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Der Anti-Actionheld

Fabian Kern am Mittwoch den 12. März 2014

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«Non-stop« läuft ab 13.3. im Capitol, Rex und Küchlin.

«Non-stop« läuft ab 13.3. im Capitol, Rex und Küchlin.

Als Liam Neeson als Oskar Schindler in Steven Spielbergs Nazi-Drama «Schindlers Liste» (1993) auf einen Schlag weltberühmt wurde, hätte in ihm wohl niemand einen Actionhelden erwartet. Der Nordire schien auf Charakterrollen abonniert. Entsprechende Auftritte in «Nell», «Michael Collins» und «Les Misérables» schienen das zu bestätigen. Doch bereits mit dem Part als «Rob Roy» und natürlich als Qui-Gon Jinn in «Star Wars – Episode I» deutete der gross gewachsene Schauspieler mit der markanten Nase sein Potenzial als vielschichtiger Actionstar an. In den letzten Jahren schliesslich schoss sich der heute 61-Jährige wortwörtlich und endgültig auf das lauteste aller Film-Genres ein.

Wo sitzt der Bösewicht? Bill Marks unter Strom. (Bilder: Impuls)

Bill Marks sucht den Bösewicht. (Bilder: Impuls)

In seinem neusten Auftritt in «Non-Stop» schliesst Neeson nahtlos an «Taken» 1 und 2 sowie an «Unknown Identity» an. Wenig überraschend, führte doch wie bei letzterem Jaume Collet-Serra Regie. Wieder spielt Neeson den gescheiterten Vater und abgehalfterte Agent, der wider Willen zum Retter mutieren muss. Als Bill Marks, der seinen Job als Federal Air Marshal – quasi ein Bodyguard für Flugzeuge – leid ist, sieht er sich auf einem Atlantikflug plötzlich mit einem Erpresser konfrontiert. Via SMS wird er angewiesen, 150 Millionen Dollar überweisen zu lassen. Bei Nichterfüllung würde alle 20 Minuten ein Mensch an Bord sterben. Der Alkoholiker muss alle seine grauen Zellen und Nerven zusammen nehmen, um den Bösewicht unter den Passagieren zu entlarven. Denn die Zeit tickt unerbittlich gegen ihn.

Jen Summers steht Marks bei.

Jen Summers (Julianne Moore) steht Marks bei.

«Non-Stop» hat einige Überraschungen auf Lager. Der Erpresser ist Marks immer einen Schritt voraus und scheint den alternden Agenten nach Belieben zu benutzen. So steht der herunter gekommene, aber rechtschaffene Air Marshal bald selbst im Verdacht, das Flugzeug zu entführen. Zudem ist es lange schwierig abzuschätzen, wer denn ein falsches Spiel spielt, denn verschiedene Passagiere benehmen sich höchst verdächtig. In der Anlage und von der Machart erinnert der Film an einen anderen Flugzeug-Thriller: «Flightplan». Im Gegensatz zum perfiden Streifen mit Jodie Foster aus dem Jahr 2005 kann «Non-Stop» die Spannung aber nicht ganz bis zum Schluss halten. Dennoch bietet er solide Spannungskost mit einem starken Cast, denn auch Julianne Moore ist mit von der Partie in luftiger Höhe. Einzig das mit dem Schiessen im Flugzeug hinterlässt beim Aviatik-Laien immer ein zweifelhaftes Gefühl. Aber man muss ja nicht alles wissenschaftlich hinterfragen.

Liam Neeson arbeitet derweil unverdrossen an seinem Ruf des Anti-Actionhelden. Er hat schon wieder drei Actionfilme in der Pipeline, darunter «Taken 3» und ein weiteres Werk von Jaume Collet-Serra. Der Mann dreht «Non-Stop».

«Non-Stop» läuft ab 13. März 2014 in den Basler Kinos Capitol, Pathé Küchlin und Rex.

Weitere Filmstarts in Basel am 13. März: The Book Thief, Vampire Academy, Pettersson und Findus, Tableau Noir, August: Osage County.

Plädoyer für eine Fledermaus

Fabian Kern am Mittwoch den 25. Juli 2012

The Dark Knight Rises

«The Dark Knight Rises» läuft ab 26. Juli im Pathé Küchlin und im Rex.

An dieser Stelle soll für einmal nicht über den Bösewicht oder angebliche unterschwellige politische Botschaften in «The Dark Knight Rises» gesprochen werden. Angesichts der tragischen Ereignisse in den USA wurde Bane schon mehr als genug thematisiert. Nein, es ist Zeit, dem wahren Helden der Batman-Trilogie zu huldigen: Christoper Nolan. Der britische Regisseur hat die Superhelden-Verfilmungen auf ein neues Level gehoben. Nolan nimmt den Maskenmann von seinem Comic-Sockel und stellt ihn in seiner ganzen Zerrissenheit dar. Im dritten Teil hat Bruce Wayne von seiner Tätigkeit als dunkler Rächer sogar körperliche Abnützungserscheinungen in seinen Gelenken. Gotham City rückt dem echten New York City näher, und die Filme sind knallharte Thriller, die auch jene Action-Fans abholen, die eigentlich nichts mit verkleideten Männern am Hut haben. Dagegen wirken die Batman-Verfilmungen der Achtziger- und Neunziger-Jahre wie ein Nachmittag im Kinderhort von Ikea.

Christopher Nolan

Hat das Auge für die richtige Inszenierung: Christopher Nolan. (Bilder: Warner Bros.)

Bruce Wayne alias Batman (Christian Bale)

Hat das Wohl von Gotham im Visier: Batman.

Um seine visuelle Revolution glaubwürdig umzusetzen, hat Nolan den perfekten Cast gefunden, angeführt von Batman Christian Bale. Der Charakterdarsteller stellt seine Vorgänger Michael Keaton, Val Kilmer und George Clooney allesamt in den Schatten. Keiner wäre besser in der Rolle des Milliardärs Bruce Wayne, der seit dem gewaltsamen Tod seiner Eltern nicht mehr glücklich werden kann. Aber auch die gestandenen Stars Sir Michael Caine als Butler Alfred, Morgan Freeman als genialer Erfinder und Gary Oldman als Commissioner Gordon spielen angenehm zurückhaltend, was die Filme aufwertet. Denn auf die Basis reduziert ist die Trilogie um den dunklen Ritter nur eines: der ewige Kampf Gut gegen Böse.

Bane (Tom Hardy)

Das Böse trägt Maske: Bane.

Dabei drängt sich der Vergleich mit der Weltraumsage Star Wars auf. George Lucas’ Science-Fiction-Meisterwerk ist der Prototyp des Kräftemessens von Licht und Schatten. Mit Ra’s al Ghul (Liam Neeson) verfügt Batman über ebenso einen Gegenspieler wie Luke Skywalker mit dem Imperator. Und in «The Dark Knight Rises» versteckt Bane (Tom Hardy), der Bösewicht an der Front, sein entstelltes Gesicht ebenso hinter einer Maske wie der legendäre Darth Vader. Damit enden aber die Parallelen, denn die Protagonisten sind in der Batman-Trilogie des 21. Jahrhunderts vielschichtiger als in Star Wars, das zu Zeiten des kalten Kriegs und der klaren Grenzen entstand. Zwar verkörpert der furchteinflössende Bane das ultimativ Böse – «das notwendige Böse», wie Bane selbst präzisiert –, aber die Guten haben meist auch eine dunkle Seite. Das Paradebeispiel neben dem Titelhelden war in «The Dark Knight» Harvey «Twoface» Dent (Aaron Eckhart), im dritten Teil wird die Meisterdiebin Selina Kyle alias Catwoman (Anne Hathaway) zur Heldin wider Willen.

Selina alias Catwoman (Anne Hathaway)

Windschnittig: Catwoman auf dem Bat-Bike.

Nolans grösstes Erfolgsgeheimnis ist aber, wie er einen neuen Superhelden-Charakter einführt. Das geschieht gemächlich, auf völlig glaubwürdige und nachvollziehbare Weise, sodass man ihn nicht mehr als Superheld wahrnimmt, sondern als ganz natürliche Figur akzeptiert. Die Menschen hinter den Masken werden für den Zuschauer fassbar. Das Universum von Batman hätte noch ganz viele Figuren zu bieten, weshalb es einfach nicht sein darf, wenn die Trilogie eine Trilogie bleiben würde, wie Nolan das ursprünglich geplant hat. Immerhin macht das Ende von «The Dark Knight Rises» Hoffnung auf einen weiteren Batman-Blockbuster mit Nolans Handschrift. Mach weiter, Christopher! Nur lass dir bitte nicht so viel Zeit für die Fortsetzung wie George Lucas mit Star Wars…

«The Dark Knight Rises» läuft ab 26. Juli in den Basler Kinos Pathé Küchlin und Rex.