht fest: Matthias Schweighöfer hat die deutsche Liebeskomödie nicht neu erfunden. Aber der Blondschopf ist mit Abstand deren produktivster Vertreter. Kaum hat sich der 32-Jährige mit «Schlussmacher» und «Frau Ella» aus den Kinos verabschiedet, bevölkert er sie schon wieder. «Vaterfreuden» heisst sein neuster Wurf, und er bietet nicht mehr, aber auch nicht weniger, als man von einem Schweighöfer erwarten kann. Denn im Gegensatz zu seinem Kumpel Til Schweiger, der vor ihm prägend für die deutsche Schnulze war, hat Schweighöfer keine qualitativen Ausrutscher. Kein Wunder, denn schauspielerisch agiert Schweighöfer ein bis zwei Etagen höher als Schweiger. Die Steigerung von Schweiger ist Schweighöfer.

Keine Freunde: Carsten und Felix. (Bilder: Warner)

Bissige Beziehung: Carsten und Felix. (Bilder: Warner)

Für einige Anleihen bei «Keinohrhasen» und «Kokowääh» ist sich der 32-Jährige dennoch nicht zu schade. Denn wie gesagt: Er hat die deutsche Liebeskomödie nicht neu erfunden – und will es auch gar nicht. Angesichts einer für den Plot nicht ganz unwichtigen tierischen Nebenfigur hat Schweighöfer wohl auch über den grossen Teich gelinst. Das Frettchen in «Vaterfreuden» erinnert doch stark an jenes aus «Along Came Polly». Während besagter Nager von Jennifer Aniston aber ziemlich harmlos ist, muss man bei Carsten schon mal sein bestes Stück einziehen – zumindest, wenn es gerade mit Honig beträufelt wurde. Denn das ist Carstens Leibspeise. Leider passiert Felix (Schweighöfer) aber genau das, und das erst noch mit Handschellen ans Bett gefesselt. Der notorische Frauenheld wird lebenslang für diesen Fauxpas büssen müssen, denn Carstens Zähne haben ihn seine Zeugungsfähigkeit gekostet.

Fruchtbare Geschichte: Felix und Henne beim Arzt.

Fruchtbare Sache: Felix und Henne beim Arzt.

Was grundsätzlich kein Problem wäre, da Felix ein überzeugter Single ist. Aber mit dem Abschied der Kronjuwelen kommt im Gegenzug der Kinderwunsch. Gut, hat sich Felix kurz vor dem Unfall von seinem  ebenso nervigen wie unerwünschten Bruder Henne (Friedrich Mücke) zur Samenspende hat überreden lassen. Und weil dieser ein schlechtes Gewissen hat, dass ausgerechnet sein Haustier den Bruderherz die Männlichkeit gekostet hat, lässt er sich auch nicht von der Anonymität der Fruchtbarkeitsklinik abschrecken und findet heraus, dass Felix’ Samen bereits den Weg in einen Uterus gefunden hat – jenen von Maren (Isabell Pollak), Münchens beliebtester Sportmoderatorin. Nur hat die Schöne nicht auf Felix gewartet, sondern plant ein dreisame Zukunft mit ihrem Verlobten, dem Yuppie Ralph (Tom Beck) und dem ungeborenen Kind. Aber der verhinderte Vater hat sich in den Kopf gesetzt, im Leben seines wohl einzigen Kindes eine Rolle zu spielen.

Paar-Potenzial: Maren und Felix.

Paar-Potenzial: Maren und Felix.

Natürlich, einen Filmpreis wird der Streifen nicht absahnen. Dafür ist er zu oberflächlich und gibt es zu viel derben Humor und zu viele vorhersehbare Slapstick-Einlagen. Natürlich, einiges kennt man aus anderen Filmen. Das ist in diesem Genre nicht ungewöhnlich. Natürlich, wenn man selbst Kinder hat, muss man einige üble Klischees aushalten. Alles in allem aber ergibt das einen gefälligen Mix mit einem authentischen Charme. Muss man denn überhaupt um jeden Preis bahnbrechend sein? Muss man die deutsche Liebeskomödie neu erfinden? Nein. Wer sie bisher nicht geschaut hat, wird sie auch jetzt nicht schauen – ausser Mann wird von der Partnerin dazu genötigt. Und das bisherige Stammpublikum wird am neusten Schweighöfer seine Freude haben.

«Vaterfreuden» läuft ab 6. Februar 2014 in den Basler Kinos Capitol und Pathé Küchlin.

Weitere Filmstarts in Basel am 6. Februar: Der Goalie bin ig, RoboCop, Free Birds, Mandela: Long Walk to Freedom.

Bully verleiht (sich) Flügel

Fabian Kern am Dienstag den 24. Dezember 2013

«Buddy» läuft ab 25.12. im Pathé Küchlin.

«Buddy» läuft ab 25.12. im Capitol und im Küchlin.

Weihnachtszeit, Engelszeit. Pünktlich zum Fest der Feste lässt Michael «Bully» Herbig mal wieder einen Kinofilm vom Stapel. Natürlich wieder eine Komödie, und wieder einmal vereint der bayrische Filmemacher alle Schlüsselfunktionen: Drehbuchautor, Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller. Als Titelfigur verleiht er sich in «Buddy» sogar Flügel. Der Schutzengel soll einem verantwortungslosen Lebemann auf den richtigen Weg helfen und ihn mit der Frau des Lebens verbinden. Ja, diesmal ist Bully richtig romantisch.

Vier Jahre sind seit seinem letzten Streifen «Wickie und die starken Männer» ins Land gezogen. In dieser Zeit hat Herbig sich als Schauspieler unter fremden Regisseuren versucht und nicht an seinem nächsten aufsehenerregenden Wurf gearbeitet. «Buddy» ist zwar solider romantischer Klamauk, dessen Plot aber hat man schon dutzendweise gesehen: Erfolgreicher Mann feiert sich durch sein oberflächliches Dasein und bekommt dabei gar nicht mit, dass er unglücklich ist und seiner Traumfrau schon diverse Male über den Weg gelaufen ist, sie aber nicht gesehen hat. Dafür braucht der Millionenerbe Eddie Weber (Alexander Fehling) erst einen kräftigen Klaps auf den Hinterkopf. Überraschend ist höchstens, dass so ein Film von Bully Herbig stammt.

Eddie wird Buddy nicht mal im Knast los (Bilder: Warner)

Unzertrennlich: Eddie wird seinen Schutzengel Buddy nicht mal im Knast los (Bilder: Warner)

Den einzige kreativen Ansatz bietet die Figur Buddy. Der Rookie-Schutzengel hat eigentlich den Auftrag von ganz oben, Eddie unauffällig auf sein Glück zu lenken. Doch weil er einmal nicht aufpasst, wird er von seinem Schutzbefohlenen gesehen, womit seine Deckung auffliegt. Eddie kann nun Buddy sehen und hören – aber nur er. Und das treibt ihn in den Wahnsinn, denn der Playboy denkt nicht daran, sich von dem komischen Kerl, den er in seinem Wandschrank überrascht hat, einen neuen Lebensstil diktieren zu lassen. Buddy aber nutzt die Tatsache, dass nur Eddie ihn sehen und vor allem hören kann und beschallt ihn nonstop mit Schlagergesang – da drückt der «echte» Bully durch. Auch Selbstmordversuche fruchten nicht, denn Buddy ist schliesslich ein Schutzengel. Eddie bleibt nichts anderes übrig, als sich der vermeintlichen Traumfrau Lisa (Mina Tander) tatsächlich zu stellen.

Eddie wirft sich bei Lisa ins Zeug.

Eddie wirft sich bei Lisa ins Zeug.

Die Beliebigkeit der Geschichte ist für den Film Fluch und Segen zugleich. Herbig verschenkt etwas die überzeugenden Schauspieler und wird Fans von «Schuh des Manitu» und «(T)Raumschiff Surprise» enttäuschen – zumal sein Weggefährte Christian Tramitz gar nicht und Rick Kavanian nur in einer Minirolle auftritt. Gleichzeitig sichert er sich aber das klassische Liebeskomödien-Publikum, das nichts anderes sehen will als eine vorhersehbare Handlung mit dem obligaten Happy End. Somit ist der Kinostart clever gewählt: Zum Jahresende kuschelt sichs im Kino einfach am besten.

«Buddy» läuft ab 25. Dezember 2013 in den Basler Kinos Capitol und Pathé Küchlin.

Weitere Filmstarts in Basel am 25. und 26. Dezember: The Physician, Kedi ézledi, Like Father, Like Son.

Don Juan auf Porno

Fabian Kern am Mittwoch den 6. November 2013

«Don Jon» läuft ab 7.11. im Küchlin.

«Don Jon» läuft ab 7.11. im Kino Pathé Küchlin.

Joseph Gordon-Levitt in einem Liebesfilm? Warum nicht, kann man sich vorstellen. Durch «Inception», «Looper» und «The Dark Knight Rises» ist das frühere Babyface in der Liga der Grossen angekommen. Aber Gordon-Levitt als pornosüchtiger Vorstadt-Macho in einem Liebesfilm, bei dem er auch gleich als Autor und Regisseur geamtet hat? Das klingt schon etwas überambitioniert für den 32-Jährigen Kalifornier, der sich für die Titelrolle 12 Kilo Muskeln antrainierte. Zumal es sich bei «Don Jon» um einen Liebesfilm der anderen Art handelt: aus ganz und gar männlicher Perspektive, komödiantisch bis zur Parodie, gleichzeitig aber mit Tiefgang und Sozialkritik. Doch das gewagte Experiment gelingt.

Macho, Macho: Don Jon in seinem Jagdrevier.

Macho, Macho: Don Jon in seinem Jagdrevier.

Jon Martello (Gordon-Levitt) wird von seinen Kumpels nur Don Jon genannt. Denn der mit guten Genen gesegnete Macho hat seinen Körper zur Verführungsmaschine von New Jersey getrimmt und bekommt im Ausgang jeweils die besten Frauen ab. Jons Werte sind überschaubar: Sein Körper, seine Wohnung, sein Auto, seine Familie, seine Kirche, seine Kumpels, seine Frauen – und sein Porno. Ende der Woche werden die Sünden des Alltags im Beichtstuhl flugs in überschaubare 10 Ave-Maria und 10 Vaterunser umgewandelt, die während des nächsten Workouts bereits wieder abgeleistet werden. Und weiter geht die Reise durch das einfache Leben des wenig ambitionierten Barkeepers.

Eine glatte Zehn auf Jons Skala: Barbara.

Eine glatte Zehn auf Jons Skala: Barbara.

Keine Zehn, aber dafür erfrischend anders: Esther.

Keine Zehn, dafür erfrischend anders: Esther.

Doch da tritt unverhofft Barbara (Scarlett Johansson) auf den Plan – eine glatte 10 auf Jons strenger Bewertungsskala. Um sie flach zu legen, lässt er sich sogar dazu überreden, in einem Abendkurs seinen Schulabschluss nachzuholen. Und dem Porno abzuschwören. Während ihm Ersteres ganz gut gelingt, scheitert er bei Zweiterem kläglich. Denn die Traumfrau schafft es genauso wenig wie ihre Dutzenden Vorgängerinnen, den Don Juan für Arme im Bett richtig zu befriedigen. Richtig gehen lassen kann er sich nach wie vor nur vor seinem Notebook, mit einem richtig guten Porno vor Augen. Denn Porno ist einfach das Grösste. Aber süchtig ist er nicht, nein. Er könnte natürlich jederzeit aufhören, redet er sich auch noch ein, als ihm Barbara längst den Laufpass gegeben hat. Erst die etwas reifere Esther (Julianne Moore), die er im Abendstudium kennenlernt, kennt die Antworten zu jenen  Lebensfragen, die Jon mehr beschäftigen, als er sich selbst eingestehen will.

Eine schrecklich klischierte Familie: die Martellos.

Eine schrecklich klischierte Familie: die Martellos.

Gordon-Levitts Erstling ist ein faszinierendes Werk. Einerseits lebt es von der Redundanz, aber just dann, wenn die ständige Wiederholung in Langeweile überzuschlagen droht, erfolgt eine Wendung. Den besten Part des handgewählten Casts hat der Jung-Regisseur für sich selbst reserviert. Dem chauvinistischen Don Jon in der ersten Hälfte verpasst er eine derart übertriebene Mimik, dass man ihn schon gar nicht mehr so unsympathisch findet. Zu sehen, wie er die Fassade mit der Entwicklung der Figur langsam bröckeln lässt, ist ein Vergnügen. Ebenso doppelbödig ist die Thematik: Mit der Parodie nicht nur von Jon, sondern auch dessen klischeehafter Vorstadtfamilie – mit einem herrlichen Comeback von «Wer ist hier der Boss?»-Star Tony Danza – übt er gleichermassen Kritik an der Oberflächlichkeit und der Scheinheiligkeit der amerikanischen Arbeiterschicht. Eine Independent-Perle, die den Start einer grossen Regie-Karriere verspricht.

«Don Jon» läuft ab 7. November 2013 im Kino Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 7. November: Fack Ju Göhte, Exit Marrakech, Der Teufelsgeiger, Mary Queen of Scots.

Machen wirs auf französisch

Fabian Kern am Donnerstag den 21. Juni 2012

L'Art d'Aimer

«L'Art d'Aimer» läuft ab 21. Juni im kult.kino club.

Welches Volk steht im Ruf, das frivolste zu sein? Richtig, die Franzosen. Dieses Klischee hat mir vor ein paar Jahren auch meine Ex-Freundin bestätigt, indem sie mir einbläute: «Fang einfach nie etwas mit einer Französin an, das sind die Schlimmsten. Die können einfach nicht treu sein!» Sie muss es wissen, schliesslich lebt sie in Paris. Und in ebendiesem Paris beschäftigt sich Emmanuel Mourets Film «L’Art d’Aimer» mit der schönsten Hauptsache der Welt und ihren Verstrickungen, die wir wohl alle schon erlebt haben. Nur stellen sich die Bewohner der Stadt der Liebe darin keineswegs unkomplizierter an als wir Nicht-Franzosen.

Boris (Laurent Stocker), Amélie (Judith Godrèche) und Isabelle (Julie Depardieu)

Amélie (mitte) versucht, Boris mit Isabelle zu verkuppeln. (Bilder im Verleih von ASCOT ELITE)

Die vier Episoden, die der Regisseur von einem Erzähler begleiten lässt und zu einem schwungvollen Ganzen verwebt, drehen sich alle um Lust und Leidenschaft oder etwas profaner ausgedrückt: um Sex. Weil die verklemmte Isabelle (Julie Depardieu) seit einem Jahr keinen hatte, wird sie von ihrer Freundin Amélie (Judith Godrèche) kurzerhand dazu verdonnert, deren Platz als ungezwungene Beischlaf-Partnerin von Boris (Laurent Stocker) zu übernehmen. Amélie hat sich von Boris nämlich dazu überreden lassen, mit ihm Sex zu haben – allerdings im Dunkeln und ohne zu sprechen. Weil Amélie aber Gewissensbisse gegenüber ihres Freundes hegt, kommt ihr Isabelles Sex-Abstinenz gerade recht.

Achille (François Cluzet) und seine Nachbarin (Frédérique Bel)

Überzeugungsarbeit: Achille mit Nachbarin.

William (Gaspard Ulliel) und Vanessa (Elodie Navarre)

Seitensprung oder nicht? William und Vanessa.

Achille (François Cluzet, «Les Intouchables») ein Playboy alter Schule hat da ganz andere Sorgen. Zwar hat ihm seine neue Nachbarin (Frédérique Bel) – jung und sexy – zu verstehen gegeben, dass sie an einem amourösen Abenteuer interessiert ist. Das vermeintliche Heimspiel droht aber zu einem Rohrkrepierer zu verkommen, denn die Namenlose erweist sich als äusserst komplizierte Knacknuss. Und schliesslich erlebt der Kinogänger zwei ganz verschiedene Paar-Therapien. Einerseits schlägt Paul (Philippe Magnan), dessen Frau Emmanuelle (Ariane Ascaride) ihn nach vielen Ehejahren verlassen möchte, weil sie Lust auf andere Männer hat, ihr eine offene Beziehung vor. Andererseits läuft das junge Traumpaar William (Gaspard Ulliel) und Vanessa (Elodie Navarre) in den Bumerang der eigenen Abmachung, immer bedingungslos ehrlich zueinander zu sein. Als sie beschliessen, gleichzeitig fremd zu gehen, merken sie, dass sie das eigentlich gar nicht wollen. Mit dem Ergebnis, dass beide einen Seitensprung vortäuschen.

Was will uns Mouret mit seiner leichtfüssigen Sommerkomödie sagen? Dass Offenheit in Beziehungen nicht immer der Weisheit letzter Schluss ist? Nein. Er sagt lediglich, dass es in Sachen Liebe und Lust kein Patentrezept gibt, sowie dass man auf Herz und Partner hören muss. Und dass die Franzosen nicht a priori die besseren Liebhaber sind. Tröstlich.

«L’Art d’Aimer» läuft ab 21. Juni im kult.kino club in Basel.