Beiträge mit dem Schlagwort ‘Kunsthalle Basel’

Schlaglicht auf Woche 51

schlaglicht am Montag den 19. Dezember 2011

Es weihnachtet sehr… auch beim Schlaglicht-Team! Daher wünschen wir euch schon jetzt frohe Weihnachten (die Neujahrswünsche verschieben wir auf nächste Woche) und bieten euch nach dem Sprung ein paar Tipps für die Kulturwoche 51. Auch für die Weihnachtstage haben wir übrigens entsprechendes Programm anzubieten! Man siehe selbst… Diesen Beitrag weiterlesen »

Schlaglicht auf Woche 47

schlaglicht am Montag den 21. November 2011

Tatütata, its da Sound of da Police und da Sound vom Krankenwagen, aus welchem gerade Krankenschwestern ausgestiegen sind. Referenzen nicht verstanden? Einfach am Donnerstag in die Kaserne und am Freitag in den 1. Stock gehen. Und auch sonst ist die Kulturwoche 47 wieder voll mit Lesungen, Theater oder dem Grenzgänger-Slam im Kulturpavillon. Das alles… und noch viel meeeehr… zeigt dir Schlaglicht jetzt mit unseren wöchentlichen Kulturtipps. Diesen Beitrag weiterlesen »

…und sie hängen wieder

karen gerig am Mittwoch den 15. Juni 2011

Kunsthalle-Direktor Adam Szymczyk äussert seine Meinung vor Pedro Wirz' Holzstelen an der Rückwand der Kunsthalle.

Die Vernissagen zu den Werken, die an der Rückwand der Kunsthalle präsentiert werden, laufen meist gleich ab: Der Kunsthallen-Direktor spricht erst ein paar Worte, dann vielleicht noch der Künstler. Thema der Reden: Das Werk. So sollte es sein. Heute gestaltete sich der Empfang etwas anders. Zwar redeten Direktor und Künstler, wie es sich gehörte, doch Hauptthema der ersten Rede von Adam Szymczyk war nicht das sich in seinem Rücken befindliche Werk, sondern das letzte Wochenende. Eine «Fussnote der Geschichte» sei sie inzwischen, jene Nacht vom Samstag auf den Sonntag, als das bereits aufgebaute Werk von Pedro Wirz von Vandalen zerstört wurde. Umso erfreuter und gleichzeitig entschlossener zeigte sich der Kunsthallen-Direktor bei seiner Rede. «Die Freiheit der öffentlichen Meinungsäusserung darf nicht verhindert werden», sprach er und erntete spontane Bravo-Rufe aus dem Publikum. In einer Stadt, die sich mit dem Slogan «Culture Unlimited» anpreise, dürfe man solcherlei nicht akzeptieren. Diesen Beitrag weiterlesen »

Die Art-Woche, nix für Schnarchnasen

karen gerig am Samstag den 11. Juni 2011

Die Art-Woche lockt die Massen auf die Strassen, z.B. zum Catwalk in Public Space auf der Feldbergstrasse.

Wenn am Dienstagabend wieder die Türen zur Art Basel fürs Vernissagen-Publikum öffnen, dann strömen sie wieder, die Gutbetuchten, die Damen in hohen Stilettos, die Cüplitrinker. Und die Kunstbegeisterten, nicht zu vergessen. Die Art, sie verteidigt seit Jahren ihren Status als weltbeste Kunstmesse. Doch man muss gar nicht dabei sein an der Vernissage, wenn man Kunst liebt, sieht man doch hauptsächlich Leute in schönen Kleidern und wenig von dem, um das es eigentlich gehen sollte. Denn es gibt in der Art-Woche in Basel noch ganz viel anderes zu sehen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Kunst hören statt sehen – weils Spass macht

karen gerig am Mittwoch den 18. Mai 2011

Kunst hören in der Kunsthalle Basel.

Das Wort «Sch…» kann schon mal fallen, wenn Jugendliche sich Kunst anschauen. So darf man auch nicht verwundert sein, wenn das Wort erklingt, wenn Jugendliche einen Audioguide zu einer Ausstellung erarbeiten. «Lautstark» nennt sich ein Kunstvermittlungsprojekt, bei dem diejenigen, denen Kunst vermittelt werden soll, diese zu diesem Zweck weitervermitteln – getreu dem Motto: Man lernt am besten, wenn man etwas erklärt.

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Warten auf Rilke im Café Grumpy

karen gerig am Freitag den 15. April 2011

Ein Wort, eine Geschichte, eine Erfahrung, ein Gedanke können am Anfang eines Werkes von Sung Hwan Kim (*1975) stehen. In einem Gespräch, in einer Performance wird der südkoreanische Künstler Wort, Geschichte, Gedanke, Erfahrung in ein erstes neues Werk transformieren. Zeichnungen können während diesen Aktionen entstehen, eine Videokamera die Performance aus dem Blickwinkel des Künstler einfangen. Der Projektor schliesslich wird dieses zuletzt entstandene Werk wiedergeben, der Betrachter es zu seinen Gedanken fügen, zu seiner Geschichte formen.

Sung Hwan Kims Künstlerbuch «Ki-da Rilke».

Die Arbeiten von Sung Hwan Kim haben immer mehrere Schichten. Nichts ist nur das, was man am Ende sieht, immer wurde es vom Künstler mehrfach reflektiert und interpretiert, sei es eine Geschichte, die in Südkorea von Generation zu Generation überliefert wird, sei es ein Zitat eines Dichters. Sung Hwan Kim hat in der Kunsthalle Basel nicht nur den Oberlichtsaal inszeniert, sondern für die Ausstellung auch ein Künstlerbuch geschaffen. «Ki-da Rilke» heisst es, was eine Transliteration aus dem Koreanischen ist und «(Ich) werde warten» bedeutet.

Das Buch ist gefüllt mit Texten und Bildern. Kim hat sich Rainer Maria Rilkes (1875–1926) Gedichten bemächtigt, indem er die deutschen Texte in eigener Schrift neu aufgeschrieben hat. Dazu stellt er Zeichnungen, die mal mehr, mal weniger mit den Worten auf derselben Seite gemein haben. Er habe Rilkes Gedichte erstmals durch Gaston Bachelards «Poetics of Space» kennengelernt, erzählt der Künstler. Zweierlei habe ihn an dem Lyriker interessiert: Da sei einerseits die Tatsache, dass der in Prag geborene Rilke seine Gedichte in Deutsch verfasste, zu einer Zeit, als dort das Tschechische vorherrschte. Sung Hwan Kim kennt es, sich in einer anderen Sprache auszudrücken als der Muttersprache: Der Südkoreaner lebt seit Jahren in New York und nutzt für seine Arbeiten das Englische.

«Grabmal eines jungen Mädchens» und «Opfer» aus Rilkes «Neuen Gedichten» in der Interpretation von Sung Hwan Kim.

Mit Rilke teilt Kim aber auch sein Interesse für Träume und Geschichten, für Mythen und für die Transformation von Menschen und Dingen, von Sprache und Form. Die Zeit, in der Rilke lebte, fasziniere ihn, erzählt er. Sein Buch vereint die Texte Rilkes mit seinen eigenen Gedanken, was ihm zum jeweiligen Gedicht durch den Kopf ging, ausgedrückt in rasch hingeworfenen Skizzen. Einige der gezeichneten Charaktere tauchen stetig wieder auf, in einem Index auf losen Blättern werden sie erläutert. Die meisten Zeichnungen habe er im Café Grumpy in New York gezeichnet, sagt er, und dasselbe steht auch hinten im Buch gedruckt. Unwichtig erscheint diese Information, auf den ersten Blick. Nichts als ein Stichwort. Die Einschätzung der Relevanz und die Interpretation dieser Information ist uns überlassen.

Die Ausstellung «Line Wall» in der Kunsthalle Basel eröffnet am Samstag, 16. April, um 19 Uhr, und läuft bis zum 29. Mai.

Herausgepickt: Pousttchis Absperrgitter

karen gerig am Montag den 21. Februar 2011

Bettina Pousttchi: «Double Monuments for Flavin and Tatlin» (2010) . (Foto Henry Muchenberger)

Schon vom Steinenberg her sind sie sichtbar, durch die Glastüren der Kunsthalle hindurch: Die weissen Türme von Bettina Pousttchi. Und auch wenn man noch nichts Genaueres darüber weiss, so scheint die Form der aufeinandergestapelten Absperrgitter bereits bekannt. Der Titel der Arbeit führt dann zum Aha-Erlebnis: «Double Monuments for Flavin and Tatlin» heisst das Werk der deutsch-iranischen Künstlerin.

Vladimir Tatlin (1885–1953), russischer Maler und ein Begründer der Maschinenkunst, entwarf 1920 sein «Monument der Dritten Internationale»: Ein 400 Meter hoher, spiralförmiger Turm zur Erinnerung an die Russische Revolution.

Vladimir Tatlin: «Monument der Dritten Internationale» (1920).

Eine gigantische Maschine sollte es werden, die Konferenzräume, Aufzüge, eine Treppe und einen Radiosender beherbergen sollte. Eine Säule im Inneren sollte sich nach den Gestirnen ausrichten. Das Modell dafür wurde 1925 in der Weltausstellung in Paris präsentiert. Das ehrgeizige Architekturprojekt wurde aus Kostengründen allerdings nie gebaut, wie auch die damit verbundene politische Utopie keine Verwirklichung finden konnte.

Der amerikanische Lichtkünstler Dan Flavin zitierte Tatlins Monument in den 39 Skulpturen seiner Serie «monuments to V. Tatlin», die zwischen 1964 und 1990 entstanden und das menschliche Bedürfnis nach grossen Denkmälern hinterfragen. Dafür ordnete er weisse Leuchtstoffröhren in Formen an, die zwischen Pyramiden und frühen Hochhäusern variierten, darunter das Empire State Building (Vgl. Bild). Flavin brachte so Tatlins Konzept mit einem Hauptsymbol des Kapitalismus in Verbindung, würdigte aber auch die politischen Visionen des Konstruktivisten.

Dan Flavin: Das erste der «monuments to V. Tatlin» (1964).

Pousttchi erweist mit ihrer Arbeit den Meistern des Konstruktivismus und des Minimalismus die Ehre, setzt die beiden Kunststile aber auch gegeneinander ein, indem die minimalistischen Leuchtstoffröhren die konstruktivistischen Stahlstrukturen quasi durchstechen. Als Arbeitsmaterial benutzt sie Absperrgitter – Objekte, die entworfen wurden, öffentliche Versammlungen wie Demonstrationen zu kanalisieren und am Überborden zu hindern. Die Gitter erinnern auch an die revolutionären Kräfte dieser Zeit, die existierende Strukturen losließen, um eine neue Weltordnung zu schaffen.

Szymczyk vs. Schaschl

karen gerig am Montag den 20. Dezember 2010

Vergangene Woche erfuhr die Basler Kunstwelt davon, dass Kunsthalle-Direktor Adam Szymczyk für seine progressive Ausstellungstätigkeit mit dem amerikanischen Walter Hopps Award ausgezeichnet wird. Vor wenigen Wochen erst hatte Sabine Schaschl, Direktorin des Kunsthauses Baselland, den französischen Orden «Chevalier de l’Ordre des Arts et des Lettres» erhalten.

Zwei Preise, zwei Direktoren, zwei Kunsthäuser, zweimal die Region Basel. Doch wer sowohl Kunsthalle wie Kunsthaus mehr oder weniger reglemässig besucht, der weiss, dass Adam Szymczyk und Sabine Schaschl nicht für identische Ausstellungstätigkeiten ausgezeichnet wurden. Zwar wird der Walter Hopps Award «für bedeutende Leistungen im Bereich der zeitgenössischen Kunst» und der «Orden der Künste und Literatur» an Personen verliehen, die sich «um die Ausstrahlung der Künste in Frankreich und in der Welt» verdient gemacht haben (und dies tut Sabine Schaschl bekanntlich auch im Bereich der zeitgenössischen Kunst), wodurch ein Unterschied zwischen den Preisen nicht augenfällig wird.

Vergleicht man allerdings die beiden Ausstellungsmacher in ihrer Tätigkeit, so findet sich nur eine äusserliche Gemeinsamkeit: Beide lieben die Reduktion. Die Räume des Kunsthauses Baselland sind niemals überladen, und die Kunsthalle Basel lässt den Werken ebenfalls genügend Spielraum. Am krassesten war dies im Frühling 2005 der Fall, als Adam Szymczyk die Künstlergruppe Superflex dazu einlud, die Räume ganz leer zu belassen. Statt Kunst gab es Zahlen über Kunst, jeder Eintritt wurde mit zwei Franken belohnt. Doch obwohl kein einziges Werk gezeigt wurde, vermochte die «Supershow» die Räume mit einheitlichem Geist zu füllen – und sorgte über die Region hinaus für Gesprächsstoff. Davor und auch danach jedoch wurde immer mal wieder der Vorwurf an Adam Szymczyk laut, die Räume der Kunsthalle würden mit zuwenig Kunst bespielt. Ausserdem werde der regionale Auftrag vernachlässigt, ist immer wieder zu hören – gerade aus der regionalen Kunstszene. Da half auch der grossartige Abstecher in Christoph Büchels «Hole» nicht, zumal diese Ausstellung auch bereits wieder fünf Jahre zurückliegt und die letzte ihrer Art war – von der jährlichen «Regionale» abgesehen.

Was Adam Szymczyk aber an aufstrebenden internationalen Positionen von Cyprien Gaillard über Piotr Uklanski bis Pedro Barateiro in die Kunsthalle holt, hat nun international für Anerkennung gesorgt. Die Reduktion, die Szymczyk in den Räumen pflegt, wirkt auch auf dessen Auswahl der Künstler und Künstlerinnen. Oft konzeptlastig und auf den ersten Blick wenig zugänglich, stellen die Ausstellungen hohe Ansprüche an die Besucher – der Aufwand lohnt aber in der Regel.

Sabine Schaschl pflegt den Minimalismus ebenso und lässt den Werken genügend Entfaltungsraum. Ihre Ausstellungen sind aber meist sinnlicher wahrnehmbar, haben manchmal gar einen romantischen Touch, und das Textbuch darf ruhigen Gewissens auch mal beiseite gelassen werden. Dem Ausstellungsgenuss tut dies keinen Abbruch. Auch hat im Kabinett des Kunsthauses an der Birs die regionale Kunst ihren fixen Platz, wenn die dortigen Ausstellungen auch qualitativ oft nicht mit den Hauptausstellungen mithalten können.

Szymczyk und Schaschl mögen zwar unterschiedliche Interessen haben und ihre Ausstellungen dementsprechend unterschiedlich ausrichten, doch gerade die daraus resultierende Vielfalt macht den Besuch beider Häuser und auch einen regionalen Vergleich immer spannend und inspirierend. Deshalb eine nachträgliche Gratulation von uns an beide!