Beiträge mit dem Schlagwort ‘Johnny Depp’

Depp macht sich zum Deppen

Fabian Kern am Mittwoch den 28. Januar 2015

«Mortdecai» läuft ab 29.1. im Küchlin.

«Mortdecai» läuft ab 29.1. im Pathé Küchlin.

Oft ist der Trailer schuld. In diesem Fall trifft es der Ausdruck «Teaser» besser, denn die Leute sollen mittels Reizen des Films ins Kino gelockt werden. Im Genre der Komödie grassiert leider die Unart, in solchen Teasern unlautere Mittel einzusetzen: Man packt einfach alle lustigen Szenen hinein, schneidet sie rasant zusammen und gaukelt so potenziellen Publikum vor, das sei nur die Spitze des humoristischen Eisbergs – und dabei war es das schon. Doch bei einem gross aufgezogenen und aufwändig beworbenen Streifen mit Superstar Johnny Depp kann das ja nicht sein, denkt sich der erfahrene Kinogänger. Und tappt frohen Mutes in die tückische «Mortdecai»-Falle.

Geck mit Schnauz: Charlie Mortdecai.

Geck mit Schnauz: Charlie Mortdecai.

Was sich die Macher – unter den Produzenten figuriert auch Johnny Depp selbst – bei dem haarsträubenden Plot gedacht haben, das wird beim besten Willen nicht klar. Regisseur David Koepp («Premium Rush»), der in Hollywood als Drehbuchautor einen sehr guten Namen gemacht hat, hätte sich besser ins Skript eingemischt. So steht und fällt die konfuse Krimikomödie allein mit dem prominenten Hauptdarsteller. Vor allem fällt sie. Depp mimt den halbseidenen englischen Adligen und Kunstkenner Charlie Mortdecai, der nicht nur sein ansehnliches Vermögen durchgebracht, sondern auch noch einen ansehnlichen Schuldenberg angehäuft hat. Allein bei der Krone steht er mit 8 Millionen Pfund an ausstehenden Steuern in der Kreide. Da ist guter Rat teuer und die betrügerische Ader von Mortdecai gefragt. Er wittert seine Chance, als das Gerücht die Runde macht, ein sagenumwobenes Goya-Gemälde existiere nicht nur, sondern sei nun auch entwendet worden. Auf dem Rücken dieses Bildes soll sich die Nummer eines Schweizer Bankkontos befinden, auf dem Nazi-Millionen vor sich hin schlummern. Mortdecai macht sich mit seinem treuen Mann fürs Grobe, Jock (Paul Bettany) auf die turbulente Jagd rund um die Welt.

Jock trägt Mortdecai auf Händen.

Jock trägt Mortdecai auf Händen.

Verschenkt: Paltrow und McGregor.

Verschenkt: Paltrow und McGregor.

Klingt vielversprechend? Genau. Doch das Versprechen wird leider nicht eingelöst. Mortdecai trottelt sich im Kampf mit dem skrupellosen Kunstdieb Emil Strago (Jonny Pasvolsky) durch die Weltgeschichte und lässt dabei immer wieder MI6-Agent Alistair Mortland (Ewan McGregor) schlecht aussehen, der mehr Energie darauf verschwendet, Mortdecai die Frau Johanna (Gwyneth Paltrow) auszuspannen, als den Fall zu lösen. Die Story ist keinen Satz mehr wert. Wäre dieser Streifen mit Schauspielern der zweiten oder dritten Garde verfilmt worden, dann würde sich niemand darüber aufregen. So aber muss man dem hervorragenden Cast nachtrauern: Paltrow, McGregor, Bettany – alles Top-Leute, ebenso wie Jeff Goldblum, der in einer Nebenrolle auftaucht. Und Johnny Depp enttäuscht sogar. Der Spezialist für schräge Rollen kommt überhaupt nicht auf Touren. Oft wirkt es, als hätte er nur die wichtigsten Zeilen auswendig gelernt und den Grossteil seiner Sätze improvisiert. Das Resultat ist leider absolut unlustig, die Slapstick-Szenen lahm, die Gags platt. Und das ganze Getue um Mortdecais Schnauz, der sich als Running Gag durchzieht, nervt nur. Aber der Trailer, der ist wirklich lustig.

«Mortdecai» läuft ab 29. Januar 2015 im Kino Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 29. Januar: Birdman or The Unexpected Virtue of Ignorance, Foxcatcher, Broken Land, Thomas Hirschhoren, Fünf Freunde 4, Usfahrt Oerlike.

Johnny Depps dämliche Erben

Fabian Kern am Mittwoch den 30. Juli 2014

«22 Jump Street» läuft ab 31.7. im Capitol und im Küchlin.

«22 Jump Street» läuft ab 31.7. im Capitol und im Küchlin.

Zugegeben, mit der gleichnamigen Kultserie um Johnny Depp aus den Achtziger Jahren hatte bereits «21 Jump Street», der vor zwei Jahren durch die Kinosäle flimmerte, schon nicht viel zu tun. Nur die Grundidee war übernommen worden, um mit Channing Tatum und Jonah Hill eine Actionkomödie der dämlicheren Sorte zu drehen. Der Erfolg an den Kassen beschert uns nun die unvermeidliche Fortsetzung, die endgültig eigenständig ist. Nun sollen der komplexbehaftete Schultz (Hill) und der mit überschaubarer Intelligenz ausgestattete Jenko (Tatum) einen Drogenring am College auffliegen lassen. Und auch das Dezernat ist eine Hausnummer grösser: aus 21 wird dank grösserem Budget, das Captain Dickson (Ice Cube) umgehend für eine völlig übertrieben High-Tech-Ausstattung auf den Kopf gehauen hat.

Ab ins College: Schmidt und Jenko (Bilder Disney)

Ins College: Schmidt und Jenko. (Bilder Disney)

Man kann nun diesen Film unter ernsthaften Gesichtspunkten betrachten und ihn in allen Punkten durchfallen lassen. Die Story ist dünn bis transparent, die Gags entspringen reihenweise der untersten Schublade, und die beiden Protagonisten sind dumm und dümmer. Als Actionkomödie hat sie aber durchaus ihre Berechtigung, denn was man dem Streifen von Phil Lord und Christopher Miller – den Machern von «Lego Movie» – nicht absprechen kann, sind zwei Attribute, welche die 112 Minuten im Kinosessel zu einem zwar sinnfreien, aber kurzweiligen Spass machen: Konsequenz und Selbstironie.

Dumm und dümmer: Zook und Jenko.

Dumm und dümmer: Zook und Jenko.

Schön und verliebt: Maya und Schmidt.

Schön und verliebt: Maya und Schmidt.

Das Konzept wird gnadenlos durchgezogen. Schultz und Jenko machen keine Wandlung zur Vernunft oder gar zum Erwachsenwerden hin durch – sie wäre auch unglaubwürdig. Viel lieber feiern sie sich durch jene College-Zeit, die ihnen aus Mangel an Disziplin (Schultz) oder Intelligenz (Jenko) verwehrt geblieben ist. Da tritt der Fall schon mal in den Hintergrund, vor allem weil Jenko im Football-Quarterback Zook (Wyatt Russell) seinen Seelenverwandten und Schultz in der schönen Maya (Amber Stevens) seine grosse Liebe findet. Und an diesem Punkt setzt der rote Faden ein: die Beziehungsgeschichte zwischen den beiden trotteligen Ermittlern. Sie müssen zeitweise eigene Wege gehen, zerstreiten sich und finden wieder zusammen. Alles wird mit übertriebenem Ernst wie eine Liebesbeziehung zelebriert und ist überraschend witzig.

Unter der Gürtellinie: Schmidt und Jenko.

Die seichte Story wird getragen von zwei Running Gags der seichten Story. Einerseits das offensichtlich fürs College hohe Alter der beiden: Immer wieder wird selbstironisch auf die Schippe genommen, dass den beiden eigentlich niemand als echte Studenten wahrnimmt. Mayas Zimmergenossin Mercedes (Jillian Bell) etwa hängt Schultz bei jeder Gelegenheit Senioren-Sprüche an. Andererseits macht sich «22 Jump Street» ständig über die Sinnlosigkeit von Sequels lustig. Das beginnt schon beim Auftrag selbst. «Ihr macht genau dasselbe wie beim letzten Mal», sagt Deputy Chief Hardy (Nick Offerman) augenrollend. Und auch der brüllend komische Abspann – unbedingt Sitzenbleiben! – ist Selbstironie pur. Das und die Aufritte von den Rappern Ice Cube und Queen Latifah als Paar lassen die teils schmerzhaft tief unter der Gürtellinie liegenden Witze ertragen

Johnny Depp war nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Stellvertretend geben aber Dustin Nguyens Minirolle als «Vietnamesischer Jesus» und Richard Griecos 2-Sekunden-Auftritt kurz vor Schluss dem Film den Segen der ursprünglichen Besetzung. Immerhin.

«22 Jump Street» läuft ab 31. Juli 2014 in den Basler Kinos Capitol und Pathé Küchlin.

Weitere Filmstarts in Basel am 31. Juli: Jersey Boys, The Purge: Anarchy, Tom à la ferme.

Depp goes digital

Graziella Kuhn am Mittwoch den 23. April 2014

Was passiert wenn Mensch und Maschine sich vereinen? In «Transcendence» gelingt Johnny Depp dieses Experiment mit Hilfe seiner Frau. Durch den Zugang zum World Wide Web mutiert er zum Überwesen, das bald nicht mehr zwischen Helfen und Herrschen unterscheiden kann…

Filmplakat Transcendence

«Transcendence» ab 24. April im Pathé Küchlin.

Unbrauchbare Smartphones vermüllen die Strassen von Berkeley; Computertastaturen werden als Türstopper missbraucht und Ampellichter gehen sowieso nicht mehr: So sieht die Welt in einer nicht zu weit entfernter Zukunft in «Transcendence» aus. Der Erzähler (Paul Bettany) berichtet von einer «unaufhaltsamen Kollision zwischen Menschheit und Technologie», indem er fünf Jahre zurück in der Zeit springt, um uns sogleich mit auf seinen Leidensweg zu nehmen.

Dr. Will Caster (Johnny Depp) und seine Frau sowie Arbeitskollegin Evelyn (Rebecca Hall) forschen auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz. Dass sie noch nicht ganz der Technik verfallen sind, zeigt ihr kleiner Garten im Hinterhof, der eine Pergola aus Kupferdraht erhalten hat.

Auf Investoren Suche: Dr, Will Carter beim Symposium über die Zukunft der künstlichen Intelligenz und was damit alles möglich wäre.

Auf Investoren Suche: Dr. Will Carter beim Symposium über die Zukunft der künstlichen Intelligenz und was damit alles möglich wäre. (Bilder: Warner Bros.)

Im Labor allerdings arbeiten sie gewissenhaft an einem Computer namens «PINN» (Physically Independent Neural Network). Mit ihm wollen sie die nächste Stufe der Technologie erreichen: Ein Elektronengehirn, das über menschliche Emotionen verfügt und selbstständig reflektieren kann. Nicht allen ist diese Idee geheuer und so hat sich längst im Untergrund die Gruppe «RIFT» – ein Zusammenschluss von technikfeindlichen Extremisten – formiert. Im Verlauf eines Tages verüben sie dutzende Anschläge auf Labore und Technikinstitutionen, bei denen auch Dr. Caster verletzt wird. Durch eine Kugel, versetzt mit einem Plutonium Isotop, ist sein Leben drastisch verkürzt worden. Seine Forschungen will er aber noch nicht aufgeben und so kommen das Ehepaar Caster und ihr Freund Max Waters (Paul Bettany) auf die Idee, Wills Gehirn upzuloaden.

Der Versuch gelingt und Will erwacht zum «Leben»: Ist es Leben oder Erinnerung? Mensch oder Maschine? Wie viel davon ist Will selbst oder PINN – als Grundlage dienten ein paar Quantenprozessoren von ihm? Der neue Will ist aber mit einem massiven Server nicht zufrieden, er will immer mehr Bits und Bytes. Seine Frau, glaubend das er noch lebt, gewährt ihm diese Freiheit und schaltet ihn online. So transmutiert er zu einem hochintelligenten Wesen, dass sich bald seiner ungeheuren Macht bewusst wird…

Will als AI

Will als künstliche Intelligenz: Evelyn (Rebecca Hall) stellt ihrem Freund Joseph (Morgan Freeman) und FBI-Agent Anderson Buchanan (Cillian Murphy) ihre Forschung vor.

Seit «2001: Odyssee im Weltraum» oder «Terminator» bedient Hollywood immer mal wieder die «Computer übernehmen die Weltherrschaft»-Angstkeule. Nun nahm sich auch Christopher Nolan als Produzent diesem Thema an: Regisseur des Werkes ist Wally Pfister, ein erfahrener Kameramann, der sein Regiedebüt feiert. Dieses Team hat die Kinozuschauer schon mit Filmen wie «Batman Begins», «The Dark Knight», «Prestige – Die Meister der Magie» und «Inception» beglückt.
Doch interessanter sind die Fragen, die «Transcendence» aufwirft: Geht es hier wirklich nur um technologische Singularität oder befinden wir uns mitten in einer heftigen Diskussion um Transhumanimus oder dreht es sich hier gar um die Eschatologie? Die Philosophie des Filmes, die natürlich auch das alte Klischee «Der Mensch soll nicht Gott spielen» bedient, regt aber mal wieder zum Nachdenken an: Was passiert wohl in den Laboren dieser Welt, die Google und Co. gehören?

RIFT Werbung

Schon ein heutiges Problem: RIFT-Reklame, die für eine Gesellschaft ohne Internet und Technologie wirbt.

Wird sich der Mensch durch seine (zu) schnelle technische Entwicklung dereinst selber vernichten? Werden die Maschinen die Schnauze voll von dem herumwandernden Biomüll namens Mensch haben? Werden Roboter dereinst empindungsfähige Lebewesen? Ab wann sind ethische Grenzen überschritten? Dass diese Ideen im Film nicht bei den Haaren herbeigezogen sind, zeigen schon verschiedene Gruppieren: Wer genug Geld hat, kann sich auf 2045.com schonmal sein eigenen Avatar (menschliches Bewusstsein in digitalem Körper) bestellen. Sogar im Europäischen Parlament besteht das Human Brain Project, dessen Aufgabe es ist das menschliche Gehirn komplett zu entschlüsseln, natürlich alles zum Wohle der Erdbevölkerung. Diese Träume der Menschheit werden im Film szenisch mit sehr schönen Bildern produziert: Sie sprechen eine deutlichere Sprache als das Gesprochene an sich.

Die Geschichte verfällt leider immer wieder in alte Schwarz/Weiss-Muster, wie die zu harsche Trennung zwischen Gut (furchtlose Kämpfer «RIFT») und Böse (herzlose Technokraten). Die Hauptfiguren, vor allem Rebecca Hall als Casters Frau wirken etwas blass und unscheinbar. Dazu wandelt Morgan Freeman als Stimme der Vernunft hie und da durchs Bild und versucht die Welt zu retten. Wenn man aber davon absieht ist «Transcendence» eine sehr gelungene Mischung aus einer realitätsnahen Sci-Fi-Story, einer romantischen Liebesgeschichte und einem Thriller-Element durch «RIFT». Ob es ein Blockbuster wird, muss sich zeigen, aber es wird ein Film sein, über den man später bei einem Bier intensiv und hitzig diskutieren kann.

 «Transcendence» läuft ab 24. April im Kino Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 24. April: Irre sind männlich, Beltracchi – The Art of Forgery, Hunting Elephants.

Captain Jack Sparrow im Wilden Westen

Fabian Kern am Mittwoch den 7. August 2013

Filmplakat

«Lone Ranger» läuft ab 8. August im Capitol und im Pathé Küchlin.

Es gibt wenige Rollen, die das Image eines Schauspielers derart geprägt haben wie jene von Jack Sparrow. Johnny Depp hat den stets angetrunkenen, ungepflegten, egoistischen, aber dennoch charmanten Piratenkapitän nicht gespielt – er ist Jack Sparrow. Und auch wenn der fünfte Teil von Pirates of the Carribbean angekündigt ist, die Reihe hat sich langsam totgelaufen. Deshalb müssen neue Geschichten her und eine neue Rolle für Johnny Depp, denn der Mann ist ein Publikumsmagnet sondergleichen.

Nun ist Johnny Depp Tonto, der Indianer. Mit ihm ist die ganze «Pirates»-Produktionscrew um Jerry Bruckheimer von der Karibik in den Wilden Westen des Jahres 1869 umgesiedelt. Regisseur Gore Verbinski rührt wieder gross an, diesmal erzählt er die Legende des maskierten Helden «Lone Ranger». Dieses Abenteuer hat als Hörspiel das amerikanische Radiopublikum ab 1933 fast 20 Jahre lang in seinen Bann gezogen. Auch darin kam Tonto vor. Analog zur «Pirates»-Reihe spielt Depp auch hier nur den Sidekick des Helden, ohne den aber gar nichts laufen würde. Denn erst der schräge Indianer mit der toten Krähe auf dem Kopf hilft dem Lone Ranger erst auf die Sprünge.

Tonto und das Geisterpferd

Schau mir in die Augen, Kleines! Tonto und das Geisterpferd. (Bilder: Disney)

Tonto und John

Kannst du mich mal kratzen? Tonto und John.

Ohne Tonto hätte John Reid (Armie Hammer) in der texanischen Wüste als weibischer Staatsanwalt sein Ende gefunden. Weil er aber vom weissen «Geisterpferd» aus der niedergemetzelten Truppe von Aufrechten um seinen Bruder und Sheriff Dan (James Badge Dale) auserwählt und ins Leben zurückgeholt wird, hat Tonto keine andere Wahl, als aus dem weichen Juristen einen hartgesottenen Westernheld zu formen. John will Rache am ruchlosen Mörder Butch Cavendish (William Fichtner). Sein Plus ist, dass dieser ihn für tot hält, weshalb Tonto John mit einer schwarzen Maske ausstattet. Ganz nebenbei kommt das ungleiche Duo dem skrupellosen Eisenbahn-Unternehmer Latham Cole (Tom Wilkinson) auf die Schliche, der einen Krieg gegen die Indianer anzetteln möchte, um ein direktes Gleis nach San Francisco bauen zu können. Was Tonto seinem Partner aber vorenthält, ist, dass er noch ganz eigene Rachepläne verfolgt, die ihren Ursprung tief in seiner traurigen Vergangenheit haben und nicht ganz kompatibel sind mit den hehren Absichten des Lone Ranger.

John Reid

Mein Name ist Ranger, Lone Ranger.

Die epische Geschichte füllt die Kinoleinwand voll und ganz aus. Verbinski nutzt die ganze Bandbreite an Elementen, die ein Sommer-Blockbuster braucht. Action, schwarzer Humor, starke Figuren und ein Schuss Romantik machen «Lone Ranger» zu einem mitreissenden Abenteuer, bei dem aber im Gegensatz zu den «Pirates»-Filmen auch ernste Zwischentöne Platz finden. Wiederum drückt Depp mit seinem unvergleichlichen Spiel dem Film seinen Stempel auf. Er schafft die Verwandlung zum Indianer absolut mühelos. Zu beachten gilt es aber auch Armie Hammer, der dem breiten Publikum noch nicht bekannt sein dürfte. Der knapp 27-Jährige glänzte bisher erst als Nebendarsteller in «The Social Network» und an der Seite von Leonardo Di Caprio in Clint Eastwoods «J. Edgar». Nach seinem fulminanten Auftritt in «Lone Ranger» wird er wohl einige Angebote für weitere Hauptrollen bekommen.

Tonto

Hat jemand den Zugführer gesehen?

Bisher ist «Lone Ranger» aber erstaunlicherweise das Sorgenkind der Disney Studios. Ausgerechnet in den USA fiel der Streifen bisher komplett durch und spielte erst knappe 87 Millionen Dollar ein – bei Produktionskosten von 215 Millionen ein Disaster. Deshalb ruhen die Hoffnungen auf dem europäischen Publikum. Es wäre gelacht, wenn das rasante Abenteuer nicht noch in die schwarzen Zahlen käme, denn wer Johnny Depp mag und mit Western etwas anfangen kann, für den ist «Lone Ranger» Pflichtprogramm.

«Lone Ranger» läuft ab 8. August 2013 in den Basler Kinos Capiton und Pathé Küchlin.

Weitere Filmstarts in Basel am 8. August: Trance, Shadow Dancer, Cloclo.

Einer für alle, alle für Beethoven

Fabian Kern am Mittwoch den 27. März 2013

Filmplakat

«A Late Quartet» läuft ab 28.3. im kult.kino Atelier.

E-Musik ist – wie das «E» schon verrät – eine ernste Angelegenheit. Zu ernst, als dass ein Laie sich trauen würde, darüber zu schreiben. Deshalb soll an dieser Stelle nicht die Qualität im Fokus stehen, mit der in «A Late Quartet» die Saiten gestrichen und gestreichelt werden, sondern die Geschichte, die darum herum erzählt wird. Und diese ist nicht nur aus dem Leben gegriffen, nein, sie ist das ungeschminkte Leben. Liebe, Leidenschaft und Hingabe gehören ebenso dazu wie unterdrückte Gefühle, Eifersucht und Geltungsdrang. Der deuschte Meisterkomponist Ludwig van Beethoven hätte seine helle Freude daran gehabt, dass sein Opus 131 Auslöser solch heftiger Emotionen sein kann.

Daniel, Peter, Juliette und Robert

Erfolgsquartett auf dem Prüfstand: Daniel, Peter, Juliette und Robert. (Bilder Pathé)

Ausgangspunkt für die Turbulenzen im Leben einer Handvoll Menschen ist wie so oft eine Diagnose. Bei Peter Mitchell (Christopher Walken) wird Parkinson im Frühstadium entdeckt. Das allein wäre schon verheerend genug, weil Mitchell aber der Cellist eines weltberühmten New Yorker Streichquartetts ist, sind auch die anderen drei Mitglieder vom drohenden Karriereende Mitchells betroffen. Als er sich in der Gruppe outet, tritt er eine Lawine an Ereignissen los. Robert Gelbart (Philip Seymour Hoffman) wittert seine Chance, endlich aus dem Schatten von Daniel Lerner (Mark Ivanir) herauszutreten und die erste Geige zu spielen – wortwörtlich gemeint. Derweil akzentuieren sich seine Eheprobleme mit Juliette (Catherine Keener), der vierten im Quartett. Als schliesslich die gemeinsame Tochter Alex (Imogen Poots) auch noch ihrem Lehrmeister Daniel eindeutige Avancen macht, droht das Quartett auseinanderzubrechen und Mitchells Wunsch auf einen letzten gemeinsamen Auftritt zunichte zu machen.

Juliette und Robert

Eheprobleme: Juliette und Robert.

Alex

Verliebt in ihren Lehrer: Alex.

Yaron Zilberman ist ein Glückspilz. Welcher Regisseur kann bei einem Spielfilm-Debüt schon auf so einen vorzüglichen Cast zurückgreifen? Dennoch gilt es, neben dem gewohnt brillanten Seymour Hoffman speziell Christopher Walken herauszuheben. Der Mann ist ein Ereignis. Ob er James Bond im Silicon Valley den Garaus machen will, dem kleinen Bruce Willis mit feierlichem Ernst erzählt, er habe die Armbanduhr dessen Vaters zwei Jahre lang in seinem Arsch aufbewahrt, oder als kopfloser Reiter Johnny Depp zu Tode erschreckt – das unverwechselbare Gesicht des mittlerweile 70-jährigen New Yorkers zieht einen unweigerlich in seinen Bann. In «A Late Quartet» zeigt Walken die Schwierigkeiten eines erfolgsgewohnten Manns, mit einer Diagnose umzugehen, die ihm komplett den Boden unter den Füssen wegzieht, mit feinem Mienenspiel: Unspektakulär, aber präzis und absolut glaubwürdig.

Peter

Spektakulär unspektakulär: Christopher Walken als an Parkinson erkrankter Peter Mitchell.

«A Late Quartet» mag eine Hommage an van Beethovens Opus 131 sein und auch ein wenig an New York, aber in erster Linie ist es ein Film über sehr menschliche Menschen, die sich mit Leib und Seele ihrer Leidenschaft verschreiben. Man muss nichts von E-Musik verstehen, um diesen Film wirklich gut zu finden.

«A Late Quartet» läuft ab 28. März 2013 im kult.kino Atelier.

Weitere Filmstarts in Basel am 28. März: Identity Thief , G.I. Joe: Retaliation, Mutlu Aile Defteri, Sâdhu.

«Rumantik» in Puerto Rico

Fabian Kern am Mittwoch den 12. September 2012

Filmplakat

«The Rum Diary» läuft ab 13. September im Pathé Küchlin und im Rex.

Johnny Depp als Rum saufender Chaot in der Karibik – da war doch etwas? Diesmal segelt Hollywoods Superstar allerdings nicht unter der Piratenflagge, sondern recherchiert im Jahr 1960 als Paul Kemp in Diensten des «San Juan Star», einer heruntergekommenen amerikanischen Zeitung in Puerto Rico. Recherchieren ist allerdings schon fast etwas zuviel gesagt, denn sein Leistungsauftrag ist es, bloss keine negativen Geschichten auszugraben, sondern die Exil-Amerikaner in ihrem Gefühl zu bestärken, sie lebten im Paradies. Was auf die herrliche Natur bezogen zwar stimmt, nicht jedoch auf die sozialen Zustände. Die Amis trampeln rücksichtslos über die Insel und behandeln die stolzen Puertoricaner wie Leibeigene.

Kemp, Sanderson und Chenault

Sanderson (mitte) stellt Kemp seine verführerische Verlobte Chenault vor.

Der eigentlich aufstrebende Jungjournalist Kemp ersäuft seinen beruflichen Ehrgeiz zunächst im Rum, welcher literweise fliesst. «Wir sollten weniger trinken. Hoffentlich werde ich nie Alkoholiker», stellt er mit Depps unnachahmlichem Säufer-Ausdruck auf dem Gesicht fest. Er sinkt sogar so tief, dass er sich vom skrupellosen Geschäftsmann Sanderson (Aaron Eckhart) kaufen lässt, um dessen illegales Hotelprojekt zu bewerben. Allerdings ist der Hauptgrund für dieses Engagement weniger das schnell verdiente Geld, als vielmehr Sandersons sexy Verlobte Chenault (Amber Heard), die Kemp fast den Verstand raubt. Schliesslich aber erwacht doch noch sein vom Alkohol und anderen Rauschmitteln verschüttetes Ehrgefühl, und er sagt den rücksichtslosen Kapitalisten den Kampf an: «Es gibt keinen amerikanischen Traum.»

Paul Kemp

Paul Kemp orientiert sich nach einer durchzechten Nacht. (Bilder im Verleih von ASCOT ELITE)

Sala und Kemp

Sala und Kemp verstehen sich auf Anhieb.

Chenault und Kemp

Chenault und Paul kommen sich näher.

Hunter S. Thompsons Roman lag jahrzehntelang in seiner Schublade. Als Johnny Depp, seit der Verfilmung von Thompsons «Fear and Loathing in Las Vegas» mit ihm befreundet, davon erfuhr, brachte er das Filmprojekt ins Rollen. Leider bekam Thompson das Endprodukt nie zu sehen – der Erfinder des Gonzo-Journalismus starb 2005. «The Rum Diary» ist ein autobiografischer Roman, Paul Kemp niemand anderes als Thompson in jungen Jahren. Depp mimt einmal mehr den routinierten Alkoholiker, der zusammen mit dem desillusionierten Redaktionskollegen Sala (Michael Rispoli) und dem schmuddligen Moburg (herrlich: Giovanni Ribisi) ein umwerfendes Trio bildet. Die herrliche Natur Puerto Ricos bildet einen faszinierenden Kontrast zur ekelhaften Journalisten-WG und Salas Schrott-Fiat. Dass die Drogen-Exzesse nicht ganz so dominant sind wie noch in Terry Gilliams überdrehtem «Fear and Loathing in Las Vegas», tut Bruce Robinsons Film gut. Tolle Darsteller, schräge Figuren, etwas Spannung und Romantik in einer Story um Ethik, angerichtet mit einem guten Schuss Hochprozentigem vor einer exotische Kulisse – «The Rum Diary» ist ein süffiger Cocktail. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

«The Rum Diary» läuft ab 13. September in den Basler Kinos Pathé Küchlin und Rex.