Beiträge mit dem Schlagwort ‘Jonah Hill’

Johnny Depps dämliche Erben

Fabian Kern am Mittwoch den 30. Juli 2014

«22 Jump Street» läuft ab 31.7. im Capitol und im Küchlin.

«22 Jump Street» läuft ab 31.7. im Capitol und im Küchlin.

Zugegeben, mit der gleichnamigen Kultserie um Johnny Depp aus den Achtziger Jahren hatte bereits «21 Jump Street», der vor zwei Jahren durch die Kinosäle flimmerte, schon nicht viel zu tun. Nur die Grundidee war übernommen worden, um mit Channing Tatum und Jonah Hill eine Actionkomödie der dämlicheren Sorte zu drehen. Der Erfolg an den Kassen beschert uns nun die unvermeidliche Fortsetzung, die endgültig eigenständig ist. Nun sollen der komplexbehaftete Schultz (Hill) und der mit überschaubarer Intelligenz ausgestattete Jenko (Tatum) einen Drogenring am College auffliegen lassen. Und auch das Dezernat ist eine Hausnummer grösser: aus 21 wird dank grösserem Budget, das Captain Dickson (Ice Cube) umgehend für eine völlig übertrieben High-Tech-Ausstattung auf den Kopf gehauen hat.

Ab ins College: Schmidt und Jenko (Bilder Disney)

Ins College: Schmidt und Jenko. (Bilder Disney)

Man kann nun diesen Film unter ernsthaften Gesichtspunkten betrachten und ihn in allen Punkten durchfallen lassen. Die Story ist dünn bis transparent, die Gags entspringen reihenweise der untersten Schublade, und die beiden Protagonisten sind dumm und dümmer. Als Actionkomödie hat sie aber durchaus ihre Berechtigung, denn was man dem Streifen von Phil Lord und Christopher Miller – den Machern von «Lego Movie» – nicht absprechen kann, sind zwei Attribute, welche die 112 Minuten im Kinosessel zu einem zwar sinnfreien, aber kurzweiligen Spass machen: Konsequenz und Selbstironie.

Dumm und dümmer: Zook und Jenko.

Dumm und dümmer: Zook und Jenko.

Schön und verliebt: Maya und Schmidt.

Schön und verliebt: Maya und Schmidt.

Das Konzept wird gnadenlos durchgezogen. Schultz und Jenko machen keine Wandlung zur Vernunft oder gar zum Erwachsenwerden hin durch – sie wäre auch unglaubwürdig. Viel lieber feiern sie sich durch jene College-Zeit, die ihnen aus Mangel an Disziplin (Schultz) oder Intelligenz (Jenko) verwehrt geblieben ist. Da tritt der Fall schon mal in den Hintergrund, vor allem weil Jenko im Football-Quarterback Zook (Wyatt Russell) seinen Seelenverwandten und Schultz in der schönen Maya (Amber Stevens) seine grosse Liebe findet. Und an diesem Punkt setzt der rote Faden ein: die Beziehungsgeschichte zwischen den beiden trotteligen Ermittlern. Sie müssen zeitweise eigene Wege gehen, zerstreiten sich und finden wieder zusammen. Alles wird mit übertriebenem Ernst wie eine Liebesbeziehung zelebriert und ist überraschend witzig.

Unter der Gürtellinie: Schmidt und Jenko.

Die seichte Story wird getragen von zwei Running Gags der seichten Story. Einerseits das offensichtlich fürs College hohe Alter der beiden: Immer wieder wird selbstironisch auf die Schippe genommen, dass den beiden eigentlich niemand als echte Studenten wahrnimmt. Mayas Zimmergenossin Mercedes (Jillian Bell) etwa hängt Schultz bei jeder Gelegenheit Senioren-Sprüche an. Andererseits macht sich «22 Jump Street» ständig über die Sinnlosigkeit von Sequels lustig. Das beginnt schon beim Auftrag selbst. «Ihr macht genau dasselbe wie beim letzten Mal», sagt Deputy Chief Hardy (Nick Offerman) augenrollend. Und auch der brüllend komische Abspann – unbedingt Sitzenbleiben! – ist Selbstironie pur. Das und die Aufritte von den Rappern Ice Cube und Queen Latifah als Paar lassen die teils schmerzhaft tief unter der Gürtellinie liegenden Witze ertragen

Johnny Depp war nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Stellvertretend geben aber Dustin Nguyens Minirolle als «Vietnamesischer Jesus» und Richard Griecos 2-Sekunden-Auftritt kurz vor Schluss dem Film den Segen der ursprünglichen Besetzung. Immerhin.

«22 Jump Street» läuft ab 31. Juli 2014 in den Basler Kinos Capitol und Pathé Küchlin.

Weitere Filmstarts in Basel am 31. Juli: Jersey Boys, The Purge: Anarchy, Tom à la ferme.

Zum Teufel mit der Moral!

Fabian Kern am Mittwoch den 15. Januar 2014

Filmplakat

«The Wolf of Wall Street» läuft ab 16. Januar im Capitol, Küchlin und Rex.

Geld, Sex und Drogen – mit drei Worten kann «The Wolf of Wall Street» zusammengefasst werden. Gerecht wird man Martin Scorseses dreistündigem Film über den Aufstieg und Fall eines Shootingstars der Wall Street damit aber nicht. Der Altmeister gibt alles, was er an eindrücklichen Bildern zur Dekadenz von Neureichen zu bieten hat. Kein Wunder, musste Scorsese auf eine unabhängige Finanzierung umsteigen. Keines der grossen Hollywood-Studios wollte sich an den ausgiebigen Sex- und Drogenszenen die Finger verbrennen. Weil inmitten der orgiastischen Szenen immer wieder das spitzbübische Grinsen von Leonardo DiCaprio hervor blitzt, darf man getrost festhalten: Das Filmjahr 2014 beginnt mit einem lauten, bunten, aber auch hochklassigen Knall.

Immer raus damit: Jordan Belfort wirft mit 100-Dollar-scheinen um sich.

Immer raus damit: Jordan Belfort wirft mit 100-Dollar-Scheinen um sich. (Bilder: Universal)

Von der Theoriestunde mit Mentor Mark Hanna... (Bilder: Universal)

Von der Theoriestunde mit Mentor Mark Hanna…

... zur Praxis als Kopf von Stratton Oakmont.

… zur Praxis als Kopf von Stratton Oakmont.

Jordan Belfort (DiCaprio) will nur eines, als er mit Anfang 20 an die Wall Street geht: reich werden. Ironischerweise wird er das genau mithilfe jener Leute, die das auch wollen. Nur, die werdens nicht. Dafür Belfort umso mehr. Aber auch das reicht ihm nicht. Einer der Eckpfeiler der Aktiengeschäfts ist die Tatsache, dass keiner den Hals voll kriegt. Würde jeder seine Schäfchen ins Trockene bringen, würde der Markt stagnieren. Das ist es, was der junge Belfort von seinem Mentor Mark Hanna (mit tuntiger Föhnfrisur: Matthew McConaughey) mitnimmt. Und verinnerlicht. Ebenso wie die Haltung, dass ein Broker ohne Drogen kein guter Broker ist. Da Belfort nicht nur gut ist, sondern sogar ein Genie, weiss er sogar nach dem Börsencrash von 1987 Millionen und Abermillionen zu scheffeln. Und sie fast ebenso rasend wieder auszugeben. Mit den «Gründungspartnern» seiner wie eine Rakete an der Wall Street aufsteigenden Firma Stratton Oakmont – im Grunde einer Ansammlung von Nerds, die es ohne einen charismatischen Anführer niemals zu etwas im Leben gebracht hätten – zerbricht er sich mit andauerndem Erfolg immer mehr darüber den Kopf, mit welchen Perversitäten und Kindereien sie die Spesenausgaben noch weiter in die Höhe treiben können. Eine Sexorgie mit exzessivem Kokainkonsum im Grossraumbüro, ein 2-Millionen-Dollar-Junggesellenabschied in Las Vegas, Zwergenwerfen zwischen den Schreibtischen – die Lausbuben in Massanzügen verlieren immer mehr den Bezug zur Realität und jeglichen Anstand, sofern sie diesen jemals besessen haben. «Das ist nicht verrückt, das ist obszön», bemerkt Belforts Vater Max (Rob Reiner). Treffend, aber fast noch untertrieben.

Reicher Nerd: Donnie Azoff.

Reicher Nerd: Donnie Azoff (Jonah Hill).

Dieser Film ist eine einzige Orgie. Das Krasseste daran: Er basiert auf der wahren Lebensgeschichte von Jordan Belfort. Der Vorwurf an Scorsese, er verherrliche den exzessiven Kapitalismus, greift aber viel zu kurz. Denn es braucht diese epische Länge und die expliziten Darstellungen von Belforts Ausschweifungen, um den Prozess zu begreifen, den Belfort und sein Wolfpack um Partner Donnie Azoff (Jonah Hill) durchmachen – nämlich gar keinen. Zum Zuschauen ist es faszinierend, wie man anfangs amüsiert ist ob des Blödsinns, den erwachsene Männer mit viel zu viel Geld ausbrüten und auch umsetzen können. Mit der Zeit wird das Ganze aber ermüdend und schliesslich nur noch abstossend. Den Protagonisten hingegen geht jegliche Selbstreflexion ab. Sie merken nicht, dass sie in ihrer unersättlichen Gier nach immer noch mehr Geld und Macht für ihr Umfeld unerträglich werden. Belfort mag ein Verkaufsgenie sein, doch was das Leben angeht, hat er überhaupt nichts begriffen. So verpasst er auch sämtliche Chancen, auszusteigen, als sowohl Börsenaufsicht als auch FBI seinen alles andere als legalen Methoden auf die Schliche kommen. Das Geld und die Drogen unterdrücken nicht nur jegliche Empathie, sondern auch die Vernunft. Der freie Fall der Rakete Stratton Oakmont und ihrer Spitze Jordan Belfort ist vorprogrammiert. Hochmut kommt vor dem Fall – willkommen an der Wall Street.

Blonde Schönheit: Naomi Lapaglia.

Schönheit: Naomi Lapaglia (Margot Robbie).

Altmeister in Hochform: Martin Scorsese.

Altmeister in Hochform: Martin Scorsese.

Der Bilderreigen, den uns ein Scorsese in Bestform vor die Augen setzt, uns beinahe um die Ohren haut, ist grossartig. Die fünfte Zusammenarbeit mit DiCaprio ist wohl die mutigste – und das Risiko hat sich gelohnt. Der Golden Globe als bester Hauptdarsteller für DiCaprio ist mehr als verdient, denn der lange auf seine Titanic-Rolle reduzierte 39-Jährige ist eine Wucht. Mit unglaublicher Präsenz besetzt er die Leinwand und verkörpert Belforts Arroganz und Dekadenz in Perfektion. Neben dem strahlenden Leitwolf ist aber auch Platz für andere bemerkenswerte Leistungen. Neben dem  verblüffenden Jonah Hill, der bisher nur in Blödelrollen auffiel, ist Margot Robbie die Entdeckung des Films. Die 23-jährige Australierin bringt mit  ihrem Sex-Appeal als blondes Gift nicht nur Belforts Blut in Wallung, sondern empfiehlt sich für eine steile Hollywood-Karriere. Doch trotz der beeindruckenden One-Man-Show DiCaprios, trotz des guten Skripts, starken Casts und bestechenden Regie – Hauptdarsteller in «The Wolf of Wall Street» ist das Geld, prominenteste Abwesende die Moral. Und in diesem Sinne kommt man nach drei sehr kurzweiligen Stunden zu einer alten Weisheit: Geld allein macht nicht glücklich – ausser den Zuschauer.

«The Wolf of Wall Street» läuft ab 16. Januar 2014 in den Basler Kinos Capitol, Pathé Küchlin und Rex.

Weitere Filmstarts in Basel am 16. Januar: Nebraska, Glückspilze, Fünf Freunde 3.