Beiträge mit dem Schlagwort ‘Kaotic Concrete’

Ein Rapsampler voller PW-Perlen

Joel Gernet am Freitag den 9. Mai 2014

Jakebeatz ist eine Basler Produzenten-Legende. Seit bald zwanzig Jahren versorgt er Rapper und B-Boys mit Soundunterlagen. Dennoch stand Jakebeatz bisher noch nie so richtig im Rampenlicht. Zwar greift er zwischendurch gerne auch zum Mikrophon, dreht unermüdlich Musikvideos und beherbergt vermutlich das am besten bestückte HipHop-Studio der Stadt – in den Vordergrund gedrängt hat er sich aber nie.

Abseits des Video-Shooting: Jakebeatz, unterwegs in New York.

Abseits des Video-Shootings: Jakebeatz, unterwegs in New York.

So ist das auch bei seinem heute erscheinenden Album, das er schlicht «PW Records Sampler» nennt: Anstatt das Album zu einer Egoshow zu machen, hat sich Jakebeatz mit den mindestens eine Generation jüngeren Beat-Produzenten Manoo und Sandro Purple Green zusammengetan. Gemeinsam hat das Trio innerhalb von zwei Jahren 25 Songs produziert, die nun auf dem PW-Sampler aufgereiht wie an einer Perlenkette präsentiert werden. Bisher war das Label vorwiegend ein Einmannbetrieb – Jake ist PW Records und umgekehrt.

Die Rap-Nabelschau startet fulminant mit dem Solo-Song «PWegig» von Kush. Gerappt wird in typischer Ticker-Manier…mit dem Unterschied, dass diesmal keine bewusstseinserweiterten Substanzen, sondern der PW-Sampler auf den Strassen verkauft wird. Der pumpende Beat von Jakebeatz und Sandro Purple Green passt perfekt. Autofahrsound!

Erwähnenswert auch die Solo-Beiträge der Freakanoid-Rapper Lorro One und Thierrey. Während letzterer auf dem elektronischen «Laat me Leven» ausnahmsweise mit holländischen Raps überzeugt (der Voice-Sample Refrain ist allerdings komplett nervtötend), lässt TripleNine-Member Thierrey jegliche «Hektik» hinter sich. Natürlich mit einem dazu passenden, relaxten Rapstil.

Das PW-Trio: Sandro Purple Green, Jakebeatz und Manoo.

Das PW-Trio: Sandro Purple Green, Jakebeatz und Manoo.

Am meisten interessieren dürfte viele Hörer der neue Griot-Track «In My Hood», schliesslich signalisiert der Song die Wiedervereinigung des einstigen Dreamteams Jake und der Basler Strassenrap-Ikone Mory (so hiess Griot um die Jahrtausendwende). Ihre damaligen Produktionen «S’Rosebett» (1998) und «s’Neue Testamänt» (2002) sind legendär. Und das neuste Machwerk des einstigen Tag-Teams? Begleitet von einem Piano-Beat und dem Basler Sänger Kei durchkämmt Griot sein Paradegebiet – seine Hood. Ein typischer Griot-Song mit coolem Auftakt («Ei Flüügelschlag, heb mi us dr Äsche. Wär hett mi scho vergässe?»), dicken Eiern («D’Mässlatte, dr Rapvater») und einem ironischen Verweis an den Rücktritt des Rappers:

«Nie dänngt, mir könnte mol wägg us Basel.
Und lueg, jetzt hängt sogar mi Rap am Nagel.
Näb em Oumar sim FCB-Trikot.
Doch wenn dr Jake frogt, denn brennt das Mikro.»

Die vorletzte Zeile bezieht sich auch Griots Bruder Oumar Kondé, der Ende der 90er-Jahre für den FC Basel kickte. Die ersten internationalen Gäste auf dem PW-Sampler heissen Natural Born Spitters (N.B.S.) und bieten Hardcorerap à la La Coka Nostra. Dabei hat sich das US-Duo ein Brett von einem Beat ausgesucht. Hervorzuheben sind zudem die starken Beiträge des K.W.A.T.-Söldners Chilz (Wann erscheint endlich dessen Solo-Album?!), des Franzosen (?) Rotiv, der Berners Baze, MC Rony sowie von Kaotic Concrete und Sonny Seeza (Onyx), wobei der Basler mit Boston-Bezug der New Yorker Legende in nichts nachsteht.

Absoluter Höhepunkt ist aber der «One Take» des Basler Rapkollektivs Köpf Wo Anders Tikke (K.W.A.T.). Der reduziert-schleppende Beat von Jake und Sandro gehört zum Besten, was in letzter Zeit am Rheinknie produziert wurde. Dazu die messerscharfen Reime der K.W.A.T.-Jungs und ein richtig, richtig dicker Refrain von Contrast.

DruckPW steht übrigens, so die Legende, für die Anfangsbuchstaben der Rapcrews Phantom und Westside (später Die Weschtlichi Site). Die beiden Bands sind inzwischen nicht mehr aktiv, der Name aber blieb. Verliehen wurde er, auch das besagt die Legende, vom jungen Mory. Also jenem Rapper, mit dem Jakebeatz bis jetzt vermutlich die grösste Resonanz erhalten hat. Es wäre natürlich schön, wenn sich das dank des PW-Samplers ändert. Allerdings ist die Crux dieses Albums die selbe wie jene mit Jakes Produzentenkarriere: Hochwertige Beats und professionelle Studio-Strukturen werden verwässert durch eine zu grosse Anzahl von Rappern mit zu unterschiedlichem Niveau. Einige Klunker an dieser Perlenkette glänzen eindeutig heller als andere – und das ist schade. Was Jakebeats zu brauchen scheint, ist ein übertalentierter und treuer Rapper, mit dem er langfristig etwas aufbauen kann. Denn einige der PW-Sampler-Beiträge grenzen an Beat-Verschwendung.

Bis dato haben Jakebeats, Manoo und Sandro Purple Green vier Videoclips zum Album-Sampler veröffentlicht – weitere sind in Planung. Und das ist gut so: Erstens gehört die hauseigene Video-Umsetzung der PW-Produktionen zu den grössten Stärken der Basler. Zudem beinhaltet dieses Album noch einige Perlen, deren Glanz in einem Clip noch besser zum Vorschein kommen dürfte.

PW Records Sampler. Veröffentlicht am 09. Mai 2014. Erhältlich u.a. im 4 Elements Basel oder auf iTunes.

Epischer Rap, passend zur arktischen Kälte

Joel Gernet am Freitag den 18. Januar 2013

Die Basler Rapszene beglückt uns heute gleich mit zwei Kollabo-Alben: Kush, Chilz und M-Skills wollen Schweizer Rap mit «Entwickligshilf» einen Tritt in den Allerwertesten versetzen – deren Tonträger wird kommende Woche im Rahmen der Videoclip-Première ausführlicher vorgestellt.

Hier geht es um den zweiten Basler Raprelease von heute: Das gemeinsamen Album von Einzelgänger und Kaotic Concrete. Passend zum aktuellen Wetter heisst deren Veröffentlichung «Antarctica», wobei der Titel vermutlich in erster Linie den düster gehaltenen Songs geschuldet ist. Diese kommen dem ersten Eindruck nach ziemlich episch und bombastisch daher – textlich und musikalisch. Insofern bietet der frisch geleakte Album-Track «Reach For The Stars» mit Slaine (La Coka Nostra, NYC) und Amadeus The Stampede einen guten Vorgeschmack…

Neben LCN-Söldner Slaine haben die beiden mit Sabac Red (Non Phixion) eine weitere Harcore-Rap-Koriphäe aus New York für ihr Album gewinnen können. Gespittet wird auf «Antarctica» hauptsächlich in zwei Sprachen: Der jung und hungrig wirkende Einzelgänger rappt auf Baseldeutsch, Counterpart Kaotic Concrete überzeugt mit englischen Zeilen, wie sie in Basel nur Einer liefern kann. Das «Comeback» von Kaotic Koncrete erfreut Rapfans besonders, gehört der Basler mit Wurzeln in Boston doch seit den 90er-Jahren zur Rapszene am Rheinknie. Zuerst als Mitglied der englischsprachigen Crew Underclassmen (UCM) – und jetzt als schlagkräftiges Zugpferd bei Einzelgängers Label Poetica Fraterna.

Erhältlich ist «Antarcitica» von Einzelgänger & Kaotic Concrete – ebenso wie «Entwickligshilf» von Chilz, Kush & M-Skills – in den Basler HipHop-Geschäften 4Elements (Gerbergässlein) und Ace Records (Steinentorstrasse). Und auf iTunes.

Ein 83-Minuten-Monument für den Basler Rap

Joel Gernet am Mittwoch den 17. Oktober 2012

Dieses Wochenende erblickt ein Monster von einem Raptrack das Licht der Welt: Auf «1 City 1 Song» vereinigt Black Tiger über 140 Rapper aus der Region Basel. Am Freitag feiert das Werk mit einem Weltrekord auf DRS 3 Premiere, am Samstag gibts das Werk live in der Kaserne zu hören und als Gratis-Download. Der Bericht eines Beteiligten.

Black Tiger, Basler Rappionier. (Bild: Tim Lüdin)

Black Tiger, Basler Rappionier. (Bild: Tim Lüdin)

Black Tiger hat ein Monster erschaffen! Einen 83 Minuten langen Rapsong mit über 140 Rapperinnen und Rappern aus der Region und Beats von 11 Produzenten (Liste am Ende dieses Artikels). Auch wenn sich der Basler Rappionier eigentlich lieber nicht in den Vordergrund drängen will, schliesslich hatte er viele Helfer zur Seite, so ist es doch er, der dieses Wahnsinnsprojekt angerissen und durchgezogen hat. Es kann nur Black Tiger sein!

Kaum ein anderer Rapper hätte die Vision, den Optimismus und die Hartnäckigkeit, während zwei Jahren ein derart selbstloses Projekt zu realisieren. Andere hätten mit dieser Energie zwei Solo-Alben geschrieben. Nicht so Tiger, der mit «1 City 1 Song» ein eindrückliches Statement für die lokale HipHop-Szene abgibt und rund 20 Jahre nach der «Basler-Rap»-Hymne «Murder by Dialect» (mit P-27) ein zweites Mal Schweizer Musikgeschichte schreibt. Diesen Beitrag weiterlesen »

Basler Rap für den Sommer

Joel Gernet am Freitag den 6. Juli 2012

Kann sich jemand erinnern, wann zum letzten Mal ein Solo-Album einer Basler Rapperin erschienen ist? Abgesehen von Sista Lins eben erschienenen Debut «Linguistic» natürlich. Höchste Zeit also, dass eine Dame am Rheinknie wieder einmal auf den Putz haut. Und Sista Lin kann das – erstens, weil sie zweifelsohne die nötigen Rapskills mitbringt und zweitens, weil sie Wut im Bauch hat und auf ihrem Album auch abgerechnet wird. Auf dem berührenden Song «Kriegsbeil» tut sie dies zum Beispiel mit ihrem Vater und auf Tracks wie «Queen» oder «Kollision» macht Sista Lin mit der schlecht rappenden Konkurrenz kurzen Prozess. Da gibts Zeilen zu hören, wie sie sonst von fast ausschliesslich von Typen gespuckt werden. Hier hätte Lin mit ihrer Stimme aber ruhig noch mehr Wut transportieren können. Diesen Beitrag weiterlesen »

Rap von der Ostküste live im Sommercasino

Joel Gernet am Mittwoch den 2. März 2011

Mit dem Konzert von Termanology und DJ Statik Selektah bekommen Basler Rapfans am Donnerstagabend im Sommercasino einen absoluten Leckerbissen geboten. Das Duo bringt derzeit mit dem Album «1982» die Köpfe der Anhänger des klassischen Ostküsten-Boom-Bap-Rap der 90-Jahre zum nicken. Und zwar heftig. Für Kenner ein Must-See, für den Rest ein Geheimtipp.

Termanology und Statik Selektah

Traumduo: Termanology und Statik Selektah.

Zum ersten Mal zusammengearbeitet haben die beiden im Jahr 2005 für das Termanology-Mixtape «Hood Politics II». Dieses trug seinen Teil dazu bei, dass sich Beatproduzent Statik Selektah (aus Boston) und Rapper Termanology (aus dem rund 45 Kilometer davon entfernten Lawrence) auch in New York einen Namen machten. Seinen bisher grössten Hit landete der Rapper mit puertoricanischen Wurzeln dann 2006 mit dem von Gang-Starr-Legende DJ Premier produzierten Song «Watch how it go down», einem Vorboten zu Terms überzeugendem Debut-Album «Politics As Usual» (2008). Derweil belieferte Tausendsassa Statik Selektah fast die gesamte Undergroundrap-Garde der Ostküste mit Beats. Diese versammelt er auch auf seinen drei Produzenten-Alben, auf denen neben Künstlern wie Jadakiss, KRS-One und M.O.P. auch Reks zu hören ist.

Letztgenannten haben Termanology und Statik Selektah auch in Basel mit im Gepäck. Der nach einer persönlichen Krise wieder auferstandene Bostoner Rapper Reks verzückt die Szene derzeit mit seinem Vorab-Song «25th Hour» (der Beat ist ausnahmsweise nicht von Statik…sondern von DJ Premier). Sein Album «R.E.K.S» erscheint am 8. März – das Basler Publikum hat also das Privileg, die neuen Songs noch vor deren Veröffentlichung zu hören. Das Vorprogramm des Ostküsten-Mobs gestaltet mit Kaotic Concrete (und DJ Tray) passenderweise ein Basler Rapper, der Wurzeln in Boston hat.

Und nun das Gute zuletzt: Der Gig von Termanology, Statik Selektah und Reks ist nicht das einzige vielversprechende Rapkonzert im Soca dieses Frühjahr: Angekündigt sind bereits Konzerte des New Yorker Rappers Pharoahe Monch (2.4.) – das ist der mit «Simon Says – Get The F*#ck Up» –, der CunninLynguists aus Kentucky (8.4.) und der beiden Hardcore-Rapper Ill Bill und Vinnie Paz, zusammen bekannt als Heavy Metal Kings (5.5.). Alle sind sie Garanten für energiegeladene Rapkonzerte.

Doch woher diese Häufung hochkarätiger Rapkonzerte? «Wir profitieren davon, dass viele Künstler momentan wieder auf Tour sind», erklärt Serge Borer, der im Sommercasino seit September 2010 für die Rapkonzerte verantwortlich ist. Dass er ausgerechnet Statik Selektah nach Basel holt, ist aber kein Zufall. «Nach DJ Premier ist Statik Selektah für mich einer der besten Beatproduzenten der US-Ostküste», findet der 26-Jährige. Dasselbe lässt sich in Bezug auf Rap auch über den technisch versierten Termanology sagen (gebt Euch diese letzte Strophe!). Wen Borer aber schlussendlich für das Soca buche, entscheide er aus dem Bauch heraus. Bleibt zu hoffen, dass uns Borers Bauchgefühl auch künftig ganz viele Rapleckerbissen beschert.
Donnerstag 03.03.11

HipHop ShowOff-Tour
Do. 3. März 2011, Sommercasino Basel
Statik Selektah & Termanology, Reks & DJ Deadeye
Support: Kaotic Concrete & DJ Tray (BS)
Doors: 20:00 Uhr