Beiträge mit dem Schlagwort ‘Konzertreview’

Die nächste Generation?

Luca Bruno am Donnerstag den 9. Mai 2013

Unter dem Banner der «Set it Off»-Tour touren derzeit die fünf jungen Produzenten XXYYXX, Slow Magic, Giraffage, Beat Culture und Blackbird Blackbird – mit Ausnahme von Erstgenanntem alle aus Kalifornien stammend – quer durch Europa. Eine neue Generation Musiker, die an ihrer Musik vorwiegend in den eigenen Schlafzimmern bastelt um sie gleich anschliessend ihrem massiven Gefolge auf Twitter und Facebook via Soundcloud oder Bandcamp verteilen zu können – und das meistens ohne dafür Geld zu verlangen. Fünf Produzenten, die dementsprechend mehr Wert auf die korrekte Tumblr- und Vaporware-Ästhetik legen, als mit dem Verkauf von physischen Tonträgern Geld zu verdienen. Gestern Mittwochabend, am 8. Mai 2013, machte die Tour halt in der KaserneDiesen Beitrag weiterlesen »

Besuch aus dem hohen Norden: Sigur Rós

Luca Bruno am Montag den 25. Februar 2013


Überlebensgross: Sigur Rós in der St. Jakobshalle.

Knapp anderthalb Dekaden ist es nun bereits her, dass sich Sigur Rós mit ihrem zweiten Album «Ágætis byrjun» dazu aufgemacht haben, um die Jahrtausendwende die Bühnen dieser Welt mit ihrer faszinierenden Kombination aus Post-Rock und ätherischem Kammerpop zu verzaubern. Den Überraschungseffekt hat die Band aus dem «fernen Island», die ihre Auftritte gerne hinter halbtransparenten Vorhängen absolviert, deren Lyrics grösstenteils in einer erfundenen Sprache namens «vonlenska» (zu Deutsch in etwa «hoffnungsländisch») gesungen werden und deren Leadsänger seine E-Gitarre fast ausschliesslich mit einem Geigenbogen anspielt, dank unzähligen Alben, Konzertfilmen sowie Live-DVDs, die seither erschienen sind, mittlerweile zwar nicht mehr auf ihrer Seite und trotzdem wirkt sie auch weiterhin so undurchdringlich wie kaum eine andere Band, die eine solch ähnlich grosse Popularität geniesst.

Gestern Sonntagabend legte die Band um Sänger Jón Þór Birgisson auf ihrer aktuellen Welttournee einen schweizexklusiven Halt in der Basler St. Jakobshalle ein und bewies dabei, dass sie auch trotz regelmässigen Platzierungen in den oberen Regionen sämtlicher Charts rund um den Globus noch immer nichts von ihrer Originalität eingebüsst hat. Diesen Beitrag weiterlesen »

Zurück auf Start

Luca Bruno am Montag den 22. Oktober 2012

Die «Akustik-Tour». Sie ist auf der Liste der «Konzert-Gimmicks» wohl am besten gleich neben der «Tour mit Orchester» und «Wir spielen heute unser Debütalbum von Anfang bis Ende und verzichten auf jegliches neue Material… versprochen!» einzuordnen. Dementsprechend war eine gesunde Portion Skepsis im Vorfeld von Patrick Wolf‘s gestrigem Akustikkonzert in der vorbildlich gefüllten Reithalle der Kaserne durchaus angebracht. Glücklicherweise konnte uns Wolf vom Gegenteil überzeugen… Diesen Beitrag weiterlesen »

Die Summe der einzelnen Teile

Luca Bruno am Sonntag den 23. September 2012

Telepathe

Telepathe, ein in Brooklyn beheimatetes Duo bestehend aus Busy Gangnes und Melissa Livaudis, waren diesen Samstagabend, am 22. September, in der Kaserne zu Gast. Brooklyn? Da war doch was… Schlaglicht war jedenfalls anwesend. Diesen Beitrag weiterlesen »

Von der Yacht aufs Floss

Luca Bruno am Donnerstag den 26. Juli 2012


imFluss-Podcast #1 (Video: Felix Schaffert)

Das Kulturfloss schwimmt wieder! Seit vorgestern Dienstag geben sich während den nächsten zweienhalb Wochen im Namen von imFluss wieder nationale und vor allem auch internationale Künstler die Klinke am Rheinbord in die Hand. Während Philipp Poisel, der das Festival am Dienstag eröffnete, noch dem Fussball weichen musste, war Schlaglicht für den Yacht-Rock von Destroyer gestern rechtzeitig vor Ort… Diesen Beitrag weiterlesen »

BScene '12: Die Sache mit den Ambitionen

Luca Bruno am Dienstag den 27. März 2012
BScene

BScene '12. Hier: Elephant Anthony in der 8-Bar

7000 Besucher waren es dieses Jahr. Das sind zwar tausend weniger als an der letztjährigen Ausgabe, diese 7000 BScene-Besucher sollten aber immer noch genügend Ticketeinnahmen generiert haben, um dem Organisationsteam die Fertigstellung des längst geplanten Wintergartens für ihre goldene 27-Zimmer Villa in der Karibik – welche sich das Team wiederum aus den Einnahmen der vergangenen Jahren finanziert hat – zu garantieren.

Spass beiseite: Die BScene erlebt man am besten hautnah und in Farbe, daher bieten wir anstatt ausführlichen «Think pieces» nun zufällig ausgewählte Eindrücke aus unserem BScene-Besuch. In den Hauptrollen: The Hoanhieu, Elephant Anthony und We LoyalDiesen Beitrag weiterlesen »

Portlyn? Brookland!

Luca Bruno am Samstag den 26. November 2011

Nurses im 1. Stock: John Bowers (l.) und Aaron Chapman (r.).

Kritik am Konzertprogramm in Basel gibt es ja zuhauf: Zu wenig grosse Namen! Zu wenig Publikum! Zu wenig Clubs! Was aber in der ganzen Beschwerdeflut ab und zu untergeht ist die Tatsache, dass es in dieser Stadt auch an Platz für kleinere Bands mangelt. Und damit sind hier für einmal nicht die regionalen Künstler (das ist dann wieder eine andere Geschichte) oder Bands vom europäischen Festland und Grossbritannien gemeint, sondern viel mehr Acts von der anderen Seite des grossen Teichs, welche hier mehr Beachtung und Auftrittsmöglichkeiten verdient hätten.

Bands aus dem «Secretly Canadian»-Kuchen beispielsweise, die fast alle das Prädikat «sehr gut» verdienen, aber hierzulande zu unbekannt sind und daher nur selten mehrere hundert Konzertbesucher anziehen. Konzertveranstalter der Stadt haben dementsprechend Angst davor, sich die Finger zu verbrennen… aber glücklichweise haben wir ja den 1. Stock vor den Toren der Stadt und dort gehen diese Bands ein und aus. So waren gestern Abend die Nurses aus Portland in Münchenstein zu Gast und Schlaglicht war auch mit dabei. Diesen Beitrag weiterlesen »

Cold War Kids (of Leon)

Luca Bruno am Dienstag den 12. Juli 2011

Cold War Kids im Sommercasino, 11. Juli 2011 (Bild: Luca Bruno)

Im Frühjahr 2006 veröffentlichten die Cold War Kids, vier Schulfreunde aus Long Beach in Kalifornien, eine sechs Songs umfassende EP namens «Up In Rags». Songs wie «Hang Me Up To Dry» und «We Used To Vacation» zogen in den Wochen darauf durch sämtliche Musikblogs und schnell konnte ein lukrativer Plattenvertrag an Land gezogen werden. Mit ihrer gelungenen EP hatte sich die Band also eine optimale Ausgangslage für ein erfolgreiches Debütalbum geschaffen. Anstatt in Ruhe auf die ersten Erfolge aufzubauen, entschied ihr neues Label aber, dass alle sechs Songs dieser EP zusammen mit Tracks von älteren Veröffentlichungen der Band hastig zu einem Album zusammengeschustert würden, welches schliesslich nur sechs Monate nach der Veröffentlichung von «Up In Rags» seinen Weg in die Läden fand. Mit «Robbers & Cowards», wie ihr Debütalbum schlussendlich getauft wurde, verfügten die Cold War Kids somit über ein ordentliches, aber nicht grossartiges Album. Aufgrund der Hits ihrer erfolgreichen EP konnten die Cold War Kids von nun an jedoch so ziemlich jeden Club füllen, womit sich das schnelle Handeln des Labels am Ende bezahlt gemacht hatte.

Ob es nun das Label war oder vielleicht sogar die Band selbst, die es für eine gute Idee hielt, nach dem kommerziell enttäuschenden Zweitling «Loyalty to Loyalty» (2008) für ihr nächstes Album den Produzenten der in den letzten fünf Jahren ziemlich erfolgreichen Kings of Leon ins Boot zu holen und sich während den Aufnahmen zu ebendiesem Album als Stadionrockband neu zu erfinden, spielt im Endeffekt keine Rolle: Das Endprodukt, das diesen Januar erschienene dritte Album «Mine Is Yours», spricht für sich und beweist wieder einmal eindrücklich, dass abrupte Neuausrichtungen so gut wie nie funktionieren. «Robbers & Cowards» war zwar keineswegs perfekt, aber immer noch besser, als ein müder Abklatsch eines ohnehin schon sehr durchschnittlichen Vorbildes zu sein.

Doch wie präsentieren sich die vier Kalifornier mittlerweile auf der Bühne? Mussten im Vorfeld zusätzliche Rauchmaschinen installiert werden? Davon (und mehr) konnte man sich diesen Montag (11. Juli 2011) im sehr angenehm gefüllten Sommercasino überzeugen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Und Eins, Und Zwei

Luca Bruno am Sonntag den 19. Juni 2011

Seit Jahren geben sich im Nordstern Wochenende für Wochenende die Grössen der elektronischen Clubmusik die Klinke in die Hand. Zum eindeutig populärsten Club der Stadt wurde der Nordstern aber erst durch die im letzten September eingeführte Clubnacht «Tetris». War der Club am Voltaplatz in den Jahren zuvor vor allem Fans von Minimal Techno oder Drum’n’Bass bekannt, konnte man mit der neuen Reihe am Donnerstagabend auch die Hörer elektronischer Housemusik endgültig für sich gewinnen. Seit Acts wie Justice, Digitalism oder Simian Mobile Disco 2006 ein rockaffines Publikum für elektronische Clubmusik begeistern konnten, geniesst diese Stilrichtung grösste Beliebtheit. Mit James Ford und Jas Shaw alias Simian Mobile Disco waren diesen Freitag (19. Juni 2011) nun zwei der wichtigsten Vertreter dieses Stils mit einem DJ-Set im Nordstern zu Gast.

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Stornoway «unplugged»

Luca Bruno am Donnerstag den 7. April 2011

StornowayIm Juli 2009 machte die britische Band Stornoway dank ihrer hervorragenden Debütsingle «Zorbing» zum ersten Mal von sich reden. Ende Mai 2010, rechtzeitig zum nächsten Sommer also, veröffentlichte die Band aus Oxford dann ihr ziemlich gelungenes Debütalbum «Beachcomber’s Windowsill». Um den Sommer 2011 einzuläuten, erschien die Band nun gleich persönlich in Basel und spielte vergangenen Dienstag ein Konzert im Parterre.

Wie so oft bei Konzerten im Parterre wurde der Abend dabei in zwei Sets aufgeteilt, leicht ungewöhnlich war dabei allerdings die Entscheidung der Band, die zweite Hälfte komplett «unplugged» zu bestreiten. Zuerst war es jedoch die erste, elektronisch verstärkte Hälfte ihres Sets, die daran erinnerte, wieso man sich letzten Sommer ins Debütalbum der Band verlieben konnte.

Die Studioversionen von «Beachcomber’s Windowsill» glänzen durch eine klare Produktion und besonders dann, wenn Stornoway mehrstimmige Passagen in ihre Songs einbauen, erreichen sie schon fast die orchestralen Qualitäten der Fleet Foxes. Die Akustik des Parterres machte eine exakte Umsetzung dieser Stücke zwar unmöglich, «I Saw You Blink» oder «Watching Birds» klangen allerdings auch in einer etwas leicht rumpligen Version ziemlich gut. Bisweilen unterstützt von Trompete und Geige erinnerten Stornoway an diesem Abend mehr an Bands wie die Wave Pictures oder Belle & Sebastian und klangen dadurch weitaus charmanter und spontaner, als es ihr Debütalbum erahnen liess.


«The End Of The Movie» – unplugged im Parterre

Für die zweite Hälfte grüsste die Band nun mit Kontrabass statt Bass und Cajon statt Schlagzeug von der Bühne. Das Konzept «unplugged» setzten sie jedoch vor allem durch den Verzicht auf Mikrophone wortwörtlich um. Die nun zurückhaltendere Instrumentierung und die damit verbundene punktgenaue Umsetzung der mehrstimmigen Passagen liess ihre ruhigeren Stücke erst recht zur Geltung kommen und begeisterte dementsprechend das Publikum. Spätestens für «Zorbing» aber, welches standesgemäss als letzter Song des Zugabenblocks gespielt wurde, hätte man sich gerne wieder ein bisschen mehr elektrische Power gewünscht.

Stornoway benannten sich nach einer Stadt hoch im Norden von Schottland und als Inspiration zu «Zorbing» diente eine obskure Sportart aus Neuseeland. Und genauso abenteuerlich wie die Referenzen, auf welche sich die Songs der Band beziehen, waren auch die sehr amüsanten Geschichten, die Sänger Brian Briggs zwischen den Songs erzählte. Geschichten über Hühner, die vom Teufel besessen waren, über das Verspeisen von Schnecken und Erlebnisberichte über wenig bekanntere Museen waren es, die das Konzert erst recht versüssten. Wir können nur hoffen, dass die Band bereits einen Plan hat, wie und wann sie uns den Sommer 2012 bringen will.