Beiträge mit dem Schlagwort ‘Kulturleitbild’

So soll die Kulturstadt Basel sein

karen gerig am Mittwoch den 4. Mai 2011

Eine Doppelseite des Magazins «Kulturstadt Basel».

«Papier ist geduldig – wir sind es nicht.» Kulturfloss-Initiant Tino Krattiger, SP-Grossrat Tobit Schäfer und Beat von Wartburg von der Christoph Merian Stiftung möchten nicht aufs Kulturleitbild warten – sie sehnen sich nach Leidenschaft. Als persönlichen Beitrag zur Diskussion haben sie deshalb ein Magazin mit dem Titel «Kulturstadt Basel» herausgegeben. 103 Baslerinnen und Basler sagen darin, wie ihre Kulturstadt Basel aussehen müsste. Diesen Beitrag weiterlesen »

«Ein Kulturleitbild soll Vertrauen schaffen»

karen gerig am Montag den 7. März 2011

Rund 80 Stellungnahmen zum Entwurf des basel-städtischen Kulturleitbildes gingen beim Ressort Kultur ein. Aktuell sei man noch dabei, diese auszuwerten und zu diskutieren, sagt Philippe Bischof, Leiter der Abteilung Kultur im Präsidialdepartement. Im Juni dann wird das Kulturleitbild der Regierung präsentiert. Einfach hat Bischof es nicht, seit zwei Monaten ist er im neuen Amt, der Kulturleitbildentwurf stammt noch vom Vorgänger. Ein, zwei Dinge würde er anders anpacken, lässt er im Gespräch denn auch durchblicken. «Das Kulturleitbild ist für mich vor allem die Grundlage für einen zukunftsgerichteten Diskurs, der offen und regelmässig geführt werden muss», sagt er. «Und es soll Vertrauen schaffen und Bewegung zeigen.»

Philippe Bischof, Leiter Abteilung Kultur. Foto Roland Schmid

Diskussionsstoff hat das 82 Seiten starke Werk schon geliefert. Sprengstoff bot vor allem die darin formulierte Idee, das Historische Museum mit dem Antikenmuseum zu einem Haus der Geschichte zusammenzuschliessen. Eine Idee, die sich inzwischen weiter entwickelt hat, wie Bischof vorletzte Woche an einem Podium durchblicken liess und nun bestätigt. «Kern der Idee und grosses Anliegen von Guy Morin und mir ist die verstärkte Vermittlung von Geschichte in Basel. Es gibt ja wichtige Themenbereiche, die in der Ausstellung von Geschichte nicht genügend vorkommen. Wir diskutieren daher inzwischen in neue Richtungen», sagt er, «doch grundsätzlich werden mögliche Synergien zwischen Museen durchaus geprüft.»

Jeweils für eine Legislaturperiode soll das Kulturleitbild gelten, so steht es im Kulturfördergesetz. Eine Spanne von vier Jahren also, die das Leitbild sinnvoll füllen soll. Eine kurze Dauer, wenn man bedenkt, dass das letzte Kulturleitbild aus dem Jahr 1996 stammt. Gibt diese kurze Gültigkeitsdauer nicht die Möglichkeit für Experimente? Man könnte meinen, sagt Bischof, Ideen gibt es ja genug, doch für deren Umsetzung ist der finanzielle Handlungsspielraum klein. Zunächst gebe es ein paar längerfristige wichtige Baustellen abzuschliessen. Während der kommenden vier Jahre sehe man, wo man stehe, und könne die Gesamtlage neu beurteilen. An einigen Baustellen mag man bis dann fertig gebaut haben, dafür tun sich sicherlich neue auf. Die Entwicklung auf dem Dreispitzareal etwa werde bis dahin mit wachem Blick beobachtet und interessiert begleitet. Schliesslich engagiert sich der Kanton Basel-Stadt bereits beim Haus für elektronische Künste, weitere Engagements wären durchaus denkbar.

Gelder sind fest gebunden

Nur – woher das Geld dafür nehmen? Schliesslich kämpft die Basler Kulturförderung vor allem mit einem Problem: Fast alle Gelder ihres Fördertopfes sind fest gebunden. Vor allem die grossen Institutionen wie das Theater Basel oder das Kunstmuseum profitieren vom Topf. Gleichzeitig kämpfen diese Institutionen mit den alternativeren und neuen Orten um Besucher. «Doch soll man ihnen allein deswegen Gelder wegnehmen?», fragt Bischof. «Oder andersherum gefragt: Welche aktuellen Kriterien legitimieren die hohen Subventionen an diese Institutionen? Das ist die entscheidende Frage.»

Das Kunstmuseum, einer der «Leuchttürme» der Basler Kultur. Foto Margrit Müller

Die Antwort darauf ist keine einfache. Man darf nicht nur in ökonomischen Kriterien denken, doch gibt es wirklich objektive, ideologiefreie? Das Kulturleitbild hat sich mit dem Verlangen nach «messbaren Auswirkungen» der Kultur nicht gerade viele Freunde gemacht. In manch einer Stellungnahme wurde kritisiert, Kultur werde wie eine Ware behandelt, die Kulturpolitik merkantil ausgerichtet. Doch innerhalb des Standortmarketings nehmen Institutionen wie das Theater Basel und das Kunstmuseum unbestritten mit die wichtigsten Positionen ein.

Solange die öffentlichen Kulturgelder nicht zunehmen, müssten auch diese Institutionen sparen, um Kantonsgelder freizubekommen. Denn auch Bischof ist sich bewusst: «Es gibt viele potenzielle Engagementbereiche, neue Sparten, die in die Förderung drängen. Und für diese gibt es leider zur zeit wenig Spielraum. Zudem gibt es manche Kultur, die ganz ohne staatliche Förderung stattfindet.» Gottseidank, ist man versucht zu sagen. Denn dass in naher Zukunft der städtischen Kulturpolitik plötzlich aus dem Nichts mehr Gelder erwachsen, ist wohl auszuschliessen. PPP könnte da ein Stichwort sein, die vielgerühmten Private Public Partnerships. Beim Erweiterungsbau des Kunstmuseums soll eine solche erstmals erprobt werden – über die Zusagen von Sponsoren, die sich an den höheren Betriebskosten des Museums beteiligen sollen, hat man allerdings noch keine verbindlichen Aussagen.

Mehr Land für die Stadt?

Wie stünde es denn mit einer tiefergehenden Zusammenarbeit mit dem Nachbarkanton? Mancherorts wird seit dem Baselbieter Nein zum Theater danach verlangt. Angesichts der Tatsache, dass der Kanton Baselland diesen Frühling ebenfalls ein Kulturleitbild erarbeiten wird, wäre der Zeitpunkt vielleicht günstig. Oder etwa nicht? «Sicher. Aber man stellte sich das zuletzt vielleicht einfacher vor als es in Wirklichkeit ist», vermutet Philippe Bischof. Das Baselbiet habe teilweise, wie jetzt sichtbar wurde, ganz unterschiedliche Ansprüche an die Kultur. «Kultur funktioniert auf dem Land offensichtlich anders.» Das sehe man auch in jenen Kantonen, in denen Stadt und Land zwingend zusammenarbeiten müssten, in Luzern etwa oder in Bern. Es mache für die beiden Basel absolut Sinn, weiter so zusammenzuarbeiten zu versuchen, wie man es gewohnt ist: Bei vielen Projekten und beispielsweise in den Fachausschüssen funktionieren das ja sehr gut. Für das Theater müsse neben der städtischen Lösung aber auch eine landschaftliche gefunden werden, das sei dringend notwendig. Das sieht auch das Kulturleitbild vor, das Theater Basel fungiert dort als Baustelle Nummer 15. Als es formuliert wurde, war die Baselbieter Abstimmung noch nicht geführt. Mindestens hier also wird die nächste Version des Kulturleitbildes einen neuen Vorschlag liefern müssen.

«Es geht um Wertschätzung der Jugendkultur»

gastautor am Donnerstag den 23. Dezember 2010

Jugendkultur gehört ins Kulturleitbild. Diese Forderung haben diese Woche die Organisationen Basler Freizeitaktion (BFA), imagine/terre des hommes schweiz, infoklick.ch, Kulturkick, Neubasel und Jugendkulturfestival Basel (JKF) formuliert. Sie haben sich dazu entschlossen, eine Vernehmlassungsantwort zum Entwurf des Kulturleitbildes des Kantons Basel-Stadt (hier nachzulesen) zu verfassen. Sebastian Kölliker* vom JKF formuliert in folgendem Gastbeitrag für die Schlaglicht-LeserInnen Gründe und Ziele der Forderung.

Kultur lockt die Massen, wie hier an einem Konzert am Jugendkulturfestival 2009. (Foto Dominik Plüss)

81 Seiten umfasst der Entwurf des Kulturleitbildes für den Kanton Basel-Stadt. Jugendkultur ist darin kein Thema. Das wäre aber notwendig. Am besten in einem separaten Kapitel, um ihre Bedeutung für Basel zu würdigen. Denn Jugendkultur ist spartenübergreifend, voller Potenzial, und sie gestaltet die Stadt nachhaltig wie auch in kurzfristigen Aktionen.

Blättert man durch den Entwurf des Kulturleitbildes Basel-Stadt, trifft man vor allem auf Vorhaben zur Förderung von Grossprojekten und etablierter Kultur. Dass diese wichtig sind, ist gut. Sie brauchen aber ein Gegenstück, damit sie wirklich leben können. Die Jugendkultur.

*Sebastian Kölliker studiert an der Universität Basel Philosophie und Wirtschaft und ist im Vorstand des Rockfördervereins der Region Basel (RFV) und des Jugendkulturfestivals Basel (JKF) aktiv. Zudem engagiert er sich im Komitee Kulturstadt Jetzt.

Die im Entwurf des Kulturleitbildes beschriebenen Massnahmen in vielen Bereichen (wie z.B. Film oder Tanz und Theater) sowie deren Potenziale zielen auf Aktivitäten, die bereits etabliert sind und hohen Ansprüchen genügen müssen. Zusätzlich sollte Förderung aber niederschwellig beginnen, um so ein Fundament zu schaffen.

Nicht nur aus finanziellem Aspekt ist es wichtig, die Jugendkultur in das Kulturleitbild einzubinden. Es geht vor allem um Akzeptanz, Wertschätzung und die Frage, was man in dieser Stadt zulässt. Zur für die Jugendkultur sehr wichtigen Zwischennutzung und zu kulturellem Freiraum werden leider keine Aussagen gemacht. Man kann nicht ausser Acht lassen, dass der grösste kulturelle Freiraum des Kantons, das nt/Areal, schon bald in dieser Form nicht mehr zur Verfügung steht. Es braucht hier keinen Plan des Kantons, aber eine Zusage des Zulassens und Förderns von Freiräumen.

Die Jugend ist Teil der Gesellschaft und so sollte sie auch Teil der Kulturförderung sein. Jugendkultur kann wachsen und macht Nischen lebendig, reagiert schnell, nimmt schnell auf, gibt schnell wieder und kann aus wenig viel machen. Jugendkultur setzt Trends, ist Motor für Veränderungen und entwickelt Neues. Nicht zuletzt reflektiert sie unsere Gesellschaft kritisch und prägt auch den öffentlichen Raum in zunehmendem Masse.

Die Regierung muss sich unbedingt den Auftrag geben, Jugendkultur sowohl finanziell wie auch in der Frage der Akzeptanz, Wertschätzung und der Wahrnehmung in der Gesellschaft zu unterstützen.

Und ja, die Jugend darf dieses Einbinden in ein Kulturleitbild Scheisse finden. Eben, sie ist das Gegenstück.

Der Inhalt von Gastbeiträgen deckt sich nicht zwingend mit der Meinung der Schlaglicht-Redaktion. Die Gastautoren sind in ihrer Meinung und ihren Formulierungen frei.