Beiträge mit dem Schlagwort ‘Konzert’

Strassenrap mal anders

Joel Gernet am Donnerstag den 28. November 2013

Er rappt gerne über Rap, verwendet HipHop-Puristen-Wörter wie «real» und seine Beats klingen, als hätte er sie den US-Raplegenden von A Tribe Called Quest geklaut. Oder von den Roots. Klingt altbacken? Ist es aber nicht! Denn Kuzco gehört zum Frischesten, was Basler Rap momentan zu bieten hat. Sein erstes Album (download hier) enthält ein dutzend Songs, deren Qualität für ein Gratis-Release unverschämt gut ist.

Relaxte Beats, getränkt von Jazz Samples treffen auf einen Flow, der so locker und unverkrampft daherkommt wie Snoop Dogg bei einem Amsterdam-Aufenthalt. Komplettiert wird das Gesamtbild von astreiner Reimtechnik und der authentischen Attitüde eines jungen Mannes, der sich je nach Laune als selbstironischer Angeber, lockerer Frauenheld oder leidender Zweifler inszeniert.

Milchstroossetournee: Kuzcos Debut enthält u.a. Features von Black Tiger, Shape, Céline Huber, den Tafs und Fetch.

Milchstroossetournee: Das Album hat trotz den drei Beat-Produzenten (Audio Dope, Kuzco, Zois) musikalisch einen roten Faden.

Man könnte das Debut des 22-Jährigen auch mit «Die Freuden und Leiden des jungen Kuzco» betiteln. Stattdessen hat der Basler sein Baby, das am Sonntag das Licht der Welt erblickt hat, auf den Namen «Milchstroossetournee» getauft. Der Titel hat nichts mit kosmischen Kräften oder Erich von Däniken zu tun, er umschreibt viel eher die Dimension von Kuzcos musikalischen Ambitionen. Die Welt ist nicht genug, deshalb macht sich der kleine Prinz des Basler Rap auf, die ganze Milchstrasse zu erobern. Streetrap mal anders – Milchstrassenrap sozusagen.

Inhaltlich umfasst Kuzcos Kosmos die Freuden und Sorgen, die man Anfang 20 halt so hat: Die Jugend neigt sich dem Ende zu, der Ernst des Lebens hat noch nicht begonnen. Orientierungslosigkeit, Feiern, Festen, Liebeskummer – und natürlich eine Flut von Rap-Punchlines und Metaphern wie auf dem Song «Long Live Kuzco Pt. II»…

«Mi Kopf isch wie e Musik-Enzyklopädie.
Und ich scheiss uf jede Trend denn jede Trend isch mol verbyy.
HipHop und ych isch wie Romeo und Julia.
Ich mein, lueg mi aa: In dr Schwizer Szene bin ych e Unikat.»

Dass Kuzco sein erstes Album verschenkt, ergibt Sinn. Geht es ihm momentan doch vor allem darum, so viele Hörer wie möglich zu finden – und möglichst viele Konzerte zu spielen. Das Rapgame ist – wie alle Unterhaltungssparten – ein Kampf um Aufmerksamkeit und mit seinem Debut hat Kuzco gute Karten, tatsächlich auch wahrgenommen zu werden. Das zeigt sich auch in ersten Reaktionen wie jener vom Berner Tommy Vercetti, einer der Schweizer Rapper der Stunde (Stichwort «Glanton Gang»), der «Milchstroossetournee» auf Facebook anpreist. Dass Kuzco ausserhalb von Basel auf Wohlwollen stösst, ist ein gutes Zeichen. Viel zu vielen Basler Rapper gelingt es nämlich kaum, über die Region hinaus Gehör zu finden.

Im Studio: Kuzco und Black Tiger (v.r.). «Milchstroossetournee» enthält u.a. Features von Black Tiger, Shape, Céline Huber, den Tafs und Fetch

Im Studio: Kuzco und Black Tiger (v.r.). «Milchstroossetournee» enthält u.a. Features von Black Tiger, Shape, Céline Huber, den Tafs und Fetch

Anbiedern will sich der Musikstudent aber nicht. Kuzco möchte weder sich noch seinen Sound verbiegen für Hits und Clicks, das betont er immer wieder. Und das wird auch dem Namen seines Basler Musikkollektivs ersichtlich – «Anti Radio» ist die Devise. Ein Mittelfinger an den Mainstream. Aber Zeiten und Geschmäcker ändern sich und im Rap scheinen sich in Anbetracht der grassierenden Kommerzialisierung in Richtung Kaugummipop à la Nicki Minaj viele Hörer wieder auf die organisch-jazzigen Anfänge des Genres zu besinnen. Womit wir wieder bei Kuzco wären. Wenn er so weitermacht, könnte er mit seiner sympathischen Art nämlich genau dort landen: Im Mainstream und in den Radios. Ohne sich zu verbiegen notabene. Man würde es ihm und den Hörern wünschen.

Bevor es soweit ist, wird aber die «Milchstroossetournee» in Angriff genommen: Diesen Samstag, 30. November, gibt es im Kleinbasler SUD vor dem Beatnuts-Konzert eine kurze Kostprobe. Und am 7. Dezember eröffnet Kuzco das Konzert des Solothurner Rappers Manillio in der Kaserne Basel – zum ersten Mal mit Live-Band im Rücken. Daneben ist Kuzco zudem als Keyboarder mit Ira May – die zu recht hochgelobte «Amy Winehouse aus Sissach» – oder dem Basler Reggae-Sänger Tom Swift unterwegs. Auf Tournee ist der 22-Jährige also so oder so. Jetzt muss er nur noch die Milchstrasse erobern. Das Buffet ist jedenfalls angerichtet, wie den letzten Zeilen von Kuzcos Album zu entnehmen ist: «Das isch erst dr Warm-Up, das isch mi Apéro. Uf mir ligge grossi Hoffnige, han ych mir sage loh».

Der Korrektheit halber sei hier erwähnt, dass der Blog-Autor an einem Album-Song mitgewirkt hat.

– Kuzco, Milchstroossetournee (Anti Audio 2013). Free Download.
– Live: Sa. 30. November, Opening für die Beatnuts (USA), u.a. mit Kalmoo (BS) und Panadox (SO); Afterparty: DJ Philister (TNN, BS), D.Double (2LC, BL), DJ Tray (BS), Giddla (TNN, BS); SUD Basel.
– Live: Samstag, 7. Dezember, Kaserne Basel. Opening für Manillio.

Mr. Tough

Luca Bruno am Mittwoch den 19. September 2012
King Tuff

King Tuff (Photo: Jeffrey Sauger)

Gute Nachricht: Die Basler Konzertbühnen sind aus ihrem Sommerschlaf erwacht. Und wer letzten Donnerstag die inoffizielle Eröffnung der Konzertsaison – Big Harp im Parterre – verpasst hat, findet am kommenden Wochenende genügend Möglichkeiten, um seine Handbremse zu lösen. Schlag auf Schlag geht’s nämlich los mit dem Konzertherbst: Am Freitag Wolke im Goldenen Fass und am Samstag dann Telepathe in der Kaserne. Das freut den regelmässigen Konzertgänger!

Zuerst aber sei nun all denjenigen, die es Morgen Donnerstag, 20. September 2012, nicht nach St. Triphon verschlagen sollte – nicht vergessen: warm anziehen, es könnte kühl werden –, das Konzert von Kyle Thomas alias King Tuff ans Herz gelegt. Hey, Glam-Rock ist zurück! Diesen Beitrag weiterlesen »

«Viel warmen Tee anstatt Alkohol trinken»

Joel Gernet am Freitag den 10. August 2012

Der Basler Filmemacher Kevin Rodriguez hat die amerikanische DJ-Ikone Steve Aoki quer durch Europa begleitet. Im Schlaglicht-Interview lässt der 23-Jährige die denkwürdige Zeit mit Aoki Revue passieren.

Steve Aoki “On The Road # 29” from Kevin // Rodriguez on Vimeo.

Atemberaubende Landschaften, eindrückliche Architektur, hysterische Fans, rauschende Parties – und mittendrinn Steve Aoki. Es ist so kurzweilig wie kontrastreich, das neuste Tour-Video (oben) des DJs, Produzenten und Labelgründers, der schon mit Stars wie Kid Cudi, LMFAO, Lil Jon, Armand Van Helden und Tiesto zusammengearbeitet hat und u.a. für Song-Remixes von Eminem, The Killers oder Lenny Kravitz verantwortlich ist. Mit den langen glatten Haaren und seinem sanften Lächeln wirkt der Amerikaner mit japanischen Wurzeln auch im neusten Video fast schon scheu.

Steve Aoki: Von der Bühne ins Kornfeld.

Steve Aoki: Von der Bühne ins Kornfeld.

Zumindest bis zu dem Moment, an dem er auf die Bühne stürmt. Dann verwandelt sich der House- und Elektro-Produzent zur Bühnen-Bestie: Champagner-Duschen, Torten-Massaker, Stage-Dives, Konfetti-Wolken und Schlauchboot-Ausflüge über den Köpfen der Fans. Achja, und Platten-Auflegen tut Steve Aoki auch noch. Fast hätte man das vergessen bei all den spektakulären Sequenzen.

Gefilmt und in zweiwöchiger Feinarbeit zusammengeschnitten wurde das Live-Video von Kevin Rodriguez. Der 23-jährige Basler Filmmacher, der unlängst den Skateboardfilm Key Light veröffentlichte (wir berichteten), hat die DJ-Ikone aus Miami kürzlich bei seiner Europatournee zehn Konzerte lang mit der Kamera begleitet und dabei einiges erlebt. Ab heute ist das Video nun im Umlauf. Grund genug, mit Rodriguez auf die Aoki-Tour zurückzublicken. Diesen Beitrag weiterlesen »

Von der Yacht aufs Floss

Luca Bruno am Donnerstag den 26. Juli 2012


imFluss-Podcast #1 (Video: Felix Schaffert)

Das Kulturfloss schwimmt wieder! Seit vorgestern Dienstag geben sich während den nächsten zweienhalb Wochen im Namen von imFluss wieder nationale und vor allem auch internationale Künstler die Klinke am Rheinbord in die Hand. Während Philipp Poisel, der das Festival am Dienstag eröffnete, noch dem Fussball weichen musste, war Schlaglicht für den Yacht-Rock von Destroyer gestern rechtzeitig vor Ort… Diesen Beitrag weiterlesen »

Ab ins Pärkli zum Sommer-Jam

Joel Gernet am Freitag den 22. Juni 2012

Rock, Rap und ein Tanzbattle an und auf dem Rhein, dazu praktisch perfekte Wetterprognosen. Pünktlich zum Sommeranfang lockt der achte «Pärkli Jam» vom 22. bis 24. Juni drei Tage lang zum Gratis-Openair in den St. Johanns-Park.

Dazu präsentieren wir Euch ausgewählte aktustische Appetithäppchen aus dem Pärkli-Programm, das übrigens (fast) ausschliesslich mit regionalen Acts bestückt ist. Den Auftakt machen heute Abend zwei junge Rapper, welche der Stadt vergangenen Sommer zwei wunderbare Gutelaunetracks – die Basler Sommerhits 2011 sozusagen – beschert haben…

Kuzco (Freitag, 18:00 – 18:45 Uhr)

Fabe & Jules (Freitag, 19.00-19.45 Uhr)
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«…sonst würde mein Leben wohl im Gefängnis enden»

Luca Bruno am Mittwoch den 6. Juni 2012

Hier ein kurzer Reminder, woher man Sébastien Tellier kennen könnte: Da wäre zum Beispiel sein Album «Sexuality», welches höchstpersönlich von einer Hälfte von Daft Punk produziert wurde. Oder einer der besten Eurovision Song Contest-Auftritte der letzten Jahre. Oder halt dieser eine fantastische Popsong… den die meisten wiederum nur als Hintergrundgedudel zu McDreamy’s glatter Haut wahrgenommen haben.

Die unergründlichen Wege des Sébastien T. führen ihn heute Mittwoch (6. Juni 2012) nun auch in den Hinterhof, wo er sein erstes Gastspiel in unserer Stadt geben wird. Aus diesem Anlass haben wir uns mit Tellier über sein aktuelles Album «My God Is Blue», sowie die damit zusammenhängenden Fragen nach Spiritualität und Freiheit unterhalten… Diesen Beitrag weiterlesen »

Wichtig ist nur, dass niemand zuhause bleibt

Luca Bruno am Mittwoch den 23. Mai 2012

Aus Eins mach Drei. Neon Indian, Iceage, Stealing Sheep (Im Uhrzeigersinn).

«Basel ist einfach keine Stadt für Konzerte», wie oft haben wir diesen Satz jetzt schon gehört? Drei Basler Clubs – der Hinterhof, der 1. Stock und das Hirscheneck – blasen Morgen Donnerstag daher zur vorerst letzten Konzertoffensive vor der unausweislichen Sommerflaute und es liegt nun am Basler Konzertpublikum, allen Miesepetern und Schlechtrednern das Gegenteil zu beweisen. Der 24. Mai 2012 bringt mit Neon Indian, Stealing Sheep und Iceage drei ausgezeichnete Acts auf die Konzertbühnen der Stadt. Wichtig ist jetzt, dass niemand zuhause bleibt.

Denn wer sich als Teil der Popstadt Basel fühlt und trotzdem meint, ohne triftigen Grund morgen zuhause bleiben zu müssen, darf in Zukunft keine Leserkommentare mehr abgeben, wenn über irgendwelche Kulturleitbilder diskutiert wird, sich nicht mehr ins Thema «Kasernen-Öffnung» einmischen und erst recht nicht mehr am Konzertangebot unserer Stadt rumnörgeln. Diesen Beitrag weiterlesen »

Brückenangebot: Diagrams

Luca Bruno am Mittwoch den 16. Mai 2012

Einst war Sam Genders Sänger und Songwriter des ziemlich guten Londoner Folktronica-Duos Tunng. Da die Ideen jener Band seinerzeit von Album zu Album komplexer wurden, wurde sie von Release zu Release zahlenmässig grösser… bis sie schlussendlich über Genders’ Kopf hinauswuchs. Er verliess die Band, arbeitete fortan als Primarlehrer und brauchte einige Jahre, bis er sich wieder hauptberuflich der Musik widmen konnte.

Mit Tunng hat Genders also abgeschlossen, sein neues Hauptprojekt heisst jetzt Diagrams. Letztes Jahr erschien mit Hilfe von Mark Brydon, eine Hälfte des mittlerweile ebenfalls aufgelösten Duos Moloko (Ach, Erinnerungen…), eine selbstbetitelte EP, anfang dieses Jahr nun das erste Album: «Black Light». Und dieses Album, ein Konzeptalbum zwischen Gut und Böse, Hell und Dunkel, ist ein richtig wunderbar verschrobenes Werk geworden. Sam Genders’ Stimme siedelte sich ja schon zu Zeiten von Tunng ziemlich nahe bei Gruff Rhys an, nun können auch die Melodien mithalten. Mal komplex, mal einfach und eingängig: Die 9 Songs seines Debütalbums sind ein Lehrstück in Sachen Kurzweiligkeit und dementsprechend darf man auf seinen Auftritt vom Donnerstagabend, 17. Mai 2012, in der Hinterhof Bar gespannt sein. Ein Konzert für alle, nicht nur für diejenigen, die diesen Freitag einen freien Tag einziehen können (bzw. dürfen)… Diesen Beitrag weiterlesen »

Ladies and Gentlemen We Are Floating in Space

Luca Bruno am Donnerstag den 26. April 2012

My Best Fiend

Dass ein neues Signing des berühmten Labels Warp Records, welches in den 90er-Jahren durch Namen wie Boards of Canada, Aphex Twin oder Squarepusher die Welt der elektronischen Musik prägte, heutzutage nicht immer gleich abstrakt-experimentelle Elektronik bedeuten muss, ist ja keine wirklich neue Erkenntnis. Bands wie Grizzly Bear oder Maxïmo Park haben während der letzten Dekade ihren Teil dazu beigetragen, dass man das Label aus Sheffield mittlerweile einfach als Adresse für gute Musik aller Art – und eben nicht nur elektronischer – zu schätzen weiss.

So überrascht es also nicht, dass My Best Fiend, welche morgen Freitagabend, dem 27. April 2012, in der Kaserne spielen, ganz ohne elektronische Klänge auskommen und stattdessen «herkömmliche» Gitarrenmusik versprechen, verwunderlicher ist da eher der Herkunftsort der Band… Diesen Beitrag weiterlesen »

On Stage: Konono Nº1

Luca Bruno am Donnerstag den 5. April 2012

«Congotronics»? «Bazombo trance»? Nur schwer lässt es sich mit Worten und Stilbezeichnungen be- bzw. umschreiben, wie es denn klingt, wenn afrikanische Rhythmen und Likembés (Umgangssprachlich: Daumenklaviere) auf Krautrock treffen und so sollte man Konono Nº1, oder mit vollem Namen das «Orchestre folklorique T.P. Konono Nº1 de Mingiedi» aus dem Kongo, sich nicht nur zuhause anhören, sondern vor allem auch an einem Konzert miterleben.

Gegründet irgendwann in den 1960er oder 1970er-Jahren und dank dem Release des fabelhaften Albums «Congotronics» im Jahre 2005 seit Mitte letzter Dekade auch auf Bühnen ausserhalb Afrikas unterwegs, sind die energiereichenden Liveshows des Orchesters rund um Bandgründer Mawangu Mingiedi mittlerweile weltweit ein Begriff und auch ihre genreverknüpfenden Veröffentlichungen, welche wir dem belgischen Label Crammed Discs zu verdanken haben, finden sich regelmässig auf Bestenlisten wieder. Nach umjubelten Auftritten in u.a. Luzern, St. Gallen, Düdingen oder Zürich kommt jetzt auch Basel zum Zuge: Heute Abend (Donnerstag, 5. April 2012) eröffnen Konono Nº1 unser aller Osterwochenende in der KaserneDiesen Beitrag weiterlesen »