Beiträge mit dem Schlagwort ‘Joseph Gordon-Levitt’

Zurück in den düsteren Gassen von Sin City

Fabian Kern am Mittwoch den 17. September 2014

«Sin City 2» läuft ab 18.9. im Küchlin.

«Sin City 2» läuft ab 18.9. im Pathé Küchlin und im Rex.

«Diese verdorbene Stadt beschmutzt alle.» Nancys Satz bringt Sin City auf den Punkt. Und dennoch haben wir sie während neun langen Jahren vermisst, diese Stadt der verlorenen Seelen. Wo selbst die besten Charaktere irgendwann auf die falsche Seite geraten – doch welche ist eigentlich die richtige in diesem Resort der Outlaws? Dwight (Josh Brolin) scheint ein aufrechter Bürger zu sein, doch auch er muss den Dämon in sich ständig zurückhalten, um nicht Leute umzubringen. Dwight? Richtig, das war im ersten Teil noch Clive Owen. Nun, in «Sin City: A Dame to Kill For», erfahren wir seine Vorgeschichte. Warum er Ava Lord (Eva Green) dermassen verfallen ist, dass er sogar für sie tötet. Und warum Josh Brolin plötzlich wie Clive Owen aussieht.

Sexy und wütend: Nancy.

Sexy und wütend: Nancy (Jessica Alba).

Es sind wieder verschiedene Geschichten, die Frank Miller uns erzählt, genau genommen vier an der Zahl. Die oben erwähnte Titelstory nimmt den Hauptanteil des Films ein und ist nicht das einzige Prequel zu «Sin City», denn neben Dwights Geschichte kommt auch der bullige Marv (Mickey Rourke) zu einem Solo-Auftritt. Marv? Richtig, der kam im ersten Teil um. Auch bei seiner blutigen Einlage gleich zu Beginn handelt es sich um eine Vorgeschichte. Regisseur Robert Rodriguez gibt zu, er habe mit Millers Büchern viel mehr herumgespielt als noch vor neun Jahren. Doch auch zwei neue Geschichten werden geboten, beide drehen sich um den skrupellosen Senator Roark (Powers Boothe), der sich einerseits gegen den respektlosen Kartenspieler Johnny (Joseph Gordon-Levitt) wehren muss und andererseits Ziel von Nancys (Jessica Alba) Rachefeldzug wird, die vier Jahre nach Hartigans (Bruce Willis) Freitod endlich blutige Rache nehmen will.

Alter Haudegen: Marv.

Alter Haudegen: Marv (Mickey Rourke).

Der klare Schwerpunkt auf eine Geschichte macht «Sin City: A Dame to Kill For» nicht einfach zu einer Fortsetzung seines Vorgängers, sondern zu einem eigenen Film. Die Erzählung ist stringenter und schneller, dafür weniger episodenhaft, weniger verschachtelt – und weniger genial. Das ist logischerweise auch dem Fehlen des Überraschungseffekts geschuldet, denn der erste Teil war bahnbrechend. Dennoch kommt das neue Werk stark daher, es ist kein billiger Abklatsch und auch kein Schund wie Frank Millers völlig verunglückter «The Spirit» (2008). Das Konzept des Film Noir mit dem Erzähler im Off wird durchgezogen, und die 3D-Technik poliert die ohnehin schon geniale Optik weiter auf. Die Figuren werden von der Kulisse abgehoben, wodurch der Graphic-Novel-Effekt noch verstärkt wirkt. Man fühlt sich wie ein Teil von Sin City, das übrigens weder Los Angeles noch Chicago ist, sondern ganz unspektakulär Austin, Texas.

Starke «Debütanten: Eva Green und Josh Brolin...

Starke «Debütanten»: Eva Green, Josh Brolin…

... und Joseph Gordon-Levitt als Draufgänger.

… und Joseph Gordon-Levitt als Draufgänger.

Muss man über die Besetzung noch Worte verlieren? Eigentlich reicht es, sich einfach die Namen auf der Zunge zergehen zu lassen? Jessica Alba, Mickey Rourke, Rosario Dawson und Bruce Willis, die ihre altbekannten Rollen einnehmen, werden ergänzt durch Josh Brolin, Eva Green, Joseph Gordon-Levitt, Ray Liotta und Christopher Lloyd. Da lacht das Herz. Die Highlights der Neuen sind sicher Brolin und die betörende Eva Green, die öfters nackt als angezogen auftritt und eigentlich dieselbe Rolle spielt wie als böse Heerführerin in «300 – Rise of an Empire». Die Britin ist geboren für die abgründige Femme Fatale. Die Stars scheinen Schlange zu stehen, um als Schwarz-Weiss-Comicfigur auf die Leinwand gebannt zu werden. Aber Achtung: Leichen pflastern die düsteren Gassen von Sin City. Diese verdorbene Stadt beschmutzt alle und verschont auch Hollywood-Grössen nicht.

«Sin City – A Dame to Kill For» läuft ab 18. September 2014 in den Basler Kinos Pathé Küchlin und Rex.

Für Nostalgiker oder zum Auffrischen: Das war Sin City (2005)

Weitere Filmstarts in Basel am 18. September: Der Kreis, If I Stay, My Name Is Salt, Schossgebete, Gemma Bovary, 20 Regeln für Sylvie.

Don Juan auf Porno

Fabian Kern am Mittwoch den 6. November 2013

«Don Jon» läuft ab 7.11. im Küchlin.

«Don Jon» läuft ab 7.11. im Kino Pathé Küchlin.

Joseph Gordon-Levitt in einem Liebesfilm? Warum nicht, kann man sich vorstellen. Durch «Inception», «Looper» und «The Dark Knight Rises» ist das frühere Babyface in der Liga der Grossen angekommen. Aber Gordon-Levitt als pornosüchtiger Vorstadt-Macho in einem Liebesfilm, bei dem er auch gleich als Autor und Regisseur geamtet hat? Das klingt schon etwas überambitioniert für den 32-Jährigen Kalifornier, der sich für die Titelrolle 12 Kilo Muskeln antrainierte. Zumal es sich bei «Don Jon» um einen Liebesfilm der anderen Art handelt: aus ganz und gar männlicher Perspektive, komödiantisch bis zur Parodie, gleichzeitig aber mit Tiefgang und Sozialkritik. Doch das gewagte Experiment gelingt.

Macho, Macho: Don Jon in seinem Jagdrevier.

Macho, Macho: Don Jon in seinem Jagdrevier.

Jon Martello (Gordon-Levitt) wird von seinen Kumpels nur Don Jon genannt. Denn der mit guten Genen gesegnete Macho hat seinen Körper zur Verführungsmaschine von New Jersey getrimmt und bekommt im Ausgang jeweils die besten Frauen ab. Jons Werte sind überschaubar: Sein Körper, seine Wohnung, sein Auto, seine Familie, seine Kirche, seine Kumpels, seine Frauen – und sein Porno. Ende der Woche werden die Sünden des Alltags im Beichtstuhl flugs in überschaubare 10 Ave-Maria und 10 Vaterunser umgewandelt, die während des nächsten Workouts bereits wieder abgeleistet werden. Und weiter geht die Reise durch das einfache Leben des wenig ambitionierten Barkeepers.

Eine glatte Zehn auf Jons Skala: Barbara.

Eine glatte Zehn auf Jons Skala: Barbara.

Keine Zehn, aber dafür erfrischend anders: Esther.

Keine Zehn, dafür erfrischend anders: Esther.

Doch da tritt unverhofft Barbara (Scarlett Johansson) auf den Plan – eine glatte 10 auf Jons strenger Bewertungsskala. Um sie flach zu legen, lässt er sich sogar dazu überreden, in einem Abendkurs seinen Schulabschluss nachzuholen. Und dem Porno abzuschwören. Während ihm Ersteres ganz gut gelingt, scheitert er bei Zweiterem kläglich. Denn die Traumfrau schafft es genauso wenig wie ihre Dutzenden Vorgängerinnen, den Don Juan für Arme im Bett richtig zu befriedigen. Richtig gehen lassen kann er sich nach wie vor nur vor seinem Notebook, mit einem richtig guten Porno vor Augen. Denn Porno ist einfach das Grösste. Aber süchtig ist er nicht, nein. Er könnte natürlich jederzeit aufhören, redet er sich auch noch ein, als ihm Barbara längst den Laufpass gegeben hat. Erst die etwas reifere Esther (Julianne Moore), die er im Abendstudium kennenlernt, kennt die Antworten zu jenen  Lebensfragen, die Jon mehr beschäftigen, als er sich selbst eingestehen will.

Eine schrecklich klischierte Familie: die Martellos.

Eine schrecklich klischierte Familie: die Martellos.

Gordon-Levitts Erstling ist ein faszinierendes Werk. Einerseits lebt es von der Redundanz, aber just dann, wenn die ständige Wiederholung in Langeweile überzuschlagen droht, erfolgt eine Wendung. Den besten Part des handgewählten Casts hat der Jung-Regisseur für sich selbst reserviert. Dem chauvinistischen Don Jon in der ersten Hälfte verpasst er eine derart übertriebene Mimik, dass man ihn schon gar nicht mehr so unsympathisch findet. Zu sehen, wie er die Fassade mit der Entwicklung der Figur langsam bröckeln lässt, ist ein Vergnügen. Ebenso doppelbödig ist die Thematik: Mit der Parodie nicht nur von Jon, sondern auch dessen klischeehafter Vorstadtfamilie – mit einem herrlichen Comeback von «Wer ist hier der Boss?»-Star Tony Danza – übt er gleichermassen Kritik an der Oberflächlichkeit und der Scheinheiligkeit der amerikanischen Arbeiterschicht. Eine Independent-Perle, die den Start einer grossen Regie-Karriere verspricht.

«Don Jon» läuft ab 7. November 2013 im Kino Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 7. November: Fack Ju Göhte, Exit Marrakech, Der Teufelsgeiger, Mary Queen of Scots.