Beiträge mit dem Schlagwort ‘Kunstmuseum’

Beckmann sticht Bourgeois aus

karen gerig am Mittwoch den 7. September 2011

Louise Bourgeois, Max Beckmann. (© Pro Litteris)

Manchmal, da kommt es anders als man denkt. Welch Plattitüde, dieser Spruch. Und doch immer wieder wahr. Am eigenen Leib erfahren hab ich ihn vergangenen Freitag, als gleich zwei Medienkonferenzen anstanden. Um elf gings in Kunstmuseum zu Max Beckmann, um 14 Uhr in die Fondation Beyeler zu Louise Bourgeois. Nun war ich nie ein Beckmann-Fan, wenn ich auch seine Leistung anerkannte, den jeweiligen Strömungen der Moderne konsequent aus dem Weg gegangen zu sein und zu einem unverkennbaren eigenen Stil gefunden zu haben. Louise Bourgeois stand mir schon näher, was eine kleine Ausstellung in Kopenhagen mir diesen Frühling gerade wieder bewiesen hatte. So dachte ich am Freitagmorgen: Beckmann = Pflicht, Bourgeois = Kür. Diesen Beitrag weiterlesen »

Schlaglicht auf Woche 35

schlaglicht am Montag den 29. August 2011

Noch keine Ahnung, was kulturell läuft diese Woche? Wir helfen Dir bei der Planung Deiner Kulturwoche mit Hinweisen auf ausgewählte Kultur-Leckerbissen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Schlaglicht auf Woche 34

schlaglicht am Montag den 22. August 2011

Noch keine Ahnung, was kulturell läuft diese Woche? Wir helfen Dir bei der Planung Deiner Kulturwoche mit Hinweisen auf ausgewählte Kultur-Leckerbissen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Wieviel soll Kultur die Konsumenten kosten?

karen gerig am Mittwoch den 10. August 2011

Eines der aktuellen Gratis-Kultur-Angebote: Das Kulturfloss. (Foto Pino Covino)

Die Aussage einer Bekannten gab mir kürzlich zu denken. In einer Diskussion darüber, dass immer mehr Events kostenlos zu besuchen seien, meinte sie, sie erwarte das inzwischen auch. Sie sei aber auch bereit, dafür etwa höhere Getränkepreise in Kauf zu nehmen. Ich stutzte: Die Erwartung, Kultur gratis zu konsumieren, das war mir neu. Und ich begann mich zu fragen, woher sie kommt. Diesen Beitrag weiterlesen »

Handgeschriebene Zeilen erzählen vom harten Künstlerleben

karen gerig am Freitag den 5. August 2011

Frühes Gemälde von Alexej Jawlensky in der Ausstellung im Kunstmuseum. (Foto Mischa Christen)

Briefe können ganze Lebensgeschichten erzählen. Wer im Katalog zur Ausstellung «Künstlerfreundschaften» des Kunstmuseums Basel schmökert, wird spätestens beim Briefwechsel zwischen dem Basler Kunstsammler Karl Im Obersteg und Alexej von Jawlensky hängenbleiben. Vor allem aus den Briefen des russischen Künstlers ist ablesbar, wie schwierig die Zeiten zwischen dem ersten und dem zweiten Weltkrieg für Künstler waren. Was man dort lesen kann, geht teilweise sehr nahe – ein interessantes und rührendes Zeitdokument. Diesen Beitrag weiterlesen »

Stadtmusik im Innenhof

Luca Bruno am Mittwoch den 3. August 2011

Eine der schöneren Überraschungen des letztjährigen Kulturjahres war die erstmalige Durchführung des «Stadtmusik Festivals» im Innenhof des Kunstmuseums. Wie oft ist man in den Jahren zuvor vor dem Kunstmuseum durchspaziert und hat sich gewünscht, dass jemand den geräumigen Innenhof des Museums für mehr als nur gelegentliches Schlittschuhlaufen nutzen würde (ganz zu schweigen vom Wunsch, dass sich das Kunstmuseum auch musikalisch mehr engagieren könnte) und so gilt es also dem Team von «livingroom.fm», welches hinter der Organisation des Festivals steckt, einen grossen Dank dafür auszusprechen, dass unsere Wünsche in die Tat umgesetzt wurden.

Und dieser Dank gilt nicht nur der Tatsache, dass der Kunstmuseumsinnenhof durch das Festival für einen ganzen Monat lang zum coolsten Ort von Basel wird, sondern auch, weil das Bookingteam grossen Wert auf ein vielseitiges und interessantes musikalisches Programm legt. Der musikalische Teil des «Stadtmusik Festivals» ist nicht nur Dessert, sondern Hauptspeise. Die diesjährige, zweite Ausgabe des Festivals, welche von diesem Donnerstag, dem 4. August, bis zum 3. September über die Bühne gehen wird, stellt dies erneut eindrücklich unter Beweis.

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Schlaglicht auf Woche 31

schlaglicht am Dienstag den 2. August 2011

Noch keine Ahnung, was kulturell läuft diese Woche? Wir helfen Dir bei der Planung Deiner Kulturwoche mit Hinweisen auf ausgewählte Kultur-Leckerbissen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Herausgepickt: Konrad Witz und das Ende des mittelalterlichen Goldgrunds

karen gerig am Donnerstag den 10. März 2011

Konrad Witz: Joachim und Anna an der Goldenen Pforte.

Konrad Witz lebte am Anfang des
15. Jahrhunderts. Als er das Licht der Welt erblickte, malten die Maler ihre religiösen Motive auf goldenen Grund. Was seit dem
4. Jahrhundert Tradition hatte, war einigen Niederländern zu jener Zeit aber nicht modern genug. Jan van Eyck, Robert Campin und Rogier van der Weyden begannen damit, die Heiligen in profane Umgebungen zu betten. Ein neuer Stil, der auch den in Basel lebenden Konrad Witz erfasste. Wenn auch nicht sofort.

Da sind die Aussenseiten des Basler Heilsspiegelaltars, entstanden im Jahr 1435: Ecclesia, Synagoge und Co. sind dort in einzelnen Räumen eines Hauses dargestellt, eine schmucklose Architektur aus Stein und wenig Holz. Durch das Fenster im Raum des Heiligen Augustinus erblickt man etwas Landschaft, die Zinnen einer Burg mittendrin. Innendrin im Altar werden jedoch alle Personen noch vor Goldgrund abgebildet.

Zwei Jahre später malte Konrad Witz Joachim und Anna, die Eltern Mariens, an der Goldenen Pforte. Witz malt, wie so viele Maler vor ihm, das Ehepaar in jenem Moment, wo Joachim von seinem 40-tägigen Bussgang in die Wüste zurückkehrt und seine Frau vor der Pforte des Jerusalemer Tempels zärtlich begrüsst. In die Wüste hatte er sich zurückgezogen, so erzählt die Legende, weil seine Ehe kinderlos geblieben war und ein Hohepriester die Kinderlosigkeit als göttliche Missgunst gedeutet hatte. In der Wüste wurde ihm von einem Engel die Geburt eines Kindes angekündigt. Nach seiner Rückkehr wird das Kind geboren und auf den Namen Maria getauft.

Witz bringt in der Darstellung dieses Moments die neuartige realistische Architekturdarstellung mit dem althergebrachten Goldgrund in einem einzigen Bild zusammen: rechts eingeritztes Brokatmuster auf Goldgrund, links die Pforte – ein Mauerwerk, das schon bessere Zeiten gesehen hat, und wohl eine der schäbigsten Goldenen Pforten der Kunstgeschichte. Risse ziehen sich über die Wände, die Steine sind mit Moos bewachsen. Ein Schlagbaum wurde derart schlecht ans Tor angebracht, dass der Stein gespalten wurde. Und wer genau hinschaut, findet sicher noch eine Spinnwebe in einer Ecke. Genauso realistisch hat Witz den Boden gemalt, auf dem das Ehepaar Anna und Joachim steht. Im Hintergrund spiegelt sich die Mauer in einer Pfütze, davor liegen Kieselsteine verstreut auf dem Weg, und mit kleinen Blumen durchwachsene Grasbüschel brechen durch die festgetretene Oberfläche des Wegs. Dabei ist es Witz aber wohl nicht (nur) um eine möglichst naturgetreue Darstellung gegangen: Der ausgetrocknete Weg und die Pfütze dahinter sowie das spriessende Gras dürften eine Anspielung auf Annas vorangegangene Unfruchtbarkeit und ihre wundersame Empfängnis des Kindes Maria sein. Witz vermischte so gekonnt den neugeborenen naturalistischen Stil mit der altehrwürdigen Symbolik, und schuf so ein wunderbares Werk an der Schwelle zu einer neuen Epoche der Kunstgeschichte.

Die Ausstellung «Konrad Witz» im Kunstmuseum Basel läuft noch bis zum 3. Juli. Das Bild «Joachim und Anna an der Goldenen Pforte» ist im Besitz des Kunstmuseums und kann auch nach Ende der Ausstellung noch betrachtet werden.

«Ein Kulturleitbild soll Vertrauen schaffen»

karen gerig am Montag den 7. März 2011

Rund 80 Stellungnahmen zum Entwurf des basel-städtischen Kulturleitbildes gingen beim Ressort Kultur ein. Aktuell sei man noch dabei, diese auszuwerten und zu diskutieren, sagt Philippe Bischof, Leiter der Abteilung Kultur im Präsidialdepartement. Im Juni dann wird das Kulturleitbild der Regierung präsentiert. Einfach hat Bischof es nicht, seit zwei Monaten ist er im neuen Amt, der Kulturleitbildentwurf stammt noch vom Vorgänger. Ein, zwei Dinge würde er anders anpacken, lässt er im Gespräch denn auch durchblicken. «Das Kulturleitbild ist für mich vor allem die Grundlage für einen zukunftsgerichteten Diskurs, der offen und regelmässig geführt werden muss», sagt er. «Und es soll Vertrauen schaffen und Bewegung zeigen.»

Philippe Bischof, Leiter Abteilung Kultur. Foto Roland Schmid

Diskussionsstoff hat das 82 Seiten starke Werk schon geliefert. Sprengstoff bot vor allem die darin formulierte Idee, das Historische Museum mit dem Antikenmuseum zu einem Haus der Geschichte zusammenzuschliessen. Eine Idee, die sich inzwischen weiter entwickelt hat, wie Bischof vorletzte Woche an einem Podium durchblicken liess und nun bestätigt. «Kern der Idee und grosses Anliegen von Guy Morin und mir ist die verstärkte Vermittlung von Geschichte in Basel. Es gibt ja wichtige Themenbereiche, die in der Ausstellung von Geschichte nicht genügend vorkommen. Wir diskutieren daher inzwischen in neue Richtungen», sagt er, «doch grundsätzlich werden mögliche Synergien zwischen Museen durchaus geprüft.»

Jeweils für eine Legislaturperiode soll das Kulturleitbild gelten, so steht es im Kulturfördergesetz. Eine Spanne von vier Jahren also, die das Leitbild sinnvoll füllen soll. Eine kurze Dauer, wenn man bedenkt, dass das letzte Kulturleitbild aus dem Jahr 1996 stammt. Gibt diese kurze Gültigkeitsdauer nicht die Möglichkeit für Experimente? Man könnte meinen, sagt Bischof, Ideen gibt es ja genug, doch für deren Umsetzung ist der finanzielle Handlungsspielraum klein. Zunächst gebe es ein paar längerfristige wichtige Baustellen abzuschliessen. Während der kommenden vier Jahre sehe man, wo man stehe, und könne die Gesamtlage neu beurteilen. An einigen Baustellen mag man bis dann fertig gebaut haben, dafür tun sich sicherlich neue auf. Die Entwicklung auf dem Dreispitzareal etwa werde bis dahin mit wachem Blick beobachtet und interessiert begleitet. Schliesslich engagiert sich der Kanton Basel-Stadt bereits beim Haus für elektronische Künste, weitere Engagements wären durchaus denkbar.

Gelder sind fest gebunden

Nur – woher das Geld dafür nehmen? Schliesslich kämpft die Basler Kulturförderung vor allem mit einem Problem: Fast alle Gelder ihres Fördertopfes sind fest gebunden. Vor allem die grossen Institutionen wie das Theater Basel oder das Kunstmuseum profitieren vom Topf. Gleichzeitig kämpfen diese Institutionen mit den alternativeren und neuen Orten um Besucher. «Doch soll man ihnen allein deswegen Gelder wegnehmen?», fragt Bischof. «Oder andersherum gefragt: Welche aktuellen Kriterien legitimieren die hohen Subventionen an diese Institutionen? Das ist die entscheidende Frage.»

Das Kunstmuseum, einer der «Leuchttürme» der Basler Kultur. Foto Margrit Müller

Die Antwort darauf ist keine einfache. Man darf nicht nur in ökonomischen Kriterien denken, doch gibt es wirklich objektive, ideologiefreie? Das Kulturleitbild hat sich mit dem Verlangen nach «messbaren Auswirkungen» der Kultur nicht gerade viele Freunde gemacht. In manch einer Stellungnahme wurde kritisiert, Kultur werde wie eine Ware behandelt, die Kulturpolitik merkantil ausgerichtet. Doch innerhalb des Standortmarketings nehmen Institutionen wie das Theater Basel und das Kunstmuseum unbestritten mit die wichtigsten Positionen ein.

Solange die öffentlichen Kulturgelder nicht zunehmen, müssten auch diese Institutionen sparen, um Kantonsgelder freizubekommen. Denn auch Bischof ist sich bewusst: «Es gibt viele potenzielle Engagementbereiche, neue Sparten, die in die Förderung drängen. Und für diese gibt es leider zur zeit wenig Spielraum. Zudem gibt es manche Kultur, die ganz ohne staatliche Förderung stattfindet.» Gottseidank, ist man versucht zu sagen. Denn dass in naher Zukunft der städtischen Kulturpolitik plötzlich aus dem Nichts mehr Gelder erwachsen, ist wohl auszuschliessen. PPP könnte da ein Stichwort sein, die vielgerühmten Private Public Partnerships. Beim Erweiterungsbau des Kunstmuseums soll eine solche erstmals erprobt werden – über die Zusagen von Sponsoren, die sich an den höheren Betriebskosten des Museums beteiligen sollen, hat man allerdings noch keine verbindlichen Aussagen.

Mehr Land für die Stadt?

Wie stünde es denn mit einer tiefergehenden Zusammenarbeit mit dem Nachbarkanton? Mancherorts wird seit dem Baselbieter Nein zum Theater danach verlangt. Angesichts der Tatsache, dass der Kanton Baselland diesen Frühling ebenfalls ein Kulturleitbild erarbeiten wird, wäre der Zeitpunkt vielleicht günstig. Oder etwa nicht? «Sicher. Aber man stellte sich das zuletzt vielleicht einfacher vor als es in Wirklichkeit ist», vermutet Philippe Bischof. Das Baselbiet habe teilweise, wie jetzt sichtbar wurde, ganz unterschiedliche Ansprüche an die Kultur. «Kultur funktioniert auf dem Land offensichtlich anders.» Das sehe man auch in jenen Kantonen, in denen Stadt und Land zwingend zusammenarbeiten müssten, in Luzern etwa oder in Bern. Es mache für die beiden Basel absolut Sinn, weiter so zusammenzuarbeiten zu versuchen, wie man es gewohnt ist: Bei vielen Projekten und beispielsweise in den Fachausschüssen funktionieren das ja sehr gut. Für das Theater müsse neben der städtischen Lösung aber auch eine landschaftliche gefunden werden, das sei dringend notwendig. Das sieht auch das Kulturleitbild vor, das Theater Basel fungiert dort als Baustelle Nummer 15. Als es formuliert wurde, war die Baselbieter Abstimmung noch nicht geführt. Mindestens hier also wird die nächste Version des Kulturleitbildes einen neuen Vorschlag liefern müssen.

Halbleere Gänge vs. übervolle Räume: Der Kampf um die Publikumsgunst

karen gerig am Donnerstag den 20. Januar 2011

Bereits haben über 200’000 Leute die Wien-Ausstellung in der Fondation Beyeler besucht – täglich quetschten sich allein in den letzten Tagen und Wochen rund 2000 Besucher durch die Ausstellungsräume. Manch einer findet, das sei zuviel, um die Kunst noch geniessen zu können (vgl. hier). Weniger Probleme hat da der Besucher der Warhol-Ausstellung im Kunstmuseum – hier bleibt vor den Bildern genug Raum für Betrachtung. Genaue Zahlen sind vom Museum allerdings noch nicht in Erfahrung zu bringen.

Vollgestopfte Räume versus halbleere Gänge, wie kommts? Dürfte man nicht meinen, dass ein Name wie Andy Warhol die Menschen auch scharenweise ins Museum lockt? Wir erwarten ja keine halbe Million wie 2009 bei der «Jahrhundertausstellung» Vincent van Gogh. Doch wieso schaffte es eine Fondation Beyeler, selbst mit einem eher unbekannten Namen wie Jean-Michel Basquiat innert vier Monaten 110’000 Leute anzuziehen, während die Jahresbesucherzahl fürs Kunstmuseum (ohne Museum für Gegenwartskunst) gar nicht so weit darüber liegt? Betrachtet man die letzten zehn Jahre, so spielt das Kunstmuseum mit Namen wie Holbein, Kandinsky, Judd oder auch Gursky doch absolut in der oberen Liga mit.

Würde Andy Warhols Frühwerk in der Fondation Beyeler mehr Besucher anziehen? (Foto Margrit Müller)

Und trotzdem – wir wagen die unverschämte Behauptung: Würde Andy Warhols Frühwerk in Riehen gezeigt, läge die Besucherzahl um einiges höher. Und hätte das Kunstmuseum die Basquiat-Ausstellung gezeigt, hätten keine 110’000 Leute den Weg dorthin gefunden.

An den Eintrittspreisen kanns nicht liegen, diese sind in Riehen um vier Franken pro Person höher als am St. Alban-Graben. Ist die Fondation Beyeler also geschickter, wenn es um die Bewerbung des Museums geht? Machen wir einen Rundgang durch Basel: An den Plakatsäulen scheint das Wien-Warhol-Verhältnis ausgeglichen, und am oberen Ende der Freien Strasse wird fürs Kunstmuseum, am unteren für die Fondation Beyeler geworben. Die SBB bietet für beide Ausstellungen Packages an. Doch auf dem Bahnhofsplatz empfangen die Touristen nur mobile Plakatwände der Fondation mit dem Hinweis, wie man möglichst schnell nach Riehen gelangt. Das Kunstmuseum fehlt. Im Fernsehen wird schweizweit sowohl für die Wien- als auch für die Warhol-Ausstellung geworben, für die Wien-Ausstellung auch am Radio. In den Medien hingegen ist die Fondation Beyeler präsenter, ist öfter mal der Ausflugstipp, und sie wirbt auch stärker über die Landesgrenzen hinaus, vor allem in den angrenzenden Landesteilen – mehr als die Hälfte der Fondation-Beyeler-Besucher (52 Prozent) kommen aus dem Ausland, fast die Hälfte davon aus Deutschland. Doch auch das Kunstmuseum zieht viele ausländische Besucher an – Statistiken sind jedoch keine zu erhalten. Beide Museen werben zielgruppenorientiert.

Die Fondation Beyeler ist beliebtes Ausflugsziel - im Bild das Kaffeehaus in der Wien-Ausstellung. (Foto Pino Covino)

Allein an der Werbung kanns also nicht liegen. Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt wohl aber die Positionierung der beiden Museen beziehungsweise ihre nationale und internationale Ausstrahlung. Das Kunstmuseum erinnert rein äusserlich an eine Festung und bietet auch im Innern nicht die modernste Architektur. Das ist natürlich wenig schmeichelhaft formuliert, und der Erweiterungsbau könnte hier Abhilfe schaffen – allerdings frühestens im Jahr 2015. Die Schwerfälligkeit der Architektur scheint sich manchmal im Ausstellungsprogramm zu spiegeln – gerade auch in kleineren Präsentationen im Kupferstichkabinett etwa. Überspitzt könnte man sagen, dass das Kunstmuseum ein elitäreres Publikum anspricht als die Fondation Beyeler. Die lichtdurchflutete Fondation liegt zudem harmonisch eingebettet im grünen Umland und bietet sich für einen Sonntagsausflug geradezu an, gerade auch für Tagesausflügler aus dem Ausland. Kommt dazu: Die Figur Ernst Beyeler und dessen herausragende Sammlung – ein populäres Identifikationsmerkmal, das dem Kunstmuseum fehlt. Die Kunst der Klassischen Moderne – der Schwerpunkt der Fondation Beyeler sowohl in Sammlung wie Sonderausstellungen – ist zudem immer noch die weltweit populärste Kunst.

Wird der Erweiterungsbau dem Kunstmuseum neue Besuchergruppen erschliessen? (Visualisierung Christ & Gantenbein)

Gerade im Hinblick auf den Erweiterungsbau täte dem Kunstmuseum ein Imageschub gut. Ein Patentrezept, wie dieser zu bewerkstelligen wäre, lässt sich leider nicht so einfach zusammenmixen. Das Wichtigste ist und bleibt, ein attraktives Ausstellungsprogramm anzubieten. Mit der Präsentation der Sammlung im Obersteg und einer Ausstellung zu den Landschaften Max Beckmanns, die für 2011 geplant sind, ist der Kassenschlager aber immer noch nicht in Sicht. Die Fondation Beyeler trumpft dagegen mit Brancusi, Dali, Serra und Louise Bourgeois auf.

Dem einzelnen Besucher können diese Überlegungen ja eigentlich egal sein. Im Gegenteil: wer die Kunst lieber in Ruhe geniesst, ist im Kunstmuseum ja sogar besser dran.

Welches Museum besuchen Sie lieber, liebe LeserInnen? Und warum?