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Ein furzendes Fagott und das fiese Moll

karen gerig am Montag den 7. Februar 2011

Kammerorchester, das sagt dem Kind noch nicht viel. Joseph Haydn kennt es auch nicht, Mozart oder Beethoven hätte es mit Musik verbinden können. Jürg Kienberger wiederum – Nein. Musikclown ist da schon eher ein Stichwort, das zu reizen vermag. Und auf gehts, in die Kaserne, ans Ohrenrauschen, wo Musikclown Jürg Kienberger zusammen mit dem Kammerorchester Basel Haydns «Abschiedssinfonie» vertont, die 45. Sinfonie im «fiesen Moll», so Kienbergers kindgerechte Übersetzung. Und weiter wird kalauert: «Ein Haydn-Spass!»

Jürg Kienberger, vor den noch leeren Stühlen des Kammerorchesters.

Kienberger, bekannt aus Inszenierungen Christoph Marthalers, spielt Klavier und Glasharfe, und selbst einer Bierflasche entlockt er den passenden Ton. Dazu singt der Lockenkopf mit den roten Ohren mit «Engelsstimme», schmettert auch den einen oder anderen Schlager, der zum Thema Abschied passt. Doch immer alles vor dem Hintergrund der klassischen Musik, vor der «Abschiedssinfonie», die das Kammerorchester vorträgt.

Die Vermittlung von klassischer Musik an Kinder, das gibts nicht allzu oft, zumindest nicht in konzertanter Form. Popkonzerte für Kinder stehen häufiger auf dem Programm der Veranstalter, mit Künstlern wie Linard Bardill, Andrew Bond oder Marius und seiner Jagdkapelle, die die Kinder auf andere Art und Weise an die Musik heranführen. Das Basler Sinfonieorchester bietet die mini.musik an – inszenierte Konzerte für Kindergartenkinder mit Musik von Barock, Klassik über die Romantik bis hin zur Moderne. Ein überschaubarer Rahmen soll es den Kindern ermöglichen, jedes Instrument für sich kennenzulernen. Die Kinder sind ausserdem zum Mitmachen eingeladen. Die mini.musik verfolgt damit klar einen pädagogischen Anspruch und wendet sich deshalb auch direkt an die Kindergärten.

Das «Ohrenrauschen»-Konzert in der Kaserne am Sonntagvormittag hingegen war als Unterhaltung für Gross und Klein angedacht. Und unterhalten wurde das Publikum in der proppenvollen Reithalle, auch wenn vielleicht manch ein Kind sich mehr Clown und weniger reine Musikpassagen gewünscht hätte. Und etwas pädagogischer Effekt war dann doch dabei: Zwar kannte das Kind nach dem Konzert Haydn noch immer nicht, aber es wusste immerhin, was ein Kammerorchester ist. Und dass ein Fagott auch furzen kann.